12
Okt
2009

www.Falko-Hennig.de

14. Oktober, Dorotheenstaedtische Buchhandlung (Berlin, Turmstr. 5), 20 Uhr:
100% BERLIN
Sarah Schmidt, Helmut Hugler, Iris Niedermeyer, Uli Hannemann & Falko Hennig.

15., 16. und 17. Oktober, Zürich (Schweiz), Keller 62:
Radio Hochsee, am 17. Oktober. Johnny Cash mit Doc Wolf und Mario Weber.

20. Oktober, 20.30 Uhr, Kaffee Burger (Berlin):
Radio Hochsee Themenabend
Schwarzer Humor gegen schwarze Zeiten,
Randy Newman und die anderen.
Gast Experten: Manfred Maurenbrecher und Helmut Hugler.
5,- Euro.


Mittwoch, 7. X. 09, wechselnd:
Schreibtisch: Ziemlich verkatert nach Königs Wusterhausen, der Name stammt vom slawischen "wostrow" für Insel. Mit Schwester Claudia ins Schloss, schöne Führung durch Frau Polenz, das grausame Fuchsprellen, mit Netzen wurden die armen Tiere so oft nach oben geschleudert, bis sie sich genug Knochen gebrochen hatten, um zu sterben, ab und an konnte einer durch die Tücher entkommen, daher stammt die Redewendung "durch die Lappen gehen". Ähnliches gibts von der Hirschhetze, die Hunde bildeten Ballen oder auch Ball, um den Hirsch zu töten, musste man am Ball bleiben.
Aus einem Gefühl der Sinnlosigkeit heraus mache ich mich daran, wenigstens den Oktober für meinen Blog zu kastrieren.
Finde zufällig den Artikel aus dem Hamburger Abendblatt, von dem ich bisher nur gerüchteweise gehört hatte:
http://www.abendblatt.de/kultur-live/article1187543/Das-sind-nette-lockere-Jungs.html
Mit Bohnekaffee vor Simpsons "Am Anfang war die Schreiraupe" Halluzinationen: Teufel und Engel auf Homers Schultern, Teufel ersticht Engel.
Einkaufen, Kartoffelpuffer mit Quark einkaufen und braten, ein französischer Dokumentarfilm über Viktor Krawtschenko und die Affäre des moskauhörigen Paris (2009) und dann weiter ans Exzerpieren von Fischers "Die Charité", ein herrliches Buch. Rechner also aus.
Sofa: "Sadistico" ("Play Misty For Me", USA 1970) ein ganz schöner Film über eine Stalkerin, erste Regiearbeit von Clint Eastwood. Oh Gott, jetzt besticht die Stalkerin die Haushälterin, ziemlicher Horrorfilm.


Donnerstag, 8. X. 09, Regen:
Schreibtisch: An meine Massenmehl, nach 10, Telefonat mit David, der aus Kalifornien zurück ist.
Werde mich zum Arbeiten wieder ins Bett legen.
Beunruhigendes aus Kenia, es werden massenhaft Waffen gekauft, Wettrüsten zwischen den Volksgruppen, die Regierung ist untätig.
Mache mich heroisch an den Abwasch, Abkochen der Haarbürsten, Betten neu beziehen, Wäsche, eigentlich ist es schön. Wieso konnte ich das all die Jahre vorher nicht genießen?
Pult: Unglaublich, Herta Müller Nobelpreis, meine Jurorin von Schloss Solitude, jetzt kenne ich eine persönlich! Schreibe ihr eine Glückwunschkarte.
Beginn der Sortierung für Geburtstagsfeier, Wäsche, nachdem die Kinder die Bücherstapel aus ihrem Bett entfernt haben.
Bis halb 5 habe ich Fischers Buch endlich durch, die letzten Kapitel wirken sehr wie eine Selbstdarstellung, insofern sehr brauchbar für meine Zwecke. Loch im Bauch, ein Apfel kommt hinein.
Derzeit Armband der einen Uhr kaputt, bei der anderen Batterie leer.
Würde jetzt gern die Exzerpte ins Reine und ins Allgemeine Kapitel schreiben, aber habe nur 10 Minuten bis zu den Simpsons, und dabei will ich Kartoffeln schälen.
Sofa: Simpsons, Helloween-Folge, ich hol mal die Kartoffeln.
Sofa: Ab 9 wieder am Arbeiten, Allgemeines Kapitel. Was einem zusätzlich gegen jegliche Geschichtsschreibung misstraurisch machen muss, wie ich nach Monaten von Arbeit an der Charité-Chronik nun in der Endredaktion leicht und nur wegen der Lesbarkeit ganze Themenkomplexe um 50 Jahre verschiebe oder statt bei einem klaren Jahr zu bleiben, sie ins Ungefähre bringe. Aber Spaß machts doch.
(Pult, 9. X. 09:) Katja und Ahne sowie Heidi, später, als ich schon wieder nach oben gehe, Michael mit Freundin oder Frau.
Im Bett noch Horst Wessel bis gegen Mitternacht.


Freitag, 9. X. 09, sonnig:
Pult: Ab viertel nach 9 hat meine kleine Punkerin die Wohnung verlassen und ich kann mich der Pressearbeit für den Simpsons-Gesundheitswesen-Abend vorbereiten.
Brief an Lubosch Held mit Postern, Geburtstagseinladungen.
Sitze an Korrekturen und Ergänzungen der Charité-Chronik, allgemeiner Teil.
Obama Friedensnobelpreis, ob ihn das über die Niederlage Chicagos bei Olympia hinwegtröstet?
Sofa: Allgemein ist man im Netz der Meinung, wenn dieser Preis als Ansporn verliehen wird, hätte man ihn besser Ahmadinedeschad verliehen. Was nun passieren könnte, dass wir den ersten Friedensnobelpreisträger erleben, der einen Krieg beginnt. Aber ich klopf dreimal auf Holz.
Schreibtisch: Mit Tochter essen, neue Uhrenbatterie einsetzen lassen, Flugzettel und Geburtstagseinladungen kopieren gehen.
Halumi will sie im Adonis, beim Uhrmacher lobt er die a.b.art, die will er auch ins Programm nehmen, die werde er hier gut verkaufen, wieviel die denn gekostet habe? Und das DeDeRon-Armband sei zwar noch gut, aber ich sollte es mal waschen. Da hat er ekelerregend recht.
Schreibtisch: Postkarten-Einladungen an die ewiggestrigen ohne E-Post-Anschluss.
Allgemeins Gefühl beim Arbeiten: Die Ernte ist aufgegangen und zum Großteil eingebracht, eigentlich gehts schon ans Brötchenbacken.
Sofa: Simpsons-Time, schade, dass die Kinder nicht da sind, die kommen sonst zur Melodie immer zu mir vor die Röhre. "Klassenkampf", hypnagoge Halluzinationen bei Bart, unter anderem taucht Bender auf. Hinweis auf Lage von Springfield, der Bundesstaat gehört zu den früheren Nordstaaten, die Hauptstadt heißt Capital City.
"Marge - oben ohne", Rückerinnerung an Trumans Wahl im History Channel, Carter, Bush sr. und Clinton als die drei Stooges. Krusty hat den Clown bei Batman gespielt. Gesundheitswesen: rumänischer Schönheitschirurg verpasst Marge Riesenmöpse. Lächellösung, Marge: "Haben Sie mir Drogen gespritzt?" "Medizinisch gesehen ist es Gift."
Ein schöner Dokumentarfilm "Ghana - Heimat der Boxer" (GB 2007), dabei Spiegeleier auf Schafskäsebroten, traurig hier ohne die Kinder, kann ich schon mal auf die Zeit vorbereiten, wenn sie aus dem Haus sind. Wieder ein holdes Weib zu erringen wäre auch nicht so schlecht. Aber ein Mann, der immer nur tippend vorm Fernseher sitzt ist nun auch nicht das Gelbe vom Ei.
Eine gigantische Kanne von Rotbusch-Lemongrass-Pfefferminztee soll mich durch den dritten alkoholfreien Abend in die Nacht tragen.
Weiter am Allgemeinen Teil, der Fernseher, mein Freund, ist ja bei mir. Die E-Post habe ich schon abgedreht, FaceBook auch, nur Twitter lass ich noch als Pausenclown zu.
Die Nasa bombardiert den Mond und der US-Präsident kriegt den Friedensnobelpreis am selben Tag.
"Coyote Ugly" (USA 2000) so schlecht, dass man nicht einmal dabei arbeiten kann, also zu "Industrie-Dynastien in NRW, Deichmann", da wird man wenigstens nicht noch beim Wegkucken dümmer. Und kucke doch aus einem inneren Drang wieder ins ewig leer bleibende E-Postfach.
Aber jetzt "Klassenmord" (GB 2005) auf Arte ist ganz annehmbar. Scheint so ein Mystery-Thriller zu sein mit mordenden Kindern, die auf Fotos nur verschwommen zu sehen sind und nicht altern.
Der Twitter-Wal, der von den Vögelchen aus dem Meer gehievt wird, leuchtet mir nicht ganz ein, was haben die gegen Wale?
Arbeite an Virchow und der Tuberkulose.


Samstag, 10. X. 09, bedeckt:
Schreibtisch: Bis gegen 11 schlafe ich, nach drei Clausthalern 9 Stunden Schlaf, herrlich.
Prokrastiniere mit weiteren Geburtstagseinladungen vor mich hin. Erst gegen 1 weiter an den allgemeinen Teil, mein Leben im Gegenglück des Geistes und des Körpers. Und selbst bei der widerlichen Radfahrt durch den inzwischen strömenden Regen überwiegt das Glück: Endlich wieder wasserdichte Schuhe.
Ansonsten gibt es inzwischen eine erfreuliche Menge an Zusagen für meinen Geburtstag.
(Keller No. 10, 11. X. 09:) Recht angenehme Lesung im Mastul, von dem Döner muss ich die ganze Zeit Schwaden von Knoblauch getränktem (A?) Fleischgeruch rülpsen.
Danach schön kiffen, wodurch ich etwas verstrahlt durch die Gegend tapere. Café Cralle zu Hinarks Geburtstag, noch ein Bier, schon etwas Besorgnis erregend, dass ich mich gleich am ersten Tag (Schreibtisch, 11. X. 09:) nach meiner 3tägigen Abstinenz so besaufe.
Heimfahrt durch Sprühregen.


Sonntag, 11. X. 09, bedeckt:
Schreibtisch: Verpasse einigermaßen absichtlich das Sonntagsrätsel, bin auch so, als ich gegen 11 aufstehe, noch verkatert genug.
Suche nach dem Dokument der Straße, das ich seinerzeit in der Straßburger Straße gefunden habe. In welchem Jahr war das nur?
Keller No. 10: Finde das Dokument der Straße, wohl vom Februar 2001, und sitze dann bei Roberts Radio Voodoo im Keller, während Ahne seine Nachrichten vorliest.
Meine Stimme ist schwach und stottere auch einigermaßen beim Vorlesen des Kuhbier-Tagebuches herum.
http://robertweber.wordpress.com/2009/10/11/dokumente-der-strase/
Danach oben weiter am allgemeinen Teil, immerhin bin ich schon beim Ende der 1920er Jahre.
Blocke das erste Mal eine Institution auf Twitter, KerzenShop, komme ich dafür in die Hölle?
Nach 4 ans Überspielen der letzten Aufnahmen meines H2, dann ans Kopieren der Fotos.
Sofa: Simpsons "Lehrerin des Jahres", Black-Hawk-Hubschrauber-Trip von Bart, burlesker 1. Weltkrieg. Bildliche Vorstellung von Bart zu möglichen Liebhabern von Mrs. Krabappel.
Schreibtisch: Leider sind die Kartoffeln für den Kartoffelbrei nicht richtig durch, esse trotzdem alles auf.


Montag, 12. X. 09, bedeckt:
Schreibtisch: Um 9 auf, zwei Stullen zum Frühstück, Lustlosigkeit, müsste mich dringend um Korrektur der Auftrittsankündigung und ans Anschreiben aller Schweizer Bekannten machen. Wobei die Ankündigung beim Nachlesen allgemein genug ist, so dass sie so bleiben kann.
Frisiere eine Chronik, damit ich meine Rundmail samt Hinweis darauf verschicken kann, warum das alles? Nobody knows but me.

7
Okt
2009

www.Falko-Hennig.de

10. Oktober, Berlin (Wedding, Liebenwalder Str. 33) 21 Uhr:
Lesershow.

11. Oktober, Herbstradio (99,1 MHz), 12-14 Uhr:
Radio Voodoo: Dokumente der Strasse.

14. Oktober, Dorotheenstaedtische Buchhandlung (Berlin, Turmstr. 5), 20 Uhr:
100% BERLIN
Sarah Schmidt, Helmut Hugler, Iris Niedermeyer, Uli Hannemann & Falko Hennig.



Donnerstag, 1. X. 09, wechselnd:
Schreibtisch: In aller Herrgottsfrühe zum Geburtstagsfrühstück, ein Skateboard, ein Donald-Duck-Taschenbuch, einen Flummy mit Leuchtdioden, ein paar Chuks, das sind diese amerikanischen Basketball-Stoffschuhe bekommt sie. Und dass sie sich über "Monster Allergy" No. 8 freut und es am liebsten sofort lesen will, erwärmt mein Herz.
Arbeite Psychiatrie/Neurologie und Augenheilkunde durch, das Gesamtmanuskript hat inzwischen 270.000 Zeichen. Hole etwas Schlaf nach, wobei ich träume, dass ich auf der behaarten Kopfhaut seitliche Ornamente, so genannte Tribals tätowiert habe und vorn über der Stirn einen Totenkopf. Obwohl mir völlig klar ist, dass ich mir so etwas niemals machen lassen würde und es sich nur um einen Traum handeln kann, fühlt es sich sehr real an. So etwas nimmt man mit in den Tag.
Ella isst von den neu gekauften Schokoflocken, ich den Salat und Garnisonsmarsch von gestern, dazu einen Kaffee und damit weiter im Stoff, nun die Anatomie. Schon in Greifswald hatte Rudolphi (1771-1832) die wichtigen, seinen Ruf begründenden Arbeiten über Eingeweidewürmer geliefert.
Gegen 2 verspüre ich leichte Ermüdungserscheinungen und auch nicht übel Lust, eine Tabakszigarette zu rauchen. Ein Spaziergang um den Block wird mir gut tun.
Gespräch mit Andrea im und vor dem Kaiser's über Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Zu Hause weiter an der Pharmakologie.
Sofa: Zu einigermaßen später Stunde weiter an der Pharmakologie, noch in Jahrhunderten wird alle mit Bewunderung erfüllen, was ich in diesen Monaten geleistet habe.
Schade, dass ich Loriots Steinlaus aus der Frauenheilkunde herauskürzen muss, aber Pschyrembel hatte mit der Charité-Frauenklinik wenig zu tun.
Bin ich eigentlich krank, dass mir die Arbeit vor dem Fernseher so viel Befriedigung verschafft? Nun ist aber Schluss, die DDR-Porno-Doku auf arte kucke ich mir offline an.


Freitag, 2. X. 09, grau:
Schreibtisch: Wenn ich gestern glaubte, müde zu sein, hatte ich keine Ahnung, wie müde man wirklich sein kann. Aber das ist mein fantastisches Privileg: Ich kann jetzt wieder schlafen gehen.
Statt Schlaf: Zur Therapie der Coli-Dyspepsie führte Bessau Trockenreisschleim ein, der die Vermehrung von Coli-Bakterien reduziert. Komme durch die fantastische von Michael Kröchert vorbereitete Kinderheilkunde durch und bin also schon Viertel nach 9 fertig, google Docs gibt wegen der Größe des Gesamtmanuskripts auf, word zerschrotet die Umlaute, hoffentlich hält TextEdit durch. Falls es irgendjemand noch nicht weiß: OpenOffice ist auch Scheiße.
Nun Schlafenspause, nachher vielleicht mit der Pharmakologie weiter, ach nee, die habe ich schon, bloß noch nicht in der Gliederung vermerkt. Was für erfreulich strukturiertes Arbeiten Dank Michael Brake, auch wenn es etwas enttäuschend ist, dass google docs schon bei circa 300.000 Zeichen die Waffen streckt.
Dreiviertel 10 dann aber doch in Morpheus Arme bis gegen 1.
T: An einem Flüsschen einen schmalen Weg in einem antiken, aber lautlos fahrenden Auto zusammen mit Marge und Homer. Irgendwann wollen wir wenden, aber der Weg ist zu schmal, fahren weiter, bis er endet. Dort betreten wir ein Zimmer, Musikinstrumente darin, jemand muss sich übergeben, die Kotze liegt nun im Raum. Bin im Nebenzimmer, Marge zieht an dem Türknauf bis er sich löst und sie mit dem Rücken auf den klatschnassen Boden fällt. Das sei doch sehr lustig, versuche ich sie aufzumuntern. Eine Gerichtsverhandlung, sieben verschiedenen Planeten wie Mars usw. sitzen als Juristen dabei. Unser Anwalt ist raffiniert, er weiß von der Arbeit des einen (Mars?) über Piraten und erwähnt sie immer wieder, bis der ausflippen und wie gewünscht reagieren wird.

Ein schöner, sehr rätselhafter Traum. Mars=Krieg? Piraten=Politik? Aber muss jetzt auch mit der Augenheilkunde weitermachen.
Tatsächlich prokrastiniere ich doch gehörige Zeit vor mich hin, mit Ella Pizza essen, das Autonama-Forum durchlesen und erst gegen 4 weiter an die Augenheilkunde.
Sofa: Vor der Glotze mit den Kindern Star Wars, das hätte ich in dem Alter auch gern gesehen, aber es galt damals als Reklame für Ronald Reagan.
Weiter am allgemeinen Teil der Charité.
Schreibtisch: Bis gegen Mitternacht, dann noch ins Freudenhaus, lange werde ich nicht bleiben.


Samstag, 3. IX. 09, wechselnd:
Schreibtisch: Today there walked 2 french giants threw the streets and one pissed on Pariser Platz near Brandenburg Gate, they come from France and the people of Berlin love it. Its national day. I'll publish some photographs soon.


Sonntag, 4. IX. 09, wechselnd:
Schreibtisch: T: Arbeite die von Karsten Krampitz für mich geschriebenen Texte über Biochemie und andere Themen durch, scheint alles recht brauchbar zu sein. Karikatur eines Kinderschänders, der operiert werden soll, die Ärzte scherzen: "Den kleinen Zipfel schneiden wir mit ab." Er wird künstlich beatmet, der Arzt kann in seinem geöffneten Brustkorb nichts finden, nur die Augen sind etwas trüb. Als er aufwacht und klagt, ruft ein Kollege aus dem Fahrstuhl, welche Medikamente er bekommen soll und noch leise hinterher: "Einige große Placebo-Kapseln", weil der ja sowieso ziemlich viele Schrauben locker habe.

Prokrastiniere, indem ich Foto-Vergrößerungen von gestern anfertige. Nach 10 ans Übertragen der Exzerpte aus Ernst Peter Fischers "Die Charité".
Und die Zeit verrinnt, habe keine Chance, es in dem Sinne zu schaffen. Aber spüre keine Verzweiflung. Gegen 3 Essen.
Nola's: Mit Ella ein kleiner Spaziergang zum Weinbergspark durch den Herbststurm, dann Weiterarbeiten. Gegen 5 an mein Gesamtmanuskript und entsprechendes Layout. 511.000 Zeichen! Aber Augenheilkunde doppelt, insofern doch etwas weniger.


Montag, 5. X. 09, sonnig:
Schreibtisch: Kopiere ein zweites Riesenmanuskript Unfertiges zusammen: Orthopädie, Zahnheilkunde, Physiologie, Chirurgie, Innere Medizin, HNO, auch noch mal über 500.000 Zeichen. Zwischendurch Papiernachschub holen, nach 11 zum Binden.
Jakob lädt mich zu Hirschgulasch ein.
"Wo arbeiten Sie?"
"Im Institut für Negerforschung."
"Und was machen Sie da?"
"Hauptsächlich stopfen wir aus. Und Präparate."
Fühle nach Manuskriptabgabe eine angenehme Leere in mir. Mittagsschlaf bis um 3.
Sofa: Zurück im Alltag: Flugzettel kopieren und an Manfred und Helmut schicken, 10.000 Euro von Gustav borgen, Brot und Milch kaufen, Simpsons kucken, "Forrest Plum und die Clip-Show". Häufung von Filmzitaten am Anfang, ansonsten ziemlich beliebiger Zusammenschnitt alter Ausschnitte. Für Verkehrswesen: Zusammenschnitt vieler Auto-Ausschnitte.
Schreibtisch: Endlich mal wieder meine Signatur für die E-Mailerei anhängen, netten Telefonat mit Boris, Aufbruch zum Fußball.


Dienstag, 6. X. 09, bedeckt:
Schreibtisch: T: In einem ABM-Museum in der obersten Etage eines Hauses am Rosenthaler Platz, eine Frau, die mich schätzt, macht mit. Als ich abends die Räume betrete, sind sie sogar einigermaßen besucht.

Schwager Peter ruft an, Filmrechte, Drehorte in Rangsdorf, das könne man doch in Christas Garten drehen? Wenn sie einverstanden ist, warum nicht. Telefonat mit Thomas Hölzl, okay, ans Exposé
Die Entvölkerungsanstalt
300 Jahre Pleiten, Pech und Pannen
Die andere Geschichte Charité
Lese heute Abend als Aushilfe bei LSD, Liebe Statt Drogen, 21.30 im Lokal am Rosenthaler Platz (Linien-/Ecke Rosenthaler Straße).
Eifrige Korrespondenz wegen Quartier in Zürich.
Weiter im Alltag: Briefe einstecken, bei dem an Anna vergesse ich zu frankieren, Kürbissuppe im Weinerei-Café, mit Volker, der sich gerade bei einem Fahrradunfall die Hand gebrochen hat, bis zur Ackerstraße, dann ins Hackbarths, FAZ-Lektüre, endlich mal wieder.


Mittwoch, 7. X. 09, wechselnd & warm:
Schreibtisch: Aus einem Gefühl der Sinnlosigkeit heraus mache ich mich daran, wenigstens den Oktober für meinen Blog zu kastrieren.

15
Jul
2009

www.Falko-Hennig.de

JEDEN SONNTAG, Kaffee Burger, Berlin, 20 Uhr: Reformbuehne Heim & Welt.

14. August, 20 Uhr, JVA Hakenfelde: Lesung

29. August, 20 Uhr, Alte Kantine (Kulturbrauerei, Berlin)
Kantinenlesen.


Dienstag, 7. VII. 09, sonnig:
Schreibtisch: Schmerz im Brustbein Sternum, immer wenn ich nicht an die Prellung denke und mich mit den Armen aufstütze. Am Unterkiefer schmerzt nicht nur die Kinnspitze, auf die ich gestern bekommen habe, sondern auch die Aufhängung links hinten. Schließlich komplettiert das linke aufgeschürfte Knie meine Invalidität.
Mache mich an den Text zu meinen etwas über 20 Bildern von Ella und Lisa auf dem Sofa, die ich herausgesucht habe.
01 Den Zeitaufwand, hier endlich mal einige Bilder meines Langzeitprojektes zu präsentieren, habe ich maßlos unterschätzt. Begonnen habe ich 1996, als Heidi mit Ella schwanger war, das Prinzip war einfach: Jeden Tag ein Foto aus möglichst gleicher Perspektive, um einmal einen Zeitrafferfilm daraus zu machen, wie die Kinder wachsen. Ich begann mit Normalfilm, leider fast alles unterbelichtet, dann viele Jahre Diafilm. Und dieses Bild hier vom Mai 2007 ist das erste aus der digitalen Ära. Einen Brief vom WDR erkenne ich, da war wohl ein Feature von mir drin. Auf dem Tisch liegt Poesiealbum No. 1, da haben unter anderem Walter Kempowski und Loriot reingeschrieben. Poesiealbum No. 2 ist bei Günter Wallraff in Köln, aber ich bin skeptisch, ob ich es von ihm jemals zurück bekomme.
02 Dieses Bild ist von Mitte Juni 2007, noch hatte ich meine blaue Kameratasche in Benutzung, in der bis vor kurzem mein Spiegelreflex- und Videoapparat waren. Ich hatte die Tasche eigentlich immer um, jetzt mit der Digitalkamera ist es eine viel kleinere, silberne, die mir vor dem Brustbein baumelt. Manche halten sie für einen Defibrillator, andere für eine Dialyse-Maschine.
02,1 Oktober 2007, sehr selten, dass ich mal mit meinen Töchtern gepuzzelt hätte.
03 Habe keine Ahnung, was das für ein blaues Buch war, das hier Ende Juni auf dem Sofa liegt. Man bekommt jedenfalls auch bei diesem kleinen Ausschnitt eine Ahnung davon, wie unordentlich es bei mir ist.
04 Kurz vor Weihnachten 2008, ein neuwertiger Videorekorder liegt auf dem Sofa, ich hatte ihn nie in Betrieb. Das Sofa habe ich übrigens von meinem Onkel bekommen, der hier um die Ecke in der Zionskirchstraße wohnt.
06 Wenige Tage später hat sich der bildungsbürgerliche Kanon um Loriots Gesammelte Werke auf LPs erweitert, je größer die Kinder werden, desto mehr kann man mit ihnen anfangen, zum Beispiel Loriot kucken und anhören.
07 Januar 2008, von ihrer Mama haben die Kinder diese flammend rot-orangenen Tücher geschenkt bekommen.
08 Februar 2008, die Kinder übernachten einzeln oft bei Freundinnen, dann habe ich nur eines zum Fotografieren, aber wir lassen es uns trotzdem gut gehen. Das Buch "Schule ist was für Versager", das ich aus dem Amerikanischen übersetzt habe, muss gerade herausgekommen sein.
09 März 2008, Wasser, Chips, Früchtetee und Nüsse auf dem Tisch, der Fernsehabend kann beginnen.
10 Anfang Juli 2008 liegt das Sofa aus irgend einem Grund voller Anziehsachen, es war wohl, weil wir die Matratze des Hochbettes austauschten. Auf dem Tisch die DVD "Menschen im Hotel" (USA 1932).
11 Hier sieht man, wie durchgesessen das Sofa tatsächlich ist, eine Aufarbeitung würde circa 1000 Euro kosten, aber wenn ich das Geld mal über habe, werde ich es wohl machen lassen, eine Investition in die Zukunft. Auf dem Tisch Kempowskis "Sirius" und Sjöbergs "Fliegenfalle". Die Bücher sind sich in ihrer Detailverliebtheit recht ähnlich.
12 Auf dem Tisch ein Buch aus Kenia, wo ich gerade einen Workshop gegeben hatte. Eigentlich sind solche Bilder für mein Filmprojekt nicht zu gebrauchen, sie sollen immer genau gleich sitzen und kucken, damit sie in dem Zeitrafferfilm auch zu erkennen sind. Aber für diese Internet-Geschichte ist es mal eine Abwechslung.
13 Das Buch von Laßwitz „Auf zwei Planeten“ (München 1998) und „Traumkristalle“ (Berlin 1982) sowie Fausers „ Schneemann“ (Reinbek 1987) hatte ich auf der Straße gefunden, die beiden letzteren sortierte ich wieder aus, da es Dublikate waren.
14 Lisa zeigt im Oktober 2008 einen gewissen Unwillen an meinem Langzeitprojekt. Die Frage wird irgendwann auch zu klären sein, wie viel die Kinder von meinen Tantiemen abbekommen müssen. Ob sie mich nicht verfluchen werden, weil ich sie für dieses Werk benutze?
15 Das Motiv für meine berühmte Neujahrskarte, oft von Empfängern fälschlich als Weihnachtskarte interpretiert, die Vorbereitungen dafür beginnen inzwischen schon im Oktober. Wir experimentierten erstmals mit Kerzen, die Zeitungen auf unseren Schößen sollten verhindern, dass das tropfende Wachs unsere Hosen ruiniert.
16 Auf der Armlehne Jochen Schmidts "Schmidt liest Proust" und Kathrin Passigs Buch über Prokrastination. Ihr Co-Autor Sascha Lobo, der mit dem Iro, wohnt hier um die Ecke in der Schönhauser Allee.
17 Im Januar 2009 ist der bedauernswerte Zustand des Sofas noch deutlicher zu erkennen. Ella liest wie rasend Harry Potter im englischen Original, habe ihr 10 davon zu Weihnachten geschenkt.
18 Urban Turban nach dem Haarewaschen.
19 Perfekt ausgeleuchtet ist es bei mir nie, aber ohne Blitz ist es noch schlimmer.
20 Ende Februar 2009, eines der am schnellsten zubereiteten warmen Gerichte sind mit Käse überbackene Stullen, die essen wir immer, während wir im Fernsehen Walt-Disney-Filme kucken.
21 Nun ist es also Ella, die woanders übernachtet, ich fotografiere trotzdem weiter.
22 Nähkasten und Schokolade sind im März 2009 auf dem Tisch, auf dem Sofa liegt Kermit.
23 Endlich werfe ich den Karton für meinen HDD-Rekorder weg, mit diesem Gerät hat zu Beginn des Jahres auch bei mir das 21. Jahrhundert begonnen. Inzwischen ist die Festplatte ungefähr zur Hälfte mit Simpsons voll.
24 Lisa ist geschminkt, mal sehen, wie es weiter geht.
Beim Versuch, das Ganze an Rutschky zu schicken, stürzt der Rechner ab. Aber ich bleibe dran.
Schließlich klappt es, geht schon auf 12, zum Arbeiten aufs Dach, der Rechner stürzt sowieso andauernd ab. Muss diese Datei deshalb wieder mal auf der externen Festplatte abspeichern.
(Sofa, 9. VII. 09:) ... Dort (im neuen Anatomie-Gebäude) erhielt auch das polizeiliche Leichenkommissariat Räume, so dass sie mit Morgue und Unterrichtsanstalt unter einem Dach vereint war. Allerdings genügten die schmutzigen und stinkenden Kellerräume immer noch nicht den Anforderungen. Immerhin sind Liman einige Verbesserungen zu verdanken, so wurden unter ihm die Leichen mit den nötigen Angaben auf einem "Begleitschein" eingeliefert (A?), der Direktor sofort informiert, die Studenten konnten gerichtlichen Obduktionen beiwohnen und außergerichtliche selbst durchführen. Liman gelang es aber nicht, der Anstalt eine einheitliche Leitung zu geben und der Unterricht blieb in seiner schwierigen dreifaltigen Abhängigkeit von der Polizei durch das Ministerium des Innern, vom Justizministerium und vom Kultusministerium. (A?) Im Unterricht durften Leichen ohne Verwandte obduziert werden, wenn die Staatsanwaltschaft kein Interesse hatte (A? ...und von denen keine Verwandten ermittelt werden konnten?). In der Praxis (Im Alltag?) kam es zwischen Polizeipräsidium und Liman zu großen Reibereien, so dass dem Direktor sogar der Zugang zur Leichenhalle verweigert werden sollte.
1869 "Zweifelhafte Geisteszustände vor Gericht"
(Schreibtisch, 9. VII. 09:) ... Sein bleibender Verdienst bis in die Gegenwart ist sein Plan für das neue Leichenschauhaus, der 1886 übergebene Neubau auf der "Communication am Neuen Thor 19", dem ehemaligen Friedhof der Charité war mit Wasserkraft-Fahrstuhl, Dampfheizung, Saug- und Druckbelüftung sowie einer Ammoniak-Eismaschine zur Kühlung ausgestattet und bot Platz für 39 Leichen. Unbekannte Tote wurden in einer gekühlten Zelle mit ihrer Kleidung bedeckt halb stehend drei Tage lang ausgestellt und viele konnte so identifiziert werden. Mit dem neuen Leichenschauhaus war Berlin um eine Attraktion reicher. Mitunter musste die Schauhalle mit Gewalt von den sensationslustigen Massen geräumt werden. Droschkenkutscher führten Vergnügungssüchtigen die Halle vor, Studenten und Prostituierte waren die eifrigsten Besucher.
(Sofa, 9. VII. 09:) Prof. Fritz Wolfgang Samuel Strassmann (1858 - 1940), der 1891 Limans Nachfolger wurde, stammte aus einer Arztfamilie und studierte selber in Heidelberg, Leipzig und Berlin, wo er 1879 "Ueber die präfebrile Harnstoffausscheidung" promovierte. Beim Militärdienst brachte er es bis zum Stabsarzt der Landwehr. Von 1883 wirkte er in Jena, dann im Leipziger Pathologischen Institut, um 1884 Assistent von Liman zu werden. Strassmann musste seine Untersuchungen im geschilderten Keller vornehmen und er schrieb Arbeiten zur somatischen Gerichtsmedizin "Bakterien bei der Leichenfäulnis", "Die Totenstarre am Herzen" und "Die tödlichen Nachtwirkungen des Chloroforms". 1889 habilitierte er mit der Vorlesung "Ueber Fettwachsbildung". Zudem war er 1890/91 Prosektor des Augusta-Krankenhauses, gerichtlicher Stadtphysikus und stellvertretender Direktor der Unterrichtsanstalt für Staatsarneikunde, die unter ihm zum Mittelpunkt der gerichtsmedizinischen Ausbildung von Studenten der Medizin und Rechtsmedizin, von Medizinalbeamten und Polizeischülern.
(Schreibtisch, 10. VII. 09:) Kaufe bei K&M am Alex für 50 Euro eine 2einhalb-Zoll-120-GB-Festplatte, IDE, der Einbau bei Fux-Data in der Kastanienallee wird noch mal 60 Euro kosten. Ohne Jeros Ratschläge hätte ich das nicht auf die Reihe bekommen.
Ins Moviemento, "9to5 - Days in Porn", danach ins Musashi an der Ankerklause, esse Aal-Sushi, ziemlich exzellent.
Weisheiten vom Verkäufer im Spätkauf Linienstraße auf die Vermutung eines älteren Kunde, dass die Weltwirtschaft schon 1989 zusammengebrochen wäre, wenn der Osten als neuer Absatzmarkt es nicht verzögert hätte: "Wie es wohl gekommen wäre und was noch kommen wird weiß niemand."
Allein mit zwei Bieren nach Hause. Wie komisch, dort anzukommen und keinen Computer zu haben, um die Route morgen nach Hildesheim auszudrucken. Wieso ich aber diesem Menschen, der im Rahmen seiner Möglichkeiten Rufmord an mir betreibt, als Hauptgefühl nur Mitleid entgegen bringen kann? Ich bin halt zu gut für diese Welt.
"Berlin Ecke Bundesplatz" über vier Generationen von alleinerziehenden Müttern.


Donnerstag, 9. VII. 09, wechselnd:
Schreibtisch: Halb 4 ist es, als ich endlich wieder an meinem iBook G4 sitze, nun mit 120-GB-Festplatte, und erstmal Fotos von meiner Digitalkamera aufs Lacie-Laufwerk schaufle, mal sehen, ob er immer noch so penetrant abstürzt.
Sofa: Kucke einen eher schwachen Dokumentarfilm über Freimaurer und einen ganz guten über "Doctor Prince und Mister Jackson" (F 2009) über die beiden Musiker. Jetzt wird mir langsam klar, warum mir Jackson mich nicht so vom Hocker gerissen hat, Prince hat mit "Purple Rain" doch mehr zu mir gesprochen, da hat er sogar mit der Gitarre masturbiert.
Tippe dabei erste Notizen von Dienstag über die Geschichte der Berliner Leichenschauhäuser ab, wie gehts mir gut!
(Schreibtisch, 10. VII. 09:) Der ominöse Geigenbogen, der vielleicht 20000 Euro wert ist.


Freitag, 10. VII. 09, sonnig:
Schreibtisch: Halb 8 übermüdet am Computer, sehe konkret noch keine Vorteile durch die Aufrüstung, immerhin ist er seit Einbau der 120-GB-Festplatte noch nicht wieder abgestürzt, das allein sollte reichen.
Ein lustiges Foto der Goethes von Mexiko-Stadt, das ich per Mail von Jennie Marlene erhalte, speichere ich mir ab, drei Personen darauf kann ich allerdings nicht eindeutig identifizieren.
Ziemlich müde, aber mache mich doch an die angelaufene E-Post. 20 vor 10 wieder ins Bett. Ab halb 11 fühle ich mich etwas besser.
Fahrrad bei Linke noch nicht fertig, bekomme die GraphicConverter-Handbücher und, Heureka! das Poesiealbum No. 2 mit dem Eintrag von Günter Wallraff.
Mit Claudia Spaziergang vom Alex zum Weinerei-Café, Suppe, Kaffee, Muckefuck für Ella und Schokolade bei mir, Sichtung der Ausführungen meines Vaters auf DVD über die Schlacht von Wittstock 1813, schließlich in Familie die erste Fütterung unserer fleischfressenden Pflanze, die Kinder geben ihr Lakritze, hoffentlich verträgt sie die. Lisa hat eine Motte gefangen, die von der Karnivore ebenfalls verspeist wird. So klein und doch beeindruckend.
Sehe halb 3 zum ersten mal Marina, die Nachfolgerin von Nina als Haushaltshilfe. Bis viertel nach 4 prokrastiniere ich vor mich hin, dann endlich weiter an die Charité-Pathologie. Bekomme bis 5 meine diesbezüglichen Notizen abgetippt, nun noch vor den Simpsons Fahrrad holen und einkaufen.
Sofa: Mit Ella Simpsons.
Alltag: Fahrrad & 2 Bücher abgeholt, mit Schwester & Töchtern gegessen, eingekauft, Salat gemacht, an Pathologie gearbeitet, nun fernsehen.
Dabei weiter Pathologie (S. 62 ff.): 1920 Umbenennung in "Gesellschaft für gerichtliche und soziale Medizin"
Pult: 1916 Röntgentechnik
Sofa: Nicht so doll, was ich da noch rausgeschrieben habe.
Die Hexe und der Zauberer (Originaltitel: The Sword in the Stone), in Deutschland ursprünglich unter dem Titel Merlin und Mim veröffentlicht, ist der 18. abendfüllende Zeichentrickfilm der Walt Disney Studios aus dem Jahr 1963. Der Film basiert auf dem Roman Der König auf Camelot (1958) von Terence Hanbury White. Der letzte Zeichentrick-Kinofilm, der noch zu Lebzeiten von Walt Disney veröffentlicht wurde. Die Premiere des Films fand am 25. Dezember 1963 in den USA statt. In Westdeutschland feierte er sein Debüt am 17. Dezember 1964 unter dem Titel Merlin und Mim. Die deutsche Synchronfassung (Buch, Liedertexte und Regie) stammt von Dr. Hermann Gressieker. 1972 und 1983 wurde der Film nochmals im Kino, ab 1986 auch als Videokassette, veröffentlicht. Die erste deutsche DVD-Ausgabe erschien im Jahr 2002.
Der Film spielte 22,2 Millionen US-Dollar innerhalb der USA ein und war somit deutlich erfolgloser als sein Vorgänger 101 Dalmatiner, der knapp 145 Millionen US-Dollar aus allen nordamerikanischen Kinos in die Studiokasse brachte.


Samstag, 11. VII. 09, bedeckt:
(Schreibtisch, 12. VII. 09:) T: Scheiße wohlig in mein Bett, danach leichtes schlechtes Gewissen.

Das zu analysieren hätte mir Spaß gemacht. Wunsch- oder Alptraum?
Pult: Die Brustbeinprellung ist deutlich zu spüren, aber viel stärker macht mich die meines linken Zehs beim Fußball zu schaffen. Müssen erst wegen einer Fehlplanung von Barb in der Bergstraße übern Zaun klettern, dann wieder auf dem Invalidenstraßenplatz bekomme ich zweimal den Ball volle Kanne auf den angeschlagenen Zeh und muss vor Schmerzen humpelnd ausscheiden. Außerdem reißt mir trotz Trainingshose der Schorf vom Knie.
Rahme und passpartouiere das Foto von Bert für seine heutige 40. Geburtstagsfeier.
Sofa: Das Schulfest von Ella reizt mich nicht übermäßig, ziehe mich vors Beakers zurück, den früheren Torpedokäfer, um zu arbeiten, habe leider meinen Klebestift vergessen, dafür für 3 Euro Oswald Kolle "Ich bin so frei, Mein Leben" (rowohlt Berlin, 2008), Adolf Endler "Zwei Versuche über Georgien zu erzählen" (Halle, 1976) und Christoph Hein "Schlötel oder Was solls" (Darmstadt & Neuwied, 1986).
An die Pathologie: Röntgenabteilung.
1921 ordentlicher Professor.
1922 Umbenennung in "Institut für gerichtliche Medizin bei der Universität Berlin.
Virchow hatte für sein 1875 verfasstes preußisches Obduktionsregulativ noch selber eine Revision gefordert. Doch erst nach seinem Tod kam es unter Strassmanns Mitwirkung zu der nötigen Überarbeitung, mit der es 1905 in Kraft trat. Nun mussten Organe gewogen, Wunden umschnitten, bei Strangulation die Halsmuskeln präpariert werden. Die Fotografie wurde empfohlen und für Schusswunden die Mikroskopie vorgeschrieben.
Auch an den neuen Vorschriften von 1922 war, neben Lubarsch, Strassmann beteiligt. Nun waren die wesentlichsten Neuerungen die Pneumothorax- und Luftembolieprobe am Herzen, das Asservieren von Haaren bei unbekannten Leichen und Röntgenaufnahmen bei Schussverletzungen.
Sein Interesse reichte über Medizin und Naturwissenschaften hinaus und erstreckte sich auf Geschichte, Literatur, Philosophie und Kunst. Zum Ende seiner Amtsperiode war sein Institut aber noch immer Untermieter des Leichenschauhauses der Polizei. Studenten durften immer noch nicht bei gerichtlichen Obduktionen anwesend sein, das toxikologische Material wurde außer Haus gegeben und Strassmann konnte sich kaum noch gegen die staatlichen Gerichtsärzte durchsetzen. 1926 wurde Strassmann vom Minister übermittelt: "Kraft Gesetzes bin ich verpflichtet, Ihnen mitzuteilen, daß Sie mit Ende September 1926 von dem amtlichen Verpflichtungen entbunden sind."
(Schreibtisch, 12. VII. 09:) Die Universitätsleitung versuchte vergeblich, Heinrich Zangger (1874 - 1957) aus Zürich als neuen Direktor zu gewinnen, der das Ministerium auf die von ihm in Berlin vorgefundenen Missstände hinwies: Die Polizei ließ niemanden vom Institut, nicht einmal Studierende, ins Leichenschauhaus hinein, gebrauchte alle Apparate, störte den Unterrichtsbetrieb, hielt systematisch alles Material von den Instituten fern und ließ sogar Laien aus den eigenen Reihen bei Sektionen zusehen. Der Institutsdirektor konnte dagegen wegen des Hausrechts der Polizei nicht einmal Einspruch einlegen und die Studierenden mussten nach (Schreibtisch, 13. VII. 09:) einem Jahr Studium ihre ersten Sektionen durchführen, ohne auch nur eine einzige gesehen zu haben.
Zangger erwirkte 1927 eine Sitzung mit den zuständigen Ministerien, dem Landeskriminalamt und der Universität, woraufhin er ein Konzept für die Neuorganisation ausarbeiten sollte. Er forderte ein Zentralinstitut unter dem Inhaber des Lehrstuhls für gerichtliche Medizin, eine Garantie der Polizei, dass ihre Organe ihnen Unterrichtsmaterial zuführen und einen ausreichenden Etat. Damit bereitete Zangger die Reorganisation der Gerichtsmedizin Anfang der 30er Jahre vor, die Victor Müller-Heß 1883 - 1960) verwirklichen konnte.
Bis 1930 war Fraenckel stellvertretender Direktor, einige Tage vor seinem Suizid 1941 schrieb er: "Das ertrage ich nicht - den gelben Davidsstern auf der Brust! Es ist der gefürchtete Keulenschlag, den ich doch immer noch nicht für möglich halten wollte, obwohl vieles darauf hinwies. Er zerstört die letzte Freiheit der Bewegung."
Das Berliner Institut für gerichtliche und soziale
Medizin hatte nunmehr weltweiten Ruf erlangt. Internationale Würdigungen des Wirkens
von Müller-Heß folgten. 1936 wurde er zum Ehrenmitglied der französischen Gesellschaft
für gerichtliche Medizin,114 1937 „zum korrespondierenden Mitglied“ der Portugiesischen
Akademie der Wissenschaft,115 1938 zum Ehrenmitglied der Gesellschaft für gerichtliche
Medizin und Toxikologie in Buenos Aires116 und schließlich 1939 zum Ehrenmitglied der
internationalen Akademie für gerichtliche und soziale Medizin ernannt.
das leistungsstärkste gerichtsärztliche
Institut Deutschlands mit großer internationaler Anerkennung.
Der größere Teil der von Müller-Heß gemeinsam mit seinen Mitarbeitern in Berlin in den
30er Jahren des 20. Jahrhunderts verfassten Arbeiten erschien wie zuvor in Königsberg
und Bonn in der Zeitschrift ‚Jahreskurse für ärztliche Fortbildung’. Müller-Heß betätigte
sich auch redaktionell für verschiedene Fachzeitschriften: Er trat am 1. Januar 1932 in „die
Redaktionsgemeinschaft der Aerztlichen Sachverständigenzeitung“ ein,157 und im Oktober
1932 wurde er Mitherausgeber der Zeitschrift ‚Kriminalistische Monatshefte’.158
Zumeist können die Veröffentlichungen des Gerichtsmediziners, ähnlich wie seine
Lehrtätigkeit, verschiedenen Schwerpunkten zugeordnet werden. Der größte Teil der Ar-
beiten entstand jeweils gemeinsam mit einem seiner Mitarbeiter. Neben den oben genann-
ten Publikationen gehörten dazu Arbeiten über Aspekte von Blutalkohol-, Blutgruppen-
und Vaterschaftsuntersuchungen
sexualpathologische und
forensisch-psychiatrische Themen.161
ab Anfang und S. 49 weiter durchgehen!
Nicht geeignet, aber interessant (Müller-Heß/Panning (1936):
Auf völlige Ablehnung der Autoren stieß die Möglichkeit, dass „der Untersucher selbst
über eine allenfalls statthafte Nachprüfung des Gliedes auf seinen Versteifungszustand hin-
aus aktiv eingreift, um diesen Zustand herbeizuführen“ oder „die Beischlafsfähigkeit eines
Mannes dadurch nachprüfen zu wollen, daß man ihm die Ausübung des Beischlafes in An-
wesenheit des Untersuchers zumutet.“ Müller-Heß konnte aus seinem reichen Erfahrungs-
schatz derartige unglaubliche Vorkommnisse bei anderen ärztlichen Kollegen „konstatie-
ren“.
Wir denken dabei an einen 35jährigen Mann, der eine reiche Erfahrung als Insasse von Ge-
schlechtskranken-Abteilungen Berlins gesammelt hatte. Er „entleerte“ hier im Institut bereitwil-
lig eine Samenprobe, bei deren Untersuchung sich ausschließlich unbewegliche Samenzellen vor-
fanden. Bei der aus unten im Zusammenhang mit der Nekrospermie zu besprechenden Gründen
gegebenen Unwahrscheinlichkeit dieses Verhaltens der Samenzellen entschloß sich der eine von
uns (Pg.), bei einer zweiten Untersuchung die Samenentleerung des Untersuchten zwar nicht un-
mittelbar zu beobachten, jedoch im gleichen Zimmer vor sich gehen zu lassen. Es ergab sich der
gleiche Befund. Es hatten sich aber in den besprochenen Samenproben Bestandteile gefunden,
die ihre Herstammung aus einem Präservativ bewiesen, und zwar in reicher Zahl vorhandene Ly-
kopodium-Sporen und Maisstärkekörner, also eben jenes Gemisch, mit welchem nach von uns
eingezogenen Erkundigungen die Kondome zur Vermeidung des Verklebens eingestreut werden.
Der Untersuchte bequemte sich dann auch zu dem Eingeständnis, daß er die Samenproben in
Wirklichkeit reichlich 12 Stunden vor der Untersuchung entleert und im Kondom mitgebracht
hatte. Dabei war er, durch die Wiederbestellung stutzig geworden, in seinem Täuschungsmanö-
ver so weit gegangen, daß er bei der zweiten Untersuchung das vordere Drittel des Kondomes ab-
geschnitten und mit einem Gummibändchen verschlossen in den Mund genommen hatte (unter
Ausfüllung der anderen Backentasche mit Kaugummi, um eine Asymmetrie zu vermeiden).
Hiernach gelang es ihm leicht, auch in Gegenwart eines Untersuchers, der sich natürlich die un-
mittelbare Beaufsichtigung einer Ejakulation nicht zumutete, die Samenprobe in die ihm überge-
bene Glasschale zu praktizieren. Interessanterweise gab der Untersuchte als Ausgangspunkt sei-
nes Täuschungsmanövers die ausführlichen Ermahnungen eines Arztes zur baldigen Ablieferung daß man in allen Zweifelsfällen den stets rückständigen Rest der Samenprobe aus der Harnröhre
des Untersuchten ausstreift und mikroskopisch mit dem angeblichen Ejakulat vergleicht. Daß
man allerdings auch dabei auf der Hut sein muß, zeigt der oben schon erwähnte Fall eines beson-
ders raffinierten Täuschungsmanövers. Hier hatte der Untersuchte beim erstenmal zur Kenntnis
genommen, daß man ihm nachträglich noch einen Tropfen aus der Harnröhre auszustreifen ver-
suchen würde[,] und hatte dem Rechnung getragen, indem er bei der zweiten Untersuchung seine
Harnröhrenmündung in die untergeschobene Samenprobe eingetaucht hatte. Hier konnte die Ent-
scheidung also lediglich von der Beachtung der erwähnten körperfremden Bestandteile abhän-
gen.2daß man in allen Zweifelsfällen den stets rückständigen Rest der Samenprobe aus der Harnröhre
des Untersuchten ausstreift und mikroskopisch mit dem angeblichen Ejakulat vergleicht. Daß
man allerdings auch dabei auf der Hut sein muß, zeigt der oben schon erwähnte Fall eines beson-
ders raffinierten Täuschungsmanövers. Hier hatte der Untersuchte beim erstenmal zur Kenntnis
genommen, daß man ihm nachträglich noch einen Tropfen aus der Harnröhre auszustreifen ver-
suchen würde[,] und hatte dem Rechnung getragen, indem er bei der zweiten Untersuchung seine
Harnröhrenmündung in die untergeschobene Samenprobe eingetaucht hatte. Hier konnte die Ent-
scheidung also lediglich von der Beachtung der erwähnten körperfremden Bestandteile abhän-
gen

Sagense mal: Wollnse hier ne oral history schreiben?
Nee, manchense das mal aus!
Wennse n Interview machen wollen
brauch ich die Fragen vorher, ne timeline.

Geburt ist ein Begriff aus der Biologie!
Wollnse ne oral history schreiben?
Ich versteh die Frage nicht!
Nein! Es gibt doch einen Vortrag zu 100 Jahren Kardiologie!

Wo? Wir haben da ne Bibliothek,
da gibt es Signaturen udn da müssen Se suchen!
Der Titel? Das weiß ich doch nicht!
Nee! Sagense mal: Wollnse etwa ne oral history schreiben?

Mit dieser Frage kann ich überhaupt nichts anfangen.
Nee! Da muss man die Annalen durchkucken:
Wann gabs die erste Intensivstation, die erste OP, zack, zack, zack!
Sagense mal: Wollnse etwa ne oral history schreiben?


Sonntag, 12. VII. 09, sonnig:
Schreibtisch: T: Die Lehrerin freut sich schon, wenn jetzt dieser Text mit so vielen tschechischen Wörtern und S-Lauten vorgelesen wird, sie liest sie laut und kann die Aussprache so ziemlich perfekt. Freue mich auf den lustigen Text, wenn ich diesen Kellner-Sketch vorlesen werde.

Verschwende meine Zeit damit, mir die Twitter-Follower durchzulesen, was ich bisher diesem Medium entnehmen konnte, war der Bierschinken, der nach traurigen Füßen schmeckt. Aber wird sicher noch mehr werden.
Die Kinder lassen sich nicht zu einem Frühstück bei Astrid motivieren, mache mich gegen 11 an die Pathologie:
1930 ging das Leichenschauhaus Hannoversche Straße vom Preußischen Ministerium des Innern an das für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung über und wurde dem Institut für gerichtliche Medizin angegliedert. Der Direktor unterstand für polizeiliche Aufgaben dem Polizeipräsidenten.
1931 Umbenennung in "Institut für gerichtliche und soziale Medizin.
1940 "Institut für gerichtliche Medizin und Kriminalistik"
1935 die hauptamtlichen Gerichtsärzte haben nur noch ein dunkles Zimmer zur Verfügung, das als Garderobe und Abstellraum genutzt wird. Eine Baracke im Krankenhaus Moabit, nahe dem Kriminalgericht und den Haftanstalten, dient ihnen als Untersuchungsstelle.
Viele von der Gestapo ermordete Antifaschisten finden sich in den Unterlagen, so die 1934 erschossenen John Schehr, Eugen Schönhaar, Ericht Steinfurth und Rudolf Schwarz.
Müller-Heß war weder Parteigänger noch Gegner der Nazis und wurde bei politisch und propagandistisch wichtigen Prozessen als Gutachter herangezogen, zum Beispiel über die Zurechnungsfähigkeit von Herschel Grynszpan, der 1938 in Paris den deutschen Botschaftsattaché erschossen hatte, was den Vorwand zur Pogromnacht lieferte. Außer zur klassischen Gerichtsmedizin arbeitete Müller-Heß zur Blutgruppenserologie, zur Forensischen Psychiatrie, besonders zur Suchtbekämpfung und forschte nach Ursachen der Jugendkriminalität.
Bombenschäden.
Muss öfter Pausen einlegen, wenn der Text des Buches nicht mehr zu mir spricht.
Datenpflege.
Heute Abend in der Reformbühne werde ich ein Gedicht über Volker Hass vorlesen und einen Lichtbildervortrag über meine Töchter auf meinem Sofa halten.
Dreiviertel zwei weiter mit der Pathologie.
Buche den Flug nach Abidjan, was für schöne Aussichten für den November!


Montag, 13. VII. 09, sonnig:
Schreibtisch: Auf dem Anrufbeantworter Karl mit 2 Anfragen, will morgen ein Zeugnisessen machen und ob ich gekuckt habe wegen Versicherung Auto, wieviel das kosten würde. Und Papa zurückrufen, was ich direkt tue.
Lese in Kolles Leben und mache mich, nach kleiner Stärkung durch Ananas mit Kaffee wieder an die Charité-Rechtsmedizin bis gegen 6, eine Kartoffelsuppe setze ich auf und läute mit den Simpsons den Feierabend ein.


Dienstag, 14. VII. 09, bedeckt:
Schreibtisch: Haben gestern 3:2 gewonnen, das Siegestor fiel 2 Minuten vor Schluss.
Finde auf dem Heimweg in der Fehrbelliner ein elegantes Büroschränkchen, das ich auch als Schreibpult benutzen kann, schleppe es auf dem Gebäckträger balancierend nach Hause.
Kartoffelsuppe und ans Abschreiben fürs Feature:
Ilse: Hier spricht Ilse. Für die nächste halbe Stunde habe ich für Euch etwas ganz besonderes arrangiert. Ein Rendezvous mit einem Kapellmeister eines der bekanntesten Orchester. Heute ist er der Dirigent des amerikanischen Orchesters der alliierten Expeditionsstreitkräfte, Major Glen Miller. Major Miller begrüßt Sie zunächst mit seiner Sendezeichenmusik. (Musik: Mondscheinserenade) Mit dieser allen Amerikanern bekannten Melodie beginnt und endet Glen Miller stets seine musikalischen Darbietungen. Es ist seine eigene Komposition, die er Mondscheinserenade nennt. (Musik endet) Ehe ich Major Miller selbst ans Mikrofon bitte, möchte ich Sie näher mit seiner Persönlichkeit bekannt machen. Glen Miller ist ein Zauberer beschwingter Tanzmusik, ein Musiker, der im Ballsaal, auf Schallplatten und im Rundfunk schon seit vielen Jahren ganz Amerika begeistert hat, denn der Rhythmus seiner Musik geht in die Beine, aber er geht auch ins Herz. (Hier weiter!!!)

Jürgen Schmidt: Das Entscheidende ist die Sprache, was rüberkommt. Da gabs[...] bei Göbbels direkt, wo [...] die Leitlinien, die Thesen ausgegeben wurden, was in den nächsten Tagen zu kommen hat. Aber wenn man sich natürlich als französischer Sender ausgibt, als kommunistischer Sender, war natürlich klar: die meist gespielten Lieder waren die Marseillaise, die Internationale, Marseillaisedie gingen dort ständig rüber. Und dann hat man noch in Frankreich dieses schöne Revolutionslied, die Carmagnole, gebracht. Das ist klar, die Musik muss sich dem anpassen. [...] Im zweiten Weltkrieg war sehr populär das Lied über Lili [...] Marleen, was da über alles Sender [...] ging. Man muss sich [...] mit den Hörgewohnheiten anpassen. Man muss [...] wissen, was der Soldat so hören will. Und so ein schönes Lied aus der Heimat ...

Ausschnitte O-Ton Sendung: Ausklang (Musik) Lili Marleen Original:
...Wie einst Lili Marleen.

Sprecher: Ist es Ihnen aufgefallen, dass Sie dieses Lied schon lange nicht gehört haben? Warum wohl? Vielleicht deshalb, weil Lala Andersen im Konzentrationslager ist? Wie immer dem sei, die Worte des Liedes sind heut nicht mehr aktuell. Wie würden sie lauten, wenn Lili Marleen ihrem Soldaten heute einen Brief schriebe?

(Musik) Ich muss heut an Dich weinen, mir ist das Herz so schwer.
Ich muss zu Hause bleiben und lieb Dich doch so sehr.
Dass Du tust nur Deine Pflicht, doch trösten kann mich das ja nicht.
Ich wart an der Laterne, Deine Lili Marleen.

Was ich still hier leide, weiß nur der Mond und ich.
Einst schien er auf uns beide, jetzt scheint er nur auf mich.
Mein Herz tut mir so bitter weh, wenn ich an der Laterne steh,
mit meinem eignen Schatten, Deine Lili Marleen.

Vielleicht fällst Du in Russland, vielleicht in Afrika.
Doch irgendwo da fällst Du, so wills Dein Führer ja.
Und wenn wir doch uns wiedersehn, oh möge die Laterne stehn
in einem andern Deutschland, Deine Lili Marleen.

Der Führer ist ein Schinder, das sehn wir hier genau.
Zu Waisen macht er Kinder, zur Witwe jede Frau.
Und wer an allem schuld ist, den will ich an der Laterne sehn.
Hängt ihn an die Laterne! Deine Lili Marleen.

(Instrumental Ausklang)

Jürgen Schmidt: [...] Man hatte erkannt, dass Propaganda eine Waffe sein konnte, und zwar eine sehr wirksame Waffe. Man hatte aber auch erkannt, dass die Propaganda sich an der Zielgruppe ausrichten muss und dass in der Propaganda sehr viel Wahrheit drin stecken muss, damit [...] das, was man an als Halb- oder Teilwahrheiten [...] untermischt, [...] glaubwürdig wirkt. [...] Es ist heute kaum bekannt, dass in Deutschland 1939/40 Geheimsender wirkten, die nach Frankreich hinein strahlten. [...] Einer, der sich als kommunistischer Geheimsender ausgab, das war das Radio Humanité. [...] Diese Sender wurden in Frankreich sehr gern gehört, man hat [...] deutscherseits [...] Leuten, die dort Texte geschrieben haben, alle Freiheiten gelassen. [...] Da wurde Hitler brutal beschimpft, da wurde Göbbels beschimpft, da wurde Stalin hoch leben gelassen. [...] Damit galten sie in Frankreich sehr glaubhaft. Man klopfte sich in Deutschland auf die Schulter, wie dann dieser Krieg am 10. Mai 1940 gegen Frankreich in Bewegungsphase geriet, haben 12 Millionen Flüchtlinge letztendlich, und 12 Millionen Flüchtlinge von 48 Millionen Einwohnern in Frankreich, also jeder vierte Franzose war da auf der Flucht, die Straßen verstopft. [...] Die strömten aus den nördlichen Gebieten ins zentrale und südliche Frankreich. Das wirkt [...] ungeheuer demoralisierend, solche Flüchtlingswellen. Und die französischen Truppen, die an die Front strömten, die Straßen waren völlig verstopft, die kamen kaum noch durch. Das hat man deutscherseits als Riesenerfolg eingeschätzt. Man ging davon aus, dass diese Flüchtlingswelle bei weitem nicht diesen Umfang erreicht hätte, wenn man nicht diese Panik künstlich geschürt hätte. [...] Dass man da sagte: Stürzt euch auf die Lebensmittellager, [...] entweder räumen sie unsere englischen Verbündeten aus, und dann, wenn die deutschen Soldaten einmarschieren, dann werden die sie beschlagnahmen. Seid vorsichtig mit dem Trinkwasser! Da könnte jetzt Cholera in Kriegszeiten auftreten. Und die deutsche Luftwaffe die bombt eben sehr viel, seid vorsichtig, dass Eure Häuser nicht zufällig in den Bombenschlag kommen. Und wenn so etwas in der Kriegssituation passiert, wenn sich die Front immer weiter ins Landesinnere verlagert, da geraten die Leute automatisch in Bewegung. Das ist ein klassisches Beispiel, wo diese Sender Wirksamkeit gezeigt haben. Göbbels war [...] auf sich sehr stolz und der Mann, der das organisiert hat, [...] einer der deutschen Rundfunkpioniere, [...] Dr. Adolf Raskin hat dafür das Kriegsverdienstkreuz erster Klasse gekriegt. Und Raskin hatte insoweit Glück, dass er dann tödlich verunglückt ist bei einem Flugzeugabsturz, sonst hätte er wahrscheinlich nach Kriegsende noch großen Ärger bekommen. [...] Göbbels war sogar so innovativ, [...] damit diese Propaganda, da sollten die Franzosen ja wirklich glauben, dass da Kommunisten sind, richtige echte Kommunisten, [...] damit das recht gut rüberkam, hat er einen führenden Ex-Kommunisten [...] als Textschreiber verwendet, nämlich Ernst Torgeler, der mal der Fraktionsvorsitzende der Kommunisten im Reichstag war und der damals im Reichstagsprozess mit angeklagt war, aber freigesprochen wurde.
O-Ton Sender 1212: [...] Sprecher: Zwölfhundertzwölf sendet. Hier ist Zwölfhundertzwölf. Hier ist Zwölfhundertzwölf. Truppen Neues Deutschland, Achtung! Abteilung Information, Achtung! Wo bleiben die Berichte aus Zone zwo und Zone sieben? Wir wiederholen: Zone zwo und Zone sieben! Hier ist Zwölfhundertzwölf. Achtung, Zone zwo! Hier ist Zwölfhundertzwölf. Achtung Gruppe Neues Deutschland! Zone zwo! Unsere Sendung beginnt in etwa zwo Minuten. Könnt Ihr uns hören? Könnt Ihr uns hören? Wie ist der Empfang? Zwölfhundertzwölf ruft ND-Zone sieben! Zone sieben!
Anrufer: Rufe Neues Deutschland! Zone sieben ruft Zwölfhundertzwölf. Gruppe ND-Zone sieben ruft Zwölfhundertzwölf. Empfang klar. Empfang klar. Danke!
Sprecher: Gruppe Neues Deutschland, Zone sieben! Empfang klar. Zone sieben, wir haben eine Anweisung für Euch. Danke.
Anrufer: Wir hören, Danke.
Sprecher: Gruppe ND-Zone sieben! Sendet Eure Berichte für Zwölfhundertzwölf von heute ab über das andere Netz! Berichte für Zwölfhundertzwölf von heute ab über das andere Netz! Bestätiget bitte!
Anrufer: Hier ist ND-Zone sieben, Empfang klar. Unsere Berichte gehen von heute ab über das andere Netz. Danke!
Sprecher: Wir müssen jetzt unsere Nachtsendung beginnen, später mehr, Zone sieben. Frieden jetzt!
Anrufer: Frieden jetzt!
Sprecher: Zwölfhundertzwölf sendet. Zwölfhundertzwölf sendet. Zwölfhundertzwölf sendet. Zwölfhundertzwölf sendet. Hier ist Zwölfhundertzwölf. Hier ist Zwölfhundertzwölf. (E-Orgel) Zwölfhundertzwölf sendet. Zwölfhundertzwölf sendet. (E-Orgel) Zwölfhundertzwölf sendet. Zwölfhundertzwölf sendet. (E-Orgel) Könnt Ihr uns hören? Wir warten auf Euer Signal. Wir haben eine neue Position, wir warten auf Euer Signal. Könnt Ihr uns hören? Hier ist Zwölfhundertzwölf. Hier ist Zwölfhundertzwölf. Wir warten auf Euer Signal. Danke! (E-Orgel) Zwölfhundertzwölf sendet. Zwölfhundertzwölf sendet. (E-Orgel) Zwölfhundertzwölf sendet. Zwölfhundertzwölf sendet. (E-Orgel, etwas länger) Hier ist der Nachtsender Zwölfhundertzwölf mit Nachrichten für Front und Heimat sowie mit Sondermeldungen für die Truppen Neues Deutschland. Wir senden täglich von zwo Uhr nachts bis sechs Uhr morgens. (E-Orgel, etwas länger)
Fühle mich etwas wie die Kapielskischen Kerzen, die Hitze oder das Handy oder ganz was anderes.
Eis essen, die Kinder haben sich, wohl als Belohnung für die guten Zeugnisse, Ohrlöcher stechen lassen. Ella nur eins, Lisa zwei.
Bei mir noch etwas weiter tippen, dann Texte ausdrucken und rüber zum essen.
(Schreibtisch, 15. VII. 09:) Werde wohl mit den Kookaburra-Betreibern nicht richtig warm und warum ich als einziger der Auftretenden dem Chef die Biere zu bezahlen habe, erschließt sich mir nicht. Diskriminiert von einem Inder. Sehr verbreitet ist bei Veranstaltern so ein irrationaler Geiz in Bezug auf Freigetränke. Vermutlich erzählen sie sich Horrorgeschichten von Kollegen, die alle schon pleite gegangen sind wegen des unstillbaren Durstes der Künstler.
Andererseits kann ich ein schönes Familienidyll fotografieren, ist ja auch was wert. 3 Euro der halbe Liter bei dem Brasilianer an der Torstraße!


Mittwoch, 15. VII. 09, sonnig:
Schreibtisch: Viertel nach 9 Arbeitsbeginn, halb 12 bin ich mit meinem Teil des Manuskripts fertig:
2 Peter Hennig: Da erinnere ich mich noch ziemlich genau, [...] Mutter war in der Küche [...] das war [...] ungefähr im [...] Januar 1945 und unser Radio stand im Wohnzimmer und ich hab dran rumgebastelt. Mein Vater hatte schon immer große [...] Radios geliebt um viel zu hören. Und dann kam [...] das Bumm bumm bumm bumm, bumm bumm bumm bumm. Hier spricht London! Hier spricht London! Wir senden Nachrichten in deutscher Sprache. Dann hab ich das gehört. Da war von [...] Luftangriffen auf westdeutsche Industriestädte die Rede. [...] Die englischen Flugzeuge hätten einen Schaden angerichtet von [...] unvorstellbaren Wert.
3 Ausschnitt Sender 1212: Zwölfhundertzwölf sendet (Senderkennung) Hier ist Zwölfhundertzwölf mit Nachrichten für das Rheinland. Zwölfhundertzwölf bringt Melonen [Melodien?] von Front und Heimat für die Zivilbevölkerung des Rheinlandes und den Landser an der Rheinfront. (Melodie) Zwölfhundertzwölf bringt einen Überblick der Frontgeschehnisse der letzten 24 Stunden. [...] Frankfurt am Main muss als aufgegeben betrachtet werden. [...] Günstiges Flugwetter brachte erhöhte feindliche Fliegertätigkeit über der westdeutschen Front. Angesichts der Lage in Westdeutschland muss heute vom ersten ernsthaften Zusammenbruch der Heimatfront berichtet werden. [...]
4 Jürgen Schmidt: Man unterscheidet in der Theorie der Geheimsender drei Formen von Propaganda, schwarze, weiße und graue Propaganda. Weiße Propaganda ist die, wo der Absender eindeutig ist. Also BBC trommelt: Hier ist BBC London! Man weiß, wers ist. Graue Propaganda [...], da gabs viele Sender im zweiten Weltkrieg, die haben Nachrichten verbreitet, und da war der Absender eigentlich nicht klar. [...] Man konnte, wenn solche Sender in Deutschland einstrahlten, annehmen, dass es ausländische sind. Aber so richtig klar ist das nicht, es wurde nie ein Absender genannt. Und schwarze Propaganda ist wirklich, wenn ein Sender sendet unter falscher Adresse. [...] Wenn eben Soldatensender Gustav Eins oder Sender Calais sendet, man gibt sich als Sender aus, man spricht nicht von den deutschen Soldaten neutral, man spricht nicht von den Hunnen, sondern man spricht von den Kameraden von der Wehrmacht. So, dass man annehmen muss, das ist [...] ein illegal sendender Wehrmachtssender.
5 Jürgen Schmidt: Das Abhören von [...] Feindsendern, da konnte es bis zur Todesstrafe gehen, es musste nicht, es konnte. Es kam [...] immer drauf an. Habe ich einen Vorgesetzten gehabt, der wirklich gewillt war, da draus einen großen Fall zu machen? Bin ich auf einen Staatsanwalt gestoßen, der auf Todesstrafe plädierte? Kriegsgerichte, da saß auch immer daneben einer meiner Dienstgradtruppe, wenn ich Hauptmann war, saß ein Hauptmann da, da saß ein Major daneben [...] ein Leutnant oder ein Unteroffizier, wie denken die drüber? [...] Das ist ein bisschen in Gottes Hand, wie das Urteil ausfällt. [...] Ich habe einen Bekannten, dessen [...]Vater wurde denunziert als Major und der musste nun zu seinem Vorgesetzten, und der sagte nur: Was hams denn da gemacht? Das ist ja völliger Unsinn, unterlassen Sie das mal! Hat den Zettel zerrissen und da war die Sache beendet. Hätte natürlich auch einen anderen Vorgesetzten haben können, der hätte sagen können: Ich bin ja entsetzt....
[...] Dann muss man als Mann, der Rundfunksender hört, auch kreativ sein. Ich hab vorhin gesprochen: graue Propaganda. Die hat keinen Absender. Da kann ich ja immer sagen: Die haben von der Wehrmacht gesprochen und ich dachte, das wäre ein neuer Wehrmachtssender. Konnte ich doch nicht wissen, dass die aus England, sonst hätte ich doch nie ... Und wenn die auf deutsch senden und die Kameraden der Wehrmacht ansprechen, ich als kleiner Soldat ...
...40/41 hat man in England auf alles, was aus Deutschland kam, was [...] auf Spionage, Geheimdienst hindeutet, sehr allergisch reagiert. Man hat da sehr harte Urteile verhängt bis hin zu Todesurteilen. [...] Das war ne Stimmung [...] in England, [...] wie 45 in Deutschland. Allerdings: [...] England stand mit dem Rücken an der Wand, die Landung stand bevor. [...] Da herrschte [...] Panik und Angst hat große Augen, da hat man eben durchgegriffen und da haben bestimmt auch viele Unschuldige gelitten.
Kabarett 1939: Tran: Auslandsnachrichten, London zum Beispiel!
Helle: London?
Tran: Ja, London! Kannst Du mir nicht sagen, wie man das bekommt?
Helle: (lacht) Ich weiß zwar nicht, wie Du London bekommst, aber was De bekommst, wennde London bekommst, das weiß ich.
Tran: Was denn?
Helle: Kittchen.
Tran: Haha, Kittchen.
Helle: Sogar Zuchthaus.
Tran: Auch wenn es keiner merkt?
Helle: Ob das einer merkt oder nicht merkt, spielt überhaupt keine Rolle, sowas tut man als guter Deutscher einfach nicht.
6 Peter Hennig: Ich erzählte etwas später davon meiner Mutter und die wurde kreidebleich und verwarnte mich und sagte: Das ist streng verboten, Feindsender zu hören. Darauf steht die Todesstrafe! Und wenn das raus kommt, dann kommt Vati in die Strafkompanie, und Opa ist nicht mehr Förster, sondern er muss Waldarbeiter machen, und ich komme ins Gefängnis und Ihr alle, Du und Deine Brüder, Ihr kommt ins Kinderheim! Mach das ja nicht wieder! Ich versprach das natürlich, und hatte mich dann aber, weil mich die Neugierde trieb, abgesichert. Machte die Türen ein bisschen auf, stellte ganz leise, behielt den Senderknopf in der Hand und hörte mehrmals diesen Sender.
Ilse: Hier spricht Ilse. Für die nächste halbe Stunde habe ich für Euch etwas ganz besonderes arrangiert. Ein Rendezvous mit einem Kapellmeister eines der bekanntesten Orchester. Heute ist er der Dirigent des amerikanischen Orchesters der alliierten Expeditionsstreitkräfte, Major Glen Miller. Major Miller begrüßt Sie zunächst mit seiner Sendezeichenmusik. (Musik: Mondscheinserenade) Mit dieser allen Amerikanern bekannten Melodie beginnt und endet Glen Miller stets seine musikalischen Darbietungen. Es ist seine eigene Komposition, die er Mondscheinserenade nennt. (Musik endet) Ehe ich Major Miller selbst ans Mikrofon bitte, möchte ich Sie näher mit seiner Persönlichkeit bekannt machen. Glen Miller ist ein Zauberer beschwingter Tanzmusik, ein Musiker, der im Ballsaal, auf Schallplatten und im Rundfunk schon seit vielen Jahren ganz Amerika begeistert hat, denn der Rhythmus seiner Musik geht in die Beine, aber er geht auch ins Herz. Als der Krieg ausbrach, hat Glen Miller all seine Erfolge im Stich gelassen und sich zum Militär gemeldet, um die alliierten Truppen mit seiner Kunst zu erfreuen. Soldaten! Hier ist Major Glen Miller persönlich!
Glen Miller: Thank you, you speak german very well. Ich kann nur sehr wenig deutsch sprechen.
Ilse: Nur mutig drauf los! Ich werde Ihnen schon helfen.
Glen Miller: Good evening... I mean, guten Abend, deutsche Soldaten! Im Sprechen bin ich immer sehr kurz, denn ich folge immer dem Sprichwort: Lasst Blumen sprechen! Did I said that right?
Ilse: Ich glaube, Sie wollten sagen: Lasst Musik sprechen!
Glen Miller: Oh yes.
9 Jürgen Schmidt: Bei der Wehrmacht wurden im Jahr 1939 speziell eine Propagandatruppe geschaffen, die unter einem Generalstabsoffizier stand, einem gewissen Hasso von Wedel, der [...] im Krieg bis zum Generalmajor aufstieg, und das sogar schaffte, dass die Propagandatruppen eine eigenständige Waffengattung der Wehrmacht wurden, Waffenfarbe war silbergrau. [...] Göbbels hatte, im Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt [gabs] da einen [...] Dienst, der ausländische Sender abhörte, der Seehausdienst. Und dann wurden die [in eigenen] bei den eigenen Geheimsendern wurde dieses Material verarbeitet. [...] Dies war etwas abgetarnt, das nannte sich Büro Concordia, das wurde von diesem von mir schon genannten Dr. A. F. Raskin geleitet, [...] der hatte dort seine Mitarbeiter, seine Sprecher, seine Leute, die Texte geschrieben haben, er hat das koordiniert. Er bekam von Göbbels die großen Leitlinien der Politik und [...] vom Auswärtigen Amt, von der Wehrmacht usw. [...] die Informationen, [...] das Füllmaterial und auch die Richtung, wo es hingehen sollte. Da stand dann eben konkret drin, [...] ab sofort antisemitische Propaganda verstärken, man muss darauf hinweisen, dass [...] der französische Ministerpräsident Mandel [...] ein Jude ist, dass das ein Kriegstreiber ist. Oder dass man [...] versuchte, die französische Polizei und Spionageabwehr zu beschäftigen, dass man [...] sagte, die Genossen der Abschnitte Garibaldi 17 [...] , man dachte sich da irgendwelche Namen aus: Ihr müsst jetzt die Anweisungen des Roten Hefts ausführen! ZONE 7 EINFÜGEN!!![...] Die Genossen in der Stadt soundso, Ihr findet Euch heute nicht am Punkt Nummer 17 sondern am Punkt Nummer 4 ein! Und zwar nicht 22 Uhr sondern 23 Uhr. [...] Die existierten nicht. [...] Wenn immer solche Meldungen am [...] Ende der Sendung kommen, da denkt man in Frankreich: Da herrscht [...] ein großes Untergrundheer, die da zielsicher über den Rundfunk gelenkt werden. [...] Das war ein Sender, der als angeblicher Sender der französischen kommunistischen Partei angeblich aus dem inneren des Landes arbeitete. Und die haben da ihre Leute gelenkt. Die sind [...] nicht offen für Hitler aufgetreten, sondern ihre Zielrichtung war [...] immer: Wir sind ja für ein sozialistisches, für ein kommunistisches Frankreich im Bund mit der Sowjetunion. Aber vorher muss eben dieser verfaulte Kapitalismus in Frankreich gestürzt werden. Und was ist das für uns für ein Glückszufall, dass [...] Hitler, dieser Verbrecher, [...] diesen verfaulten Kapitalismus in Frankreich stürzt, und dann kommt die große Revolution und dann gehen wir mit Stalin zusammen, und unsere Freunde, die deutschen Kommunisten, machen mit. [...] Die französischen Kommunisten standen unter starkem staatlichen Druck und die französischen Kommunisten der angesprochenen Städte werden sich [...] gewundert haben, welche Einheiten sich da an welchen Tag an welchem Punkt ... [...] Man hat das etwas mit Verwunderung gehört, allerdings [...] die [...] Geheimpolizei hat das nie so richtig durchschaut. Die glaubten wirklich, dass es tief konspirative kommunistische Einheiten, Verbände sind, die sich da bewaffnen, die da Sabotage betreiben im Hinterland, die sich auf den Umsturz vorbereiten. [...] Insoweit war das erfolgreich. [...] Das Wichtigste war: Man konnte Parolen ins Volk reinlegen. [...] In den Tagen des Zusammenbruchs ab dem 10. Mai gipfelt das in eine Massenpanik, wo man es wirklich erreicht, dass man ein Viertel aller Franzosen auf die Straßen brachte, dass die [...] alle in das Zentrum, in den Süden des Landes rein strömten, vor den deutschen Truppen weg, die französischen Truppen behinderten, und was will man mehr erreichen? Und um die Zahl 12 Millionen mal klar zu machen: Die deutsche Flucht aus den Ostgebieten [...] 1944/45 [...] waren auch nicht mehr [...], eher weniger, man rechnet [...] mit 10 Millionen ungefähr. Das heißt, damals waren mehr Franzosen auf den Beinen [wie 1945 in Deutschland].
Nun aus einem gewissen Sadismus gegenüber möglichen Lesern alles in eine neue Chronik packen! Liest noch jemand zu?

www.Falko-Hennig.de

JEDEN SONNTAG, Kaffee Burger, Berlin, 20 Uhr: Reformbuehne Heim & Welt.

14. August, 20 Uhr, JVA Hakenfelde: Lesung

29. August, 20 Uhr, Alte Kantine (Kulturbrauerei, Berlin)
Kantinenlesen.

Dienstag, 30. VI. 09, locker bewölkt, sehr schwül:
(Schreibtisch, 1. VII. 09:) Sie haben das inzwischen sehr gut organisiert, es gibt eine Schnitzelgruppe und eine Ausgehgruppe.
Wegen der Hitze entziehe ich die Bettdecke und schlafe mit dem reinen Bezug deutlich besser.


Mittwoch, 1. VII. 09, bedeckt:
Statt zu arbeiten, Dermatologie! frisiere ich nach dem Frühstück eine neue Chronik zurecht.
Unzufriedenheit hält nur wenige Minuten an, Telefonate mit Papa und Kirsten.
Dreiviertel 1 Aufbruch zur Weinerei.
Sofa: Beschwingt biegt der Künstler in seine Lottumstraße ein, heiteres liegt hinter ihm, heiteres liegt vor ihm, und doch haderte er. Da stand dieser Fiat-Sportwagen, und keiner weiß noch, dass hier schon mal einer so einen Cabriolet fuhr, Klaus-Dieter, der Musiker von gegenüber. Ich haderte darüber, wie sich alles verändert hatte, dass ich jetzt der letzte Mohikaner war, abgesehen von den Kraftfahrern gegenüber, die angeblich sehr viel Geld hätten. Es spricht einiges dafür, sie haben die ganze Straße mit ihren Autos zugestellt und fahren nicht mehr damit, sondern setzen sich nur noch hinein, um bald in den nächsten Wagen zu wechseln.
Der Raucher von gegenüber ist auch schon lange tot, er war ein Mittsiebziger, stand immer am Fenster und rauchte und kuckte mittels Fernglas in alle Wohnungen. Wir hatten zwar keine Gardinen, aber wir fickten nur, wenn es dunkel war, bis wir merkten, dass er sich ein Nachtsichtgerät mit Plutoniumbeleuchtung aus sowjetischen Beständen zugelegt hatte. Wir wurden leider alle impotent dadurch, und damit hatte es sich mit dem Geschlechtsverkehr erledigt, eine Zeitlang sah man ihn noch immer rauchend am Fenster stehen, immer verzweifelter alles absuchend, und dann starb er. Ein Leichenwagen holte ihn ab, und weg war er.
Wer erinnert sich noch an das Triangel, dass uns so viele Jahre abendlich mit Bier versorgte? Wer kennt noch das Wydoks in der Schönhauser 5? Die Bleibar? Herr Meyer?
Ahne kennt alles noch, aber er hat sich verändert. Ob es der Erfolg war? Ich weiß es nicht, aber er ist nicht mehr der nette Ahne von früher. Er trinkt nicht mehr so viel, ist zwar dadurch auch nicht mehr so aggressiv, aber auch immer "schnell weg".
Die Ahnes haben inzwischen ein Auto. Ich habe schon lange kein Auto mehr, ich hatte damals Autos, als arme Leute noch viele Autos haben konnten. Damals habe ich die ganze Straße mit meinen Autos voll gestellt. Ich hatte auch einen Bauwagen für mein Archiv. Dieses Archiv konnte ich zwar durch die Zeit retten, aber zu welchem Preis? Es muss dringend mal wieder aufgeräumt werden.
E-Post ankucken, Sollte ich mich bei "Suche Frau mit Hammerzeh bewerben? Und wie nachlässig ist es, solche Zwiebelfische im Text zu lassen? Wenn da nun jemand eine tiefere Bedeutung hineinlegt? Einem Schriftsetzer kann man da wenig nachweisen.
Schöne Psychologiefolge der Simpsons "Das innere Ich".
Sharingissexy.org
Die Reformbühne aufgearbeitet, 1. Teil: http://files.getdropbox.com/u/459557/Reformb%C3%BChne%2028.%20VI.%2009%2C%201ter%20Teil.mp3
und der 2. Teil: http://files.getdropbox.com/u/459557/Reformb%C3%BChne%2028.%20VI.%2009%2C%202ter%20Teil.mp3
Braucht wieder ein Weilchen, ehe es dort hochgeladen ist.


Donnerstag, 2. VII. 09, sehr heiß & schwül:
(Flughafen Tegel, 3. VII. 09:) Nehme Manuela auf die Stange bis zum Alex, durch Verzögerungen im Betriebsablauf verspätet sich der Zug bis Rangsdorf um moderate 10 Minuten.
Schon völlig irre, wie wir in dem Opel Frontera durch Rangsdorf trecken, für 100 Euro verbraucht das Monstrum allein mehr Sprit von Bochum hierher als Antjes Kleinwagen. Strandbad, Seebad-Casino, in den komischen Fächern des Abbruchhauses wurden Boote gelagert, weiß Antje, auch unser Surfbrett war dort, bis sich der Seglerhafen als günstigeres Quartier erwies. Durch Klein-Venedig, Seeschule, eine Plakatwand: "(Herz)lich willkommen in Rangsdorf! Baugebiet nach Feng Shui". Eine Spechtfamilie, Piko heißt Specht auf italienisch, Erdbeermilch, frische Kirschen und Kaffee in der Ahornstraße.
Rückfahrt, Zug pünktlich, werden nicht kontrolliert und sparen dadurch den Fahrpreis. Vorbei an der gigantischen Baustelle des neuen Schönefelder Flughafens.
Schreibtisch: Der Scheck von der VG Wort fällt sehr erfreulich aus, Bibliothekstantiemen 80, Hörfunk über 600, Presse Offline 150, Presse Repro 600 Euro, zusammen 1560 Euro, ökonomisch bin ich gerade in einer Glückssträhne.
Heiteres Einkaufen, Hämorrhoidencreme, den Scheck einreichen, ein schon etwas wahnsinniger Großeinkauf bei Lidl.
(Flughafen Tegel, 3. VII. 09:) Essensvorbereitungen, dabei Simpsons "Wildwasserfahrt" und "Homer liebt Mindy".
Bereite den Kindern Salat, Hähnchenschnitzel mit Kartoffelbrei, hoffentlich verträgt Lisa ihn, Erdbeeren mit dem Rest vom Vanille-Eis, das aber schon einen Sticht hat, vermutlich seit ich es damals versehentlich in den normalen Kühlschrank statt ins Tiefkühlfach gestellt habe.
Sofa: Mit den Kindern "Asterix und Obelix: Mission Kleopatra", zwischendurch Sichtung der Loriot-Dokumentation "Deutschland, Deine Künstler: Loriot" (Aufz. auf HDD v. 1. VII. 09) von gestern, gegen 9 endlich mal wieder an die weitere Kategorisierung für Herrn Rutschky, Juli bis Dezember 2008, glotze nach 10 mit den Kindern immer noch.


Freitag, 3. VII. 09, Berlin sonnig, Stuttgart Gewitter:
(Schloss Solitude, Garten, 4. VII. 09:) T: Nachdem mir Jochen erklärt hat, wie mein Wecker funktioniert, will ich von ihm wissen, wie ich ihn so einstellen kann, dass nicht er, sondern bei ihm das Telefon klingelt. Er will mich erst nicht zu Wort kommen lassen, dann gelingt es mir, den Witz anzubringen. Er lacht auf seine typische, übertriebene Art.
Loriot ist sehr interessiert an dem 85jährigen Freund von ihm, den ich kürzlich getroffen habe, der habe wohl große Schmerzen? Ich antworte, wohlwissend, dass Loriot ebenfalls 85 ist: Das könne schon sein, aber er selber sage, er fühle sich altersgemäß. Loriot lächelt.

Pult: Auf dem Anrufbeantworter, wohl noch von gestern, meine Mutter, Jakob, weil er die Verträge bei sich hat, wenn ich mal dort in der Nähe bin, melden und Cousine Eva aus Stuttgart, arbeitet vormittags bis nachmittags, aber könne sie gern treffen oder dort übernachten.
Packen und dabei mein übliches Problem: Wie kriege ich alles möglichst in einem einzigen Gepäckstück unter, meinem kleinen Rucksack, damit ich ihn nicht aufgeben muss? Lasse schweren Herzens das Logbuch zu Hause.
(Schloss Solitude, Zimmer 16, 4. VII. 09:) Schlüsselübergabe an Manuela. In der Lottumstraße finde ich einen grünen Einkaufszettel:
"Bier? Bergpfirsiche
8 plattgedrückte Pfirsiche
Eisbergsalat, Chicoree
1x Vollkornbrot f. Benni (das dunkle).
Aprikosen"
Wofür braucht man 8 plattgedrückte Pfirsiche?
(Schloss Solitude, Garten, 4. VII. 09:) Wegen einer Umleitung leichter Stau in der Holländerstraße. Der Busfahrer, kurz vor dem Kurt-Schumacher-Platz, über Funk:
"1534, wat issn mit Dir los, hasten Unfall jehabt?"
"Nee, ick war nur auf der falschen Seite."
Das irritierende Gefühl, nichts vergessen zu haben, was ja eigentlich gar nicht sein kann, ich vergesse doch immer was. I forgot to remember to forget.
Flughafen Tegel, Wartebereich: Als wundersam empfinde ich es, dass sich nun, für mich überraschend, meine sämtlichen großen Geldprobleme in Wohlgefallen aufgelöst haben. Es fühlt sich verdammt gut an, mir die dringend nötige größere Festplatte und theoretisch wieder Schuhe kaufen zu können (die ich recht dringend brauche), mir die Teilnahme am nächsten Bukowski-Symposium leisten zu dürfen. Kann mir sogar überlegen, ob ich meinen Trabant zurück kaufe. Das wäre allerdings hochgradig unvernünftig.
Was ich mir nicht kaufen kann, ist Liebe. Aber die habe ich ja sowieso.
Denke mir noch vorm Einchecken: Was für ein hübscher junger Mann!, aber es ist eine Frau mit tiefer Stimme und Damenbart, die Sandra heißt. Dann tauche ich wieder ab in den Text, der mein Leben ist.
(Schloss Solitude, Garten, 4. VII. 09:) Ich freu mich immer so über Turbolenzen, zücke meine Kamera und hoffe, einen Absturz von innen aufnehmen zu können. Aber bisher hat das noch nie geklappt.
Bei Stuttgart, Schloss Solitude, Zimmer 16: Anruf bei Frau Cäsar, sie habe den Kopf dermaßen voll. Die Dame ist eigentlich also immer überlastet. In Bezug auf das Manuskript bleibt sie unerbittlich, das müsse sie haben, sonst könne sie das nicht entscheiden und wir würden ihr unsere Arbeit aufbürden. Wenig erfreulich, viel zusätzliche, und wie ich inzwischen weiß auch entbehrliche Abtipperei kommt da auf uns zu.
Die für 17 Uhr angesetzte Technikprobe wird verschoben, mache mich ans weitere Katalogisieren von Rosenthaler-Platz- und Sofabildern für Herrn Rutschky, nun noch das halbe Jahr 2009, komme bis 24. Februar.
Wieso fehlen mir im Januar die Bilder von fast 10 Tagen? Ah, die Kamera war in Reparatur.
Meine autoerotischen Bilder kommen mir bei der Sichtung doch sehr pupertär vor.
Bei Stuttgart, Schloss Solitude, Caféteria: Nach vielen Jahren bin ich wieder auf Schloss Solitude, alles wie damals. Ben Lauterbach hat mir ein Brot geschmiert.
In der Caféteria gibts ein W-Lan, sitze unten und verschwende meine Zeit mit Twittern und Facebook. Skype mit Martin in Norwegen. Im Netz streitet man sich, ob das Kulturverständnis der Piratenpartei eher an Westerwelle erinnert oder an Pol Pot. Wahrscheinlich sind beide, verglichen mit den Blödköpfen der Piraten, vorbildliche Bildungsbürger.
Gegen halb 8 ans weitere Katalogisieren, komme bis 22. März 2009.
Die Dirigentin Barbara Rucha ist auch hier, sehe ich und renne ihr hinterher, das ist ja ein Ding, neulich war sie noch schwanger bei Operare, und nun ist sie mit Sohn hier. Und der nächste Zufall, dass ich genau in diesem Moment die operare-Fotos zum Katalogisieren am Wickel habe.
(Schloss Solitude, Zimmer 16, 4. VII. 09:) Um 8 fahren wir hinunter nach Weilimdorf ins Ristorante da Mario, verschlinge eine Salamipizza und kippe zwei große Bier und zwei Ramazotti hinterher und wir fahren wieder zurück.
Klatsch und Tratsch aus dem Literaturinstitut, Dominik hört sich gern reden, soundso liest sich die Texte nicht durch. Bin stark gelangweilt und bleibe doch.
(Schloss Solitude, Caféteria, 4. VII. 09:) Die Stipendiaten kucken sich in einer poppigen Gedenkfeier für Michael Jackson "The Wizard of Oz" mit ihm als Vogelscheuche an und dann noch die vielen bahnbrechenden Musikvideos, und tatsächlich macht es mich traurig, ihn da lachend perfekt tanzen zu sehen, ihn, der doch eigentlich nur aus Schmerzen bestand.
(Schreibtisch, 5. VII. 09:) Das Video "Who's bad!" ist unfreiwillig sehr komisch, als der süße Michael jungenhaft in die Kamera lächelt, seufzen die Damen auf.


Samstag, 4. VII. 09, sonnig:
Bei Stuttgart, Schloss Solitude, Zimmer 16: T: Eine Party von Jakob an einem Fluss, auch eingeladen ist ein Ehepaar, albanische Übersetzer. Jakob rät mir, wegen meines Stotterns Sprachunterricht zu nehmen. Ich stimme stockend zu.

Schloss Solitude bei Stuttgart, Garten: Das angenehme Gefühl, hier wirklich willkommen zu sein, wieso habe ich Hausmeister Lu noch nicht in meiner Kartei?
Das andere, unangenehme Gefühl, als ich das Brötchen mit dem Kochschinken esse, der nach traurigen Füßen schmeckt: Hier sammeln sich die Verdammten und Verlierer und ich gehöre dazu.
(Schreibtisch, 5. VII. 09:) Wie war das für mich auf Schloss Solitude? 2002 und 2003 war ich jeweils für ein halbes Jahr dort. Die Abende wurden fast immer zu mittleren Besäufnissen. Zu manchen Stipendiaten war der Draht sehr gut, am besten habe ich Klaus Fehling in Erinnerung, er spielte zu seinem Geburtstag in der Caféteria Hank Williams und wir fanden nicht nur darüber, sondern auch über vieles andere eine Menge Gemeinsamkeiten und es entwickelte sich eine Freundschaft, die bis heute angehalten hat.
Meine schlimmste Erinnerung ist eine, über die ich schweigen, von der ich nie jemandem erzählen sollte. Ich will besser nicht ins Detail gehen, nur so viel, dass ich seit dem schlimmsten Fauxpas meines Lebens nie wieder eine Frau, egal wie hochschwanger sie aussieht, darauf ansprechen werde. Eine Lehre, die mir hoffentlich in Zukunft noch einiges erspart.
Viele waren da, mit denen es nicht so richtig funkte, vielleicht waren sie menschlich ganz angenehm, aber mit ihrer Kunst konnte ich oft überhaupt nichts anfangen. Zum Beispiel die russische Performance-Künstlerin, deren Happenings darin bestanden, dass sie mit Orden aus dem Großen vaterländischen Krieg dekoriert tanzte, zwischendurch immer wieder Wassergläser mit Wodka hinterkippte, bis sie irgendwann umfiel. Oder die Japanerin, die einen Flügel verbrannte und alle Zimmer mit schwarzen Schnüren, wie ein vieldimensionales Spinnennetz ausfüllte.
Bei Stuttgart, Schloss Solitude, Zimmer 16: Organisiere das Fußballspiel am Montag, halb 11 weiter mit dem Katalogisieren, 23. März 2009 bis 11. April, dann wird es mir zu schwül und zu hell für die Augen. Schicksal von uns Grottenolmen: Wir müssen viel im Dunkeln arbeiten.
Schloss Solitude bei Stuttgart, Caféteria: 10 nach 11 bin ich durch und mache erste Versuche im Durchsuchen, auf Anhieb findet GraphicConverter, nun, nach der vorbildlichen Signatierung, von meinem rangezoomten Rosenthaler Platz
Über 300 Fotos davon kann ich nun für einst/jetzt durchgehen, leider funktioniert die Sortierung nach Datum nicht sonderlich, vielleicht habe ich mit den Erstellungsdaten Mist gebaut. Sowie 111 Bilder von Ella und Lisa auf dem Sofa, als Datum steht unerklärlicherweise der 1. 1. 1904 dabei.
Sortierung noch nicht perfekt, aber vom Prinzip her funktioniert es. Was mir aber Sorge macht, ist die Tatsache, dass ich nun nicht einmal mehr meine rtf-Datei gesichert bekomme
Bei Stuttgart, Schloss Solitude, Zimmer 16: Aber offensichtlich hat es doch funktioniert.
Schließe mich aus, aber auf der Treppe gibt mir Lu gleich den Generalschlüssel. An der Scheune warten Sarah, Ben und ich vergeblich auf Lu, die Erklärung: Ohne Schlüssel kommt Lu nicht ins Büro, wo wiederum der Scheunenschlüssel liegt. Pizza essen, dann Technikprobe und zurück.
Habe Durchfall und Schnupfen, fühle mich aber sonst wohl. Backup auf LaCie.
Heraussuchen der Fotos für heute Abend, Mexiko, Bulgarien und vielleicht Slowakei habe ich mir vorgenommen. Komplettiere die Gesichte "Fear and Loathing" mit Bulgarien-Fotos, müsste ganz lustig sein. Es gelingt mir, trotz der fast vollen Festplatte, die entsprechenden Ordner noch drauf zu kopieren, beruhigend angesichts der unsicheren Situation mit dem Akku des LaCie-Laufwerkes.
Irgendwie alles lächerlich, sinnlos, aber ich fühl mich trotzdem wohl. Vielleicht sind die Menschen am glücklichsten, die eigentlich keine anderen brauchen? Lese Simenons "Die Fantome des Hutmachers" (Diogenes, Zürich 1982), den Film von Chabrol mit Serrault und Aznavour habe ich mal als Kind gesehen, aber da es von Maigret so weit abwich, konnte es mich nicht fesseln. Heute dagegen würde ich ihn vielleicht gut finden.
Nach ausgiebigem Mittagsschlaf, der zwar einige male durch Trommelwirbel der Orchesterprobe unter mir angeritzt wird, Duschen und noch Psorcutan auf die derzeit wenigen psoriatischen Herde.
Gegen 5 auf eine Stunde Internet in die Caféteria.
Schloss Solitude bei Stuttgart, Garten: Stattdessen im Garten, Internet-Gedöns, E-Post, Twitter, Facebook, ehe ich mich meinen Notizen widme.
Eben fragt mich ein Techniker über Lautsprecher, ob ich wisse, wo die Künstlerin nachher aus dem Fenster klettern werde? Das Fest wird gut. Sensationell, was hier abgeht, eine 20köpfige Gruppe Rentner läuft vorbei, ihre unirdischen Duftwolke nach Kernseife ist psychedelisch.
Bewerbe mich für den Inselschreiber Sylt, das Arbeiten geht doch hier flott und leicht von der Hand, das Leben ist wunderbar.
(Schreibtisch, 5. VII. 09:) Insgesamt ein Erfolg, das Treffen mit Tom und Michael (?) vom Tropenverlag, sie sind freundlich interessiert an meinem Buchplan, meine Cousine Eva stößt dazu und es stellt sich heraus, dass sie die Kinderärztin von Toms Sohn Kaspar war, ja, die Welt ist ein Dorf.
Auch die Lesung kann ich unter Triumphe abbuchen, für die 10 Edressen, die in mein Notizbuch geschrieben werden hätte es sich in der Tat nicht richtig gelohnt, das Logbuch mitzuschleppen.
Das Sommerfest beginnt und das System hat Methode, und zwar die des völligen Irrsinns, als hätte es sich eine Gruppe Schizophrener und manisch Depressiver ausgedacht. Man kann nicht etwa einfach an den Essensstand oder die Biertheke gehen und sich den Imbiss oder das Getränk seines Wunsches holen, nein, als erstes muss man sich in eine lange Schlange zu einer Kasse anstellen, wo wir unsere Solitude-Bons gegen Getränke- und Essens- sowie Pfandbons eintauschen, woraufhin man sich erneut anzustellen hat, mit Glas- oder Schüsselchenabgabe nicht weniger als vier mal.
Die Scheune voll,
Trinke an einem vierfachen Wodka von Sarah mit und dann noch eine merkwürdige Sektvariante, rosa mit etwas bitterem darin. Die DJs verstehen es, mit ihrer Musik auch die Tanzlustigsten abzuschrecken.
Dreiviertel 3 im Bett.


Sonntag, 5. VII. 09, Stuttgart schwül, Berlin sonnig & drückend:
Schreibtisch: T: Tue mir versehentlich Honig auf das zermantschte gekochte Ei.

Geweckt durch Anruf von Ben halb 11, mit ihm, der Art-Science-&-Business-Frau, Sarah, Thomas und Ben ins Frühstücks-Café Senefelderstraße am Feuersee, bei Rührei geht es in der Hauptsache um die Vor- und Nachteile sowie die Details von Darmspülungen, die fast alle Anwesenden schon genossen haben.
Im Flugzeug gibtsn Playboy mit vielen rasierten Muschis, aber traue mich ja dann doch nicht, ihn mir anzukucken, wenn jemand neben mir sitzt. Sie haben für die Flugzeugverteilungen einen extra Schutzumschlag drumgeklebt, der eine nachdenklich nach unten blickende Frau zeigt. Aber die "Welt am Sonntag" ist nicht viel besser, einen Artikel über Muschifrisuren illustrieren sie mit der unten rum unrasierten Madonna. Michael Jackson war bestimmt komplett rasiert.
Es gibt inzwischen einen Computervirus, der mit dem Betreff "Remembering Michael Jackson" ankommt mit einem Anhang angeblich geheimer Lieder und Fotos. Russische Jackson-Fans wollen ihn im Lenin-Mausuleum einbalsamieren, weil der in "Stranger in Moscow" von 1996 seine Gefühle beim Mausoleum und an Kremlmauern beschrieben hat.
Was mich allerdings besonders reizt, da scheint sich schon mein Reiseziel in der Elfenbeinküste abzuzeichnen, ist die Tatsache, dass die Würdenträger des Dorfes Krindjabo finden, dass er bei ihnen begraben werden muss. "Er war unser Sohn, wir fordern seinen Leichnam!", sagte ein Sprecher des Königreichs der Sanwi im Südosten des Landes. Warum? Im Februar 1992 war der Popsänger auf der Suche nach seinen afrikanischen Wurzeln im Dorf. (Ein Greis namens Tano Koutoua war schon damals dabei.)
Schreibtisch: Halb 6 bin ich zu Hause, gibts da noch eine Chance, einen vernünftigen Text für heute Abend zu verfassen? Ich versuche es immerhin. Zu dem Publikumsbrief, den ich gerade geschrieben habe, fehlt mir die nötige Distanz. Ob er funktionieren wird, werde ich gleich bei der Reformbühne erfahren.


Montag, 6. VII. 09, sonnig:
Schreibtisch: T: Übernehme die Wohnung von Annemieke in der Metzer Straße, es ist eine recht kleine, aber feine Wohnung. Kersten stellt mir den Fernseher ein, plötzlich kann man damit sämtliche Überwachungskameras der Umgebung empfangen, sehe Ahne und Jakob. Anne und Robert kommen herein, bereiten gemeinsam Essen. Wundere mich etwas über ihr Verhältnis, sind sie doch wieder zusammen? Lisa ist im Raum, ich umarme sie.

Zu Jakob, den Charité-Vertrag unterschreiben, nun wird alles gut.
(Schreibtisch, 10. VII. 09:) Bewegung (Orthopädie, Physiotherapie, Unfallchirurgie)
Human- und Geisteswissenschaften
Rechtsmedizin (Wirth, Geserick, Vendura) durch Aktuelles ergänzen!
Psychiatrie aus Helmchen ergänzen!
Leitung Allgemeiner Teil 70 Seiten, Lehre, Forschung, Klinik, Fusionsprozesse.
Grußworte von Ulla Schmidt (Krankenversorgung, Paris, international)
Wowi: Größter Arbeitgeber usw.
Max-Planck-Gesellschaft
BMBF Bullmahn (?): Lehre und Forschung.
Schreibtisch: Bei mir tippe ich die Edressen von Samstag ein und verschicke mal wieder eine Rundmail.
Kaufe mir GraphicConverter und das Handbuch, 45 Euro zusammen, aber das lohnt sich, jetzt, wo ich es mir leisten kann.
Will noch das Flugtickett in die Elfenbeinküste buchen, aber die Zeit ist eigentlich schon wieder herum, nun Mittagessen mit Manuela.
(Schreibtisch, 10. VII. 09:) Ingo Wirth, Gunther Geserick und Klaus Vendura: "Das Universitätsinstitut für Rechtsmedizin der Charité 1833 - 2008" (Schmidt-Römhild, Lübeck 2008):
Pathologie/Universitätsinstitut für Rechtsmedizin
1833 wurde das älteste deutsche Institut für Rechtsmedizin gegründet, als der preußische Kultusminister am 11. Februar die "Einrichtung der Praktischen Unterrichtsanstalt für die Staatsarzneikunde" an der Universität genehmigte, um unter anderem "Untersuchungen an Leichnamen", also "Besichtigungen und Obductionen" vorzunehmen, und zwar "Mittags um 12 Uhr, theils in den hierzu besonders bestimmten Obductionshause, theils in dem Königlichen Charité Krankenhause". Studenten waren zugelassen, wenn sie dem Physikus durch Handschlag Verschwiegenheit gelobten.
Erster Direktor war Professor Carl Wilhelm Ulrich Wagner (1793 - 1846), allerdings noch ohne Räume und Etat. Wagner stammte aus Braunschweig, war Regimentsarzt und in den Befreiungskriegen Generalarzt der braunschweigischen Truppen. 1819 in Berlin habilitiert wurde er 1820 zum außerordentlichen und 1826 zum ordentlichen Professor für Staatsarzeneikunde an der Universität Berlin berufen. Ab 1826 war er gerichtlicher Stadtphysikus und 1838/39 leitete er kommissarisch die so genannte Lateinische Klinik, die spätere I. Medizinische Klink der Charité. Von 1821 bis 1836 war er einer der Herausgeber des von Ernst Horn (1774 - 1848) begründeten Archivs für medizinische Erfahrung.
Erst 1850 wurde der Begründer der modernen Gerichtsmedizin in Preußen Prof. Johann Ludwig Casper (1796 - 1864) zum Direktor berufen. In praktischer Erfahrung kam ihm in Deutschland niemand gleich und auch ausländische Behörden ersuchten ihn um Gutachten. Sein "Practisches Handbuch der Gerichtlichen Medicin nach eigenen Erfahrungen bearbeitet" (Berlin 1857/58) und seine "Klinischen Novellen zur gerichtlichen Medicin" (1863) sind Klassiker des Faches und wurde zum Vorbild für derartige Lehrbücher im deutschen Sprachraum.
Nach der Apothekerlehre und dem Medizinstudium wurde er 1820 in seiner Heimatstadt Berlin praktischer Arzt. Nach einer Studienreise nach Frankreich und England habilitierte er 1824 in Pathologie und Staatsarzneikunde um im folgenden Jahr zum Prof. ernannt zu werden.
Ab 1865 waren Prof. Carl Liman (1818 - 1891) und Prof. Carl Friedrich Christian Skrzeczka Direktoren und unter ihnen übersiedelte 1867 die Morgue aus dem Leichenhaus der Charité ins neue Anatomie-Gebäude (bis S. 27/28).
1886 wurde das Leichenschauhaus des Königlichen Polizeipräsidiums seiner Bestimmung übergeben und die Staatsarzneikunde bekam darin eigene Räume.
2004 beschloss der Fakultätsrat der fusionierten Charité durch räumliche Zusammenlegung praktisch die Aufgabe des Hauses in der Hannoverschen Straße, da die beiden Universitätsinstitute an der Freien Universität in Berlin Dahlem zusammen gelegt wurden. Nicht einmal zwei Jahre später musste das Institut ins Gesundheits- und Sozialzentrum Moabit umziehen, dadurch wurde die universitäre Rechtsmedizin auf nunmehr drei Standorte zersplittert, von denen der in der Hannoverschen Straße seit 2005 leer stand.
(Schreibtisch, 9. VII. 09:) Spielbericht von Klaus-Cäsar Zehrer: Eine ersatzspielerlose Autorenelf, bei der mehrere Leistungsträger fehlten, zeigte eine ziemlich solide Leistung gegen den frischgebackenen Sieger des Autoren-Sommerturniers, bei dem - eine echte Überraschung und taktische Finesse - im Mittelfeld ein gewisser Ralf Bönt sehr ehrgeizig agierte. In der ersten Halbzeit erspielten sich die Autoren mehrere Großchancen, die allesamt souverän vergeigt wurden. In der zweiten Halbzeit verhalf ein katastrophaler Abwehrfehler, durch den Rinke frei vor dem Tor an den Ball kam, zum überfälligen 1:0. In der Folge wurde der Gegner deutlich besser, lange Zeit konnte die Führung nur mit viel Glück verteidigt werden, ein Gegentor wurde von Schiedsrichter J. Böttcher aufgrund von Abseitses aberkannt. Dann nach einer Freistoßhereingabe doch noch der verdiente Ausgleich per Kopfball. Dabei blieb es, da Zehrer, das dumme Arschloch, zwei Minuten vor Schluss freistehend den Ball aus fünf Metern drübersemmelte, und das Spiel nach 85 Minuten wegen Dunkelheit abgepfiffen wurde.
A. Merkel - Hennig, Hannemann, Tamas, Roloff - Zehrer, Deutschländer, Levitin, Kröchert, Brandt - Rinke
1:0 Rinke (53.)
1:1 (80.)
(Schreibtisch, 7. VII. 09:) Gehe in unserem Strafraum kurz K. O., schon wieder ein erstes mal in meinem Leben, als mir in unserem Strafraum jemand rückwärts laufend volle Kanne mit Hinterkopf auf Kinn und Brustkorb knallt. Ein anderer gegnerischer Spieler hält mich fest, wäre wohl sonst weggesackt. Hole mir einen schmerzenden Unterkiefer und geprellte Rippen.
Am Anfang sind wir eigentlich überlegen, aber 1:0 gehen wir erst in der 2. Halbzeit in Führung, nach einer Ecke gleichen die anderen, Jungle World? Amnesty International? wieder aus, in der letzten Viertelstunde sind sie uns eher überlegen, insofern geht das Ergebnis in Ordnung.
Ins Strandbad Mitte, später noch vors Burger, Bov twittert auch noch nicht länger als 2 Wochen, Unmengen von Teenagern drängeln sich hinein, sie sind schon zum Teil süß anzuschauen, aber tauschen will niemand von uns.
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