www.Falko-Hennig.de
17. Mai, 20 Uhr, Alte Kantine (Kulturbrauerei, Berlin):
Kantinenlesen.
21. Mai, 20.30 Uhr, Kaffee Burger (Berlin):
Radio Hochsee Special
100 % Berlin Azubi-Party!
Eine ganze Generation wird eingeladen, Eintritt 5 Euro, fuer Buchhandels-Azubis frei.
Um Anmeldung bis zum 20. Mai unter radiohochsee@web.de
Donnerstag, 24. IV. 08, sonnig:
(St Oberholz, 25. IV. 08:) Treffen mit Anna im Kreuzberger Morena wegen der Pressearbeit, herrliche Fahrradfahrten durch die Sonne hin und zurück. Überall wird gebaut wie seit ungefähr 200 Jahren in Berlin, am Alex entstehen neue Hochhäuser, der Strausberger Platz ist eingerüstet.
Zum 89er Roman, 2tes Kapitel: Aber natürlich passierte gar nichts, wie auch? Ich hatte meine Weltflucht ziemlich weit entwickelt/getrieben???
Im Roten Salon 40 Zuschauer, aber erst lockeres Beisammensein vor dem Eingang. Wolfgang Hörner stellt mir die Frau vor, die unter Pseudonym den Herausgeber des Trabi-Buches vom Eulenspiegelverlag mimte. Bodo empfiehlt mir, für 150 Euro für 2 Jahre Titelschutz auf 89 und 1989 zu beantragen.
Im BAIZ spricht netterweise Jochen Wisotzki an, was ich zur Wegfilterung des Alltags sage, versteht er leider nicht, dafür treffen wir uns bei Melancholie und Lothar Feix, den er als erster veröffentlicht hat, den Durstigen Pegasus von Volly Tanner hat er 1973 gegründet, das längste Open Mike der Welt. Papenfuß, „Die Zunge“, das Bukowski, wie sie die Christinenstraße bis hier hinunter getrieben worden sind, und nun geht’s nicht weiter nach Süden.
Freitag, 25. IV. 08, bedeckt & frisch:
St Oberholz: Mit dem Kämmen: „Wie oft habe ich Euch schon gesagt: Ich kann Euch so leicht eine Frisur schneiden, wie ich sie habe.“
Ella: „Aber das sieht hässlich aus.“
Ich empört: „Was? Ich sehe hässlich aus?“
Lisa: „Naja, bei Dir haben wir uns schon dran gewöhnt.“
Ich: „Bei Euch gewöhne ich mich auch schnell daran.“ Und so lachen wir, was für die frühe Stunde nicht so wenig ist.
Gibt es etwas Wohligeres, als nach dem Frühstück mit den Kindern ½ 8 wieder ins warme Bett zu kriechen? Nein, jedenfalls nicht um ½ 8 Uhr morgens.
T: In Rangsdorf, Martin, den ich an gemeinsame (Regionalzug Angermünde – Berlin, 3. V. 08:) Kindheitserlebnisse hier auf dem Grundstück erinnere und der darauf hin vor Rührung weinen muss, was ich per Zufall erfahre, als ich ihn versehentlich anrufe. Eckerts kommen, die vorübergehend hier wohnen. Mit Onkel Hans, der Rotwein trinkt, durch Goethe- und Ahornstraße. An das historische Datum so und so 1995 erinnert er, als symbolisch der Kühlschrank leer geräumt wurde ...
Pult: ... , eigentlich wollte er gar nicht mehr, nun trinke er doch, wenn auch erst ab 5. Er schaut auf die Uhr: 5 Minuten nach 5. Die leere Flasche stellt er in der Ahornstraße gegenüber an Garbrechts Zaun. Will ihm erklären, dass es bei ihm nicht anders als bei Goethe oder Loriot eine Frage der Menge sei, um herauszufinden, wieviel er denn täglich konsumiert.
Und noch so ein grandioses Buch von Steffen Wimmer, diesem feinen Menschen mit Bärenstatur und einem Herz aus Gold und dem Durst, der nicht mit Limonade gelöscht werden kann.
St Oberholz: E-Post im Oberholz.
Etwas am 89er Roman, 2tes Kapitel und aus dem Schrund was in den „Waldfrieden“ kopieren.
(Dach № 9, 28. IV. 08:) Mache mich bei Zwieg bestimmt nicht beliebter, er ist mit Tochter unterwegs, als ich ihn frage, ob Hunde oder Kinder besser seien. Er habe noch nicht darüber nachgedacht. Ich bin überzeugt, dass Kinder sehr viel praktischer sind, allein das Verreisen.
Pult: Erdbeerschnitten und eine Himbeer- mit den Kindern, dann mit Lisas selbstgeschnitzten Mäusen „Spitz pass auf!“, was ich gewinne, angeblich unfair, weil ich antäusche und das dürfe man nicht, findet Lisa, die darob ziemlich vergnatzt ist.
Lisa zum Turntraining, lese mit Ella zusammen auf dem Sofa, ich Stefan Wimmers „Die 120 Tage von Tulúm“ und sie Lothar Kusches „Quer durch England“ mit Zeichnungen von Elisabeth Shaw, dabei essen wir Pistazien und trinken Blutorangentee.
Gegen ½ 5 kommt Nina, heute wäre mir ihre ordnende Hand angesichts dieser Harmonie auch entbehrlich gewesen, andererseits animiert sie mich durch ihren Fleiß immer zum Arbeiten, und so mache ich mich ans Transkribieren des Eberhard-Gespräches vom 28. I. 08 bis gegen 6.
(Dach № 9, 28. IV. 08:) Im NBI läuft erst eine Film über die Bunnylectures, schon unterhaltsam, eine Dokumentarfilm-Parodie, aber ich frage mich, wie oft man das noch überdrehen kann, bis schließlich kein Zuschauer oder -hörer es noch nachvollziehen kann, Ironie der Ironie der Ironie.
Lesung dann ziemlich ulkig, beeindruckend, in diesem kleinen Klub das erste mal Stephen Hawking zu sehen, der in österreichischem Akzent über Weltraumtoiletten referiert.
Fahrt durch die milde Nacht der Choriner Straße in die der japanischen Zierkirschblüten.
Samstag, 26. IV. 08, sonnig:
(Dach № 9, 28. IV. 08:) T: Komme zur Halbzeit zum Hallenspiel, wir liegen 3:0 zurück.
½ 11 in der Sonne im Weinbergspark, das jährliche Wunder der Genesung, psoriatischer Sonnenanbeter der ich bin.
Entgegen meinem Traum sind wir im Spiel gegen BILD online erfreulich überlegen, die Fairness lässt auf beiden Seiten etwas zu wünschen übrig, 1:1 zur Pause, 4:2 Sieg als Endstand.
„Die Koffer des Herrn O. F.“ (D 1931) im Zeughauskino mit Peter Lorre als Ostender Lokalreporter. Ernst Busch singt zwar in dem Film, ist aber nicht zu sehen. Dem unbekannten deutschen Spielfilm und besonders Margo Lion ist die Reihe gewidmet, die 1900 oder 1899 in Konstantinopel geboren ist, 1923 erster Liedvortrag im Kabarett, 1924 geht sie mit einer Hyäne spazieren. In ihrem ersten, verschollenen Film ging es um die Geschichte eines 10-Mark-Scheines, 1931 spielte sie die Seeräuberjenny in der französischen Version der Dreigroschenoper.
Das alles und noch viel mehr erfahre ich aus dem Einführungsvortrag von Jeanpaul Goergen. Dünn und blond, Hakennase, die Stimme finde ich auch nicht überzeugend, und trotzdem ist es ungerecht, dass sie schon zu Lebzeiten und jetzt erst recht vergessen ist.
Bei Stefans Gartenparty die RBB-Landschleicherin, mit der er inzwischen liiert zu sein scheint und ein Kollege von Wulle und Ecki vom Metropol-Theater, Jürgen Jakubeit oder so ähnlich, hat bei sich eine Grafik von Ecki hängen, er mit Sonnenbrille in den Dünen, die sich, wie auch das Meer, als Frauenkörper herausstellen.
Wie ich da saß bei der UnAUFGEFORDERT, einen Text abtippte und mich mit ihm unterhielt, dann fragte er:
„Wie ist der Artikel?“
„Keine Ahnung, ich tippe ihn ja nur ab.“ Der dynamische Prozess der Erinnerung, ist das nun die Wahrheit oder auch nur eine? Habe diese fremde Erinnerung schon aufgenommen, vielleicht wird es irgendwann meine eigene sein.
„Adel verpflichtet“ (GB 1949?) mit Oz im Freudenhaus, eher ziemlich langweilig, immerhin Alec Guiness in 5 verschiedenen Rollen, unter anderem als Ballon fahrende Frau. Kurz gesellt sich Katja dazu, aber wir sind ihr wohl nicht unterhaltsam genug, so dass sie schnell wieder verschwindet.
Sonntag, 27. IV. 08, sonnig:
Pult: Sonntagsrätsel, was aus der Natur:
-erle--
Nicht befriedigend.
(Dach № 9, 28. IV. 08:) Im Weinbergspark lese ich „Die 120 Tage von Tulúm“ zu Ende. Einige Endtakte Lindenstraße, eine Fickszene, wie alt Else Kling geworden ist. Dann los in die erstaunlicherweise gar nicht so schlecht besuchte Reformbühne. Das lässt doch für den Sommer hoffen.
Sarah von Stein schaut vorbei, sie denkt noch jeden Tag an ihn, die drei Jahre mit Micha waren die schönsten ihres Lebens.
Heiko: „Ich war beim Entenrennen.“
„Und wievielten Platz hast Du belegt?“ Tatsächlich geht es um einen Dorfbrauch, bei dem die Einwohner einmal jährlich ihre Quietsche-Entchen in einen Bach werfen und wessen als erste im Dorf ankommt, der hat gewonnen.
Montag, 28. IV. 08, sonnig:
Dach № 9: T: Nur der Text, wohl von Hamsun, aber es sind viele Fehler darin. Regen.
Pult: Wie zu erwarten war, bin ich nicht im Kader des Israel-Spiels, ich horche in mich hinein: spüre keinen Ärger.
Frühstück, dann will ich aufs Dach.
Dach № 9: Das erste mal seit Menschengedenken, jedenfalls seit etlichen Jahren, dass ich mich wieder aufs Sonnendach begebe. Meine amerikanisches Feldbett von 1944 hat die Jahre über im Regen gestanden und ist verrottet, werde es nachher in den Müll bringen.
Inzwischen habe ich ungefähr 10 graue Haare am Sack. So tippe ich die Notizen der vergangenen Tage ab, arbeite etwas am 89er Roman bis ¼ nach 2.
(Pult, 29. IV. 08:) Lese nun Knut Hamsuns „Hunger“ (München 1921) von meiner Oma, diese schöne Ausgabe des Münchener Albert Langen Verlages mit dem Cover von Thomas Theodor Heine mit springenden roten Wölfen, und das parallel zu „Das letzte Kapitel“ von Gerds Oma.
So fahre ich durch den sonnigen Tag mit meinem funktionierenden Fahrrad und vermisse mein Auto überhaupt nicht. Dieses Lebenskapitel konnte ich also recht leicht abschließen.
Zu Erwin Behrmann, nach ungefähr 4 oder 5 Wochen ist nun zwar der Poesiealbums-Eintrag immer noch nicht vollbracht, aber die Fotos entwickelt und nächste Woche wird es dann vielleicht vollbracht sein.
Hallervordens Mord an der Prostituierten, zwischen 1967 und 1970 war das, eine hässliche, verlebte Prostituierte erwürgt nach dem Verkehr. Abgestoßen ist er nicht so sehr von der Tat sondern von dem Unästhetischen des Aktes davor. Seinen Citroen hat Hallervorden danach das einzige mal gewaschen, wer ihn kenne wisse, dass das etwas zu bedeuten hat. Er hat ihn in Anwesenheit eines Praktikanten nach einem Theaterstück darauf angesprochen, statt einen Scherz zu machen hat er abgewehrt:
„Lass den Quatsch!“, da wusste er, dass was dran war.
Fußball blöde, gewinnen zwar und kann in der Abwehr glänzen, aber auch gravierende Fehler, die mit Toren bezahlt werden, selber schießen tue ich auch keins. Danach schnell nach Hause, wo ich vor dem Fernseher versacke.
Dienstag, 29. IV. 08, bedeckt:
Pult: T: In einer Bar, die „Marx“ heißt und auch mit zwei Marx-Büsten ausgestattet ist. Auf einem Sektkübel steht TAU.
Heute ist der 79. Geburtstag von Walter Kempowski, gestern habe ich meinem Psychotherapeuthen die mir 1999 gewidmete Ausgabe von „Sirius“ geborgt.
An die Überarbeitung der Mark-Twain-Geschichte (Sportzeitung), fast eine Stunde suche ich nach der Ersterscheinung: Das Original der Erzählung hieß „How I Edited an Agricultural Paper Once“ und erschien im Juli 1870 erstmalig in der New Yorker Wochenzeitung „THE GALAXY“.
½ 12 ans Überspielen der Fotos von Digitalkamera auf den Laptop, leider ist die Festplatte voll, so dass die ganze Mühe nach 20 Minuten erstmal umsonst ist.
Komme dem Rätsel der seinerzeit verschwundenen Bilddateien von meinem Geburtstag auf die Spur: Wenn bei der Überspielung wegen zu voller Festplatte abgebrochen wird, hat die Maschinerie bestimmte Dateien zwar kopiert, viele aber nicht, aber hat schon die Ordner für die Tage angelegt, die allerdings leer bleiben.
Also nochmal überspielen, und so vergeht die Zeit.
Telefonat mit Michael Montfort, wann ich denn mal vorbeikomme? Avisiere unter Vorbehalt Ende Mai, wenn diese Lesung in Frankfurt/Main ist.
Schieße fürs Magazin auch noch Selbsporträts im Sport-BZ-Trikot, mal sehen, ob sie das abdrucken.
½ 3 Mittagspause, lasse wie so oft den Laptop dabei eingeschaltet. Obwohl, da ich auch noch Zeitung lesen will, wäre das bescheuert.
(Dach № 9, 30. IV. 08:) Wie der Eremit sich aus seiner Höhle an den Fluss begibt, um sich einen Fisch zu fangen, so fahre ich an die Ufer der tosenden Torstraße, um im Adonis am Rosenthaler Platz meinen Schawarma einzunehmen. Auch Zigaretten gehören wieder zu meinem Alltag, poor weak me!
In die Kapelle (NZZ): In Kenya drohen währenddessen die Gefängniswärter, alle Verbrecher herauszulassen. Die chauvinistische Kampfgruppe Mungiki besteht aus Kikuyu, der Ethnie, der auch Präsident Kibaki angehört. Ihr Che Maina Njenga sitzt im Knast, der Verein lebt von Schutzgelderpressung im öffentlichen Verkehr sowie an Bauern. In Haiti sieht es nicht viel besser aus. Horst Mahler hat Michel Friedmann vom Zentralrat der Juden in Deutschland mit „Heil Hitler, Herr Friedmann!“ begrüßt, 10 Monate Haft ohne Bewährung. Ich finde seinen Wandel vom RAF-Terroristen zum Nazi gar nicht so gravierend, nur ein neues Mäntelchen für verbrecherische Neigung und Mordlust. Der Generalsekretär des Zentralrats Stephan Kramer tritt dagegen für eine kommentierte, kritisch wissenschaftliche Ausgabe von Hitlers „Mein Kampf“ ein.
Pult: Bei mir ab 4 weiter Fotos verschicken an Schwester Claudia vom ersten Treffen.
(Dach № 9, 30. IV. 08:) Eine Currywurst in der Potsdamer- vor der Bülowstraße.
Ein Dokumentarfilm über Hans Sahl im Buchhändlerkeller, F. W. Bernstein im Publikum.
Meine Dämonen lassen mich, auf der Suche nach Trinkgesellschaft, müssen die Brauseboys hier in der Nähe nach ihrer Babylon-Sache nicht hier in der Nähe ihren Erfolg oder ihre Pleite begießen? noch ins Prassnik schauen und dort die Dreiergesellschaft von Herrendorf, Kirk und einem Unbekannten aufsuchen und mir noch anderthalb Bier einschütten. Wir erörtern das Problem der Außerirdischen und warum sie sich nicht melden.
Auch danach ist noch nicht Schluss, die Viertelflasche Rotwein muss ebenfalls unbarmherzig geleert werden, während Ernest Tubb Hank Williams singt.
Mittwoch, 30. IV. 08, sonnig:
Dach № 9: Gegen 10 auf, Albert „LSD“ Hoffmann ist 102jährig gestorben. Mietschulden für den Keller überweisen und Dauerauftrag einrichten.
Wie Gott mich schuf in der Sonne sitzend, Computer auf dem Schoß, könnte ich auf die Inspiration warten, stattdessen tippe ich lieber die Notizen ab.
Lese weiter in Hamsuns „Hunger“, finde einen Zettel darin aus der Vergangenheit:
„Ich habe Bücher zu 16,20 DM erhalten. Ich verpflichte mich diese Summe in drei Monatsraten abzuzahlen. Das erfolgt an jedem 20. des Monats.
Hans-Jürgen Großer
Ludwigsfelde, den 2. 9. 59“
Gegen 3 überwinde ich meine Faulheit und arbeite an dem Exposé und den Probekapiteln des 89er Romans.
Pult: Froh, den inneren Schweinehund in einem Moment überrascht und besiegt zu haben, in dem er so gar nicht darauf gefasst war. Sowas klappt nur leider wohl nicht immer.
Wohlige Zufriedenheit. (Dach № 9, 5. V. 08:) Unsere Milchstraße wird in 2 Milliarden Jahren vom Andromadanebel verschlungen werden, wir rasen diesem Schicksal mit 500000 km/h entgegen. In „Galaxienkerne mit magnetischen Düsen“ von Hermann-Michael Hahn stehen Sätze wie „Die Forscher konnten zeigen, daß die Beobachtungen auch die grundsätzliche Modellannahme der Astrophysiker stützen, nach der die Beschleunigung der Plasmawolken in Magnetfeldern geschieht, die durch Rotation eines Schwarzen Loches oder dessen Akkretionsscheibe verdrillt werden.“ Wenn man sowas liest, verdrillt sich einem ganz schön das Hirn.
Die SPD droht mit Vollbeschäftigung. „Bube, Dame, grAS“.
Donnerstag, 1. Mai, Kampftag der Arbeiter und Herrentag:
Pult: Vielleicht durch den gestrigen alkoholfreien Tag ein melancholischer Tagesbeginn.
Frühstück und Terminplanung wegen der Kinder bei Heidi.
(Gutshaus Stolzenhagen, Küche, 2. V. 08:) Essen in dem sudanesischen Imbiss Elburai in der Torstraße:
„... überrascht euch mit essen aus afrika, dem orient, speziell aber aus dem sudan.“
(Dach № 9, 5. V. 08:) Den selben Weg nun mit Fahrrad zu fahren, den ich so oft mit Auto zur Chaussee knatterte, fühlt sich an einem solchen Tag melancholisch an. Tröstlich beim Radeln zur Arbeit: Ich muss ja.
(Gutshaus Stolzenhagen, Küche, 2. V. 08:) Bei der Chaussee, die leider heute ziemlich mau besucht ist, findet Kirsten Fuchs, es sei pervers, wie ich mich ununterbrochen an- und ausziehe.
(Dach № 9, 5. V. 08:) Vermute, dass sich Elvira wegen Hans' großen Gliedes von ihm getrennt hat. Auch Ahne wurde aus diesem Grund schon oft verlassen und ich auch. „Ihr seid ja süß!“, findet Kirsten, aber vermutlich nicht wirklich.
Im Gegensatz zum „Beinbruchblues“, bei dem erfreulich gelacht wird, bleibt es bei „Heimweh“ mucksmäuschenstill. Sehr laberig dann die Absage, aber das Publikum bleibt konzentriert.
(Gutshaus Stolzenhagen, Küche, 2. V. 08:) Klopse mit Reis und Bohnen in einer leckeren Zimtsoße von Jatzeck im Freudenhaus, auch Aryon da, der nun angemessener Len genannt werden will, Ahne stößt dazu, ich begebe mich bald ins Bett.
Auch wieder so ein Tag wie im Rausch.
Freitag, 2. V. 08, sonnig:
(Dach № 9, 5. V. 08:) T: In einer Gegend von Kreuzberg mit vielen Antiquitätengeschäften. Sitzen in einem Restaurant, viele Kollgen an einem großen Tisch, einige haben sich mit Trödel eingedeckt. Mir fällt ein abgenagter Knochen, nicht einer von mir, von der Balustrade auf ihren Tisch. Bin allein in Charlottes nahegelener neuen Wohnung, oberste Etage. Ein Radio hat sie in ein Regal eingebaut, in die verglaste Küche scheint die Sonne. Traurig, dass sie mir nichts von dem Umzug erzählt hat, gehe ich hinunter.
Der Knochen könnte für meine Minderwertigkeitskomplexe und Selbstzweifel stehen, wie seinerzeit der Traum, dass ich in meinen Manuskripten lese und bemerke: Alle meine Texte sind schlecht.
Pult: Tohuwabohu heißt wüst und leer.
Gutshaus Stolzenhagen, Küche: Lärm wegen der Dreharbeiten weckt mich, für einen Ninja-Film wird Christinen-/Ecke Lottum- Istanbul nachgestellt samt orientalischem Markttreiben.
Spider mit neu gebasteltem Disco-Rollstuhl (eher ein Disco-Fahrrad) für die Arbeitslosen-Demo, an der ich erstmalig seit Beginn wegen der Sommerfrische, zu der wir uns auf den Weg machen, nicht teilnehmen kann. Aber sie werden es schon schaffen, das Volk aufzurütteln.
Herr Urbanski winkt in der Zehdenicker von seinem Dachgarten.
In Angermünde holt uns Georg Englisch ab, wehmütige Gefühle überkommen mich, Crussow und die Fahrten, aber es bleibt sanft und schmerzt nicht, nur ein bisschen.
In Lüdersdorf wird eine neue Propangasflasche aufgenommen, in Stolzenhagen eine Baracke gemeinschaftlich abgerissen. Spaziergang durchs Dorf, im Fenster eines frühere Ladens „Willy Albrecht“ viel Wissenswertes über die Lokalhistorie, der Name Stolzenhagen:
Der bewaldete Burgwall (Hain) mit der slawischen Burg ragte „stolz“ aus dem Grün der Wiesen des Odertals hervor und wachte über die Bewohner des Ortes, plattdeutsch „dä stolte Hain“. Alte Schreibweisen: Stolzinhain, Stoltinhain, Stolzinhaben und Stoltinhagen. 1200 erste Kirche, 1315 erste urkundliche Erwähnung, 1618 Pest im 30jährigen Krieg, 1717 Anbau der ersten Kartoffeln (290 Jahre Kartoffeln in Stolzenhagen! Das muss doch gefeiert werden!), 1850 Bau des Gutes, 1859 Oderdamm, 1909 wird der Kanal, genauer die Hohensaatener-Friedrichstaler-Wasserstraße eingedeicht, 1911 Eisenbrücke darüber, 1912 Anschluss ans Elektronetz, Krieg, Rote Armee, Bodenreform, DDR-Gründung, 1952 LPG „Vorwärts“, 1957 Ausgliederung aus dem Kreis Angermünde und Ein- in den von Eberswalde, 1958 Stolzenhagen ist vollgenossenschaftlich, 1975/76 „Die LPG'en schließen sich zu KAP, später zu LPG P und LPG T zusammen, ZBO Frischeier und ZBO Bau entsteht.“ Auch der Fall der Mauer und der Tag der deutschen Einheit haben hier stattgefunden,
„06.05.90 erste freie Wahlen und in den Folgejahren umfangreiche Entwicklung der Infrastruktur und der sozialen und wirtschaftlichen Strukturen.
1997 Stolzenhagen erhält ein Ortswappen
2002 01. März im Rahmen der Gebietsreform wird Stolzenhagen Ortsteil der Gemeinde „Lunow-Stolzenhagen“.
Gedichte über Stolzenhagen
Der Kaufmann Wilhelm Brüning dichtete um 1904 über Stolzenhagen einige Verse die er auf Postkarten veröffentlichte um für sein Geschäft zu werben. So endeten seine Gedichte u.a. mit den Versen:
„Alles, was der Mensch gebraucht, man bei Brüning billig kauft.
Und von weit kommt man gelaufen um bei Brüning einzukaufen.
Oder
Willst du gut und billig kaufen musst du zu Wilhelm Brüning laufen,
denn da kannst Du alles haben was der Mensch gebraucht zum Laben.
Ein Gedicht lautete wie folgt:
Kinder über Stolzenhagen ließe sich so manches sagen.
Doch um keinen hier zu kränken, will ich mich darauf beschränken
einiges nur anzuführen, was den Fremden kann belehren.
Wer vom Krähenberg hier schaut doch kaum seinen Augen traut.
Zuerst das breite Odertal, dann der Großschiffahrtskanal,
Fischerkietz und Ahnenschloss, Rittergut, Ziegengalopp,
Schäferei und Doetelhaus sehen sehr romantisch aus.
Vor't Ende ist es ja nicht schön, dann vor Modder man kaum geh'n
Am Tage find' man noch zurecht, jedoch im Dunkeln ist es schlecht.
Der Intenweg ist meist so weich, der gleicht bald einem Ententeich.
Das kommt von all den kleinen Quellen aus Sch[w]eine- und auch Ziegenställen.
Selbst ist der Duft nicht angenehm im Sommer sogar unbequem.
Obwohl an Modder man gewöhnt, wird doch mank unter noch gestöhnt.
Und wünscht man sich sogar schon Pflaster, doch der Gemeinde fehlt der Zaster.
Pflaster hat auch keine[n] Zweck, man ist ja doch gewöhnt an Dreck.
Fällt mal ein Fremder rein und schreit, so weiß doch jeder gleich Bescheid.
Man schleppt ihn raus und schrubbt ihn ab, dann geht es los in vollem Trab.
Wozu da erst die Geldausgaben, da wir doch wenig davon haben.
Na, die übrigen Dorfstraßen sind ja ziemlich einigermaßen.
Von Stegen, Brücken und Kanal da sprechen wir ein andermal.
Nun hab ich alles aufgezählt, nichts zugefügt und nichts verhehlt.
Freund, komm[s]t Du mal nach Stolzenhagen so musst Du Dir gleich selber sagen:
„Schön ist das Dörfchen von Natur, es fehlt ein bischen Ordnung nur“
Im Jahr 2001 müsste er einige Gedichte neu formulieren, wenn er über Stolzenhagen schreibt. Eventuell so:
Kinder über Stolzenhagen lässt sich heut viel Neues sagen.
Wer vom Krähenberg schaut kaum seinen Augen traut.
Zuerst das breite Odertal,
Nationalpark nun sogar!
Großschifffahrtsweg ist wunderschön,
Stolzenhagen ließ einen Bootshafen entstehen.
Auch Caravan's sieht man hier stehen,
denn in Stolzenhagen gibt es viel zu seh'n.
Pedalritter erobern den Deich,
ein Radweg so weit das Auge reicht.
Fischerkietz und Herrenhaus sehen noch
Immer romantisch aus.
Im Herrenhaus ist zur Zeit kein Leben,
dies wird sich aber sicher geben.
Das Rittergut im Krieg getroffen,
danach für Siedler aufgeteilt,
im Sozialismus war's dann LPG
bis zur Wende, o weh.
Überflüssig war es nun geworden,
Alternative haben damit nun ihre Sorgen.
Von der Schäferei ist nichts mehr zu seh'n.
Sammelbehälter für den „Grünen Punkt“ dort steht [stehn?].
Das Doetlhaus ist rausgeputzt,
hier hält jetzt immer der Bus.
Schmuck steht der Ziegengalopp jetzt dar,
doch Ziegen sind hier heute rar.
Vor't Ende, geht man gerne nach der Wende.
Silberkistenweg nennt man nun das Ende.
Die Häuser sind hier rausgeputzt,
heut gibt’s hier keinen Schmutz.
Nachts leuchten hier Laternen,
da würde Wilhelm Brüning schwärmen.
Straßenlampen leuchten hell,
auf den Straßen neues Pflaster
Bürgersteige überall.
Der Wanderer fragt:
„Woher der Zaster?“
Hübsche Häuser sind zu sehen,
Blumen sprießen in Rabatten.
Gut lässt es sich im Burgwall gehen
hohe Bäume werfen angenehmen Schatten
weit kann man in die Landschaft sehen.
Am Sandberg man kaum dem Auge traut,
ein hübsches Häuschen wurde da gebaut.
Klamotten aus Skandinavien schön aufgereiht,
hält hier die Eiszeit bereit.
Im Blockhaus nebenan wohnt ein kluger Mann,
die Steine haben es ihm angetan.
Kinder über Stolzenhagen
ließe sich noch manches sagen
Doch um keinen hier zu kräng[k]en,
will ich mich nur auf dies beschränken.
Johannes Albrecht Stolzenhagen im Dezember 2001“
Ich frage mich bei so vielen Künstlern, ob sie auch in der Künstlersozialkasse sind.
Die Kirche, Gottesdienste finden zu Musik Georg Kindlers meist im Gemeindehaus statt, der Pfarrer von Lunow kommt dann in seinem Liegerad hierher.
Hirsche in einem Gehege, von einer Dame erfahren wir, dass der weiße Hirsch geschlachtet worden ist, weiße Hirsche bringen Unglück, davon sind Jäger überzeugt.
Am Informationskasten ein handschriftlicher Zettel, schon ziemlich ausgeblichen, muss diese Informationen für die Ewigkeit retten:
„Leihbücherei Lunow Fischerstr 18
Romanhefte ab -,15 bis -, 40 Cent
Bücher ab -,50 bis 2,- €
Annahme Wäsche Chemisch Reinigung
Propangasflaschen
Handarbeiten in reicher Auswahl
Sofakissen gefüllt rund und 4 eckig
Herren – Damen – Kindersocken
Topflappen rund und 4 eckig
4 eck Halstücher bunte Schal's Frauenschal's
gehäkelte Deckchen Nadelkissen Schmetterlinge
Eierwärmer (Fliegenpilz) Kinderkleidchen u Pullover
geöffnet täglich auch Samstag u. Sonntag“
Besonders reizvoll scheint mir dabei der Eierwärmer Fliegenpilz.
An einem Haus „VW den 25 ten May 1818“
Mit Lisa zum Eiermann, aus den Eiern brät Heidi Pfannkuchen, es sind aber in Wirklichkeit Eierkuchen.
Georg Kindler, kann ich seinem Honigetikett entnehmen, nennt sich Agraricus Apis, was ihm gegönnt sei.
Diese Küche war auch früher Küche, sowohl für die ganze LPG als auch für die Kinder der Umgebung, erfahre ich von Heidi, die abwäscht, während ich meine Chronik eintippe.
(Dach № 9, 5. V. 08:) Als Heidi mal im Markt fragte, wann denn Kartoffeln am besten gesetzt werden, wurde ihr geantwortet:
„An Führers Geburtstag!“
Gutshaus Stolzenhagen, Küche: Dann geht’s nach 8 zum Grillen, Jochen und seine Frau, zwei Kinder haben sie wohl, Georg Englisch und sein Sohn, meine Töchter und Heidi. Einen nassen Arsch hole ich mir, das wird meinen Hämorrhoiden nicht gut tun.
Nette Runde, Lisa sieht fast zum Fürchten schmutzig aus, Jochen war in Saudi Arabien, Dubai, für eine Ausstellung historischer Fotos aus dem Reichsmuseum, Karlsruhe, eine weltoffene Handelsstadt, der Containerhafen und demnächst der weltgrößte Flughafen, Öl macht nur 10 % der Wirtschaft aus.
Prosecco und Rotwein, Tabak und Zigaretten, alles entgegen meinen Vorsätzen.
Mit meiner Stolzenhagen-Chronik mache ich mir wohl viel sinnlose Mühe, indem ich die Texte von der Digitalkamera abschreibe, weil alles auch im Netz zu finden ist, aber meine Dämonen befehlen mir 20 vor 10 weiterzumachen.
(Gutshaus Stolzenhagen, Treppe, 3. V. 08:) Es geht dann noch ans Feuer zwischen Gutshaus und der Baracke, deren Dach abgerissen wurde, es wird Weißwein getrunken und geraucht, auch moderat gekifft. Gegen Mitternacht verabschiede ich mich in mein Dachbodenzimmer.
Das Einschlafen geht nicht so glatt, wie von mir erhofft, obwohl weder Mücken noch anderes Ungeziefer piesacken. Nur die Nachtigall und die Frösche schreien durch die Nacht.
Samstag, 3. V. 08, sonnig:
Gutshaus Stolzenhagen, Treppe: Einen Alptraum kann ich verschlafen und mit einem Wunschtraum übermalen:
Bin mit der Reformbühne in Los Angeles, Stein bezaubert eine Frau auf der Straße, obwohl er nur kurz mit ihr spricht und er nicht einmal englisch kann. In einer Bar setzt Jürgen den Barkeeper haarklein über die richtige Zusammensetzung eines Sandwiches auseinander. Ich verabrede mich mit Andrea in einer Bar.
(Dach № 9, 6. V. 08:) Meine Wunschträume, die fast immer mit dem Reisen zu tun haben.
Gutshaus Stolzenhagen, Treppe: Bis ½ 11 hänge ich diesem Trugbild nach, trotz meiner 1sten Nacht hier wird wohl Stein nicht wieder lebendig werden, dass ich dagegen mit Andrea nochmal in einer Bar verabredet sein werde, das ist nicht unwahrscheinlich.
Bekomme sogar lauwarmen Bohnenkaffee nebenan bei Georg Englisch und Jochen, derzeit hier eine Rarität.
Es scheint für mich der Platz auf der Treppe von Gutshäusern im Blut zu liegen, sie viel sich seit Dolgie 99 geändert hat und was alles gleich geblieben ist.
Heidi fährt mit Lisa und Georg Englisch nach Angermünde in den Baumarkt, nebenan beginnt ein Nachbar Holz mit der Kreissäge zu sägen, morgen wäre hier Ruhe, aber dann bin ich nicht mehr da.
Fette Henne und Dicke Berta verlustieren sich im Kräutergarten rechts von mir, Bartnelken, Kornblumen, Fingerhut, Malven, von Malven gekrönt, so müsste ich hier thronen, wenn es gerecht zu ginge in der Welt. Aber derzeit ist alles gerecht genug.
Ella zeigt mir ihr Reich, neben Georgs Tai Chi Platz haben sie mal einen kleinen Laubfrosch gesehen, dort haben sie Pfefferminze vom Stolper Loch angepflanzt, in diesen Gewächshausbögen fanden eine dieser Performances statt, bei der sie durchs Wasser gezogen wurde. Wo genau die Sauna ist, weiß sie nicht, die Sommerküche von Josch, das Stelzenhaus, die Feuerwehrschlauchschaukel, die alte Stellmacherei, in der Lisa mal herumgeklettert ist. Der Dachgarten auf der Baracke heißt Wäschekorb, der Blechner soundso, mit blauem Pullover und roter Mütze hat ihn gebaut. Schließlich noch ins Baumhaus, wie so oft bewundere ich den Wortschatz und die Intelligenz meiner Großen, von wem sie das bloß hat?
Regionalzug Angermünde – Berlin Gesundbrunnen: Arbeite im Liegestuhl weiter, das Leben ist eine Lust, derzeit sind keine Wünsche offen, oder doch?
Fahrradtour in Kleinfamilie, bekomme eins mit wackliger Gangschaltung, mit dem ich der Not gehorchend meist in einem Bergsteigergang fahren muss, über den Kanal zur Oder und zum Stolper Loch. „Grützpott“ heiße der Turm von Stolpe auch, weil sich die Dörfler gegen Räuber einst dorthin zurückzogen und die Belagerer mit heißer Grütze übergossen. Meine Idee wäre, den Turm abzureißen und die Steine einzeln als Stolpersteine zu verkaufen.
In angenehmster Stimmung im Kleinbus zurück nach Angermünde, ein Rufbus, der den absurden Preis von 1 Euro kostet. Mit einer Tafel Trauben-Nuss und einem Latte macchiato sitze ich in dem pünktlichen Zug nach Berlin und wie ich das hier schreibe sind wir schon in Britz. Und nun gar schon in Pankow, gerade mal eine Stunde braucht der Zug.
Pult: Telefonat mit Anna, Versuch, mich mit fast egal wem zu verabreden, aber so kurzfristig ist Heidel nicht da, Astrid in München und Ahne hat Kinderdienst. Und wäre es nicht sowieso viel vernünftiger, nicht zu trinken? Einmal?
Also heute nun ein richtiger alkoholfreier Tag, kucke zum zweiten mal einen schönen Clint-Eastwood-Thriller und einen mit Kurt Russel, wer hätte gedacht, dass er Schuld war an den Ausschreitungen in L. A. nach dem Rodney-King-Beating-Case? Zwischendurch bin ich fleißig und schicke Material herum, auch mal endlich an Kürschners Literaturkalender: Ich habe es geschafft!
10 vor 1 Schluss.
Sonntag, 4. V. 08, sonnig:
(Dach № 9, 5. V. 08:) T: Fußball in Nürnberg mit Hans Meyer.
Pult: Nach dem einsamen Frühstück eine knappe Stunde Dauerlauf die Landsberger hinaus, Oderbruchstraße, durch den Volkspark Prenzlauer Berg und Am Friedrichshain zurück. Für 89er-Roman, Obse: Russisch hatten wir bei Obse, sie war eine recht freundliche, vielleicht etwas schlichte Frau, die mit dem Familienname Fickenwirth geschlagen war, daher ihr Name unter uns Schülern: „Obse ficken wird?“
(Dach № 9, 5. V. 08:) Ansonsten ab ½ 1 heiteres, leicht angsplifftes Quittungs- und Rechnungen-Sortieren.
Schreibtisch: Gegen 6 bei mir am Schreibtisch, um vor dem Reformbühnenessen noch was aus dem 89er Roman auszudrucken.
(Dach № 9, 5. V. 08:) Wie so oft ist unser monatliches Essen ein Feuerwerk verrückter Einfälle, Jakob rät mir sehr zu, mich für Kenya auch gegen Wahnsinn impfen zu lassen, allerdings wenn man das schon in der Kindheit gehabt habe, sei man immun. Was Uli von Hitlers Frühwerk halte? Er kennt es einfach nicht.
„Hitler malte Rosen.“, versuche ich ihm zu helfen.
„Hosen?“
„Du musst alles auf Dein Niveau herunterziehen!“
Daniela hat mir die Wanduhr mitgebracht, endlich habe ich eine Wanduhr!
Reformbühne ist durch sie als Zuschauerin und Bov als Gast so komplett wie noch nie seit der Gedenkveranstaltung zu Steins Tod. Etwas Lustiges mit ihm, das mir nicht mehr einfällt, so werden die guten Gedanken und Ideen Opfer des Suffs und mangels Stasi, die alles mitschreibt, bleibt es verloren for ever. Trinke mich zielstrebig müde mit unzähligen Bieren, hackebesoffen und sturzdicht 0.40 Uhr im Bett.
Montag, 5. V. 08, sonnig:
Schreibtisch: Der Paketbote klingelt mich heraus, aber es ist schon ½ 10, bringe die große Wanduhr, ein Geschenk von Daniela, an der Wand zwischen den Küchenfenstern an, da wird sie nun wahrscheinlich Jahrzehnte hängen.
½ 11 ans weitere Sortieren der Steuerscheiße, wobei eher die gute Laune weiter überwiegt.
Dach № 9: Etwas lese ich in „Ostafrika, Keny – Tanzania – Uganda – Rwanda – Burundi“ aus der DuMont-Reihe „Richtig reisen“ (Hrsg. Michael Köhler, Köln 1989).
Aktualisierung meiner Kurzbio, die sieht jetzt insgesamt so aus:
1969 geboren in Berlin.
Schriftsetzerlehre und Abitur in der Abendschule.
1993-1994: Medienarbeit mit Jugendlichen beim Kulturverein Prenzlauer Berg.
1994 bis 2006 Kolumne über Berliner Geschichte in der Stadtzeitung „scheinschlag“ („Berlin 1894“ bis „Berlin 1906“)
ab 1995 Mitarbeit in der Reformbühne Heim & Welt, Kurzgeschichten, Hörspiele, Essays.
1996 Gründung der Charles-Bukowski-Gesellschaft (www.Bukowski-gesellschaft.de),
1997 – 99 Kolumne „Berliner Zimmer“ in der taz, sonstige Veröffentlichungen u. a. in: „Salbader.“, „Titanic“, „Frankfurter Rundschau“, „konr@d“, „Hebammen-Info“, „NRC HANDELSBLAD“, „FAZ“, Berliner Zeitung, Der Tagesspiegel.
Seit 1997: RADIO HOCHSEE an wechselnden Orten, u. a. in der Volksbühne, Themenabende u. a. mit Rosa von Praunheim, Thomas Brussig, Jörg Buttgereit, Wolfgang Müller, Matthias Penzel, Thomas Kapielski, Wladimir Kaminer, Heinrich Dubel und Frieder Butzmann.
1997?: Film „China gibt es nicht“, Regie: Katrin Rothe.
1997/98 Arbeit an dem Roman ALLES NUR GEKLAUT.
Seit 1999 Mitarbeit an „Alkor“, „Echolot“ und an „Ortslinien“ von Walter Kempowski.
Mai bis Oktober 1999: Autorenwerkstatt des Literarischen Colloquiums Berlin.
2000: Verleihung der Ehrenbürgerschaft von Lubbock, Texas.
Seit 2000 als Buchautor, Journalist und Vortragsreisender selbständig.
2002-2003: Stipendium Akademie Schloss Solitude.
März 2002: FUENF FINGER BUCHPREIS (Wanderpokal, der aus einer bronzenen Hand besteht, den ich aber nie ausgehändigt bekommen habe.)
Bücher:
-Gastronomie in der Krise (P. Wilson Verlag, Berlin 1998).
-Roman ALLES NUR GEKLAUT (MaroVerlag, Augsburg 1999, Taschenbuch 2001 bei btb).
-Jahrbuch der Charles-Bukowski-Gesellschaft (Herausgeber), Berlin 1998.
-[bju:k], Jahrbuch der Charles-Bukowski-Gesellschaft 2000 (Ariel Verlag, Riedstadt 1999).
-Roman TRABANTEN (Piper Verlag, München, 2002), Vorabdruck im „Nordkurier“.
-Radio Hochsee (2004 bei Piper, München)
-Springfield auf Trip (2004 bei The Grüne Kraft, Löhrbach, www.gruenekraft.net)
-Volle Pulle Leben (Hg., Goldmann Verlag München, 2005)
-Herausgabe einer Doppel-CD (www.reptiphon.de) zu
10 Jahren Reformbühne Heim und Welt.
Filmvorträge:
-Charles Bukowski und der Film
-Halluzinationen in den Simpsons (beide erfolgreich in ganz Deutschland u. a. in
Dresden. Köln, Stuttgart und Sewanee gehalten)
-Themenabende u. a. zu Johnny Cash, Barney Gumble und Hubschraubern
2004 Gast-Redakteur der taz zum Thema Ostdeutschland.
Seit 2004 Interviews in GALORE, u. a. mit Walter Kempowski, Tim Renner, Ray Harryhausen, Albert Speer.
Lesungen, Vorträge Seminare und Workshops u. a. in der Volksbühne, den Münchener Kammerspielen, den Universitäten von Lüneburg, Jelenia Gora (Polen), Sewanee (USA), Belém (Brasilien) sowie den Goethe-Instituten Amsterdam, Riga, Minsk, Bratislava, Rom, Nairobi und Dar Es Salaam..
Radiofeatures „Opferbahnen“ (WDR, 2005) und „Frankie and Johnny“ (WDR 2007).
Sommer 2006: redaktionelle Mitarbeit in der Sport-BZ.
Seit 2005: Mitglied in der Schriftsteller-Nationalmannschaft (gegründet von Thomas Brussig), Teilnahme an den WMs in Italien 2005 und Malmö 2007 sowie dem 9:1 Sieg über den SPIEGEL am 12. 11. 07.
2007: Weltchronik mit Jochen Schmidt im Babylon (Berlin Mitte), Gäste dabei: Mark Benecke, Kathrin Passig, Jakob Hein,
2008: „100 % Berlin“ (Knesebeck-Verlag, München, 2008), Übersetzung aus dem Amerikanischen „Schule ist was für Versager“ (Rowohlt, 2008) von Paul Halpern (Was man aus Den Simpsons über die Wissenschaften lernen kann.)
Anthologien: TRAUMSTADTBUCH (Rowohlt 2001), FRISCHE GOLDJUNGS (Bertelsmann), ASPHALPOETEN (CD bei Kein & Aber, 2001) WAHLVERWANDTSCHAFTEN (Aufbau 2002), PLANET SLAM (yedermann, München 2002), WILDER OSTEN (fischer, 2002), DAS BESTE HÖRT SICH SCHEISSE AN (Fünf Finger Ferlag, Leipzig 2002), BERLIN IM LICHT (Suhrkamp, 2004). Doppelpass (2004), Karl May im Llano Estacado (2004), Alles Gute kommt von oben? (dtv 2004), Iguana à la Carte (2006), Stimmen aus dem Abseits (2006), Der Ball ist aus (2006), Pauschal ins Paradies (2007), woanders (2007), Ich bin Buddhist und Sie sind eine Illusion (Tiamat, 2008)
Obwohl man da nicht mehr von kurz sprechen kann.
Notizen von gestern übertragen trotz gewisser, der Sonne geschuldeter Rammdösigkeit.
(Dach № 9, 6. V. 08:) Bekomme mein Poesiealbum zurück, muss dringend die Fotos von der VW People's Night entwickeln lassen und nachkleben, ein neuer Style mit Computerausdruck, warum nicht?
Pult: 800 Euro bekomme ich für zwei Simpsons-Vorträge in Köln im November, fast alles läuft wie geschmiert.
Gammle vor der Glotze, „Ripley's Game“ (USA/Ital./GB 2002) mit John Malkovich als Ripley, 7 Morde,
Wieder ein alkoholfreier Tag, und vielleicht morgen noch einer.
Dienstag, 6. V. 08, sonnig:
Pult: Traumfragment: Eine Gruppe verwahrloster Mädchen, dunkle Augenringe, schadhafte Zähne, Flöhe oder Ungezieferbefall.
Um 9 auf, Frühstück bis ¾ 10, dann aufs Dach.
Dach № 9: Mich andauernd sonnen, so wie ich es mir in Lehre und den verschiedenen ungeliebten Arbeiten immer gewünscht habe, das kann ich jetzt und das tue ich auch. Hautkrebs kommt später.
19. Mai Deadline für ein Probekapitel und Exposé, wenns 4 Tage länger dauert sei auch nicht so schlimm, welche Quellen und welche Motivation dahinter stecken, das müsse mit rein.
Sowas wie der DDR-Hass-Text, das sei wie in Marmor gemeißelt.
Beim Schreiben sind Fleiß und Faulheit am wenigsten zu unterscheiden, man sitzt ja nur da und macht nichts Richtiges, es ist ja nicht wie Atombomben versandfertig machen oder mit MGs auf Demonstranten schießen.
(Pult, 9. V. 08:) Bockwurst mit Kartofelsalat und 2 Bier, noch etwas Zeitungslektüre und Sonnen vorm Charlottenburger Schloss, zu 7 in die Hackeschen Höfe.
„Sieben Mulden und eine Leiche“ ist eine sehr gute Dokumentation,
(Pult, 13. V. 08:) „Steinmeier? Dieser Guantánamo-Mörder?“, wegen des Kurnaz-Falles, von dem er alles gewusst hat.
Mittwoch, 7. V. 08, Muttis 70. Geburtstag:
Pult: Kontoauszüge kopieren und zu Mrowinski schicken.
Kaputt und verkatert.
Ins Bett ¼ nach 12, aber die Gedanken und Aufgaben drängen zu sehr. Gieße meine Pflanzen, hänge die Wäsche auf.
Bin dabei hypernervös und kann konstatieren: Mir geht’s so wie bei früheren Depressionen. Nein, zum Glück nicht ganz so schlimm.
Und dann das mit den Kindern und den Hausaufgaben, fühle mich schrecklich unwohl.
Freitag, 9. V. 08, sonnig:
Pult: Was für ein herrlicher Tag beginnt, ¼ nach 6 todmüde, aber nach der Morgenroutine mit den gutgelaunten Kindern gegen 10 am Pult.
Nach ½ 11 Abfahrt zum Spandauer Damm, bekomme die Cholera-Impfung, wegen Tollwut muss ich noch zweimal hin.
Auf der Rückfahrt an der Dovebrücke Leserast in der Sonne, weiter in Hamsuns „Das letzte Kapitel“, das ist der Tod. Mir geht es so gut, dass ich es eigentlich gar nicht fassen kann.
Bei mir Datenpflege, von ¾ 5 bis um 7 an die Eberhard-Korrekturen, dann ans weitere Transkribieren (4. II. und 28. I.) , angetrieben durch Ninas Fleiß, so erzeugt Arbeit Arbeit, was nicht das schlechteste ist, hätte doch wohl sonst einfach nur weiter bei Hamsun gelesen.
Sonntag, 11. V. 08, sonnig:
Pult: T: Habe einen Zettel, auf dem von Eva und mir steht und will ihn an eine große Glocke hängen.
Ein weiterer göttlicher Tag bricht an, Verabredung mit der schlaftrunkenen Claudia, E-Post, während die Kinder noch dösen bis um 10,
Pfingstmontag, 12. V. 08, sonnig:
Pult: Das unirdisch schöne Wetter hält an und an und an. Homöopathische Datenpflege.
(Pult, 13. V. 08:) Die Kinder bauen eine Kleckerburg am Kiessee, ich lese.
Meine Mutter ziemlich in Rage, jedenfalls unter Druck, Bungalow muss hergerichtet werden, gepackt für morgen und die Fahrt nach Prerow, Essen für die Kinder und Spargelsuppe für Hanne und Georg, Wässern der Blumen usw. usf. Alles hat sich ungünstig nach hinten verschoben, weil die Bochumer wegen eines Staus bei Ziesar ihre Abfahrt immer weiter nach hinten hinaus schoben.
Auf Alkohol gelingt es mir zu verzichten, nicht auf Zigaretten, dabei vor der Glotze abhängend, dies beruhigende Flimmern meines Laptop-Mäusekinos: Auf dem MDR „Stars, die in den Osten kamen, Cordalis, Kaiser und Co. in der DDR“, Roland Kaiser hat „das wärmere Klima innerhalb der Leute in der DDR“ gespürt, Wiedersehen mit Udo Lindenberg und so vielen Idolen, der Deal 1983 mit Harry Belafonte, der nur kam, wenn sein Freund Udo auch einreisen durfte. Hermann van Veen. Das Improvisationstalent der DDR-Handwerker hat Kosta Cordalis kennengelernt, als sie ihm in seinen Mercedes anstelle seines kaputten Kühlers einen vom Trabant einbauten. Angesichts der Luftkühlung des ostdeutschen Kleinwagens schon ein ziemliches Wunder.
Auf RTL „I, Robot“ (USA 2004), Mord im Roboter-Milieu mit schönen Szenen für „Die Zerstörung von New York“, wenn der Film nicht in Chicago spielen würde.
Zwischendurch in der Werbepause etwas in einem Frank-Sinatra-Porträt auf dem NDR, seine Rolle in „Verdammt in alle Ewigkeit“ und damit den Oscar hat er durch Druck der Mafia bekommen.
½ 1 ins Bett, ziemlich schnell zu müde zum Weiterlesen in „Das Letzte Kapitel“.
Dienstag, 13. V. 08, sonnig:
Pult: Angenehme Kühle in der Nacht und auch am Morgen. Um 9 recht erfrischt wach, mein geliebtes Pult, Symbol der Ordnung im Chaos, und wenn die ganze Welt in Scherben fällt, so phantasiere ich, werde ich hier immer noch stehen und das jeweilige Fernsehprogramm des Vortages eintippen.
Gegen 11 an eine neue Chronik, während die Kinder sich Tiergartenfein machen.
Kantinenlesen.
21. Mai, 20.30 Uhr, Kaffee Burger (Berlin):
Radio Hochsee Special
100 % Berlin Azubi-Party!
Eine ganze Generation wird eingeladen, Eintritt 5 Euro, fuer Buchhandels-Azubis frei.
Um Anmeldung bis zum 20. Mai unter radiohochsee@web.de
Donnerstag, 24. IV. 08, sonnig:
(St Oberholz, 25. IV. 08:) Treffen mit Anna im Kreuzberger Morena wegen der Pressearbeit, herrliche Fahrradfahrten durch die Sonne hin und zurück. Überall wird gebaut wie seit ungefähr 200 Jahren in Berlin, am Alex entstehen neue Hochhäuser, der Strausberger Platz ist eingerüstet.
Zum 89er Roman, 2tes Kapitel: Aber natürlich passierte gar nichts, wie auch? Ich hatte meine Weltflucht ziemlich weit entwickelt/getrieben???
Im Roten Salon 40 Zuschauer, aber erst lockeres Beisammensein vor dem Eingang. Wolfgang Hörner stellt mir die Frau vor, die unter Pseudonym den Herausgeber des Trabi-Buches vom Eulenspiegelverlag mimte. Bodo empfiehlt mir, für 150 Euro für 2 Jahre Titelschutz auf 89 und 1989 zu beantragen.
Im BAIZ spricht netterweise Jochen Wisotzki an, was ich zur Wegfilterung des Alltags sage, versteht er leider nicht, dafür treffen wir uns bei Melancholie und Lothar Feix, den er als erster veröffentlicht hat, den Durstigen Pegasus von Volly Tanner hat er 1973 gegründet, das längste Open Mike der Welt. Papenfuß, „Die Zunge“, das Bukowski, wie sie die Christinenstraße bis hier hinunter getrieben worden sind, und nun geht’s nicht weiter nach Süden.
Freitag, 25. IV. 08, bedeckt & frisch:
St Oberholz: Mit dem Kämmen: „Wie oft habe ich Euch schon gesagt: Ich kann Euch so leicht eine Frisur schneiden, wie ich sie habe.“
Ella: „Aber das sieht hässlich aus.“
Ich empört: „Was? Ich sehe hässlich aus?“
Lisa: „Naja, bei Dir haben wir uns schon dran gewöhnt.“
Ich: „Bei Euch gewöhne ich mich auch schnell daran.“ Und so lachen wir, was für die frühe Stunde nicht so wenig ist.
Gibt es etwas Wohligeres, als nach dem Frühstück mit den Kindern ½ 8 wieder ins warme Bett zu kriechen? Nein, jedenfalls nicht um ½ 8 Uhr morgens.
T: In Rangsdorf, Martin, den ich an gemeinsame (Regionalzug Angermünde – Berlin, 3. V. 08:) Kindheitserlebnisse hier auf dem Grundstück erinnere und der darauf hin vor Rührung weinen muss, was ich per Zufall erfahre, als ich ihn versehentlich anrufe. Eckerts kommen, die vorübergehend hier wohnen. Mit Onkel Hans, der Rotwein trinkt, durch Goethe- und Ahornstraße. An das historische Datum so und so 1995 erinnert er, als symbolisch der Kühlschrank leer geräumt wurde ...
Pult: ... , eigentlich wollte er gar nicht mehr, nun trinke er doch, wenn auch erst ab 5. Er schaut auf die Uhr: 5 Minuten nach 5. Die leere Flasche stellt er in der Ahornstraße gegenüber an Garbrechts Zaun. Will ihm erklären, dass es bei ihm nicht anders als bei Goethe oder Loriot eine Frage der Menge sei, um herauszufinden, wieviel er denn täglich konsumiert.
Und noch so ein grandioses Buch von Steffen Wimmer, diesem feinen Menschen mit Bärenstatur und einem Herz aus Gold und dem Durst, der nicht mit Limonade gelöscht werden kann.
St Oberholz: E-Post im Oberholz.
Etwas am 89er Roman, 2tes Kapitel und aus dem Schrund was in den „Waldfrieden“ kopieren.
(Dach № 9, 28. IV. 08:) Mache mich bei Zwieg bestimmt nicht beliebter, er ist mit Tochter unterwegs, als ich ihn frage, ob Hunde oder Kinder besser seien. Er habe noch nicht darüber nachgedacht. Ich bin überzeugt, dass Kinder sehr viel praktischer sind, allein das Verreisen.
Pult: Erdbeerschnitten und eine Himbeer- mit den Kindern, dann mit Lisas selbstgeschnitzten Mäusen „Spitz pass auf!“, was ich gewinne, angeblich unfair, weil ich antäusche und das dürfe man nicht, findet Lisa, die darob ziemlich vergnatzt ist.
Lisa zum Turntraining, lese mit Ella zusammen auf dem Sofa, ich Stefan Wimmers „Die 120 Tage von Tulúm“ und sie Lothar Kusches „Quer durch England“ mit Zeichnungen von Elisabeth Shaw, dabei essen wir Pistazien und trinken Blutorangentee.
Gegen ½ 5 kommt Nina, heute wäre mir ihre ordnende Hand angesichts dieser Harmonie auch entbehrlich gewesen, andererseits animiert sie mich durch ihren Fleiß immer zum Arbeiten, und so mache ich mich ans Transkribieren des Eberhard-Gespräches vom 28. I. 08 bis gegen 6.
(Dach № 9, 28. IV. 08:) Im NBI läuft erst eine Film über die Bunnylectures, schon unterhaltsam, eine Dokumentarfilm-Parodie, aber ich frage mich, wie oft man das noch überdrehen kann, bis schließlich kein Zuschauer oder -hörer es noch nachvollziehen kann, Ironie der Ironie der Ironie.
Lesung dann ziemlich ulkig, beeindruckend, in diesem kleinen Klub das erste mal Stephen Hawking zu sehen, der in österreichischem Akzent über Weltraumtoiletten referiert.
Fahrt durch die milde Nacht der Choriner Straße in die der japanischen Zierkirschblüten.
Samstag, 26. IV. 08, sonnig:
(Dach № 9, 28. IV. 08:) T: Komme zur Halbzeit zum Hallenspiel, wir liegen 3:0 zurück.
½ 11 in der Sonne im Weinbergspark, das jährliche Wunder der Genesung, psoriatischer Sonnenanbeter der ich bin.
Entgegen meinem Traum sind wir im Spiel gegen BILD online erfreulich überlegen, die Fairness lässt auf beiden Seiten etwas zu wünschen übrig, 1:1 zur Pause, 4:2 Sieg als Endstand.
„Die Koffer des Herrn O. F.“ (D 1931) im Zeughauskino mit Peter Lorre als Ostender Lokalreporter. Ernst Busch singt zwar in dem Film, ist aber nicht zu sehen. Dem unbekannten deutschen Spielfilm und besonders Margo Lion ist die Reihe gewidmet, die 1900 oder 1899 in Konstantinopel geboren ist, 1923 erster Liedvortrag im Kabarett, 1924 geht sie mit einer Hyäne spazieren. In ihrem ersten, verschollenen Film ging es um die Geschichte eines 10-Mark-Scheines, 1931 spielte sie die Seeräuberjenny in der französischen Version der Dreigroschenoper.
Das alles und noch viel mehr erfahre ich aus dem Einführungsvortrag von Jeanpaul Goergen. Dünn und blond, Hakennase, die Stimme finde ich auch nicht überzeugend, und trotzdem ist es ungerecht, dass sie schon zu Lebzeiten und jetzt erst recht vergessen ist.
Bei Stefans Gartenparty die RBB-Landschleicherin, mit der er inzwischen liiert zu sein scheint und ein Kollege von Wulle und Ecki vom Metropol-Theater, Jürgen Jakubeit oder so ähnlich, hat bei sich eine Grafik von Ecki hängen, er mit Sonnenbrille in den Dünen, die sich, wie auch das Meer, als Frauenkörper herausstellen.
Wie ich da saß bei der UnAUFGEFORDERT, einen Text abtippte und mich mit ihm unterhielt, dann fragte er:
„Wie ist der Artikel?“
„Keine Ahnung, ich tippe ihn ja nur ab.“ Der dynamische Prozess der Erinnerung, ist das nun die Wahrheit oder auch nur eine? Habe diese fremde Erinnerung schon aufgenommen, vielleicht wird es irgendwann meine eigene sein.
„Adel verpflichtet“ (GB 1949?) mit Oz im Freudenhaus, eher ziemlich langweilig, immerhin Alec Guiness in 5 verschiedenen Rollen, unter anderem als Ballon fahrende Frau. Kurz gesellt sich Katja dazu, aber wir sind ihr wohl nicht unterhaltsam genug, so dass sie schnell wieder verschwindet.
Sonntag, 27. IV. 08, sonnig:
Pult: Sonntagsrätsel, was aus der Natur:
-erle--
Nicht befriedigend.
(Dach № 9, 28. IV. 08:) Im Weinbergspark lese ich „Die 120 Tage von Tulúm“ zu Ende. Einige Endtakte Lindenstraße, eine Fickszene, wie alt Else Kling geworden ist. Dann los in die erstaunlicherweise gar nicht so schlecht besuchte Reformbühne. Das lässt doch für den Sommer hoffen.
Sarah von Stein schaut vorbei, sie denkt noch jeden Tag an ihn, die drei Jahre mit Micha waren die schönsten ihres Lebens.
Heiko: „Ich war beim Entenrennen.“
„Und wievielten Platz hast Du belegt?“ Tatsächlich geht es um einen Dorfbrauch, bei dem die Einwohner einmal jährlich ihre Quietsche-Entchen in einen Bach werfen und wessen als erste im Dorf ankommt, der hat gewonnen.
Montag, 28. IV. 08, sonnig:
Dach № 9: T: Nur der Text, wohl von Hamsun, aber es sind viele Fehler darin. Regen.
Pult: Wie zu erwarten war, bin ich nicht im Kader des Israel-Spiels, ich horche in mich hinein: spüre keinen Ärger.
Frühstück, dann will ich aufs Dach.
Dach № 9: Das erste mal seit Menschengedenken, jedenfalls seit etlichen Jahren, dass ich mich wieder aufs Sonnendach begebe. Meine amerikanisches Feldbett von 1944 hat die Jahre über im Regen gestanden und ist verrottet, werde es nachher in den Müll bringen.
Inzwischen habe ich ungefähr 10 graue Haare am Sack. So tippe ich die Notizen der vergangenen Tage ab, arbeite etwas am 89er Roman bis ¼ nach 2.
(Pult, 29. IV. 08:) Lese nun Knut Hamsuns „Hunger“ (München 1921) von meiner Oma, diese schöne Ausgabe des Münchener Albert Langen Verlages mit dem Cover von Thomas Theodor Heine mit springenden roten Wölfen, und das parallel zu „Das letzte Kapitel“ von Gerds Oma.
So fahre ich durch den sonnigen Tag mit meinem funktionierenden Fahrrad und vermisse mein Auto überhaupt nicht. Dieses Lebenskapitel konnte ich also recht leicht abschließen.
Zu Erwin Behrmann, nach ungefähr 4 oder 5 Wochen ist nun zwar der Poesiealbums-Eintrag immer noch nicht vollbracht, aber die Fotos entwickelt und nächste Woche wird es dann vielleicht vollbracht sein.
Hallervordens Mord an der Prostituierten, zwischen 1967 und 1970 war das, eine hässliche, verlebte Prostituierte erwürgt nach dem Verkehr. Abgestoßen ist er nicht so sehr von der Tat sondern von dem Unästhetischen des Aktes davor. Seinen Citroen hat Hallervorden danach das einzige mal gewaschen, wer ihn kenne wisse, dass das etwas zu bedeuten hat. Er hat ihn in Anwesenheit eines Praktikanten nach einem Theaterstück darauf angesprochen, statt einen Scherz zu machen hat er abgewehrt:
„Lass den Quatsch!“, da wusste er, dass was dran war.
Fußball blöde, gewinnen zwar und kann in der Abwehr glänzen, aber auch gravierende Fehler, die mit Toren bezahlt werden, selber schießen tue ich auch keins. Danach schnell nach Hause, wo ich vor dem Fernseher versacke.
Dienstag, 29. IV. 08, bedeckt:
Pult: T: In einer Bar, die „Marx“ heißt und auch mit zwei Marx-Büsten ausgestattet ist. Auf einem Sektkübel steht TAU.
Heute ist der 79. Geburtstag von Walter Kempowski, gestern habe ich meinem Psychotherapeuthen die mir 1999 gewidmete Ausgabe von „Sirius“ geborgt.
An die Überarbeitung der Mark-Twain-Geschichte (Sportzeitung), fast eine Stunde suche ich nach der Ersterscheinung: Das Original der Erzählung hieß „How I Edited an Agricultural Paper Once“ und erschien im Juli 1870 erstmalig in der New Yorker Wochenzeitung „THE GALAXY“.
½ 12 ans Überspielen der Fotos von Digitalkamera auf den Laptop, leider ist die Festplatte voll, so dass die ganze Mühe nach 20 Minuten erstmal umsonst ist.
Komme dem Rätsel der seinerzeit verschwundenen Bilddateien von meinem Geburtstag auf die Spur: Wenn bei der Überspielung wegen zu voller Festplatte abgebrochen wird, hat die Maschinerie bestimmte Dateien zwar kopiert, viele aber nicht, aber hat schon die Ordner für die Tage angelegt, die allerdings leer bleiben.
Also nochmal überspielen, und so vergeht die Zeit.
Telefonat mit Michael Montfort, wann ich denn mal vorbeikomme? Avisiere unter Vorbehalt Ende Mai, wenn diese Lesung in Frankfurt/Main ist.
Schieße fürs Magazin auch noch Selbsporträts im Sport-BZ-Trikot, mal sehen, ob sie das abdrucken.
½ 3 Mittagspause, lasse wie so oft den Laptop dabei eingeschaltet. Obwohl, da ich auch noch Zeitung lesen will, wäre das bescheuert.
(Dach № 9, 30. IV. 08:) Wie der Eremit sich aus seiner Höhle an den Fluss begibt, um sich einen Fisch zu fangen, so fahre ich an die Ufer der tosenden Torstraße, um im Adonis am Rosenthaler Platz meinen Schawarma einzunehmen. Auch Zigaretten gehören wieder zu meinem Alltag, poor weak me!
In die Kapelle (NZZ): In Kenya drohen währenddessen die Gefängniswärter, alle Verbrecher herauszulassen. Die chauvinistische Kampfgruppe Mungiki besteht aus Kikuyu, der Ethnie, der auch Präsident Kibaki angehört. Ihr Che Maina Njenga sitzt im Knast, der Verein lebt von Schutzgelderpressung im öffentlichen Verkehr sowie an Bauern. In Haiti sieht es nicht viel besser aus. Horst Mahler hat Michel Friedmann vom Zentralrat der Juden in Deutschland mit „Heil Hitler, Herr Friedmann!“ begrüßt, 10 Monate Haft ohne Bewährung. Ich finde seinen Wandel vom RAF-Terroristen zum Nazi gar nicht so gravierend, nur ein neues Mäntelchen für verbrecherische Neigung und Mordlust. Der Generalsekretär des Zentralrats Stephan Kramer tritt dagegen für eine kommentierte, kritisch wissenschaftliche Ausgabe von Hitlers „Mein Kampf“ ein.
Pult: Bei mir ab 4 weiter Fotos verschicken an Schwester Claudia vom ersten Treffen.
(Dach № 9, 30. IV. 08:) Eine Currywurst in der Potsdamer- vor der Bülowstraße.
Ein Dokumentarfilm über Hans Sahl im Buchhändlerkeller, F. W. Bernstein im Publikum.
Meine Dämonen lassen mich, auf der Suche nach Trinkgesellschaft, müssen die Brauseboys hier in der Nähe nach ihrer Babylon-Sache nicht hier in der Nähe ihren Erfolg oder ihre Pleite begießen? noch ins Prassnik schauen und dort die Dreiergesellschaft von Herrendorf, Kirk und einem Unbekannten aufsuchen und mir noch anderthalb Bier einschütten. Wir erörtern das Problem der Außerirdischen und warum sie sich nicht melden.
Auch danach ist noch nicht Schluss, die Viertelflasche Rotwein muss ebenfalls unbarmherzig geleert werden, während Ernest Tubb Hank Williams singt.
Mittwoch, 30. IV. 08, sonnig:
Dach № 9: Gegen 10 auf, Albert „LSD“ Hoffmann ist 102jährig gestorben. Mietschulden für den Keller überweisen und Dauerauftrag einrichten.
Wie Gott mich schuf in der Sonne sitzend, Computer auf dem Schoß, könnte ich auf die Inspiration warten, stattdessen tippe ich lieber die Notizen ab.
Lese weiter in Hamsuns „Hunger“, finde einen Zettel darin aus der Vergangenheit:
„Ich habe Bücher zu 16,20 DM erhalten. Ich verpflichte mich diese Summe in drei Monatsraten abzuzahlen. Das erfolgt an jedem 20. des Monats.
Hans-Jürgen Großer
Ludwigsfelde, den 2. 9. 59“
Gegen 3 überwinde ich meine Faulheit und arbeite an dem Exposé und den Probekapiteln des 89er Romans.
Pult: Froh, den inneren Schweinehund in einem Moment überrascht und besiegt zu haben, in dem er so gar nicht darauf gefasst war. Sowas klappt nur leider wohl nicht immer.
Wohlige Zufriedenheit. (Dach № 9, 5. V. 08:) Unsere Milchstraße wird in 2 Milliarden Jahren vom Andromadanebel verschlungen werden, wir rasen diesem Schicksal mit 500000 km/h entgegen. In „Galaxienkerne mit magnetischen Düsen“ von Hermann-Michael Hahn stehen Sätze wie „Die Forscher konnten zeigen, daß die Beobachtungen auch die grundsätzliche Modellannahme der Astrophysiker stützen, nach der die Beschleunigung der Plasmawolken in Magnetfeldern geschieht, die durch Rotation eines Schwarzen Loches oder dessen Akkretionsscheibe verdrillt werden.“ Wenn man sowas liest, verdrillt sich einem ganz schön das Hirn.
Die SPD droht mit Vollbeschäftigung. „Bube, Dame, grAS“.
Donnerstag, 1. Mai, Kampftag der Arbeiter und Herrentag:
Pult: Vielleicht durch den gestrigen alkoholfreien Tag ein melancholischer Tagesbeginn.
Frühstück und Terminplanung wegen der Kinder bei Heidi.
(Gutshaus Stolzenhagen, Küche, 2. V. 08:) Essen in dem sudanesischen Imbiss Elburai in der Torstraße:
„... überrascht euch mit essen aus afrika, dem orient, speziell aber aus dem sudan.“
(Dach № 9, 5. V. 08:) Den selben Weg nun mit Fahrrad zu fahren, den ich so oft mit Auto zur Chaussee knatterte, fühlt sich an einem solchen Tag melancholisch an. Tröstlich beim Radeln zur Arbeit: Ich muss ja.
(Gutshaus Stolzenhagen, Küche, 2. V. 08:) Bei der Chaussee, die leider heute ziemlich mau besucht ist, findet Kirsten Fuchs, es sei pervers, wie ich mich ununterbrochen an- und ausziehe.
(Dach № 9, 5. V. 08:) Vermute, dass sich Elvira wegen Hans' großen Gliedes von ihm getrennt hat. Auch Ahne wurde aus diesem Grund schon oft verlassen und ich auch. „Ihr seid ja süß!“, findet Kirsten, aber vermutlich nicht wirklich.
Im Gegensatz zum „Beinbruchblues“, bei dem erfreulich gelacht wird, bleibt es bei „Heimweh“ mucksmäuschenstill. Sehr laberig dann die Absage, aber das Publikum bleibt konzentriert.
(Gutshaus Stolzenhagen, Küche, 2. V. 08:) Klopse mit Reis und Bohnen in einer leckeren Zimtsoße von Jatzeck im Freudenhaus, auch Aryon da, der nun angemessener Len genannt werden will, Ahne stößt dazu, ich begebe mich bald ins Bett.
Auch wieder so ein Tag wie im Rausch.
Freitag, 2. V. 08, sonnig:
(Dach № 9, 5. V. 08:) T: In einer Gegend von Kreuzberg mit vielen Antiquitätengeschäften. Sitzen in einem Restaurant, viele Kollgen an einem großen Tisch, einige haben sich mit Trödel eingedeckt. Mir fällt ein abgenagter Knochen, nicht einer von mir, von der Balustrade auf ihren Tisch. Bin allein in Charlottes nahegelener neuen Wohnung, oberste Etage. Ein Radio hat sie in ein Regal eingebaut, in die verglaste Küche scheint die Sonne. Traurig, dass sie mir nichts von dem Umzug erzählt hat, gehe ich hinunter.
Der Knochen könnte für meine Minderwertigkeitskomplexe und Selbstzweifel stehen, wie seinerzeit der Traum, dass ich in meinen Manuskripten lese und bemerke: Alle meine Texte sind schlecht.
Pult: Tohuwabohu heißt wüst und leer.
Gutshaus Stolzenhagen, Küche: Lärm wegen der Dreharbeiten weckt mich, für einen Ninja-Film wird Christinen-/Ecke Lottum- Istanbul nachgestellt samt orientalischem Markttreiben.
Spider mit neu gebasteltem Disco-Rollstuhl (eher ein Disco-Fahrrad) für die Arbeitslosen-Demo, an der ich erstmalig seit Beginn wegen der Sommerfrische, zu der wir uns auf den Weg machen, nicht teilnehmen kann. Aber sie werden es schon schaffen, das Volk aufzurütteln.
Herr Urbanski winkt in der Zehdenicker von seinem Dachgarten.
In Angermünde holt uns Georg Englisch ab, wehmütige Gefühle überkommen mich, Crussow und die Fahrten, aber es bleibt sanft und schmerzt nicht, nur ein bisschen.
In Lüdersdorf wird eine neue Propangasflasche aufgenommen, in Stolzenhagen eine Baracke gemeinschaftlich abgerissen. Spaziergang durchs Dorf, im Fenster eines frühere Ladens „Willy Albrecht“ viel Wissenswertes über die Lokalhistorie, der Name Stolzenhagen:
Der bewaldete Burgwall (Hain) mit der slawischen Burg ragte „stolz“ aus dem Grün der Wiesen des Odertals hervor und wachte über die Bewohner des Ortes, plattdeutsch „dä stolte Hain“. Alte Schreibweisen: Stolzinhain, Stoltinhain, Stolzinhaben und Stoltinhagen. 1200 erste Kirche, 1315 erste urkundliche Erwähnung, 1618 Pest im 30jährigen Krieg, 1717 Anbau der ersten Kartoffeln (290 Jahre Kartoffeln in Stolzenhagen! Das muss doch gefeiert werden!), 1850 Bau des Gutes, 1859 Oderdamm, 1909 wird der Kanal, genauer die Hohensaatener-Friedrichstaler-Wasserstraße eingedeicht, 1911 Eisenbrücke darüber, 1912 Anschluss ans Elektronetz, Krieg, Rote Armee, Bodenreform, DDR-Gründung, 1952 LPG „Vorwärts“, 1957 Ausgliederung aus dem Kreis Angermünde und Ein- in den von Eberswalde, 1958 Stolzenhagen ist vollgenossenschaftlich, 1975/76 „Die LPG'en schließen sich zu KAP, später zu LPG P und LPG T zusammen, ZBO Frischeier und ZBO Bau entsteht.“ Auch der Fall der Mauer und der Tag der deutschen Einheit haben hier stattgefunden,
„06.05.90 erste freie Wahlen und in den Folgejahren umfangreiche Entwicklung der Infrastruktur und der sozialen und wirtschaftlichen Strukturen.
1997 Stolzenhagen erhält ein Ortswappen
2002 01. März im Rahmen der Gebietsreform wird Stolzenhagen Ortsteil der Gemeinde „Lunow-Stolzenhagen“.
Gedichte über Stolzenhagen
Der Kaufmann Wilhelm Brüning dichtete um 1904 über Stolzenhagen einige Verse die er auf Postkarten veröffentlichte um für sein Geschäft zu werben. So endeten seine Gedichte u.a. mit den Versen:
„Alles, was der Mensch gebraucht, man bei Brüning billig kauft.
Und von weit kommt man gelaufen um bei Brüning einzukaufen.
Oder
Willst du gut und billig kaufen musst du zu Wilhelm Brüning laufen,
denn da kannst Du alles haben was der Mensch gebraucht zum Laben.
Ein Gedicht lautete wie folgt:
Kinder über Stolzenhagen ließe sich so manches sagen.
Doch um keinen hier zu kränken, will ich mich darauf beschränken
einiges nur anzuführen, was den Fremden kann belehren.
Wer vom Krähenberg hier schaut doch kaum seinen Augen traut.
Zuerst das breite Odertal, dann der Großschiffahrtskanal,
Fischerkietz und Ahnenschloss, Rittergut, Ziegengalopp,
Schäferei und Doetelhaus sehen sehr romantisch aus.
Vor't Ende ist es ja nicht schön, dann vor Modder man kaum geh'n
Am Tage find' man noch zurecht, jedoch im Dunkeln ist es schlecht.
Der Intenweg ist meist so weich, der gleicht bald einem Ententeich.
Das kommt von all den kleinen Quellen aus Sch[w]eine- und auch Ziegenställen.
Selbst ist der Duft nicht angenehm im Sommer sogar unbequem.
Obwohl an Modder man gewöhnt, wird doch mank unter noch gestöhnt.
Und wünscht man sich sogar schon Pflaster, doch der Gemeinde fehlt der Zaster.
Pflaster hat auch keine[n] Zweck, man ist ja doch gewöhnt an Dreck.
Fällt mal ein Fremder rein und schreit, so weiß doch jeder gleich Bescheid.
Man schleppt ihn raus und schrubbt ihn ab, dann geht es los in vollem Trab.
Wozu da erst die Geldausgaben, da wir doch wenig davon haben.
Na, die übrigen Dorfstraßen sind ja ziemlich einigermaßen.
Von Stegen, Brücken und Kanal da sprechen wir ein andermal.
Nun hab ich alles aufgezählt, nichts zugefügt und nichts verhehlt.
Freund, komm[s]t Du mal nach Stolzenhagen so musst Du Dir gleich selber sagen:
„Schön ist das Dörfchen von Natur, es fehlt ein bischen Ordnung nur“
Im Jahr 2001 müsste er einige Gedichte neu formulieren, wenn er über Stolzenhagen schreibt. Eventuell so:
Kinder über Stolzenhagen lässt sich heut viel Neues sagen.
Wer vom Krähenberg schaut kaum seinen Augen traut.
Zuerst das breite Odertal,
Nationalpark nun sogar!
Großschifffahrtsweg ist wunderschön,
Stolzenhagen ließ einen Bootshafen entstehen.
Auch Caravan's sieht man hier stehen,
denn in Stolzenhagen gibt es viel zu seh'n.
Pedalritter erobern den Deich,
ein Radweg so weit das Auge reicht.
Fischerkietz und Herrenhaus sehen noch
Immer romantisch aus.
Im Herrenhaus ist zur Zeit kein Leben,
dies wird sich aber sicher geben.
Das Rittergut im Krieg getroffen,
danach für Siedler aufgeteilt,
im Sozialismus war's dann LPG
bis zur Wende, o weh.
Überflüssig war es nun geworden,
Alternative haben damit nun ihre Sorgen.
Von der Schäferei ist nichts mehr zu seh'n.
Sammelbehälter für den „Grünen Punkt“ dort steht [stehn?].
Das Doetlhaus ist rausgeputzt,
hier hält jetzt immer der Bus.
Schmuck steht der Ziegengalopp jetzt dar,
doch Ziegen sind hier heute rar.
Vor't Ende, geht man gerne nach der Wende.
Silberkistenweg nennt man nun das Ende.
Die Häuser sind hier rausgeputzt,
heut gibt’s hier keinen Schmutz.
Nachts leuchten hier Laternen,
da würde Wilhelm Brüning schwärmen.
Straßenlampen leuchten hell,
auf den Straßen neues Pflaster
Bürgersteige überall.
Der Wanderer fragt:
„Woher der Zaster?“
Hübsche Häuser sind zu sehen,
Blumen sprießen in Rabatten.
Gut lässt es sich im Burgwall gehen
hohe Bäume werfen angenehmen Schatten
weit kann man in die Landschaft sehen.
Am Sandberg man kaum dem Auge traut,
ein hübsches Häuschen wurde da gebaut.
Klamotten aus Skandinavien schön aufgereiht,
hält hier die Eiszeit bereit.
Im Blockhaus nebenan wohnt ein kluger Mann,
die Steine haben es ihm angetan.
Kinder über Stolzenhagen
ließe sich noch manches sagen
Doch um keinen hier zu kräng[k]en,
will ich mich nur auf dies beschränken.
Johannes Albrecht Stolzenhagen im Dezember 2001“
Ich frage mich bei so vielen Künstlern, ob sie auch in der Künstlersozialkasse sind.
Die Kirche, Gottesdienste finden zu Musik Georg Kindlers meist im Gemeindehaus statt, der Pfarrer von Lunow kommt dann in seinem Liegerad hierher.
Hirsche in einem Gehege, von einer Dame erfahren wir, dass der weiße Hirsch geschlachtet worden ist, weiße Hirsche bringen Unglück, davon sind Jäger überzeugt.
Am Informationskasten ein handschriftlicher Zettel, schon ziemlich ausgeblichen, muss diese Informationen für die Ewigkeit retten:
„Leihbücherei Lunow Fischerstr 18
Romanhefte ab -,15 bis -, 40 Cent
Bücher ab -,50 bis 2,- €
Annahme Wäsche Chemisch Reinigung
Propangasflaschen
Handarbeiten in reicher Auswahl
Sofakissen gefüllt rund und 4 eckig
Herren – Damen – Kindersocken
Topflappen rund und 4 eckig
4 eck Halstücher bunte Schal's Frauenschal's
gehäkelte Deckchen Nadelkissen Schmetterlinge
Eierwärmer (Fliegenpilz) Kinderkleidchen u Pullover
geöffnet täglich auch Samstag u. Sonntag“
Besonders reizvoll scheint mir dabei der Eierwärmer Fliegenpilz.
An einem Haus „VW den 25 ten May 1818“
Mit Lisa zum Eiermann, aus den Eiern brät Heidi Pfannkuchen, es sind aber in Wirklichkeit Eierkuchen.
Georg Kindler, kann ich seinem Honigetikett entnehmen, nennt sich Agraricus Apis, was ihm gegönnt sei.
Diese Küche war auch früher Küche, sowohl für die ganze LPG als auch für die Kinder der Umgebung, erfahre ich von Heidi, die abwäscht, während ich meine Chronik eintippe.
(Dach № 9, 5. V. 08:) Als Heidi mal im Markt fragte, wann denn Kartoffeln am besten gesetzt werden, wurde ihr geantwortet:
„An Führers Geburtstag!“
Gutshaus Stolzenhagen, Küche: Dann geht’s nach 8 zum Grillen, Jochen und seine Frau, zwei Kinder haben sie wohl, Georg Englisch und sein Sohn, meine Töchter und Heidi. Einen nassen Arsch hole ich mir, das wird meinen Hämorrhoiden nicht gut tun.
Nette Runde, Lisa sieht fast zum Fürchten schmutzig aus, Jochen war in Saudi Arabien, Dubai, für eine Ausstellung historischer Fotos aus dem Reichsmuseum, Karlsruhe, eine weltoffene Handelsstadt, der Containerhafen und demnächst der weltgrößte Flughafen, Öl macht nur 10 % der Wirtschaft aus.
Prosecco und Rotwein, Tabak und Zigaretten, alles entgegen meinen Vorsätzen.
Mit meiner Stolzenhagen-Chronik mache ich mir wohl viel sinnlose Mühe, indem ich die Texte von der Digitalkamera abschreibe, weil alles auch im Netz zu finden ist, aber meine Dämonen befehlen mir 20 vor 10 weiterzumachen.
(Gutshaus Stolzenhagen, Treppe, 3. V. 08:) Es geht dann noch ans Feuer zwischen Gutshaus und der Baracke, deren Dach abgerissen wurde, es wird Weißwein getrunken und geraucht, auch moderat gekifft. Gegen Mitternacht verabschiede ich mich in mein Dachbodenzimmer.
Das Einschlafen geht nicht so glatt, wie von mir erhofft, obwohl weder Mücken noch anderes Ungeziefer piesacken. Nur die Nachtigall und die Frösche schreien durch die Nacht.
Samstag, 3. V. 08, sonnig:
Gutshaus Stolzenhagen, Treppe: Einen Alptraum kann ich verschlafen und mit einem Wunschtraum übermalen:
Bin mit der Reformbühne in Los Angeles, Stein bezaubert eine Frau auf der Straße, obwohl er nur kurz mit ihr spricht und er nicht einmal englisch kann. In einer Bar setzt Jürgen den Barkeeper haarklein über die richtige Zusammensetzung eines Sandwiches auseinander. Ich verabrede mich mit Andrea in einer Bar.
(Dach № 9, 6. V. 08:) Meine Wunschträume, die fast immer mit dem Reisen zu tun haben.
Gutshaus Stolzenhagen, Treppe: Bis ½ 11 hänge ich diesem Trugbild nach, trotz meiner 1sten Nacht hier wird wohl Stein nicht wieder lebendig werden, dass ich dagegen mit Andrea nochmal in einer Bar verabredet sein werde, das ist nicht unwahrscheinlich.
Bekomme sogar lauwarmen Bohnenkaffee nebenan bei Georg Englisch und Jochen, derzeit hier eine Rarität.
Es scheint für mich der Platz auf der Treppe von Gutshäusern im Blut zu liegen, sie viel sich seit Dolgie 99 geändert hat und was alles gleich geblieben ist.
Heidi fährt mit Lisa und Georg Englisch nach Angermünde in den Baumarkt, nebenan beginnt ein Nachbar Holz mit der Kreissäge zu sägen, morgen wäre hier Ruhe, aber dann bin ich nicht mehr da.
Fette Henne und Dicke Berta verlustieren sich im Kräutergarten rechts von mir, Bartnelken, Kornblumen, Fingerhut, Malven, von Malven gekrönt, so müsste ich hier thronen, wenn es gerecht zu ginge in der Welt. Aber derzeit ist alles gerecht genug.
Ella zeigt mir ihr Reich, neben Georgs Tai Chi Platz haben sie mal einen kleinen Laubfrosch gesehen, dort haben sie Pfefferminze vom Stolper Loch angepflanzt, in diesen Gewächshausbögen fanden eine dieser Performances statt, bei der sie durchs Wasser gezogen wurde. Wo genau die Sauna ist, weiß sie nicht, die Sommerküche von Josch, das Stelzenhaus, die Feuerwehrschlauchschaukel, die alte Stellmacherei, in der Lisa mal herumgeklettert ist. Der Dachgarten auf der Baracke heißt Wäschekorb, der Blechner soundso, mit blauem Pullover und roter Mütze hat ihn gebaut. Schließlich noch ins Baumhaus, wie so oft bewundere ich den Wortschatz und die Intelligenz meiner Großen, von wem sie das bloß hat?
Regionalzug Angermünde – Berlin Gesundbrunnen: Arbeite im Liegestuhl weiter, das Leben ist eine Lust, derzeit sind keine Wünsche offen, oder doch?
Fahrradtour in Kleinfamilie, bekomme eins mit wackliger Gangschaltung, mit dem ich der Not gehorchend meist in einem Bergsteigergang fahren muss, über den Kanal zur Oder und zum Stolper Loch. „Grützpott“ heiße der Turm von Stolpe auch, weil sich die Dörfler gegen Räuber einst dorthin zurückzogen und die Belagerer mit heißer Grütze übergossen. Meine Idee wäre, den Turm abzureißen und die Steine einzeln als Stolpersteine zu verkaufen.
In angenehmster Stimmung im Kleinbus zurück nach Angermünde, ein Rufbus, der den absurden Preis von 1 Euro kostet. Mit einer Tafel Trauben-Nuss und einem Latte macchiato sitze ich in dem pünktlichen Zug nach Berlin und wie ich das hier schreibe sind wir schon in Britz. Und nun gar schon in Pankow, gerade mal eine Stunde braucht der Zug.
Pult: Telefonat mit Anna, Versuch, mich mit fast egal wem zu verabreden, aber so kurzfristig ist Heidel nicht da, Astrid in München und Ahne hat Kinderdienst. Und wäre es nicht sowieso viel vernünftiger, nicht zu trinken? Einmal?
Also heute nun ein richtiger alkoholfreier Tag, kucke zum zweiten mal einen schönen Clint-Eastwood-Thriller und einen mit Kurt Russel, wer hätte gedacht, dass er Schuld war an den Ausschreitungen in L. A. nach dem Rodney-King-Beating-Case? Zwischendurch bin ich fleißig und schicke Material herum, auch mal endlich an Kürschners Literaturkalender: Ich habe es geschafft!
10 vor 1 Schluss.
Sonntag, 4. V. 08, sonnig:
(Dach № 9, 5. V. 08:) T: Fußball in Nürnberg mit Hans Meyer.
Pult: Nach dem einsamen Frühstück eine knappe Stunde Dauerlauf die Landsberger hinaus, Oderbruchstraße, durch den Volkspark Prenzlauer Berg und Am Friedrichshain zurück. Für 89er-Roman, Obse: Russisch hatten wir bei Obse, sie war eine recht freundliche, vielleicht etwas schlichte Frau, die mit dem Familienname Fickenwirth geschlagen war, daher ihr Name unter uns Schülern: „Obse ficken wird?“
(Dach № 9, 5. V. 08:) Ansonsten ab ½ 1 heiteres, leicht angsplifftes Quittungs- und Rechnungen-Sortieren.
Schreibtisch: Gegen 6 bei mir am Schreibtisch, um vor dem Reformbühnenessen noch was aus dem 89er Roman auszudrucken.
(Dach № 9, 5. V. 08:) Wie so oft ist unser monatliches Essen ein Feuerwerk verrückter Einfälle, Jakob rät mir sehr zu, mich für Kenya auch gegen Wahnsinn impfen zu lassen, allerdings wenn man das schon in der Kindheit gehabt habe, sei man immun. Was Uli von Hitlers Frühwerk halte? Er kennt es einfach nicht.
„Hitler malte Rosen.“, versuche ich ihm zu helfen.
„Hosen?“
„Du musst alles auf Dein Niveau herunterziehen!“
Daniela hat mir die Wanduhr mitgebracht, endlich habe ich eine Wanduhr!
Reformbühne ist durch sie als Zuschauerin und Bov als Gast so komplett wie noch nie seit der Gedenkveranstaltung zu Steins Tod. Etwas Lustiges mit ihm, das mir nicht mehr einfällt, so werden die guten Gedanken und Ideen Opfer des Suffs und mangels Stasi, die alles mitschreibt, bleibt es verloren for ever. Trinke mich zielstrebig müde mit unzähligen Bieren, hackebesoffen und sturzdicht 0.40 Uhr im Bett.
Montag, 5. V. 08, sonnig:
Schreibtisch: Der Paketbote klingelt mich heraus, aber es ist schon ½ 10, bringe die große Wanduhr, ein Geschenk von Daniela, an der Wand zwischen den Küchenfenstern an, da wird sie nun wahrscheinlich Jahrzehnte hängen.
½ 11 ans weitere Sortieren der Steuerscheiße, wobei eher die gute Laune weiter überwiegt.
Dach № 9: Etwas lese ich in „Ostafrika, Keny – Tanzania – Uganda – Rwanda – Burundi“ aus der DuMont-Reihe „Richtig reisen“ (Hrsg. Michael Köhler, Köln 1989).
Aktualisierung meiner Kurzbio, die sieht jetzt insgesamt so aus:
1969 geboren in Berlin.
Schriftsetzerlehre und Abitur in der Abendschule.
1993-1994: Medienarbeit mit Jugendlichen beim Kulturverein Prenzlauer Berg.
1994 bis 2006 Kolumne über Berliner Geschichte in der Stadtzeitung „scheinschlag“ („Berlin 1894“ bis „Berlin 1906“)
ab 1995 Mitarbeit in der Reformbühne Heim & Welt, Kurzgeschichten, Hörspiele, Essays.
1996 Gründung der Charles-Bukowski-Gesellschaft (www.Bukowski-gesellschaft.de),
1997 – 99 Kolumne „Berliner Zimmer“ in der taz, sonstige Veröffentlichungen u. a. in: „Salbader.“, „Titanic“, „Frankfurter Rundschau“, „konr@d“, „Hebammen-Info“, „NRC HANDELSBLAD“, „FAZ“, Berliner Zeitung, Der Tagesspiegel.
Seit 1997: RADIO HOCHSEE an wechselnden Orten, u. a. in der Volksbühne, Themenabende u. a. mit Rosa von Praunheim, Thomas Brussig, Jörg Buttgereit, Wolfgang Müller, Matthias Penzel, Thomas Kapielski, Wladimir Kaminer, Heinrich Dubel und Frieder Butzmann.
1997?: Film „China gibt es nicht“, Regie: Katrin Rothe.
1997/98 Arbeit an dem Roman ALLES NUR GEKLAUT.
Seit 1999 Mitarbeit an „Alkor“, „Echolot“ und an „Ortslinien“ von Walter Kempowski.
Mai bis Oktober 1999: Autorenwerkstatt des Literarischen Colloquiums Berlin.
2000: Verleihung der Ehrenbürgerschaft von Lubbock, Texas.
Seit 2000 als Buchautor, Journalist und Vortragsreisender selbständig.
2002-2003: Stipendium Akademie Schloss Solitude.
März 2002: FUENF FINGER BUCHPREIS (Wanderpokal, der aus einer bronzenen Hand besteht, den ich aber nie ausgehändigt bekommen habe.)
Bücher:
-Gastronomie in der Krise (P. Wilson Verlag, Berlin 1998).
-Roman ALLES NUR GEKLAUT (MaroVerlag, Augsburg 1999, Taschenbuch 2001 bei btb).
-Jahrbuch der Charles-Bukowski-Gesellschaft (Herausgeber), Berlin 1998.
-[bju:k], Jahrbuch der Charles-Bukowski-Gesellschaft 2000 (Ariel Verlag, Riedstadt 1999).
-Roman TRABANTEN (Piper Verlag, München, 2002), Vorabdruck im „Nordkurier“.
-Radio Hochsee (2004 bei Piper, München)
-Springfield auf Trip (2004 bei The Grüne Kraft, Löhrbach, www.gruenekraft.net)
-Volle Pulle Leben (Hg., Goldmann Verlag München, 2005)
-Herausgabe einer Doppel-CD (www.reptiphon.de) zu
10 Jahren Reformbühne Heim und Welt.
Filmvorträge:
-Charles Bukowski und der Film
-Halluzinationen in den Simpsons (beide erfolgreich in ganz Deutschland u. a. in
Dresden. Köln, Stuttgart und Sewanee gehalten)
-Themenabende u. a. zu Johnny Cash, Barney Gumble und Hubschraubern
2004 Gast-Redakteur der taz zum Thema Ostdeutschland.
Seit 2004 Interviews in GALORE, u. a. mit Walter Kempowski, Tim Renner, Ray Harryhausen, Albert Speer.
Lesungen, Vorträge Seminare und Workshops u. a. in der Volksbühne, den Münchener Kammerspielen, den Universitäten von Lüneburg, Jelenia Gora (Polen), Sewanee (USA), Belém (Brasilien) sowie den Goethe-Instituten Amsterdam, Riga, Minsk, Bratislava, Rom, Nairobi und Dar Es Salaam..
Radiofeatures „Opferbahnen“ (WDR, 2005) und „Frankie and Johnny“ (WDR 2007).
Sommer 2006: redaktionelle Mitarbeit in der Sport-BZ.
Seit 2005: Mitglied in der Schriftsteller-Nationalmannschaft (gegründet von Thomas Brussig), Teilnahme an den WMs in Italien 2005 und Malmö 2007 sowie dem 9:1 Sieg über den SPIEGEL am 12. 11. 07.
2007: Weltchronik mit Jochen Schmidt im Babylon (Berlin Mitte), Gäste dabei: Mark Benecke, Kathrin Passig, Jakob Hein,
2008: „100 % Berlin“ (Knesebeck-Verlag, München, 2008), Übersetzung aus dem Amerikanischen „Schule ist was für Versager“ (Rowohlt, 2008) von Paul Halpern (Was man aus Den Simpsons über die Wissenschaften lernen kann.)
Anthologien: TRAUMSTADTBUCH (Rowohlt 2001), FRISCHE GOLDJUNGS (Bertelsmann), ASPHALPOETEN (CD bei Kein & Aber, 2001) WAHLVERWANDTSCHAFTEN (Aufbau 2002), PLANET SLAM (yedermann, München 2002), WILDER OSTEN (fischer, 2002), DAS BESTE HÖRT SICH SCHEISSE AN (Fünf Finger Ferlag, Leipzig 2002), BERLIN IM LICHT (Suhrkamp, 2004). Doppelpass (2004), Karl May im Llano Estacado (2004), Alles Gute kommt von oben? (dtv 2004), Iguana à la Carte (2006), Stimmen aus dem Abseits (2006), Der Ball ist aus (2006), Pauschal ins Paradies (2007), woanders (2007), Ich bin Buddhist und Sie sind eine Illusion (Tiamat, 2008)
Obwohl man da nicht mehr von kurz sprechen kann.
Notizen von gestern übertragen trotz gewisser, der Sonne geschuldeter Rammdösigkeit.
(Dach № 9, 6. V. 08:) Bekomme mein Poesiealbum zurück, muss dringend die Fotos von der VW People's Night entwickeln lassen und nachkleben, ein neuer Style mit Computerausdruck, warum nicht?
Pult: 800 Euro bekomme ich für zwei Simpsons-Vorträge in Köln im November, fast alles läuft wie geschmiert.
Gammle vor der Glotze, „Ripley's Game“ (USA/Ital./GB 2002) mit John Malkovich als Ripley, 7 Morde,
Wieder ein alkoholfreier Tag, und vielleicht morgen noch einer.
Dienstag, 6. V. 08, sonnig:
Pult: Traumfragment: Eine Gruppe verwahrloster Mädchen, dunkle Augenringe, schadhafte Zähne, Flöhe oder Ungezieferbefall.
Um 9 auf, Frühstück bis ¾ 10, dann aufs Dach.
Dach № 9: Mich andauernd sonnen, so wie ich es mir in Lehre und den verschiedenen ungeliebten Arbeiten immer gewünscht habe, das kann ich jetzt und das tue ich auch. Hautkrebs kommt später.
19. Mai Deadline für ein Probekapitel und Exposé, wenns 4 Tage länger dauert sei auch nicht so schlimm, welche Quellen und welche Motivation dahinter stecken, das müsse mit rein.
Sowas wie der DDR-Hass-Text, das sei wie in Marmor gemeißelt.
Beim Schreiben sind Fleiß und Faulheit am wenigsten zu unterscheiden, man sitzt ja nur da und macht nichts Richtiges, es ist ja nicht wie Atombomben versandfertig machen oder mit MGs auf Demonstranten schießen.
(Pult, 9. V. 08:) Bockwurst mit Kartofelsalat und 2 Bier, noch etwas Zeitungslektüre und Sonnen vorm Charlottenburger Schloss, zu 7 in die Hackeschen Höfe.
„Sieben Mulden und eine Leiche“ ist eine sehr gute Dokumentation,
(Pult, 13. V. 08:) „Steinmeier? Dieser Guantánamo-Mörder?“, wegen des Kurnaz-Falles, von dem er alles gewusst hat.
Mittwoch, 7. V. 08, Muttis 70. Geburtstag:
Pult: Kontoauszüge kopieren und zu Mrowinski schicken.
Kaputt und verkatert.
Ins Bett ¼ nach 12, aber die Gedanken und Aufgaben drängen zu sehr. Gieße meine Pflanzen, hänge die Wäsche auf.
Bin dabei hypernervös und kann konstatieren: Mir geht’s so wie bei früheren Depressionen. Nein, zum Glück nicht ganz so schlimm.
Und dann das mit den Kindern und den Hausaufgaben, fühle mich schrecklich unwohl.
Freitag, 9. V. 08, sonnig:
Pult: Was für ein herrlicher Tag beginnt, ¼ nach 6 todmüde, aber nach der Morgenroutine mit den gutgelaunten Kindern gegen 10 am Pult.
Nach ½ 11 Abfahrt zum Spandauer Damm, bekomme die Cholera-Impfung, wegen Tollwut muss ich noch zweimal hin.
Auf der Rückfahrt an der Dovebrücke Leserast in der Sonne, weiter in Hamsuns „Das letzte Kapitel“, das ist der Tod. Mir geht es so gut, dass ich es eigentlich gar nicht fassen kann.
Bei mir Datenpflege, von ¾ 5 bis um 7 an die Eberhard-Korrekturen, dann ans weitere Transkribieren (4. II. und 28. I.) , angetrieben durch Ninas Fleiß, so erzeugt Arbeit Arbeit, was nicht das schlechteste ist, hätte doch wohl sonst einfach nur weiter bei Hamsun gelesen.
Sonntag, 11. V. 08, sonnig:
Pult: T: Habe einen Zettel, auf dem von Eva und mir steht und will ihn an eine große Glocke hängen.
Ein weiterer göttlicher Tag bricht an, Verabredung mit der schlaftrunkenen Claudia, E-Post, während die Kinder noch dösen bis um 10,
Pfingstmontag, 12. V. 08, sonnig:
Pult: Das unirdisch schöne Wetter hält an und an und an. Homöopathische Datenpflege.
(Pult, 13. V. 08:) Die Kinder bauen eine Kleckerburg am Kiessee, ich lese.
Meine Mutter ziemlich in Rage, jedenfalls unter Druck, Bungalow muss hergerichtet werden, gepackt für morgen und die Fahrt nach Prerow, Essen für die Kinder und Spargelsuppe für Hanne und Georg, Wässern der Blumen usw. usf. Alles hat sich ungünstig nach hinten verschoben, weil die Bochumer wegen eines Staus bei Ziesar ihre Abfahrt immer weiter nach hinten hinaus schoben.
Auf Alkohol gelingt es mir zu verzichten, nicht auf Zigaretten, dabei vor der Glotze abhängend, dies beruhigende Flimmern meines Laptop-Mäusekinos: Auf dem MDR „Stars, die in den Osten kamen, Cordalis, Kaiser und Co. in der DDR“, Roland Kaiser hat „das wärmere Klima innerhalb der Leute in der DDR“ gespürt, Wiedersehen mit Udo Lindenberg und so vielen Idolen, der Deal 1983 mit Harry Belafonte, der nur kam, wenn sein Freund Udo auch einreisen durfte. Hermann van Veen. Das Improvisationstalent der DDR-Handwerker hat Kosta Cordalis kennengelernt, als sie ihm in seinen Mercedes anstelle seines kaputten Kühlers einen vom Trabant einbauten. Angesichts der Luftkühlung des ostdeutschen Kleinwagens schon ein ziemliches Wunder.
Auf RTL „I, Robot“ (USA 2004), Mord im Roboter-Milieu mit schönen Szenen für „Die Zerstörung von New York“, wenn der Film nicht in Chicago spielen würde.
Zwischendurch in der Werbepause etwas in einem Frank-Sinatra-Porträt auf dem NDR, seine Rolle in „Verdammt in alle Ewigkeit“ und damit den Oscar hat er durch Druck der Mafia bekommen.
½ 1 ins Bett, ziemlich schnell zu müde zum Weiterlesen in „Das Letzte Kapitel“.
Dienstag, 13. V. 08, sonnig:
Pult: Angenehme Kühle in der Nacht und auch am Morgen. Um 9 recht erfrischt wach, mein geliebtes Pult, Symbol der Ordnung im Chaos, und wenn die ganze Welt in Scherben fällt, so phantasiere ich, werde ich hier immer noch stehen und das jeweilige Fernsehprogramm des Vortages eintippen.
Gegen 11 an eine neue Chronik, während die Kinder sich Tiergartenfein machen.
Hennig - 14. Mai, 11:45

