14
Mai
2008

www.Falko-Hennig.de

17. Mai, 20 Uhr, Alte Kantine (Kulturbrauerei, Berlin):
Kantinenlesen.

21. Mai, 20.30 Uhr, Kaffee Burger (Berlin):
Radio Hochsee Special
100 % Berlin Azubi-Party!
Eine ganze Generation wird eingeladen, Eintritt 5 Euro, fuer Buchhandels-Azubis frei.
Um Anmeldung bis zum 20. Mai unter radiohochsee@web.de

Donnerstag, 24. IV. 08, sonnig:
(St Oberholz, 25. IV. 08:) Treffen mit Anna im Kreuzberger Morena wegen der Pressearbeit, herrliche Fahrradfahrten durch die Sonne hin und zurück. Überall wird gebaut wie seit ungefähr 200 Jahren in Berlin, am Alex entstehen neue Hochhäuser, der Strausberger Platz ist eingerüstet.
Zum 89er Roman, 2tes Kapitel: Aber natürlich passierte gar nichts, wie auch? Ich hatte meine Weltflucht ziemlich weit entwickelt/getrieben???
Im Roten Salon 40 Zuschauer, aber erst lockeres Beisammensein vor dem Eingang. Wolfgang Hörner stellt mir die Frau vor, die unter Pseudonym den Herausgeber des Trabi-Buches vom Eulenspiegelverlag mimte. Bodo empfiehlt mir, für 150 Euro für 2 Jahre Titelschutz auf 89 und 1989 zu beantragen.
Im BAIZ spricht netterweise Jochen Wisotzki an, was ich zur Wegfilterung des Alltags sage, versteht er leider nicht, dafür treffen wir uns bei Melancholie und Lothar Feix, den er als erster veröffentlicht hat, den Durstigen Pegasus von Volly Tanner hat er 1973 gegründet, das längste Open Mike der Welt. Papenfuß, „Die Zunge“, das Bukowski, wie sie die Christinenstraße bis hier hinunter getrieben worden sind, und nun geht’s nicht weiter nach Süden.


Freitag, 25. IV. 08, bedeckt & frisch:
St Oberholz: Mit dem Kämmen: „Wie oft habe ich Euch schon gesagt: Ich kann Euch so leicht eine Frisur schneiden, wie ich sie habe.“
Ella: „Aber das sieht hässlich aus.“
Ich empört: „Was? Ich sehe hässlich aus?“
Lisa: „Naja, bei Dir haben wir uns schon dran gewöhnt.“
Ich: „Bei Euch gewöhne ich mich auch schnell daran.“ Und so lachen wir, was für die frühe Stunde nicht so wenig ist.
Gibt es etwas Wohligeres, als nach dem Frühstück mit den Kindern ½ 8 wieder ins warme Bett zu kriechen? Nein, jedenfalls nicht um ½ 8 Uhr morgens.
T: In Rangsdorf, Martin, den ich an gemeinsame (Regionalzug Angermünde – Berlin, 3. V. 08:) Kindheitserlebnisse hier auf dem Grundstück erinnere und der darauf hin vor Rührung weinen muss, was ich per Zufall erfahre, als ich ihn versehentlich anrufe. Eckerts kommen, die vorübergehend hier wohnen. Mit Onkel Hans, der Rotwein trinkt, durch Goethe- und Ahornstraße. An das historische Datum so und so 1995 erinnert er, als symbolisch der Kühlschrank leer geräumt wurde ...
Pult: ... , eigentlich wollte er gar nicht mehr, nun trinke er doch, wenn auch erst ab 5. Er schaut auf die Uhr: 5 Minuten nach 5. Die leere Flasche stellt er in der Ahornstraße gegenüber an Garbrechts Zaun. Will ihm erklären, dass es bei ihm nicht anders als bei Goethe oder Loriot eine Frage der Menge sei, um herauszufinden, wieviel er denn täglich konsumiert.

Und noch so ein grandioses Buch von Steffen Wimmer, diesem feinen Menschen mit Bärenstatur und einem Herz aus Gold und dem Durst, der nicht mit Limonade gelöscht werden kann.
St Oberholz: E-Post im Oberholz.
Etwas am 89er Roman, 2tes Kapitel und aus dem Schrund was in den „Waldfrieden“ kopieren.
(Dach № 9, 28. IV. 08:) Mache mich bei Zwieg bestimmt nicht beliebter, er ist mit Tochter unterwegs, als ich ihn frage, ob Hunde oder Kinder besser seien. Er habe noch nicht darüber nachgedacht. Ich bin überzeugt, dass Kinder sehr viel praktischer sind, allein das Verreisen.
Pult: Erdbeerschnitten und eine Himbeer- mit den Kindern, dann mit Lisas selbstgeschnitzten Mäusen „Spitz pass auf!“, was ich gewinne, angeblich unfair, weil ich antäusche und das dürfe man nicht, findet Lisa, die darob ziemlich vergnatzt ist.
Lisa zum Turntraining, lese mit Ella zusammen auf dem Sofa, ich Stefan Wimmers „Die 120 Tage von Tulúm“ und sie Lothar Kusches „Quer durch England“ mit Zeichnungen von Elisabeth Shaw, dabei essen wir Pistazien und trinken Blutorangentee.
Gegen ½ 5 kommt Nina, heute wäre mir ihre ordnende Hand angesichts dieser Harmonie auch entbehrlich gewesen, andererseits animiert sie mich durch ihren Fleiß immer zum Arbeiten, und so mache ich mich ans Transkribieren des Eberhard-Gespräches vom 28. I. 08 bis gegen 6.
(Dach № 9, 28. IV. 08:) Im NBI läuft erst eine Film über die Bunnylectures, schon unterhaltsam, eine Dokumentarfilm-Parodie, aber ich frage mich, wie oft man das noch überdrehen kann, bis schließlich kein Zuschauer oder -hörer es noch nachvollziehen kann, Ironie der Ironie der Ironie.
Lesung dann ziemlich ulkig, beeindruckend, in diesem kleinen Klub das erste mal Stephen Hawking zu sehen, der in österreichischem Akzent über Weltraumtoiletten referiert.
Fahrt durch die milde Nacht der Choriner Straße in die der japanischen Zierkirschblüten.


Samstag, 26. IV. 08, sonnig:
(Dach № 9, 28. IV. 08:) T: Komme zur Halbzeit zum Hallenspiel, wir liegen 3:0 zurück.

½ 11 in der Sonne im Weinbergspark, das jährliche Wunder der Genesung, psoriatischer Sonnenanbeter der ich bin.
Entgegen meinem Traum sind wir im Spiel gegen BILD online erfreulich überlegen, die Fairness lässt auf beiden Seiten etwas zu wünschen übrig, 1:1 zur Pause, 4:2 Sieg als Endstand.
„Die Koffer des Herrn O. F.“ (D 1931) im Zeughauskino mit Peter Lorre als Ostender Lokalreporter. Ernst Busch singt zwar in dem Film, ist aber nicht zu sehen. Dem unbekannten deutschen Spielfilm und besonders Margo Lion ist die Reihe gewidmet, die 1900 oder 1899 in Konstantinopel geboren ist, 1923 erster Liedvortrag im Kabarett, 1924 geht sie mit einer Hyäne spazieren. In ihrem ersten, verschollenen Film ging es um die Geschichte eines 10-Mark-Scheines, 1931 spielte sie die Seeräuberjenny in der französischen Version der Dreigroschenoper.
Das alles und noch viel mehr erfahre ich aus dem Einführungsvortrag von Jeanpaul Goergen. Dünn und blond, Hakennase, die Stimme finde ich auch nicht überzeugend, und trotzdem ist es ungerecht, dass sie schon zu Lebzeiten und jetzt erst recht vergessen ist.
Bei Stefans Gartenparty die RBB-Landschleicherin, mit der er inzwischen liiert zu sein scheint und ein Kollege von Wulle und Ecki vom Metropol-Theater, Jürgen Jakubeit oder so ähnlich, hat bei sich eine Grafik von Ecki hängen, er mit Sonnenbrille in den Dünen, die sich, wie auch das Meer, als Frauenkörper herausstellen.
Wie ich da saß bei der UnAUFGEFORDERT, einen Text abtippte und mich mit ihm unterhielt, dann fragte er:
„Wie ist der Artikel?“
„Keine Ahnung, ich tippe ihn ja nur ab.“ Der dynamische Prozess der Erinnerung, ist das nun die Wahrheit oder auch nur eine? Habe diese fremde Erinnerung schon aufgenommen, vielleicht wird es irgendwann meine eigene sein.
„Adel verpflichtet“ (GB 1949?) mit Oz im Freudenhaus, eher ziemlich langweilig, immerhin Alec Guiness in 5 verschiedenen Rollen, unter anderem als Ballon fahrende Frau. Kurz gesellt sich Katja dazu, aber wir sind ihr wohl nicht unterhaltsam genug, so dass sie schnell wieder verschwindet.


Sonntag, 27. IV. 08, sonnig:
Pult: Sonntagsrätsel, was aus der Natur:
-erle--
Nicht befriedigend.
(Dach № 9, 28. IV. 08:) Im Weinbergspark lese ich „Die 120 Tage von Tulúm“ zu Ende. Einige Endtakte Lindenstraße, eine Fickszene, wie alt Else Kling geworden ist. Dann los in die erstaunlicherweise gar nicht so schlecht besuchte Reformbühne. Das lässt doch für den Sommer hoffen.
Sarah von Stein schaut vorbei, sie denkt noch jeden Tag an ihn, die drei Jahre mit Micha waren die schönsten ihres Lebens.
Heiko: „Ich war beim Entenrennen.“
„Und wievielten Platz hast Du belegt?“ Tatsächlich geht es um einen Dorfbrauch, bei dem die Einwohner einmal jährlich ihre Quietsche-Entchen in einen Bach werfen und wessen als erste im Dorf ankommt, der hat gewonnen.


Montag, 28. IV. 08, sonnig:
Dach № 9: T: Nur der Text, wohl von Hamsun, aber es sind viele Fehler darin. Regen.

Pult: Wie zu erwarten war, bin ich nicht im Kader des Israel-Spiels, ich horche in mich hinein: spüre keinen Ärger.
Frühstück, dann will ich aufs Dach.
Dach № 9: Das erste mal seit Menschengedenken, jedenfalls seit etlichen Jahren, dass ich mich wieder aufs Sonnendach begebe. Meine amerikanisches Feldbett von 1944 hat die Jahre über im Regen gestanden und ist verrottet, werde es nachher in den Müll bringen.
Inzwischen habe ich ungefähr 10 graue Haare am Sack. So tippe ich die Notizen der vergangenen Tage ab, arbeite etwas am 89er Roman bis ¼ nach 2.
(Pult, 29. IV. 08:) Lese nun Knut Hamsuns „Hunger“ (München 1921) von meiner Oma, diese schöne Ausgabe des Münchener Albert Langen Verlages mit dem Cover von Thomas Theodor Heine mit springenden roten Wölfen, und das parallel zu „Das letzte Kapitel“ von Gerds Oma.
So fahre ich durch den sonnigen Tag mit meinem funktionierenden Fahrrad und vermisse mein Auto überhaupt nicht. Dieses Lebenskapitel konnte ich also recht leicht abschließen.
Zu Erwin Behrmann, nach ungefähr 4 oder 5 Wochen ist nun zwar der Poesiealbums-Eintrag immer noch nicht vollbracht, aber die Fotos entwickelt und nächste Woche wird es dann vielleicht vollbracht sein.
Hallervordens Mord an der Prostituierten, zwischen 1967 und 1970 war das, eine hässliche, verlebte Prostituierte erwürgt nach dem Verkehr. Abgestoßen ist er nicht so sehr von der Tat sondern von dem Unästhetischen des Aktes davor. Seinen Citroen hat Hallervorden danach das einzige mal gewaschen, wer ihn kenne wisse, dass das etwas zu bedeuten hat. Er hat ihn in Anwesenheit eines Praktikanten nach einem Theaterstück darauf angesprochen, statt einen Scherz zu machen hat er abgewehrt:
„Lass den Quatsch!“, da wusste er, dass was dran war.
Fußball blöde, gewinnen zwar und kann in der Abwehr glänzen, aber auch gravierende Fehler, die mit Toren bezahlt werden, selber schießen tue ich auch keins. Danach schnell nach Hause, wo ich vor dem Fernseher versacke.


Dienstag, 29. IV. 08, bedeckt:
Pult: T: In einer Bar, die „Marx“ heißt und auch mit zwei Marx-Büsten ausgestattet ist. Auf einem Sektkübel steht TAU.

Heute ist der 79. Geburtstag von Walter Kempowski, gestern habe ich meinem Psychotherapeuthen die mir 1999 gewidmete Ausgabe von „Sirius“ geborgt.
An die Überarbeitung der Mark-Twain-Geschichte (Sportzeitung), fast eine Stunde suche ich nach der Ersterscheinung: Das Original der Erzählung hieß „How I Edited an Agricultural Paper Once“ und erschien im Juli 1870 erstmalig in der New Yorker Wochenzeitung „THE GALAXY“.
½ 12 ans Überspielen der Fotos von Digitalkamera auf den Laptop, leider ist die Festplatte voll, so dass die ganze Mühe nach 20 Minuten erstmal umsonst ist.
Komme dem Rätsel der seinerzeit verschwundenen Bilddateien von meinem Geburtstag auf die Spur: Wenn bei der Überspielung wegen zu voller Festplatte abgebrochen wird, hat die Maschinerie bestimmte Dateien zwar kopiert, viele aber nicht, aber hat schon die Ordner für die Tage angelegt, die allerdings leer bleiben.
Also nochmal überspielen, und so vergeht die Zeit.
Telefonat mit Michael Montfort, wann ich denn mal vorbeikomme? Avisiere unter Vorbehalt Ende Mai, wenn diese Lesung in Frankfurt/Main ist.
Schieße fürs Magazin auch noch Selbsporträts im Sport-BZ-Trikot, mal sehen, ob sie das abdrucken.
½ 3 Mittagspause, lasse wie so oft den Laptop dabei eingeschaltet. Obwohl, da ich auch noch Zeitung lesen will, wäre das bescheuert.
(Dach № 9, 30. IV. 08:) Wie der Eremit sich aus seiner Höhle an den Fluss begibt, um sich einen Fisch zu fangen, so fahre ich an die Ufer der tosenden Torstraße, um im Adonis am Rosenthaler Platz meinen Schawarma einzunehmen. Auch Zigaretten gehören wieder zu meinem Alltag, poor weak me!
In die Kapelle (NZZ): In Kenya drohen währenddessen die Gefängniswärter, alle Verbrecher herauszulassen. Die chauvinistische Kampfgruppe Mungiki besteht aus Kikuyu, der Ethnie, der auch Präsident Kibaki angehört. Ihr Che Maina Njenga sitzt im Knast, der Verein lebt von Schutzgelderpressung im öffentlichen Verkehr sowie an Bauern. In Haiti sieht es nicht viel besser aus. Horst Mahler hat Michel Friedmann vom Zentralrat der Juden in Deutschland mit „Heil Hitler, Herr Friedmann!“ begrüßt, 10 Monate Haft ohne Bewährung. Ich finde seinen Wandel vom RAF-Terroristen zum Nazi gar nicht so gravierend, nur ein neues Mäntelchen für verbrecherische Neigung und Mordlust. Der Generalsekretär des Zentralrats Stephan Kramer tritt dagegen für eine kommentierte, kritisch wissenschaftliche Ausgabe von Hitlers „Mein Kampf“ ein.
Pult: Bei mir ab 4 weiter Fotos verschicken an Schwester Claudia vom ersten Treffen.
(Dach № 9, 30. IV. 08:) Eine Currywurst in der Potsdamer- vor der Bülowstraße.
Ein Dokumentarfilm über Hans Sahl im Buchhändlerkeller, F. W. Bernstein im Publikum.
Meine Dämonen lassen mich, auf der Suche nach Trinkgesellschaft, müssen die Brauseboys hier in der Nähe nach ihrer Babylon-Sache nicht hier in der Nähe ihren Erfolg oder ihre Pleite begießen? noch ins Prassnik schauen und dort die Dreiergesellschaft von Herrendorf, Kirk und einem Unbekannten aufsuchen und mir noch anderthalb Bier einschütten. Wir erörtern das Problem der Außerirdischen und warum sie sich nicht melden.
Auch danach ist noch nicht Schluss, die Viertelflasche Rotwein muss ebenfalls unbarmherzig geleert werden, während Ernest Tubb Hank Williams singt.


Mittwoch, 30. IV. 08, sonnig:
Dach № 9: Gegen 10 auf, Albert „LSD“ Hoffmann ist 102jährig gestorben. Mietschulden für den Keller überweisen und Dauerauftrag einrichten.
Wie Gott mich schuf in der Sonne sitzend, Computer auf dem Schoß, könnte ich auf die Inspiration warten, stattdessen tippe ich lieber die Notizen ab.
Lese weiter in Hamsuns „Hunger“, finde einen Zettel darin aus der Vergangenheit:
„Ich habe Bücher zu 16,20 DM erhalten. Ich verpflichte mich diese Summe in drei Monatsraten abzuzahlen. Das erfolgt an jedem 20. des Monats.
Hans-Jürgen Großer
Ludwigsfelde, den 2. 9. 59“
Gegen 3 überwinde ich meine Faulheit und arbeite an dem Exposé und den Probekapiteln des 89er Romans.
Pult: Froh, den inneren Schweinehund in einem Moment überrascht und besiegt zu haben, in dem er so gar nicht darauf gefasst war. Sowas klappt nur leider wohl nicht immer.
Wohlige Zufriedenheit. (Dach № 9, 5. V. 08:) Unsere Milchstraße wird in 2 Milliarden Jahren vom Andromadanebel verschlungen werden, wir rasen diesem Schicksal mit 500000 km/h entgegen. In „Galaxienkerne mit magnetischen Düsen“ von Hermann-Michael Hahn stehen Sätze wie „Die Forscher konnten zeigen, daß die Beobachtungen auch die grundsätzliche Modellannahme der Astrophysiker stützen, nach der die Beschleunigung der Plasmawolken in Magnetfeldern geschieht, die durch Rotation eines Schwarzen Loches oder dessen Akkretionsscheibe verdrillt werden.“ Wenn man sowas liest, verdrillt sich einem ganz schön das Hirn.
Die SPD droht mit Vollbeschäftigung. „Bube, Dame, grAS“.


Donnerstag, 1. Mai, Kampftag der Arbeiter und Herrentag:
Pult: Vielleicht durch den gestrigen alkoholfreien Tag ein melancholischer Tagesbeginn.
Frühstück und Terminplanung wegen der Kinder bei Heidi.
(Gutshaus Stolzenhagen, Küche, 2. V. 08:) Essen in dem sudanesischen Imbiss Elburai in der Torstraße:
„... überrascht euch mit essen aus afrika, dem orient, speziell aber aus dem sudan.“
(Dach № 9, 5. V. 08:) Den selben Weg nun mit Fahrrad zu fahren, den ich so oft mit Auto zur Chaussee knatterte, fühlt sich an einem solchen Tag melancholisch an. Tröstlich beim Radeln zur Arbeit: Ich muss ja.
(Gutshaus Stolzenhagen, Küche, 2. V. 08:) Bei der Chaussee, die leider heute ziemlich mau besucht ist, findet Kirsten Fuchs, es sei pervers, wie ich mich ununterbrochen an- und ausziehe.
(Dach № 9, 5. V. 08:) Vermute, dass sich Elvira wegen Hans' großen Gliedes von ihm getrennt hat. Auch Ahne wurde aus diesem Grund schon oft verlassen und ich auch. „Ihr seid ja süß!“, findet Kirsten, aber vermutlich nicht wirklich.
Im Gegensatz zum „Beinbruchblues“, bei dem erfreulich gelacht wird, bleibt es bei „Heimweh“ mucksmäuschenstill. Sehr laberig dann die Absage, aber das Publikum bleibt konzentriert.
(Gutshaus Stolzenhagen, Küche, 2. V. 08:) Klopse mit Reis und Bohnen in einer leckeren Zimtsoße von Jatzeck im Freudenhaus, auch Aryon da, der nun angemessener Len genannt werden will, Ahne stößt dazu, ich begebe mich bald ins Bett.
Auch wieder so ein Tag wie im Rausch.


Freitag, 2. V. 08, sonnig:
(Dach № 9, 5. V. 08:) T: In einer Gegend von Kreuzberg mit vielen Antiquitätengeschäften. Sitzen in einem Restaurant, viele Kollgen an einem großen Tisch, einige haben sich mit Trödel eingedeckt. Mir fällt ein abgenagter Knochen, nicht einer von mir, von der Balustrade auf ihren Tisch. Bin allein in Charlottes nahegelener neuen Wohnung, oberste Etage. Ein Radio hat sie in ein Regal eingebaut, in die verglaste Küche scheint die Sonne. Traurig, dass sie mir nichts von dem Umzug erzählt hat, gehe ich hinunter.

Der Knochen könnte für meine Minderwertigkeitskomplexe und Selbstzweifel stehen, wie seinerzeit der Traum, dass ich in meinen Manuskripten lese und bemerke: Alle meine Texte sind schlecht.
Pult: Tohuwabohu heißt wüst und leer.
Gutshaus Stolzenhagen, Küche: Lärm wegen der Dreharbeiten weckt mich, für einen Ninja-Film wird Christinen-/Ecke Lottum- Istanbul nachgestellt samt orientalischem Markttreiben.
Spider mit neu gebasteltem Disco-Rollstuhl (eher ein Disco-Fahrrad) für die Arbeitslosen-Demo, an der ich erstmalig seit Beginn wegen der Sommerfrische, zu der wir uns auf den Weg machen, nicht teilnehmen kann. Aber sie werden es schon schaffen, das Volk aufzurütteln.
Herr Urbanski winkt in der Zehdenicker von seinem Dachgarten.
In Angermünde holt uns Georg Englisch ab, wehmütige Gefühle überkommen mich, Crussow und die Fahrten, aber es bleibt sanft und schmerzt nicht, nur ein bisschen.
In Lüdersdorf wird eine neue Propangasflasche aufgenommen, in Stolzenhagen eine Baracke gemeinschaftlich abgerissen. Spaziergang durchs Dorf, im Fenster eines frühere Ladens „Willy Albrecht“ viel Wissenswertes über die Lokalhistorie, der Name Stolzenhagen:
Der bewaldete Burgwall (Hain) mit der slawischen Burg ragte „stolz“ aus dem Grün der Wiesen des Odertals hervor und wachte über die Bewohner des Ortes, plattdeutsch „dä stolte Hain“. Alte Schreibweisen: Stolzinhain, Stoltinhain, Stolzinhaben und Stoltinhagen. 1200 erste Kirche, 1315 erste urkundliche Erwähnung, 1618 Pest im 30jährigen Krieg, 1717 Anbau der ersten Kartoffeln (290 Jahre Kartoffeln in Stolzenhagen! Das muss doch gefeiert werden!), 1850 Bau des Gutes, 1859 Oderdamm, 1909 wird der Kanal, genauer die Hohensaatener-Friedrichstaler-Wasserstraße eingedeicht, 1911 Eisenbrücke darüber, 1912 Anschluss ans Elektronetz, Krieg, Rote Armee, Bodenreform, DDR-Gründung, 1952 LPG „Vorwärts“, 1957 Ausgliederung aus dem Kreis Angermünde und Ein- in den von Eberswalde, 1958 Stolzenhagen ist vollgenossenschaftlich, 1975/76 „Die LPG'en schließen sich zu KAP, später zu LPG P und LPG T zusammen, ZBO Frischeier und ZBO Bau entsteht.“ Auch der Fall der Mauer und der Tag der deutschen Einheit haben hier stattgefunden,
„06.05.90 erste freie Wahlen und in den Folgejahren umfangreiche Entwicklung der Infrastruktur und der sozialen und wirtschaftlichen Strukturen.
1997 Stolzenhagen erhält ein Ortswappen
2002 01. März im Rahmen der Gebietsreform wird Stolzenhagen Ortsteil der Gemeinde „Lunow-Stolzenhagen“.
Gedichte über Stolzenhagen
Der Kaufmann Wilhelm Brüning dichtete um 1904 über Stolzenhagen einige Verse die er auf Postkarten veröffentlichte um für sein Geschäft zu werben. So endeten seine Gedichte u.a. mit den Versen:
„Alles, was der Mensch gebraucht, man bei Brüning billig kauft.
Und von weit kommt man gelaufen um bei Brüning einzukaufen.
Oder
Willst du gut und billig kaufen musst du zu Wilhelm Brüning laufen,
denn da kannst Du alles haben was der Mensch gebraucht zum Laben.
Ein Gedicht lautete wie folgt:
Kinder über Stolzenhagen ließe sich so manches sagen.
Doch um keinen hier zu kränken, will ich mich darauf beschränken
einiges nur anzuführen, was den Fremden kann belehren.
Wer vom Krähenberg hier schaut doch kaum seinen Augen traut.
Zuerst das breite Odertal, dann der Großschiffahrtskanal,
Fischerkietz und Ahnenschloss, Rittergut, Ziegengalopp,
Schäferei und Doetelhaus sehen sehr romantisch aus.
Vor't Ende ist es ja nicht schön, dann vor Modder man kaum geh'n
Am Tage find' man noch zurecht, jedoch im Dunkeln ist es schlecht.
Der Intenweg ist meist so weich, der gleicht bald einem Ententeich.
Das kommt von all den kleinen Quellen aus Sch[w]eine- und auch Ziegenställen.
Selbst ist der Duft nicht angenehm im Sommer sogar unbequem.
Obwohl an Modder man gewöhnt, wird doch mank unter noch gestöhnt.
Und wünscht man sich sogar schon Pflaster, doch der Gemeinde fehlt der Zaster.
Pflaster hat auch keine[n] Zweck, man ist ja doch gewöhnt an Dreck.
Fällt mal ein Fremder rein und schreit, so weiß doch jeder gleich Bescheid.
Man schleppt ihn raus und schrubbt ihn ab, dann geht es los in vollem Trab.
Wozu da erst die Geldausgaben, da wir doch wenig davon haben.
Na, die übrigen Dorfstraßen sind ja ziemlich einigermaßen.
Von Stegen, Brücken und Kanal da sprechen wir ein andermal.
Nun hab ich alles aufgezählt, nichts zugefügt und nichts verhehlt.
Freund, komm[s]t Du mal nach Stolzenhagen so musst Du Dir gleich selber sagen:
„Schön ist das Dörfchen von Natur, es fehlt ein bischen Ordnung nur“
Im Jahr 2001 müsste er einige Gedichte neu formulieren, wenn er über Stolzenhagen schreibt. Eventuell so:
Kinder über Stolzenhagen lässt sich heut viel Neues sagen.
Wer vom Krähenberg schaut kaum seinen Augen traut.
Zuerst das breite Odertal,
Nationalpark nun sogar!
Großschifffahrtsweg ist wunderschön,
Stolzenhagen ließ einen Bootshafen entstehen.
Auch Caravan's sieht man hier stehen,
denn in Stolzenhagen gibt es viel zu seh'n.
Pedalritter erobern den Deich,
ein Radweg so weit das Auge reicht.
Fischerkietz und Herrenhaus sehen noch
Immer romantisch aus.
Im Herrenhaus ist zur Zeit kein Leben,
dies wird sich aber sicher geben.
Das Rittergut im Krieg getroffen,
danach für Siedler aufgeteilt,
im Sozialismus war's dann LPG
bis zur Wende, o weh.
Überflüssig war es nun geworden,
Alternative haben damit nun ihre Sorgen.
Von der Schäferei ist nichts mehr zu seh'n.
Sammelbehälter für den „Grünen Punkt“ dort steht [stehn?].
Das Doetlhaus ist rausgeputzt,
hier hält jetzt immer der Bus.
Schmuck steht der Ziegengalopp jetzt dar,
doch Ziegen sind hier heute rar.
Vor't Ende, geht man gerne nach der Wende.
Silberkistenweg nennt man nun das Ende.
Die Häuser sind hier rausgeputzt,
heut gibt’s hier keinen Schmutz.
Nachts leuchten hier Laternen,
da würde Wilhelm Brüning schwärmen.
Straßenlampen leuchten hell,
auf den Straßen neues Pflaster
Bürgersteige überall.
Der Wanderer fragt:
„Woher der Zaster?“
Hübsche Häuser sind zu sehen,
Blumen sprießen in Rabatten.
Gut lässt es sich im Burgwall gehen
hohe Bäume werfen angenehmen Schatten
weit kann man in die Landschaft sehen.
Am Sandberg man kaum dem Auge traut,
ein hübsches Häuschen wurde da gebaut.
Klamotten aus Skandinavien schön aufgereiht,
hält hier die Eiszeit bereit.
Im Blockhaus nebenan wohnt ein kluger Mann,
die Steine haben es ihm angetan.
Kinder über Stolzenhagen
ließe sich noch manches sagen
Doch um keinen hier zu kräng[k]en,
will ich mich nur auf dies beschränken.
Johannes Albrecht Stolzenhagen im Dezember 2001“
Ich frage mich bei so vielen Künstlern, ob sie auch in der Künstlersozialkasse sind.
Die Kirche, Gottesdienste finden zu Musik Georg Kindlers meist im Gemeindehaus statt, der Pfarrer von Lunow kommt dann in seinem Liegerad hierher.
Hirsche in einem Gehege, von einer Dame erfahren wir, dass der weiße Hirsch geschlachtet worden ist, weiße Hirsche bringen Unglück, davon sind Jäger überzeugt.
Am Informationskasten ein handschriftlicher Zettel, schon ziemlich ausgeblichen, muss diese Informationen für die Ewigkeit retten:
„Leihbücherei Lunow Fischerstr 18
Romanhefte ab -,15 bis -, 40 Cent
Bücher ab -,50 bis 2,- €
Annahme Wäsche Chemisch Reinigung
Propangasflaschen
Handarbeiten in reicher Auswahl
Sofakissen gefüllt rund und 4 eckig
Herren – Damen – Kindersocken
Topflappen rund und 4 eckig
4 eck Halstücher bunte Schal's Frauenschal's
gehäkelte Deckchen Nadelkissen Schmetterlinge
Eierwärmer (Fliegenpilz) Kinderkleidchen u Pullover
geöffnet täglich auch Samstag u. Sonntag“
Besonders reizvoll scheint mir dabei der Eierwärmer Fliegenpilz.
An einem Haus „VW den 25 ten May 1818“
Mit Lisa zum Eiermann, aus den Eiern brät Heidi Pfannkuchen, es sind aber in Wirklichkeit Eierkuchen.
Georg Kindler, kann ich seinem Honigetikett entnehmen, nennt sich Agraricus Apis, was ihm gegönnt sei.
Diese Küche war auch früher Küche, sowohl für die ganze LPG als auch für die Kinder der Umgebung, erfahre ich von Heidi, die abwäscht, während ich meine Chronik eintippe.
(Dach № 9, 5. V. 08:) Als Heidi mal im Markt fragte, wann denn Kartoffeln am besten gesetzt werden, wurde ihr geantwortet:
„An Führers Geburtstag!“
Gutshaus Stolzenhagen, Küche: Dann geht’s nach 8 zum Grillen, Jochen und seine Frau, zwei Kinder haben sie wohl, Georg Englisch und sein Sohn, meine Töchter und Heidi. Einen nassen Arsch hole ich mir, das wird meinen Hämorrhoiden nicht gut tun.
Nette Runde, Lisa sieht fast zum Fürchten schmutzig aus, Jochen war in Saudi Arabien, Dubai, für eine Ausstellung historischer Fotos aus dem Reichsmuseum, Karlsruhe, eine weltoffene Handelsstadt, der Containerhafen und demnächst der weltgrößte Flughafen, Öl macht nur 10 % der Wirtschaft aus.
Prosecco und Rotwein, Tabak und Zigaretten, alles entgegen meinen Vorsätzen.
Mit meiner Stolzenhagen-Chronik mache ich mir wohl viel sinnlose Mühe, indem ich die Texte von der Digitalkamera abschreibe, weil alles auch im Netz zu finden ist, aber meine Dämonen befehlen mir 20 vor 10 weiterzumachen.
(Gutshaus Stolzenhagen, Treppe, 3. V. 08:) Es geht dann noch ans Feuer zwischen Gutshaus und der Baracke, deren Dach abgerissen wurde, es wird Weißwein getrunken und geraucht, auch moderat gekifft. Gegen Mitternacht verabschiede ich mich in mein Dachbodenzimmer.
Das Einschlafen geht nicht so glatt, wie von mir erhofft, obwohl weder Mücken noch anderes Ungeziefer piesacken. Nur die Nachtigall und die Frösche schreien durch die Nacht.


Samstag, 3. V. 08, sonnig:
Gutshaus Stolzenhagen, Treppe: Einen Alptraum kann ich verschlafen und mit einem Wunschtraum übermalen:
Bin mit der Reformbühne in Los Angeles, Stein bezaubert eine Frau auf der Straße, obwohl er nur kurz mit ihr spricht und er nicht einmal englisch kann. In einer Bar setzt Jürgen den Barkeeper haarklein über die richtige Zusammensetzung eines Sandwiches auseinander. Ich verabrede mich mit Andrea in einer Bar.

(Dach № 9, 6. V. 08:) Meine Wunschträume, die fast immer mit dem Reisen zu tun haben.
Gutshaus Stolzenhagen, Treppe: Bis ½ 11 hänge ich diesem Trugbild nach, trotz meiner 1sten Nacht hier wird wohl Stein nicht wieder lebendig werden, dass ich dagegen mit Andrea nochmal in einer Bar verabredet sein werde, das ist nicht unwahrscheinlich.
Bekomme sogar lauwarmen Bohnenkaffee nebenan bei Georg Englisch und Jochen, derzeit hier eine Rarität.
Es scheint für mich der Platz auf der Treppe von Gutshäusern im Blut zu liegen, sie viel sich seit Dolgie 99 geändert hat und was alles gleich geblieben ist.
Heidi fährt mit Lisa und Georg Englisch nach Angermünde in den Baumarkt, nebenan beginnt ein Nachbar Holz mit der Kreissäge zu sägen, morgen wäre hier Ruhe, aber dann bin ich nicht mehr da.
Fette Henne und Dicke Berta verlustieren sich im Kräutergarten rechts von mir, Bartnelken, Kornblumen, Fingerhut, Malven, von Malven gekrönt, so müsste ich hier thronen, wenn es gerecht zu ginge in der Welt. Aber derzeit ist alles gerecht genug.
Ella zeigt mir ihr Reich, neben Georgs Tai Chi Platz haben sie mal einen kleinen Laubfrosch gesehen, dort haben sie Pfefferminze vom Stolper Loch angepflanzt, in diesen Gewächshausbögen fanden eine dieser Performances statt, bei der sie durchs Wasser gezogen wurde. Wo genau die Sauna ist, weiß sie nicht, die Sommerküche von Josch, das Stelzenhaus, die Feuerwehrschlauchschaukel, die alte Stellmacherei, in der Lisa mal herumgeklettert ist. Der Dachgarten auf der Baracke heißt Wäschekorb, der Blechner soundso, mit blauem Pullover und roter Mütze hat ihn gebaut. Schließlich noch ins Baumhaus, wie so oft bewundere ich den Wortschatz und die Intelligenz meiner Großen, von wem sie das bloß hat?
Regionalzug Angermünde – Berlin Gesundbrunnen: Arbeite im Liegestuhl weiter, das Leben ist eine Lust, derzeit sind keine Wünsche offen, oder doch?
Fahrradtour in Kleinfamilie, bekomme eins mit wackliger Gangschaltung, mit dem ich der Not gehorchend meist in einem Bergsteigergang fahren muss, über den Kanal zur Oder und zum Stolper Loch. „Grützpott“ heiße der Turm von Stolpe auch, weil sich die Dörfler gegen Räuber einst dorthin zurückzogen und die Belagerer mit heißer Grütze übergossen. Meine Idee wäre, den Turm abzureißen und die Steine einzeln als Stolpersteine zu verkaufen.
In angenehmster Stimmung im Kleinbus zurück nach Angermünde, ein Rufbus, der den absurden Preis von 1 Euro kostet. Mit einer Tafel Trauben-Nuss und einem Latte macchiato sitze ich in dem pünktlichen Zug nach Berlin und wie ich das hier schreibe sind wir schon in Britz. Und nun gar schon in Pankow, gerade mal eine Stunde braucht der Zug.
Pult: Telefonat mit Anna, Versuch, mich mit fast egal wem zu verabreden, aber so kurzfristig ist Heidel nicht da, Astrid in München und Ahne hat Kinderdienst. Und wäre es nicht sowieso viel vernünftiger, nicht zu trinken? Einmal?
Also heute nun ein richtiger alkoholfreier Tag, kucke zum zweiten mal einen schönen Clint-Eastwood-Thriller und einen mit Kurt Russel, wer hätte gedacht, dass er Schuld war an den Ausschreitungen in L. A. nach dem Rodney-King-Beating-Case? Zwischendurch bin ich fleißig und schicke Material herum, auch mal endlich an Kürschners Literaturkalender: Ich habe es geschafft!
10 vor 1 Schluss.


Sonntag, 4. V. 08, sonnig:
(Dach № 9, 5. V. 08:) T: Fußball in Nürnberg mit Hans Meyer.

Pult: Nach dem einsamen Frühstück eine knappe Stunde Dauerlauf die Landsberger hinaus, Oderbruchstraße, durch den Volkspark Prenzlauer Berg und Am Friedrichshain zurück. Für 89er-Roman, Obse: Russisch hatten wir bei Obse, sie war eine recht freundliche, vielleicht etwas schlichte Frau, die mit dem Familienname Fickenwirth geschlagen war, daher ihr Name unter uns Schülern: „Obse ficken wird?“
(Dach № 9, 5. V. 08:) Ansonsten ab ½ 1 heiteres, leicht angsplifftes Quittungs- und Rechnungen-Sortieren.
Schreibtisch: Gegen 6 bei mir am Schreibtisch, um vor dem Reformbühnenessen noch was aus dem 89er Roman auszudrucken.
(Dach № 9, 5. V. 08:) Wie so oft ist unser monatliches Essen ein Feuerwerk verrückter Einfälle, Jakob rät mir sehr zu, mich für Kenya auch gegen Wahnsinn impfen zu lassen, allerdings wenn man das schon in der Kindheit gehabt habe, sei man immun. Was Uli von Hitlers Frühwerk halte? Er kennt es einfach nicht.
„Hitler malte Rosen.“, versuche ich ihm zu helfen.
„Hosen?“
„Du musst alles auf Dein Niveau herunterziehen!“
Daniela hat mir die Wanduhr mitgebracht, endlich habe ich eine Wanduhr!
Reformbühne ist durch sie als Zuschauerin und Bov als Gast so komplett wie noch nie seit der Gedenkveranstaltung zu Steins Tod. Etwas Lustiges mit ihm, das mir nicht mehr einfällt, so werden die guten Gedanken und Ideen Opfer des Suffs und mangels Stasi, die alles mitschreibt, bleibt es verloren for ever. Trinke mich zielstrebig müde mit unzähligen Bieren, hackebesoffen und sturzdicht 0.40 Uhr im Bett.


Montag, 5. V. 08, sonnig:
Schreibtisch: Der Paketbote klingelt mich heraus, aber es ist schon ½ 10, bringe die große Wanduhr, ein Geschenk von Daniela, an der Wand zwischen den Küchenfenstern an, da wird sie nun wahrscheinlich Jahrzehnte hängen.
½ 11 ans weitere Sortieren der Steuerscheiße, wobei eher die gute Laune weiter überwiegt.
Dach № 9: Etwas lese ich in „Ostafrika, Keny – Tanzania – Uganda – Rwanda – Burundi“ aus der DuMont-Reihe „Richtig reisen“ (Hrsg. Michael Köhler, Köln 1989).
Aktualisierung meiner Kurzbio, die sieht jetzt insgesamt so aus:
1969 geboren in Berlin.
Schriftsetzerlehre und Abitur in der Abendschule.
1993-1994: Medienarbeit mit Jugendlichen beim Kulturverein Prenzlauer Berg.
1994 bis 2006 Kolumne über Berliner Geschichte in der Stadtzeitung „scheinschlag“ („Berlin 1894“ bis „Berlin 1906“)
ab 1995 Mitarbeit in der Reformbühne Heim & Welt, Kurzgeschichten, Hörspiele, Essays.
1996 Gründung der Charles-Bukowski-Gesellschaft (www.Bukowski-gesellschaft.de),
1997 – 99 Kolumne „Berliner Zimmer“ in der taz, sonstige Veröffentlichungen u. a. in: „Salbader.“, „Titanic“, „Frankfurter Rundschau“, „konr@d“, „Hebammen-Info“, „NRC HANDELSBLAD“, „FAZ“, Berliner Zeitung, Der Tagesspiegel.
Seit 1997: RADIO HOCHSEE an wechselnden Orten, u. a. in der Volksbühne, Themenabende u. a. mit Rosa von Praunheim, Thomas Brussig, Jörg Buttgereit, Wolfgang Müller, Matthias Penzel, Thomas Kapielski, Wladimir Kaminer, Heinrich Dubel und Frieder Butzmann.
1997?: Film „China gibt es nicht“, Regie: Katrin Rothe.
1997/98 Arbeit an dem Roman ALLES NUR GEKLAUT.
Seit 1999 Mitarbeit an „Alkor“, „Echolot“ und an „Ortslinien“ von Walter Kempowski.
Mai bis Oktober 1999: Autorenwerkstatt des Literarischen Colloquiums Berlin.
2000: Verleihung der Ehrenbürgerschaft von Lubbock, Texas.
Seit 2000 als Buchautor, Journalist und Vortragsreisender selbständig.
2002-2003: Stipendium Akademie Schloss Solitude.
März 2002: FUENF FINGER BUCHPREIS (Wanderpokal, der aus einer bronzenen Hand besteht, den ich aber nie ausgehändigt bekommen habe.)
Bücher:
-Gastronomie in der Krise (P. Wilson Verlag, Berlin 1998).
-Roman ALLES NUR GEKLAUT (MaroVerlag, Augsburg 1999, Taschenbuch 2001 bei btb).
-Jahrbuch der Charles-Bukowski-Gesellschaft (Herausgeber), Berlin 1998.
-[bju:k], Jahrbuch der Charles-Bukowski-Gesellschaft 2000 (Ariel Verlag, Riedstadt 1999).
-Roman TRABANTEN (Piper Verlag, München, 2002), Vorabdruck im „Nordkurier“.
-Radio Hochsee (2004 bei Piper, München)
-Springfield auf Trip (2004 bei The Grüne Kraft, Löhrbach, www.gruenekraft.net)
-Volle Pulle Leben (Hg., Goldmann Verlag München, 2005)
-Herausgabe einer Doppel-CD (www.reptiphon.de) zu
10 Jahren Reformbühne Heim und Welt.
Filmvorträge:
-Charles Bukowski und der Film
-Halluzinationen in den Simpsons (beide erfolgreich in ganz Deutschland u. a. in
Dresden. Köln, Stuttgart und Sewanee gehalten)
-Themenabende u. a. zu Johnny Cash, Barney Gumble und Hubschraubern
2004 Gast-Redakteur der taz zum Thema Ostdeutschland.
Seit 2004 Interviews in GALORE, u. a. mit Walter Kempowski, Tim Renner, Ray Harryhausen, Albert Speer.
Lesungen, Vorträge Seminare und Workshops u. a. in der Volksbühne, den Münchener Kammerspielen, den Universitäten von Lüneburg, Jelenia Gora (Polen), Sewanee (USA), Belém (Brasilien) sowie den Goethe-Instituten Amsterdam, Riga, Minsk, Bratislava, Rom, Nairobi und Dar Es Salaam..
Radiofeatures „Opferbahnen“ (WDR, 2005) und „Frankie and Johnny“ (WDR 2007).
Sommer 2006: redaktionelle Mitarbeit in der Sport-BZ.
Seit 2005: Mitglied in der Schriftsteller-Nationalmannschaft (gegründet von Thomas Brussig), Teilnahme an den WMs in Italien 2005 und Malmö 2007 sowie dem 9:1 Sieg über den SPIEGEL am 12. 11. 07.
2007: Weltchronik mit Jochen Schmidt im Babylon (Berlin Mitte), Gäste dabei: Mark Benecke, Kathrin Passig, Jakob Hein,
2008: „100 % Berlin“ (Knesebeck-Verlag, München, 2008), Übersetzung aus dem Amerikanischen „Schule ist was für Versager“ (Rowohlt, 2008) von Paul Halpern (Was man aus Den Simpsons über die Wissenschaften lernen kann.)
Anthologien: TRAUMSTADTBUCH (Rowohlt 2001), FRISCHE GOLDJUNGS (Bertelsmann), ASPHALPOETEN (CD bei Kein & Aber, 2001) WAHLVERWANDTSCHAFTEN (Aufbau 2002), PLANET SLAM (yedermann, München 2002), WILDER OSTEN (fischer, 2002), DAS BESTE HÖRT SICH SCHEISSE AN (Fünf Finger Ferlag, Leipzig 2002), BERLIN IM LICHT (Suhrkamp, 2004). Doppelpass (2004), Karl May im Llano Estacado (2004), Alles Gute kommt von oben? (dtv 2004), Iguana à la Carte (2006), Stimmen aus dem Abseits (2006), Der Ball ist aus (2006), Pauschal ins Paradies (2007), woanders (2007), Ich bin Buddhist und Sie sind eine Illusion (Tiamat, 2008)
Obwohl man da nicht mehr von kurz sprechen kann.
Notizen von gestern übertragen trotz gewisser, der Sonne geschuldeter Rammdösigkeit.
(Dach № 9, 6. V. 08:) Bekomme mein Poesiealbum zurück, muss dringend die Fotos von der VW People's Night entwickeln lassen und nachkleben, ein neuer Style mit Computerausdruck, warum nicht?
Pult: 800 Euro bekomme ich für zwei Simpsons-Vorträge in Köln im November, fast alles läuft wie geschmiert.
Gammle vor der Glotze, „Ripley's Game“ (USA/Ital./GB 2002) mit John Malkovich als Ripley, 7 Morde,
Wieder ein alkoholfreier Tag, und vielleicht morgen noch einer.


Dienstag, 6. V. 08, sonnig:
Pult: Traumfragment: Eine Gruppe verwahrloster Mädchen, dunkle Augenringe, schadhafte Zähne, Flöhe oder Ungezieferbefall.

Um 9 auf, Frühstück bis ¾ 10, dann aufs Dach.
Dach № 9: Mich andauernd sonnen, so wie ich es mir in Lehre und den verschiedenen ungeliebten Arbeiten immer gewünscht habe, das kann ich jetzt und das tue ich auch. Hautkrebs kommt später.
19. Mai Deadline für ein Probekapitel und Exposé, wenns 4 Tage länger dauert sei auch nicht so schlimm, welche Quellen und welche Motivation dahinter stecken, das müsse mit rein.
Sowas wie der DDR-Hass-Text, das sei wie in Marmor gemeißelt.
Beim Schreiben sind Fleiß und Faulheit am wenigsten zu unterscheiden, man sitzt ja nur da und macht nichts Richtiges, es ist ja nicht wie Atombomben versandfertig machen oder mit MGs auf Demonstranten schießen.
(Pult, 9. V. 08:) Bockwurst mit Kartofelsalat und 2 Bier, noch etwas Zeitungslektüre und Sonnen vorm Charlottenburger Schloss, zu 7 in die Hackeschen Höfe.
„Sieben Mulden und eine Leiche“ ist eine sehr gute Dokumentation,
(Pult, 13. V. 08:) „Steinmeier? Dieser Guantánamo-Mörder?“, wegen des Kurnaz-Falles, von dem er alles gewusst hat.


Mittwoch, 7. V. 08, Muttis 70. Geburtstag:
Pult: Kontoauszüge kopieren und zu Mrowinski schicken.
Kaputt und verkatert.
Ins Bett ¼ nach 12, aber die Gedanken und Aufgaben drängen zu sehr. Gieße meine Pflanzen, hänge die Wäsche auf.
Bin dabei hypernervös und kann konstatieren: Mir geht’s so wie bei früheren Depressionen. Nein, zum Glück nicht ganz so schlimm.
Und dann das mit den Kindern und den Hausaufgaben, fühle mich schrecklich unwohl.


Freitag, 9. V. 08, sonnig:
Pult: Was für ein herrlicher Tag beginnt, ¼ nach 6 todmüde, aber nach der Morgenroutine mit den gutgelaunten Kindern gegen 10 am Pult.
Nach ½ 11 Abfahrt zum Spandauer Damm, bekomme die Cholera-Impfung, wegen Tollwut muss ich noch zweimal hin.
Auf der Rückfahrt an der Dovebrücke Leserast in der Sonne, weiter in Hamsuns „Das letzte Kapitel“, das ist der Tod. Mir geht es so gut, dass ich es eigentlich gar nicht fassen kann.
Bei mir Datenpflege, von ¾ 5 bis um 7 an die Eberhard-Korrekturen, dann ans weitere Transkribieren (4. II. und 28. I.) , angetrieben durch Ninas Fleiß, so erzeugt Arbeit Arbeit, was nicht das schlechteste ist, hätte doch wohl sonst einfach nur weiter bei Hamsun gelesen.


Sonntag, 11. V. 08, sonnig:
Pult: T: Habe einen Zettel, auf dem von Eva und mir steht und will ihn an eine große Glocke hängen.

Ein weiterer göttlicher Tag bricht an, Verabredung mit der schlaftrunkenen Claudia, E-Post, während die Kinder noch dösen bis um 10,


Pfingstmontag, 12. V. 08, sonnig:
Pult: Das unirdisch schöne Wetter hält an und an und an. Homöopathische Datenpflege.
(Pult, 13. V. 08:) Die Kinder bauen eine Kleckerburg am Kiessee, ich lese.
Meine Mutter ziemlich in Rage, jedenfalls unter Druck, Bungalow muss hergerichtet werden, gepackt für morgen und die Fahrt nach Prerow, Essen für die Kinder und Spargelsuppe für Hanne und Georg, Wässern der Blumen usw. usf. Alles hat sich ungünstig nach hinten verschoben, weil die Bochumer wegen eines Staus bei Ziesar ihre Abfahrt immer weiter nach hinten hinaus schoben.
Auf Alkohol gelingt es mir zu verzichten, nicht auf Zigaretten, dabei vor der Glotze abhängend, dies beruhigende Flimmern meines Laptop-Mäusekinos: Auf dem MDR „Stars, die in den Osten kamen, Cordalis, Kaiser und Co. in der DDR“, Roland Kaiser hat „das wärmere Klima innerhalb der Leute in der DDR“ gespürt, Wiedersehen mit Udo Lindenberg und so vielen Idolen, der Deal 1983 mit Harry Belafonte, der nur kam, wenn sein Freund Udo auch einreisen durfte. Hermann van Veen. Das Improvisationstalent der DDR-Handwerker hat Kosta Cordalis kennengelernt, als sie ihm in seinen Mercedes anstelle seines kaputten Kühlers einen vom Trabant einbauten. Angesichts der Luftkühlung des ostdeutschen Kleinwagens schon ein ziemliches Wunder.
Auf RTL „I, Robot“ (USA 2004), Mord im Roboter-Milieu mit schönen Szenen für „Die Zerstörung von New York“, wenn der Film nicht in Chicago spielen würde.
Zwischendurch in der Werbepause etwas in einem Frank-Sinatra-Porträt auf dem NDR, seine Rolle in „Verdammt in alle Ewigkeit“ und damit den Oscar hat er durch Druck der Mafia bekommen.
½ 1 ins Bett, ziemlich schnell zu müde zum Weiterlesen in „Das Letzte Kapitel“.


Dienstag, 13. V. 08, sonnig:
Pult: Angenehme Kühle in der Nacht und auch am Morgen. Um 9 recht erfrischt wach, mein geliebtes Pult, Symbol der Ordnung im Chaos, und wenn die ganze Welt in Scherben fällt, so phantasiere ich, werde ich hier immer noch stehen und das jeweilige Fernsehprogramm des Vortages eintippen.
Gegen 11 an eine neue Chronik, während die Kinder sich Tiergartenfein machen.

24
Apr
2008

www.Falko-Hennig.de

26. April, 16 Uhr, Berolinaplatz (Kleine Hamburger Str., Zugang von der Linienstr., Berlin Mitte): Heimspiel der Berliner Autoren gegen Bild-online.

1. Mai, 21 Uhr (RAW Tempel, Berlin):
Chausee der Enthusiasten.


Montag, 7. I. 07, erst heiter, dann matschig:
(Pult, 13. I. 08:) Mein Schuldkomplex und wo er herkommt, wie in der griechischen Tragödie ist mein Vater schuldlos schuldig geworden, schon sein Vater mit NSDAP- und SED-Mitgliedschaft, dann kommt ein Aufklärer in der Familie, der es wissen will wie ich, der den Kreis durchbricht.
Am 17. Juni 1953 waren Sie als klassischer Rädelsführer dabei?
(Pult, 14. IV. 08:) Das war das Jahr, in dem Stalin gestorben ist. Aber ich war nicht als Rädelsführer sondern als Mitmacher dabei. Unsere Schule befand sich in der Nähe vom Potsdamer Platz, Pallas-, Goeben- und Potsdamer Straße und wie ein Lauffeuer ging es durch die Schule: In der DDR ist ein Aufstand! Wir DDR-Leute haben sofort gegen die Protest der Lehrer die Schule verlassen. Wir sind in Richtung Potsdamer Platz und haben uns eingereiht in die Rebellen und Demonstranten. Sie schmissen schon Steine auf die Vopos und wir dann auch. Am ersten Tag war es schon in Magdeburg losgegangen, nun am zweiten Tag griff die Rote Armee ein und es kamen die Panzer auf uns zu.
Mein Freund Odulf [?] und ich waren ähnlich feige und sind verschwunden. Diese Panzer sind eine unglaubliche Bedrohung, wenn sie mit diesem Geratter auf einen zu fahren. Sie haben auch geschossen, aber nur so drüber geballert. Die Vopos haben auch auf uns geschossen. An dem Tag sind einige erschossen worden. Wir sind aber gerannt wie die Hasen.
Der 17. Juni war eine Riesenhoffnung, die Deutschen waren die ersten, die Polen, die Ungarn, die Tschechen begehrten erst später auf.
Waren Sie beim Mauerbau in Hamburg?
Ich war schon Student in Hamburg. Meine Mutter war inzwischen Rentnerin und sie war nach Westberlin gekommen und ich wollte sie sehen. Sonnabend ist sie gekommen und Sonntag wurde die Mauer gebaut. Ich sagte:
„Mutti, du bleibst doch jetzt wohl hier und fährst nicht wieder zurück?“
„Das kommt überhaupt nicht in Frage, ich bin Mecklenburgerin!“ Dabei war sie nun wirklich Systemgegnerin, aber:
„Ich gehe nicht weg aus Mecklenburg!“ So war sie tatsächlich eine der ganz wenigen, die in diesen Tagen in der Gegenrichtung durch die Mauer gegangen ist. Sie ist wieder nach Rostock zurück.
Das war eine Trennung für wie lange?
Das dauerte lange, ehe ich sie wiedersehen durfte. Da musste schon Willy Brandt Kanzler oder Außenminister gewesen sein. Als ich nach drei bis fünf Jahren nicht mehr in der Fahndungliste stand, habe ich mich mit ihr in Ostberlin an der Friedrichstraße getroffen. Wir hatten keine Heimat, zum Glück war das Wetter nicht so schlecht, wie haben uns den ganzen Tag am Bahnhof herumgetrieben, nur um Kontakt zu haben. Aber meine Mutter war nicht wehleidig und hat alles mit Humor genommen.
Haben Sie viele Erinnerungen an ihren Vater?
Ich habe nur noch ein paar Filmfetzen von ihm vor Augen. Ich kenne viele Geschichten von ihm, er war unsere sehr zwiespältige Familienlegende. Denn er war deutschnational.
War er in der NSDAP?
Die NSDAP war ja weil links von ihm! Die Leute vom 20. Juli waren ja, was den politischen Standort anbetrifft, schlimmer als die Nazis.
Das ist sehr relativ, weil man ja immer die Verbrechen mit denkt.
Jedenfalls waren sie wesentlich undemokratischer als Hitler. Hitler ist durch Wahlen an die Macht gekommen. Hitler ist sogar der einzige Politker, der erst gesagt hat, was er vor hat und sich dann hat wählen lassen. „Mein Kampf“ lag vorher und zwar fast in allen Haushalten vor. Der hat seine Wahlversprechen gehalten.
[...] Dem Vater war Hitler also zu links?
Außerdem war er nur Gefreiter gewesen, und Österreicher und Arbeitsloser und Künstler, das war für meinen Vater alles zu viel. Meine Mutter sagte:
„Nein, so darf man nicht urteilen, man muss ihn sich ansehen.“ Sie ist nach Stralsund gefahren, wo Hitler eine Rede hielt, sie kam zurück:
„Einfach unästhetisch!“ Damit war der Mann für sie erledigt: „Unästhetisch!“
Sie hatte ein feines Gespür.
Die Ästhetik ist für komplexe Phänomene die einzige Möglichkeit der Bewertung. Als die Germanen oben auf den Alpen standen und sich entscheiden mussten zwischen zwei Tälern, konnten sie sich nur für das schönere Tal entscheiden. Offenbar ist das schönere Tal das ökologisch bessere. [...] Wenn ich zwei Unterschicht-Familien anschaue, die soziologisch und psychologisch ziemlich ähnlich sind, kann die eine grässlich aussehen, weil sie keine innere Harmonie hat. [...] ästhetische Krankheiten, Kafkas Schwindsucht [...]


Freitag, 11. IV. 08, bedeckt:
Pult: Nach 9 an eine neue Chronik, damit ¾ 10 fertig. Lange mit diesem Format keinen Ärger mehr gehabt, wahrscheinlich traut sich niemand mehr, mir was zu sagen.
Beende Kempowskis „Somnia“, ein schönes Buch, ob es wirklich weniger lustig als „Sirius“ ist, müsste noch geklärt werden.
Weiter ans Eberhard-Gespräch.
Adonis, Reifen platt.
Messe Ella mit dem Zollstock aus, sie ist 1,53 Meter groß.
Zweiter Mittagsschlaf kurz nach ½ 4, ein Automat für Frau Sinram weckt mich 10 vor 4, noch einige Minuten Eberhard-Gespräch.
Mit Volker in die Schwarze Pumpe, ganz allgemein wie es uns geht, er hat gestern wieder mit Rauchen aufgehört, nächste Woche mit Dan und Jochen nach China, Fernsehsachen möchte er schreiben, ich auch, wir werden uns mal zum Brainstorming verabreden.
¾ 6 bin ich wieder bei mir, durch Ninas Tätigkeit angespornt, weiter zu arbeiten, Eberhard-Gespräch.
Dramatik am Abend


Samstag, 12. IV. 08, sonnig:
Pult: Wieder Absatz-Formatierungsscheiße, das Erschreckende, dass ich mit meinen ureigensten Arbeitsmitteln wenig bis gar nicht umgehen kann.
½ 5 zu Nachmittagsschlummer ins Bett, dann starre ich an die Decke.
(Pult, 14. IV. 08:) Eine bunt tätowierte Monika, nach Helmut Höges Auskunft die erste Westberliner Punkerin, ziehen vor dem Laden einige durch, was Daniela überrascht zur Kenntnis nimmt.
Another Stein-Gedenklesung im SO36, sitze mit Klaus Bittermann erst mal ziemlich dumm auf der Bühne herum, aber dann läuft alles gut ab, Bong Boeldicke Rein-Karnation
Verkaufe kein Buch trotz, vielleicht wegen der circa 500 Besucher, aber who cares. Erfreulich viele Kolleginnen und Kollegen anwesend: Iris, Kirsten Fuchs, Lea, Bohni, Dan. Ein Suffke will zu später Stunde noch Heiko aufs Maul hauen, aber der ist zu begriffsstutzig.
Such a wonderful evening, und dann, nach dem Treffen der Königinnen, geht es einsam, aber immerhin per U-Bahn nach Hause. 1.30 Uhr in der Nacht, und so endet diese sentimental journey im überfüllten Waggon. Weltraum-Astronauten, alter Sowjet-Scheiß.
Kartoffelbrei, Spiegeleier und Spinat für ein Steinbuch im Freudenhaus, Marcel, der jetzt in Halle bei seiner Freundin wohnt, isst dasselbe.


Sonntag, 13. IV. 08, sonnig:
Pult: Ein herrlicher Sonnentag, der ¼ nach 10 beginnt, an dem ich erfolgreich mein Fahrrad flicke, Paprikasuppe in der Weinerei. Versuch gegen 6, etwas zu arbeiten.
Erfolglos an dem 89er Roman, aber der Text spricht nicht zu mir, braucht noch etwas Zeit, vielleicht auch mehr Seelenruhe. Auch mit einem alten Anklam-Text komme ich nicht weiter.
Schließlich überarbeite ich die Salbaderhund-Geschichte von 1997 und bin sogar zufrieden damit.
Schreibtisch: Dass dann aber der Absturz von OpenOffice keine Daten mit ins Jenseits nimmt, macht mich froh.
(Pult, 14. IV. 08:) Bei der Reformbühne sind Ecki Busch und Jochen Reinicke Ein Freund von Rosa, den ich neulich bei dieser obskuren Brückenparty getroffen habe, schenkt uns Pilze, hat auch eine interessante Lebensgeschichte anzureißen.


Montag, 14. IV. 08, bedeckt:
Pult: T: Ich spiele im Wohnzimmer mit einem Blumentopf meiner Mutter herum und trenne dabei alle Blüten ab. Mit schlechtem Gewissen lege ich sie oben drauf. Das wird bemerkt werden. Ich spiele als Schauspieler den reichsten Mann der Welt, der, obwohl er sich alles kaufen kann, nicht glücklich ist.

Nach 10 auf, Frühstück und Lustlosigkeit.
Meine Sollbruchstelle wäre nicht eine drohende Psychose, eher meine Depressionen, vielleicht manische, also die Pilze besser nicht gemeinsam nehmen, sondern getrennt.
Auf der Rückfahrt von Lichterfelde Ost kommen mir die Tränen, als ich Jakobs Text über Michael Stein in dem Buch lese.
Versuche den Kindern die Bedeutung von „Kleine Kinder, kleine Sorgen, große Kinder, große Sorgen“ zu erklären.
(Pult, 18. IV. 08:) Ein Hagelschauer vertreibt nicht nur uns schreibende Weicheier vom Fußballplatz sondern auch die Parallelmannschaft, aus den Nebenstraßen heulen die durch die Himmelskörper ausgelösten Alarmanlagen, während der Kunstrasen sich mit den großen weißen Körnern bedeckt.


Dienstag, 15. IV. 08, bedeckt:
Pult: T: Wie sehr ich inzwischen verwahrlost bin kann man daran sehen, dass ich hier in Schweden in dieser Bar, obwohl die Toilette nicht weit entfernt ist, lieber in den Flur unter eine Pinnwand über die Geschichte des Lokals pinkle.

Sehe schrecklich aus, mit Augenringen wie eine Eule oder ein hässlicher Pandabär mit Haarausfall.
½ 11 stehe ich am Pult und weiß vor Arbeitunlust gar nicht, womit ich mich zuerst ablenken soll. E-Mails, zum Glück nichts Dringendes dabei. Ich werde zur Zeitungsschau zu Kaisers und in ein Kaffeehaus gehen. Immerhin betreibe ich bis fast 11 Datenpflege.
½ 1 nach einer ungesunden Bockwurst bei Kaiser's wieder am Pult, Dan seine Samstagsvertretung bestätigen.
Etwas an der nächsten Massenmehl feilen und die nächsten Flyer vorbereiten, und da ist er wieder: der Spaß an der Arbeit. Nach Bildern für meine bescheidenen Illustrationen fahnden, fotografieren für die Pressearbeit, usw. usf.
Schreibtisch: Vorlagen für die nächsten Flugzettel ausdrucken, habe mich in die Arbeit hineingefunden, auch wenn ich das Eigentliche vernachlässige.
Immerhin schaffen wir „Will the Circle be Unbroken: Country Music in America“ von Paul Kingsbury und Alauna Nash (New York 2006) durchzublättern.
Kopien, zu mir, auf dem Anrufbeantworter wieder Mario nur 7 Sekunden, sowie Doc Schoko,
(Pult, 16. IV. 08:) Aber der Dylan-Abend ist erfreulich besucht, Dank Helmuts Spende kommen wir auf einen Anteil von 35 Euro, ziemlich symbolisch, aber als Belohnung für die Präsentation schöner Musik okay.
Die freundliche Nachricht auf dem Anrufbeantworter tröstet wenig, die mich in der Nacht erwartet.


Mittwoch, 16. IV. 08, sonnig:
Pult: T: In Kempowskis Haus, sein Bruder Robert ist anwesend, fahre mit ihm weg, er raucht. Was ich erst für ein Auto gehalten habe, stellt sich als zwei heraus, die anderen Passagiere sitzen im hinteren zweiten.

11 auf, Telefonate, E-Post, Alltag. Knut Hamsuns „Das letzte Kapitel“ (Berlin W 50, 1928), das Hospital in den Bergen, Krankheit und Gesundheit, der Selbstmörder und der Lungenkranke und die schöne Frau, guter Stoff.
Gegen ½ 2 auf den Weg zur Zeitungslektüre.
Treffen mit Michael Stauffer, erst im „Lass uns Freunde bleiben“, dann noch Pizza in der Focacceria und zu mir, wo zwischenzeitlich Ralf Liersch mit australischem Alligatorhut zu uns stößt. Mit einem Rollstuhlfahrer, „Fahrstuhl“ rutscht Michael ein paar Mal heraus, hat er ein Theaterstück aufgeführt, irgendwann fiel der von der Bühne und verletzte sich, die Invalidenkasse machte Ärger, weil er ja schon Invalide war.
Wie aberwitzig, dann den Laptop hochzufahren, nur um zu schreiben, wann ich mich 10 nach 6 zum Nachmittagsschlaf begebe.
(Pult, 17. IV. 08:) Die 68er-Ausstellung in der Akademie der Künste reizvoll, viel Wahnsinn, schöne Fotos, „lesende Analphabeten“, zweimal Kempowski. Leider etwas verschwitzt durch die Ausstellung: Der Muff von den Tataren unter den Talaren.
Die Diskussion lässt sich dröge an, immerhin wurde Helke Sanders von der 68er Bewegung sehr erweitert und Klaus Schütz (82) weiß nicht, worum es bei diesen Protesten überhaupt ging, man hat es ihm nicht gesagt. Dass es um die Gleichstellung der Frau ging, sei eine Mythe, dass er als Wasserträger des Imperialismus bezeichnet wurde, nimmt er übel.
(Pult, 17. IV. 08:) Zum Kumpelnest, war vielleicht gut, sich nicht telefonisch anzumelden, weil Betreiber Reinhard [?] wohl abgelehnt hätte. Auf die BZ ist er nicht gut zu sprechen, einer 100jährigen Dementen muss er immer aus diesem Blatt vorlesen, weil sie darin mitunter noch die Überschriften selber entziffern kann und er findet diese Zeitung zum Kotzen.
Teppiche an den Wänden, an der Tür einer mit Lady Diana und Warnhinweise: „Terror + Natur“ und „Dringende Warnung: Taschendiebe unterwegs. Passt auf eure Sachen auf!!! Wertsachen können am Tresen abgegeben werden.“ Aus der Anlage singt Bessie Smith.
Gegen Mitternacht sind 10 Gäste da.
Immer Dienstags findet hier eine Klimbim-Show statt, in der die Kult-Fernsehsendung nachgespielt wird, Jolanthe, das ist Jerome Castell und Berlins dienstälteste Transe, sowie Sabrina, Berlins frivolste Bardame, sorgen für unvergesslichen Klamauk. DJ Jerome wird dann mit seinem Künstlernamen gerufen: „Herr Karajan, legen Se mal auf!“
Gelegentlich treten „Die Viecher“ mit einer Playback-Show auf, das sind ein schwuler Lufthansa-Stewart mit Schwester und Freundin.
Vor 21 Jahren war das Lokal ein Puff, drei Jungs (2 schwule Studenten?) haben es dann übernommen. An die Vergangenheit als Freudenhaus erinnert neben der plüschigen und vielfach verspiegelten Einrichtung ein Gemälde hinter der Theke, auf dem drei junge muskulöse Schwarze von dienstbaren Frauen oral befriedigt werden. Aber das ist erst vor drei Tagen gekauft worden.
An der Decke dreht sich eine Disco-Kugel samt einem Schiffsmodell. Blinkende Lichterketten, Flohmarktbilder und Autogrammkarten von Prominenten, die hier zu Gast waren, bestimmen die Einrichtung. Heiner und Wolfgang Müller, Udo Kier und Karl Lagerfeld gehörten dazu. „Die tödliche Doris“ hat hier gearbeitet.
Am 1. Mai feiern sie 21. Geburtstag, Kai hat den Laden seit 8 Jahren. Damals stand hier eine Couch, die für so ziemlich alle unzüchtigen Zwecke benutzt wurde.
Das Kumpelnest ist eine Bar, in die andere Barkeeper zum Beispiel aus der Trompete auf ihr Feierabendbier vorbeikommen.
Die kleine Flasche Becks oder Budweiser kostet Euro 2,50, hinter der Theke steht Gilbert Rendant (33), ehemaliger Fleischermeister hugenottischer Abstammung Rendant heißt Geldverwalter. Wenn sein schwuler Hautarzt ihn aufruft mit seiner weichen Stimme „Rendant“, dann wird ihm trotz anderer Ausrichtung immer sehr warm ums Herz. Anderthalb Jahre war er hier Gast, ein Jahr stand er an der Tür und fühlt sich nun am Tresen:
„Hier holen die Transen ihre Brüste raus, ein schöner Anblick. Wieso machen das Hetero-Frauen nicht?“
„Hetero-Frauen sind dafür viel zu prüde.“, vermutet ein zeichnender Tresengast.
Nach Mitternacht treffen die Rosenverkäuer heute auf immer weniger Gäste und müssen ohne Geschäftsabschlüsse weiter.
Studentin Kathrin Emmer (31, Neuere deutsche Literatur, Psychologie und Soziologie) stammt aus Garmisch Partenkirchen aber will in Berlin bleiben. Ihr Begleiter Ryan McLaughlin (27) stammt aus Boston, ist Maler und ist Berlin wegen der Apfelsaftschorle verfallen. Sie haben sich in einer Galerie kennengelernt, wo Emmer als Assistentin arbeitete.
Sade singt „Sweetest Taboo“, während ½ 2 noch drei Paare und drei Gäste gegen die Nacht antrinken.
Neulich fuhren zwei Limousinen vor, 20 Leute strömten herein und einer beglich die Zeche über 110 Euro ohne Trinkgeld, nicht die beliebtesten Gäste.
Ein Pärchen mit Hund sitzt in der Ecke, Ivonne L. mit dem pudelartigen Bologneser Bobby ist zum ersten mal hier und findet es nett. Es ist ihre erste Verabredung mit Oliver V., einem Stammgast seit 10 Jahren, der sowohl Couch als auch die Bühne kennt. Es ist die erste Verabredung des Pärchens, sie haben sich gestern zufällig kennengelernt. Der Vermögensberater war Gast in dem Café, in dem sie arbeitete und hat seine Nummer hinterlassen. Während ich mich mit dem jungen Glück unterhalte, reibt eine Frau ihr Gesicht an der Fensterscheibe und kurz darauf ein Herr sein Gesäß, leider viel zu überraschend, als dass der Fotograf die Ereignisse hätte ablichten können. Gegen 2 Uhr verschwindet das Paar, ein Pärchen und drei einzelne Gäste bleiben.
Nach Michael Jackson erklingt James Browns „Sex Machine“, was hier auch schon passiert ist, dass ein Stripper als Geburtsagsüberraschung für den Chef eine Marmorkugel der Größe eines Billardballs in den Hintern steckte. Als der es dann an anderen Abenden wiederholte, wurde es etwas viel. Dann war da auch dieser Performance-Typ, der seinen Penis stranguliert hat.
Der Rheinländer Rainer Rensch (60) mit weißen Haaren und schwerer Zunge:
„Gestern um die Zeit war hier mit den Mädeln auf der Tanzfläche die Hölle los!“ Rensch wohnt seit 8 Monaten hier um die Ecke mit einer Malerin zusammen und unterrichtet Philosophie und Malerei an der VHS Zehlendorf und hat abends einen philosophischen Kreis über Platon und Aristoteles. Hier in der Bar ist er alle zwei bis drei Wochen und mag das Unbürgerliche, den kleinen Anarchismus, die Oberfläche aus angeruchter Obszönität. Lange stand ein Dildo auf dem Tresen. Auf der Toilette bekam er mal mit, wie Meister Propper mit einem „südlichen Typen“ Verkehr hatte.
½ 3 taucht eine thailändische Prostituierte auf, die aber schnell wieder verschwindet. So endet der Absturz mit kulturgeschichtlichen Lektionen von Rensch, Cäsar gab seinen Soldaten ein Weindeputat von 5 Liter pro Tag, die Deutschen im 1. Weltkrieg bekamen Schnaps.
Der dritte erfolglose Rosenverkäufer schaut gegen 3 vorbei.
Ob das Kumpelnest reizvoller in einer dieser wilden Nächte ist, oder in einer ruhigen Nacht wie heute? Ins Gespräch zu kommen ist leicht, einzig hinderlich sind die gegen Morgen schwerer werdenden Zungen. Aber es ist wohl nur in einer so intimen Nacht wie dieser möglich, dass Gilbert in den Keller steigt, um einen riesigen Pferdekopf hervorzuholen und damit dem Abend einen surrealen und unwirklichen Ausklang zu geben. Oder hätten mich blanke Transenbrüste mit froheren Gedanken in die Nacht entlassen? Ich werde mal wieder vorbeischauen.
Um 4 bin ich Dank Nabendynamo sicher zu Hause.


Donnerstag, 17. IV. 08, Regen:
Pult: Gegen 11 gehe ich, entgegen meiner hundertfachen hehren Entschlüsse ans Handy als es klingelt und muss entsprechend hirngelähmt mit Toralf Hahse konferieren. Er will die Bierpreise mit drin haben.
Morgenkaffee, Ei und Vollkornröstlinge zum Frühstück, ein guter Tag beginnt. Geburtstagsanruf bei David. Bis gegen 2 an dem Kumpelnest-Artikel.
E-Post, ein Auftritt am 1. Mai bei der Chaussee.
Hauen uns zum Abend wieder mit Buchstabensuppe voll, alles erscheint mir friedlich und gut.
„Hulk“ (USA 200?), Monster, Mumien, Mutationen mit Nick Nolte als böser Vater der grünen Missgeburt mit der Impulskontrollstöhrung.


Freitag, 18. IV. 08, bedeckt:
Pult: T: Schriftsteller-Fußball-WM in Berlin in einem Problembezirk, durch den wir fahren. Das erste Spiel wird gegen Ungarn sein, am Hochufer eines Flusses gehe ich etwas zu weit und werfe fast eine Bank hinunter. Der Platz ist ein schmaler Seesandplatz, zuerst sollen fünf Minuten zum Test gespielt werden. Die Ungarn haben viele neue Frauen im Team, eigentlich erkenne ich nur Petér. Anpfiff, die Frauen sind sehr aggressiv.

Die Kinder kennen „Hulk“ aus Donald Duck, „Dulk“ hieß er da und Donald vertrieb nach seiner Heilung die Gläubiger, indem er tat als würde er wütend und dann immer noch mutieren.
½ 8 an meine Rundmail, ¼ nach bis ½ 9 die daraus folgende Datenpflege.
Toher Falko! Ich file geschribt von exposition Gete-institut in Minsk.
Sergej
Wegen des Features verweist sie mich netterweise auf eine Kollegin, es wäre dann die 20-Minuten-Schiene auf WDR5, die ich auch gleich anrufe und der ich ein Exposé schicken kann. Mache es fertig, angereichert mit meinem „Märchen von der Weißen Weihnacht“ schicke ich es ab.
Mein Schuldkomplex: Gleich bekomme ich ein schlechtes Gewissen, weil ich die Quellenangaben nicht mitgeschickt habe. Bei einem Exposé mit meinem Märchen! Gegen diesen Komplex hilft nur eiserne Rationalität.
Kucke mir dann endlich ¾ 3 den TV.B-Film an, sehr freundlich und ich kann sogar mein merkwürdiges Grimassieren ertragen.
(Pult, 19. IV. 08:) Auf dem Weg mit den Mini-DV-Kassetten von Saturn, Theateraufführung von Lisas Klasse.
Bei mir Fernsehabend mit den Kindern bei „Shang-High Noon“ (USA 2000) und zum Glück lachen die Kinder. Bin schon ab 9 so todmüde, dass ich jederzeit einschlafen könnte.


Samstag, 19. IV. 08, wechselnd:
Pult: Ganz glatt geht es leider doch nicht, ½ 11 warten wir erst vergeblich, schicke sogar Ella nach Hause, nachzusehen, ob wir vielleicht doch erst für ½ 12 verabredet gewesen seien, aber gerade als sie zurückruft sehe ich Claudia, die ich von einem gemailten Foto kenne, in den Weinbergspark kommen. Weil das Nola's überfüllt ist gehen wir ins Gorki-Park, Lisa filmt und trinkt Apfelschorle, Ella Kakao, ich Capuccino und Claudia Milchkaffee.
Mit 10 Jahren hat sie erfahren, dass sie adoptiert ist, ihre Mutter hatte eine psychische Krise und der Therapeut riet ihr, langsam mit der Sprache herauszurücken. Ihr Vater stammt aus einer Reichsbahn-Dynastie von circa 3 Generationen.
Nach 5 schalte ich den Laptop an, müde schon wieder, wird das denn nie enden? Nachmittagsschlaf 17.15 Uhr bis 17.40, dann ruft mein Vater an, wie denn Claudia so wäre? Wenn wir zu ihr fahren, bringt er ein dickes Fotoalbum mit. Nächstes Wochenende komme Antje zu einem Klassentreffen.
(Pult, 20. IV. 08:) Stürze einigermaßen im Freudenhaus ab, ein unsäglicher Bruce-Willis-Film gefolgt von einem, in dem Paris Hilton einem gutaussehenden Schwarzen einen Blowjob gibt, dann noch „Per Anhalter durch die Galaxis“.


Sonntag, 20. IV. 08, sonnig:
Pult: Dank Schlafmaske kann ich bis 11 ratzen, immer noch verkatert auf. Anflüge von Melancholie.
Eigentlich möchte ich für heute abend etwas schreiben, habe aber keinen rechten Schimmer, was das sein könnte.
Etwas am Eingangskapitel des 89er Romans. Nachmittagsschlaf, Packen und Aufbruch zum Fußball.
Gewinnen gegen Transit 5:2, spiele sehr mittelmäßig, überhaupt lahmes Spiel, entspricht aber durchaus meiner Stimmung.
Kurz nach 6 bei mir, an einen Publikumsbrief: Liebes Publikum, gestern traf ich zum ersten mal meine Schwester Claudia. Scheitere schnell, aber interessanterweise geht es mit dem Anfang des 89er Romans ganz einfach.


Montag, 21. IV. 08, sonnig:
Schreibtisch: Gegen 10 am Schreibtisch, ready to work mit einer Zigarette im Mund. Rechnung an die BZ, Ausdrucken des Dar Es Salaam Komplexes, Pressearbeit für den Azubi-Abend bis gegen 12.


Dienstag, 22. IV. 08, sonnig:
Schreibtisch: ½ 9 durch den blendenden Tag wach, Frühstück, Mark-Twain-Bilder ablichten, bin aber mit dem Ergebnis gar nicht zufrieden.
Kurz vor 10 endlich am Rechner, überarbeiten der Sportzeitungs-Geschichte. Dabei fahrig, wenig effektiv, als hätte ich die größte Leistung schon vollbracht indem ich den Computer eingeschaltet und die nötigen Dateien geöffnet habe.
Aber es geht, der Schweinehund lässt sich überwinden, in allem Chaos, in dem ich vegetiere, kann ich doch der Gesellschaft ausreichendes Funktionieren simulieren. Diesmal also nach Dar Es Salaam, die von den Eingeweihten nur „Dar“ genannt wird.
Bis um 5 liege ich in der Sonne bei Zeitungslektüre und „Der König von Mexiko“ von Stefan Wimmer, was für ein herrliches Buch, übermorgen liest er im Roten Salon.
Auf dem Anrufbeantworter Frank wegen der BILD-Zeitung, Zeitungskamerateam, mein Buch mitbringen, falls ich es nicht machen will, ihn anrufen.
(Pult, 24. IV. 08:) Die Berlin-Filme im Babylon mit Anselm Neft enttäuschend, Schulfunk, idiotische Texte: „Berliner Pflaster“ (circa 1956) von Wolfgang Kipenheuer, „Berliners, Life in a Gilded Cage“ von einem Daniel Shaw (?) aus der Serie „The Twentieth Century“eine äußerst surreales Bewerbungsvideo für die Olympischen Spiele, Tänzerinnen und Sportler überall, und eine ganz misslungener Film über den Potsdamer Platz.
Mit Anselm noch in die Volksbühnenkantine, dann allein ins Schmidts zu Liverpool gegen Chelsea, in der Verlängerung ist Chelsea der Ausgleich 1:1 durch ein Eigentor vergönnt.


Dienstag, 23. IV. 08, sonnig:
(Pult, 24. IV. 08:) T: In einem Pick-up-Truck auf der Autobahn, der Fahrer fährt plötzlich rechts in die Einfahrt, weil er einen Unfall gesehen hat. Dort ist der Verletzte, es kann auch ein Hund gewesen sein, schon abtransportiert. Mit Jochen die Treppe eines Berges hinunter, muss ihm mein Rhönrad reichen, er lässt es fast hinunterrollen. Habe in einer Klasse eine Beamer, den ich erst aus-, dann aber wieder anschalten muss. Das Bild ist verzerrt, weil ich von zu weit von der Seite projiziere.

Eigentlich sind es drei Träume, eher Traumfragmente. Mache mich nach 10 mit dem Fahrrad zum Tropeninstitut nach Westend auf, herrliche Sonne.
Wie es aussieht erfahre ich von Frau V. Pfister, die ganze Welt ist versucht: Malaria, Gelbfieber und Tollwut auf der ganzen ...


Donnerstag, 24. IV. 08, sonnig:
Pult: T: Eine Geschichte von Mark Twain, wohl übersetzt von mir, erscheint in einem Buch, Papenfuß hat damit zu tun.

Dieser Traum spricht nicht sonderlich zu mir. Um 9 auf, an eine neue Chronik.

11
Apr
2008

www.Falko-Hennig.de

Samstag, 12. April, 22.30 Uhr, SO36 (Berlin):
Buchpremiere Michael Stein
ICH BIN BUDDHIST, UND SIE SIND EINE ILLUSION
mit Heiko Werning, Bong Boeldicke, Falko Hennig, Ahne, Klaus Nothnagel, Daniela Boehle

Dienstag, 15. April, Kaffee Burger (Berlin), 20.30 Uhr:
Radio Hochsee Themenabend
BOB DYLAN REVISITED
Gast-Experten: Manfred Maurenbrecher und Helmut Hugler.
5 Euro

21. Mai, 20.30 Uhr, Kaffee Burger (Berlin):
Radio Hochsee Special
100 % Berlin Azubi-Party!
Eine ganze Generation wird eingeladen, ...


CHRONIK

Montag, 10. III. 08, sonnig:
(Pult, 25. III. 08:) „Stranded“ (Frankreich 2007), „In Prison my whole Life“ (UK 2007), „Wild Combination: A Portrait of Arthur Russel“ (USA 2007).


Dienstag, 11. III. 08, sonnig:
(Pult, 25. III. 08:) „Brothers Keeper“ (USA 1992), „The Fayry's Hair“ (Griechenland 2007), „Mexico: The Valley of Death“ (Griechenland 2007)
(Im ICE 380 Berlin Hauptbahnhof – Aarhus, 25. III. 08:) Als ich mich nun mehrmals diesen herrlichen Chips, Patafritas, eindecke, stellt Christophorus fest:
„Now the german boy found his food.“


Mittwoch, 12. III. 08, sonnig:
(Pult, 25. III. 08:) „Black, White + Gray“ (USA/Schweiz 2007), „Sexy“ (Niederlande 2007), „Awaiting for Men“ (Belgien 2007).


Donnerstag, 13. III 08, sonnig:
(Pult, 25. III. 08:) „Paradise Lost“ (USA 1996)


Samstag, 23. III. 08, Schneeregen:
(Im ICE 380 Berlin Hauptbahnhof – Aarhus, 25. III. 08:) Rumblödeln mit Oz, die chilenische Satire, die da läuft ist eigentlich nicht zum Aushalten.
Mit Emma Unterhaltung über Simon, der auf eine Erbschaft hofft, um dann den Führerschein zu machen, damit er irgendwo einfach anhalten und fotografieren kann.
Erst gegen 4 ins Bett.


Sonntag, 24. III. 08, Schnee:
Pult: FASZ und tip, in ersterer eine kurze Besprechung von „100 % Berlin“, in letzterer ein Hinweis auf den Elfen-Abend mit Wolfgang Müller. Den Tod von Erwin Geschonneck (12. III. mit 101 Jahren) hat meine Reisetätigkeit weggefiltert.
Seit Monaten höre ich: Halt die Ohren steif! Und genau das tue ich. Denn ich bin der Osterhase. Ich bin ein alter Hase, früher war ich ein ganz normaler kräftiger Rammler mit großen Eiern. Mein Leben war schön, Rammeln, Mohrrüben essen, wieder rammeln, mir fehlte nichts und ich war so ziemlich der glücklichste Hase der Welt.
Wie ich zum Osterhasen wurde? Die Geschichte ist sehr lange her, aber ich erzähle sie gern nochmal. Ich hatte diese wunderbaren langen steifen Ohren und ich lebte damals in den Wäldern und Feldern bei Jerusalem. Es gab dort diese wunderbaren Volksfeste, Menschenmassen sammelten sich zu Unterhaltungsveranstaltungen und sie hatten große Picknickkörbe dabei, weil es oft Tage dauerte, bis die jeweilige Show vorbei war. Ich konnte mich dann an den Resten laben.
Diesmal dauerte es besonders lange, ich hielt mich im Gebüsch verborgen. Da hörte ich es:
„...“ Das war eine Mohrrübe, eindeutig eine Mohrrübe. Dann eine Männerstimme:
„Oh mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ und dann war es wieder da, dieses Geräusch, dass mir das Wasser im Munde zusammenlaufen ließ:
„...“ Ein Hase wie ich kann nicht widerstehen, wenn er eine Mohrrübe hört. Ich hoppelte zur Quelle des Geräusches, ich kam an den Fuß eines Kreuzes, an dem ein Mann hing, und ich starrte ungläubig nach oben. Denn jetzt machte er es wieder:
„...“ Dieser Mann war fantastisch, er hing am Kreuz und ahmte das Geräusch einer wachsenden Mohrrübe nach. Ich hoppelte von den Aposteln zu den Jüngern, aber niemand achtete auf mich. Der Mann war die Liebe, dieser Mann war Gott, ich spürte, wie mir Eierstöcke wuchsen, spürte seine Liebe gleichzeitig als Schmerz und als Lust und ich legte mein erstes buntes Ei.
Inzwischen bin ich ein alter Hase, mein Leben war nie langweilig, Rammeln, Eier legen, Mohrrüben essen, rammeln, so vergingen die Jahre. Jedes Jahr Ostern denke ich mit Dankbarkeit an Jesus von Nazareth, wenn meine Eierstöcke anschwellen. Die größte Liebe von allem, ich trage sie in mir, ich bin so fruchtbar, dass ich angesichts der Millionen von Eiern und kleinen Häschen, die ich in den 2000 Jahren seitdem gezeugt habe ganz schönen Respekt vor Gott habe.
Rammeln, Möhren essen, Rammeln, Martin Luther schien mir ein Bruder im Geiste zu sein. Aber er hat mich sehr enttäuscht. Ich wollte ihm einige wichtige Details für seine Bibelübersetzung vermitteln und hoppelte auf die Wartburg. Doch er war wohl überarbeitet:
„Ah, Du gehörnter Geselle!“, schrie er mich an und: „Weiche von mir, Satan!“ Und dann warf er ein Tintenfass nach mir. Damit war der Mann für mich erledigt.
Gott ist die Liebe, Gott ist Jesus und ich bin der Osterhase.
Ihr glaubt mir nicht, dass ich der Osterhase bin? Dann kuckt mal meine Ohren an, ich kann sie bewegen. (vorführen!) Und zwar nicht nur zusammmen, sondern auch einzeln. (vorführen!)


Ostermontag, 24. III. 08, sonnig:
(Im ICE 380 Berlin Hauptbahnhof – Aarhus, 25. III. 08:) T: In einer griechischen Stadt, sehe Gerrit mit einer Freundin in einem Café sitzen. Ein Reisebüro, ein Saal mit einer Veranstaltung mit Jugendlichen, als wir hineingehen, kommt uns ein riesiger Kerl in hellblau entgegen, dessen Kopf komplett vermummt ist. Als wir gehen, möchte ich noch in einem Computer im Foyer etwas nach schauen. Das hätte ich doch im Reisebüro machen können, wird mir vorgehalten.

Schreibtisch: Aarhus-Recherche nach 10, eine neue Chronik zusammenkürzen, alles Wichtige muss raus, meine Tränen bleiben drin. Dabei kann ich für die letzten beiden Tage jedenfalls ein recht gutes Gefühl konstatieren.
Formuliere meine Rundmail, 20 nach 12 Aufbruch.
Schreibtisch: ¾ 7 an die Rundmail, gegen ½ 8 fertig.
(Im ICE 380 Berlin Hauptbahnhof – Aarhus, 25. III. 08:) Fühle mich abends immer noch wohl, als ich allein vor der Laptop-Glotze bei Robert Walsers „Feuer“ (Frankfurt/Main 2005) vor einer Teenie-Komödie „30 über Nacht“ („13 Going On 30“, USA 2004), die sich als ganz geeignet für meine Stimmung erweist:
„Sie quetschen mir die Eier, die in einem Schraubstock stecken, der von Dominas zugedreht wird.“ Fashion Suicide gegen das Herz, Intrigen der Ziege. Ein guter Film, um in mit meinen Kindern zu sehen.
Dann noch ein Science Fiction, „Alien vs. Prodater!“ o. s. ä.: „Was glauben Sie hat Ihr Dad in Erinnerung behalten, die Schmerzen, oder dass er mit seiner Tochter in 4000 Meter Höhe Champagner getrunken hat?“
Pult: Anflüge von Größenwahn. Wohl eher sehr prosaisch und wenig originell, dass ich den Abend mit 2 Bier und einer Flasche Rotwein beende. Mir egal, ich bin ein wilder Kerl.
(Im ICE 380 Berlin Hauptbahnhof – Aarhus, 25. III. 08:) Ach, was eine Lust, die Seiten vollzuschreiben, auch wenn es alles sinnloses Zeug ist. Und it is indeed mein Beruf.


Dienstag, 25. III. 08, Sonne und Schnee:
Pult: T: Mein Laptop ist kaputt, die Verbindungsstelle zum Bildschirm, als er ausgeschaltet werden soll, zeigt er nur wirre Zahlen auf dem Bildschirm. Frank schenkt mir einen Pullover, der aber beschädigt ist.

Erstmalig nach 6 so wach, dass ich befürchte, nicht mehr einschlafen zu können. Um 9 auf, eine E-Mail von meiner Schwester.
Stulle mit Ei zum Frühstück, dann Überweisung, um in Dänemark flüssig zu sein.
Beginne zu packen, schon jetzt klar, dass ich von dem gewaltigen Bücherstapel, den ich mitschleppe, mal wieder nichts verkaufen werde. Warum mache ich es dann? Wenn ich das nur wüsste.
Übertrage die in Saloniki gesichteten Filme, warum nur? Meine Götter oder Dämonen befehlen es mir.
Sichern der Bilder vom Chip erst auf dem Laptop, 572 Bilder vom einen Chip, wird wohl 20 Minuten dauern, nein, eher noch länger.
Gegen 1 bin ich fertig, wahrscheinlich werden sie wieder auf irgendeine unerklärliche Art von allen Speichermedien verschwinden.
Einkaufen, den riesigen Picknickkorb voll, und eigentlich müsste ich noch mehr mitnehmen.
Im ICE 380 Berlin Hauptbahnhof – Aarhus: Die großen Vergnügungen des Schriftstellers kann ich heute mal wieder miteinander kombinieren, Zeitunglesen, meine Wahl fällt wegen des Technik-&-Motor-Dienstages auf die FAZ, und Reisen im dieselelektrischen ICE 380, der sich wunderbarerweise in Hamburg teilt. Es begleiten mich mein lieben Töchter Ella (11) und Lisa (9). Wehmütig nehmen wir Abschied von Berlin, es ist ja nur für 4 Tage und von Sonnenstrahlen durchbrochenes Schneetreiben erleichtert die Trennung.
Durchs Zugfenster sehen wir Kühe, Pferde, Rehe, Schafe, die Kinder ergänzen meine Aufzählung: „Vögel! Läuse! Autos!“
In Hamburg halten wir es erst für eine schräge Aussprache, aber es ist die korrekte: „Orrhus“, nicht „Aarhus“ wird die 300000-Einwohnerstadt formuliert.
Durch Rendsburg fährt man über eine Spannbrücke hoch über die Stadt und den Nordostseekanal, um sie nach dem abwärts schwingenden Bogen zu unterqueren.
Nach 19 Uhr habe ich die FAZ wirklich ausgiebig durchgearbeitet, einschließlich eines langen Artikels zu 30 Jahren Textverarbeitung, nach dem ich mit OpenOffice wohl ganz gut gewickelt bin. Tippe die Notizen von gestern und heute in die EDV.
20 nach 8 an den 89er Roman, weiter die Tagebücher nach Material durchgehen, es macht Spaß und ich tue, was der Autor zu tun hat: Romane schreiben.
(Højbjerg bei Århus, Holmevey 128, 28. III. 08:) Bente Rasmussen erwartet uns mit meinem Buch als Erkennungszeichen im Bahnhof, 10 Zentimeter Schnee liegen, als sie uns hinauf in den Holmevey fährt. Eine Streifenkarte gibt sie uns: „Voksen 2 Zoner 115 Kr. Midttrafik“, hier steige man hinten ein, das begriffen selbst die Kopenhagener nicht. Inzwischen arbeiten hier viele Busfahrer aus Deutschland.
Der Holmevey, an dem sich unsere Ferienwohnung befindet, ist eine recht laute Verkehrsstraße, dafür ist ein Supermarkt direkt in der Nähe.
In der Nacht noch als Sedativum „Des Teufels General“ (D 1955) von Helmut Käutner, Wolfgang Neuss als Gestapo-Erkennungsfotograf, kucke alles bis zum bitteren Ende ½ 3.


Mittwoch, 26. III. 08, sonnig:
(Højbjerg bei Århus, Holmevey 128, 28. III. 08:) Mit der Buslinie 1 zum Banegards pladsen, Ella fallen bei der Fahrt in die Stadt die vielen Denkmäler auf, die noch durch etliche andere Bronzestatuen ergänzt werden.
Alles scheint hier besser zu funktionieren.
Durch die Ryesgade zur Domkirken, mit heller Malerei, prächtigen Schnitzereiein und einem riesigen Schiffsmodell, weine, weil das Gotteshaus mich an die Rostocker Kirche und die Trauerfeier für Herrn Kempowski erinnert. Die Kinder steigen noch auf den Turm, ich folge. Dann weiter durch die Altstadt.
Kaffeepause im Drudenfuss in der Klostergade. Gewisse Unzufriedenheit bei mir, kann sie auf den Tabakentzug schieben. Die Kinder sind ein fantastisches Gegengewicht zu meinen nun doch wieder zum Durchbruch drängenden Stimmungstiefs. Aber ich kämpfe an gegen den Drang, die unangenehmen Gefühle mit Tabak, Alkohol oder anderen Drogen zu betäuben. Schaue stattdessen nach den schönen Däninnen, die aber eher wenig zurückblicken.
(Højbjerg bei Århus, Holmevey 128, 27. III. 08:) In einem Trödelladen namens „Madame Butterfly“ (Borggade 11) finde ich einen Globus für 50 Dänische Kronen, sogar beleuchtet, einige Lichtlöcher, aber trotzdem für nicht mal 7 Euro ein Schnäppchen, das ich nicht ausschlagen kann. Was man von den sauteuren Postkarten im Laden daneben nicht behaupten kann.
Verkaufe alle 5 mitgeschleppten Exemplare von „100% Berlin“, eine Doppel-CD und ein Exemplar ANG, darüber kann ich sehr zufrieden sein. Auch die knapp 30 Zuschauer sind angenehm, lachen, was grundsätzlich meine Behauptung stützt, es handele sich um lustige Texte.
Bente fährt uns wieder nach oben. Was nützt dem multipel Süchtigen wie mir, wenn Alkohol und Zigaretten nicht in Reichweite sind? Dann eben Fernsehen und auch die Kinder werden mit eingebunden, statt sie lesen zu lassen, müssen sie Tagesthemen mit kucken, dann eine Reportage „Lust am Leben – Mit 103 in Amerika“ über eine lustige 103jährige und „Djangos Lied“ über einen in der DDR aufgewachsenen Sinti.
Dann bin ich auch todmüde, vielleicht ist Fernsehsucht noch die harmloseste Abhängigkeit? Doch allgemein wird ja immer die soziale Isolation angemerkt, zu der sie führt.


Donnerstag, 27. III. 08, sonnig:
Dänemark, Højbjerg bei Århus, Holmevey 128: T: Bei einem Filmfestival, soll die DVD des Films wechseln, aber es gibt Probleme.

Wieder Sonne, mittelfroh auf, der zweite alkohol- und tabakfreie Tag bricht an. Eigentlich sind die Kinder langsam groß genug, selber zu rauchen und zu trinken und es vor mir zu verheimlichen, wie es sich gehört, stattdessen machen wir es umgekehrt. Für mich sicher gut, aber für die Kinder?
An die gestern in der Uni heruntergesaugten E-Mails, Sergej Nossow: „Toher Falko! Ich war in Danemark und andere Skandinawian.“
Nach 10 sind die Kinder wach, ich gehe einkaufen.
Bekomme von der Landlady anstaltslos das Kabel fürs Internet, bezahlen muss ich schon heute abend.
Pressearbeit für den Elfen-Abend bis gegen 1, froh, dass ich durch bin.
¼ nach 1 los ins Moesgård Museum, die dortige 2000 Jahre alte Moorleiche sieht aus wie verflüssigt, die Knochen haben sich in Leder verwandelt, der Grauballemann, durch Tomographie wurde inzwischen auch sein Genital lokalisiert, wurde erst das Bein gebrochen und dann die Kehle von Ohr zu Ohr durchgeschnitten. Was er wohl angestellt hat? Keine angenehme Zeit, natürliche Todesursachen gab es, den Funden nach zu urteilen, so gut wie gar nicht, sondern nur Mord und Totschlag.
Angeschlossen in der Nebenscheune ist eine umfangreiche völkerkundliche Sammlung. Ob sie sie ihre Wikinger-Vergangenheit als „primitiv“ ansehen, oder ob es Zufall ist, dass die Kollektion hauptsächlich aus der sogenannten Dritten Welt stammt?
Ein grüner Raum ist Bolivien und eine Vitrine darin Evo Morales gewidmet samt Masken und Kult-Pullover. Eine Wand mit Objekten in rot, ein Hubschrauber aus Bast, mir gefällt die Anhäufung wunderbar.
Ein Korb voller Specksteinherzen aus Kenia, 30 Kronen pro Stück, aber kann widerstehen, ein solches wäre für Ina genauso unangemessen wie für Iris. Fotografiere stattdessen ein schwarzes auf schwarzem Grund an der Bushaltestelle, das trifft meine Grundstimmung am besten.
Leider kein Pro Sieben mit im Angebot der hiesigen Senderauswahl, so wird es nichts mit dem Simpsons-Kucken, auf das ich mich gefreut habe. Aber das Sedativum des laufenden Fernsehers, die Kinder bevorzugen allgemein Tiersendungen, mit der Abarbeitung der E-Mails, ja, dies Leben ist nicht so übel.
Arbeite mal wieder an den Eberhard-Gesprächen von ½ 6 bis um, dann Absenden an den guten Mann, der mir leider Ina auch nicht zurückbringen konnte.
Knapp 200 Euro zahle ich für zwei Nächte, die anderen beiden hat der Kulturverein übernommen, der mich eingeladen hat. Die Dame bittet mich nicht herein, muss draußen in in der Kälte warten, während ein Pizzabote durchaus eintreten darf. Die Landlady eher eine vierschrötige Person und macht, in Verbindung mit ihrem Haus, auf mich einen sozial schwachen Eindruck. Warum? Weil ich selber so bin und den Stallgeruch erkenne.
Mit Gerd Ruge in den Rockies, dabei mit meinen Töchtern Nüsse und Kekse schnurpsend und E-Mails erledigend. Irgendwann bin ich sogar damit durch.
Gegen 10 übertrage ich auch noch die gestrigen E-Adressen.
Und sitze dann noch in meinem Kämmerchen gegen 11, um noch ein Stündchen vor der Glotze an dem 89er-Roman zu arbeiten. Reklame für Lee Marvin als Walker in „Point Black“. Entdecke beim Durcharbeiten der 2003er Aufzeichnungen, dass Jero sich damals schon mal entschuldigt hat, leider habe ich mir nicht aufgeschrieben, wofür. 10 vor 11 bin ich durch das Jahr durch, Feierabend vor „Anatomy of a Murder“ mit James Stewart von Otto Preminger 1959, ein Gerichtsdrama mit Ben Gazzara, deutscher Titel „Anatomie eines Mordes“, aber leider nur im Original mit dänischen Untertiteln.


Freitag, 28. III. 08, bedeckt:
Dänemark, Højbjerg bei Århus, Holmevey 128: T: Aalborg und wie es damals mit Hansi war.

Ein glücklicher Traum, kein Wunschtraum, aber eine frohe Erinnerung.
Eine Dreiviertelstunde Dauerlauf, mit kurzer Hose und T-Shirt bin ich definitiv zu leicht angezogen, laufe vom Holmevey die Rosenvangs Allé an der Fredenskirken vorbei, dann links in den Skanderborgvej, durch einige Nebenstraßen und wieder zurück.
Im Quartier sind die Kinder wach, ist ja auch schon ½ 11.
Leider hat das Steno Museum wegen einer Privatveranstaltung geschlossen, können immerhin eine wunderbare Uhr mit Drehpendel im Foyer bewundern und ein Foucaultsches Pendel. Die Dame verweist uns weiter ins Naturhistorisk Museum, dort geht es um DANSKE DYR. Eine Weltkarte zeigt, welche Tiere für welche Länder stehen, während auf den britischen Inseln der Grævling, also der Dachs beheimatet ist, in Deutschland und Polen der Hirsch verortet wird und in Nordskandinavien Elch und Biber kreuchen, hat Dänemark nur den Muldvarp, den Maulwurf zu bieten. Aber zum Glück ist es nicht ganz so bescheiden, bemerken wir, als wir einen nicht enden wollenden Gang betreten. Hinter uns schließt der Museumswächter die Tür, er dreht den Schlüssel dreimal herum. Jetzt können wir nicht mehr zurück, und sehen die Bescherung ...
Fische, Ratten, Mäuse, Feldratten, Fische, Wasserspitzmäuse, Maulwürfe, vielleicht ist Dänemark das traurigste Land der Welt, die ständig mit Tränen gefüllten wasserblauen Augen sprechen dafür.
Ein ganzes Land hat nur Schädlinge, und das seit Jahrhunderten. Kein Wunder, dass die größte Kulturleistung in Moorleichen besteht, wobei der Anteil der Dänen an diesen Mumien in der Ermordung der späteren Museumsattraktionen besteht, die Mumifizierung selbst wird vom Moor besorgt.
Ob die Kinder mich verstehen? „Die dänischen Tiere kannst Du doch in der Pfeife rauchen!“
Andenken für die Kinder, ein Haifischzahn für Lisa und ein Bergkristall für Ella sowie noch mehr salzige Lakritze für Heidi.
Essen Lakritzeis, gehen dann zum Hafen, besichtigen ein schönes Segelschiff, bei der weiteren Wanderung durch die Industriewüste ist Ella etwas zu kalt und das Ganze wird doch ziemlich unwirtlich. Einmal muss ich Lisa anschnauzen, die mir einfach hinterher auf die Straße nachläuft, ohne zu kucken und entgegen meiner Aufforderung, in die andere Richtung zu gehen.
(Dänemark, Højbjerg bei Århus, Holmevey 128, 29. III. 08:) [Bei Veröffentlichung mit Geschichte „Moorleiche und Dänische Tiere“ ersetzen!] Etwas, das Rygeost Salat heißt und für mich wie Quark aussieht, enthält 62% Skummetmælksrygeost, 11% planteolie und purløg und so schmeckt es auch.
(ICE Århus – Berlin 29. III. 08:) Ich kann hier getrost verkünden, dass ich noch nie vorher so etwas gegessen habe und sehr hoffe, in meinem ganzen Leben nicht noch einmal so etwas probieren zu müssen. Man stelle sich die Strümpfe eines unter Fußpilz leidenden Fußballspielers vor, der trotz täglichem Training seine Fußbekleidung seit einem halben Jahr nicht mehr gewaschen hat, sie sodann zwei Hunden eines Kaufhallenpunks als Halstücher umbindet. Nach einem weiteren halben Jahr wird aus diesen Strümpfen ein Sud gekocht, so schmeckte der Rygeost Salat.
Dänemark, Højbjerg bei Århus, Holmevey 128: Kucke mit den Kindern eine Dokumentation über Nord- und Südpolar-Kreuzfahrten, sowas würden die Kinder auch noch gern mitmachen. Der Film ist von Thomas Mauch, ob das mein Tagestip-Redakteur von der taz ist?
Tippe meine dänischen Reisenotizen ab, alles nicht fertig, nichts halbes und nichts ganzes, vielleicht alles sogar weniger als halb. Wenn ich meine alten Tagebücher durchlese, verstehe ich nur noch Bahnhof.
Trotzdem gegen 9 noch an den 89er Roman, Tagebuch von 2004 bis 2008 durcharbeiten, Kinder, wie die Zeit vergeht! Jetzt ist es ziemlich genau vor der Hälfte meines Lebens, dass die Mauer fiel.
Kürze und überarbeite noch eine Version der Dänemark-Aufzeichnungen für Bens Blog, aber ob sie dafür geeignet sind?
Um 11 Laptop aus.


Samstag, 29. III. 08, Regen:
ICE 381 Århus – Berlin Hauptbahnhof: Wie immer bei solchen Gelegenheiten wache ich in der Nacht aus Angst zu verschlafen circa fünf mal auf, unter anderem direkt 5 Minuten vor der Weckzeit.
Aber dadurch kommen wir pünktlich und nach Plan los, schlafe fast eine Stunde im Zug, dann Arbeiten, während die Kinder lesen und brav zeichnen.
In den 80er Jahren ging durch die DDR-Presse, dass in Dänemark ein bestimmter Politiker das Militärbudget komplett sparen wollte zugunsten eines Anrufbeantworters im Verteidigungsministerium, den Angriffslustige anrufen könnten und dessen Auskunft lauten sollte, dass Dänemark sich ergeben würde. Aber ein Blick in die dänische Tierwelt hätte auf Angreifer eine noch abschreckendere Wirkung.
Bis gegen ¾ 2 an der Dänemark-Geschichte, wie so oft nicht das Gefühl eines großen Wurfes und trotzdem Befriedigung, etwas „produziert“ zu haben.
Dann weiter Korrektur lesen.
(Schreibtisch, 30. III. 08:) Olaf an der Kasse beim Kantinenlesen verkauft zwei Exemplare von 100% und eines von ANG an eine Lehrerin namens Iris Schwarz, die es im Unterricht behandeln will.


Sonntag, 30. III. 08, bedeckt:
Schreibtisch: T: Mit Doc Schoko zu Besuch bei Helge Schneider, der in Ludwigsfelde eine Holzhaushälfte besitzt. Wir machen Radio, viele Freunde sind dabei. Als ich meine Sony Professional einstöpseln will, fehlt das Kabel. Er lädt mich ein zur Taufe seiner Tochter in einem anderen Dorf, das auch nicht weit entfernt ist. Sichte draußen Marla, gehe freudig auf sie zu, sie reagiert ablehnend. Hinüber zu meinem Onkel Banana, der weiß zwar, dass da ein Künstler wohnt, aber gar nichts über Helge Schneider, erzähle ihm, dass er ein großer Star ist, bei dem der Admiralspalast für Wochen ausverkauft ist.

Fühle mich immer noch gut, trotz Sommerzeit und Gesamtsituation, vielleicht sollte ich sagen: wegen.
Sonntagsrätsel beim einsamen Frühstück, bekomme nur zwei „E“s von Freud und Gründgens heraus.
Schreibtisch: Nach einem ganzen Tag Korrekturlesen in Schwarzer Pumpe und Weinerei, dort Altdeutsche Bohnensuppe, Pizza in der Focacceria, gegen ½ 7 bei mir, Korrekturen am Dänemark-Text, Telefonat mit Wolfgang Müller.


Montag, 31. III. 08, sonnig:
Schreibtisch: ¾ 10 beginnt mein Arbeitstag.
Pult: Lese laut in der Küche Korrektur, meine Nachschlagewerke um mich stapelnd, rauchend und Kaffee trinkend, dabei immer wieder zum Pult eilend, um nach Synonymen oder Übersetzungen zu sehen.
Ein schönes Leben, ich bin glücklich.
Gegen 11 Leibschneiden und Durchfall, eine Wärmflasche solls richten,
(Pult, 1. IV. 08:) Schawarma vor dem Weg zu und Bananen auf dem Weg von Eberhard.
Fußball im Poststadion, Freundschaftsspiel gegen die Bundestagsfraktion der Grünen, am Anfang sind die Grünen Tulpen etwas verwirrt und desorganisiert, wir hätten in dieser ersten Viertelstunde mit 4:0 in Führung gehen können, tun es aber nur mit 1:0 und prompt gelingt ihnen noch der Ausgleich. Ich komme in der zweiten Halbzeit für circa 20 Minuten rein, kann als rechter Läufer zwei gefährliche Torschüsse abgeben, dann das übliche Hinfallen ohne Gegner in der Nähe. Fallsucht?
Erleide die ersten Mückenstocke des Jahres.
Nach Essen und drei 0,4er Jever im Mediterran in der Lehrter Straße noch in den Schokoladen, Klausi und Lutz Drenkwitz an der Bar, wo ich bis um 2 klassisch in Sessel und mit eigener Lampe bei zwei weiteren Bieren die Korrekturen beende und die Sendung in den Kasten werfe.


Dienstag, 1. IV. 08, bedeckt:
Pult: ½ 10 auf, kein Brot oder Brötchen da, nicht einmal im Kühlfach, nehme mit einer Tafel Schokolade vorlieb.
E-Mail an Anna, gegen 10 an die Massenmehl, zwischendurch ein halbstündiges Telefonat mit Sonja Vandenrath wegen der Frankfurt-Lesung Ende Mai. Gegen ½ 12 fertig, könnte mich nun Vergnügungen widmen.
Glückwünsche per E-Mail an Dietmar Bartz, der aber auf Reisen ist.
(Pult, 2. IV. 08:) Die Schuhe aus Griechenland waren ein glatter Fehlkauf, bei denen schwitzen meine Füße schon, wenn ich nur daran denke.
Einkäufe, Spiegeleier auf Vollkornbroten, dann zum Treffen mit Helmut Hugler bei Manfred, Schienenersatzverkehr ab beziehungsweise bis Fehrbelliner Platz, mit drei Sternburg Export zur Hausversammlung:
Entrümpelung Treppenhaus 9, Kellerräume, Christian: „Wir brauchen keinen Holzraum!“ Warmwasserrohr-Isolierung, durch Einbau der Rückschlagklappen haben sich die Werte halbiert, mit dem Energieverbund Christinenstraße wird es eher nichts.
Zu mir fernsehen: „Mr Monk glaubt kein Wort“
Weiter Glotze: Finanzkrise, selbst die Schweizer UBS scheint pleite zu gehen.
Spiegel-TV Extra „Eindeutig zweideutig! - Hermaphroditen, Zwitter und Intersexuelle“ leiden unter Depressionen und kommen viel in die Psychiatrie. Ich bin doch sehr froh darüber, dass ich einen Schwanz habe. Wahrscheinlich bin ich doch eher Auto-Erotiker.


Dienstag, 2. IV. 08, bedeckt:
Pult: T: Auf der Autobahn steht ein Wartburg mit eingeschalteten Warnblinker, eine Bekannte mittelalte Frau steht daneben und telefoniert, ihr Freund soll den Bekannten von der Werkstatt vorbeischicken, weil die Bremsen defekt seien. Autos fahren hupend vorbei, aber auch eine Gruppe Radfahrer. In Dänemark, in einem Hinterzimmer gutgelaunte Ruheständler, die ihr Garn spinnen, leider versteht man kein Wort.

Fühle mich erstaunlich wohl. ½ 11 bin ich in „Was kost die Welt?“-Stimmung am Pult. Recherchiere nach den Pförtners.
Bin dann ¼ vor 12 gerade dabei, die Radio-Eins-Kartengewinner zu übertragen, als ich auf DeutschlandRadio Kultur einen Hinweis auf den Elfen-Abend höre! Erfolge um Erfolge, ununterbrochen weiter zu neuen Höhen, wie Ah Q.
An den 1916 geborenen Klaus Pförtner: Sehr geehrter Herr Pfoertner, mein Name ist Falko Hennig und ich bin Journalist und Schriftsteller in Berlin. Mit Interesse habe ich ueber Ihre Plaene gelesen, ihre Heimatstadt Berlin wieder zu besuchen und meine Frage ist, ob es schon einen Termin fuer die Reise gibt, und ob ich Sie als Berichterstatter dabei begleiten kann?
Gern schicke ich Ihnen Arbeitsproben von mir oder weitere Informationen,
Gruss aus Berlin
Falko Hennig
www.Falko-Hennig.de
Gegen ½ 1 Aufbruch.
Schreibtisch: Gespräch mit Ursula Rothen in der Kapelle, ausgiebige FAZ-Lektüre, ein Stück Pizza auf dem Heimweg. Büchersendung an Hildegard Kempowski, Rechnung an die Backfabrik.


Donnerstag, 3. IV. 08, bedeckt:
Schreibtisch: Treffen mit Adin im Nola's, diesem buddhistischen Mönch (in Taiwan, England und San Francisco), jetzt wieder Lehrer für Deutsch und Spanisch, erleuchtet ist er nicht, aber immerhin hat er das Haus in Thüringen besucht, das sein Großvater gebaut hat und weiß, dass das Ich nur eine Anhaftung ist.
Nach ½ 2 bei mir, Kopieren der Lottumstraßen-E-Adressen in FileMaker.
Gelungener Mittagsschlaf, danach entschlussschwach vor mich hin tippend, Datenpflege werde ich es nennen, trifft, und tarnt doch nur meine Schluffigkeit, die sich in der chaotischen Wohnung zeigt. Vergrößere die Unsinnigkeit von allem durch Rauchen.
Diese Dar Es Salaam Sache im Juni, mein Gott, erst Kenia und dann Tansania!
Gelinde Verzweiflung, die sich weder durch „Somnia“ Lesen noch durch Wäsche einsortieren beenden lässt. Bangigkeit.
Versuche die Minuten mit Tippen und Zigaretten herumzubringen.
(Pult, 4. IV. 08:) Mindestens so reizvoll wie die Fotos von Hannah Höchs (gesprochen „Hööch“) Haus, von ihrem anwesenden Neffen direkt nach ihrem Tode geschossen und Eckhards Vortrag sind die anwesenden Höch-Bekannten, ein sehr rüstiger, Rennrad fahrender 79jähriger Bildhauer, der sie 1948 kennenlernte, ein Pfleger, der mit einem Linolschnitt der Künstlerin beehrt wurde, und natürlich der Neffe selbst.
Im Freudenhaus göttlicher Kartoffelbrei und Königsberger Klopse von Jatzek, Gespräch mit ihm und Jero sowie dem Dirk von gegenüber über String- und M-Theorie, Zeitreisen, für Jero sind alle Physiker, die sie für möglich halten, bescheuert.
½ 11 ins Bett, in Kempowskis „Somnia“, das mir verglichen mit „Sirius“ schwach vorkommt, bin ich ungerecht und es fehlt mir vielleicht nur der Reiz des Neuen?


Freitag, 4. IV. 08, bedeckt & kalt:
Pult: Ein Alptraum: Sage Gerhard Mey, wie sehr ich sein Mobbing verachte, während Walli dabei ist und wir einen Weg in Ludwigsfelde entlang gehen. Drauf werde ich in ein Trainingslager in einem käfigartigen Kasten verbannt.

Wache schweißgebadet auf, schade, dass man so wenig Einfluss auf sein Unterbewusstsein hat und wie wenig gönne ich der intriganten Ratte, in diese meine geheiligten Bereiche vorzustoßen. Aber ändern kann ich es nicht.
Immerhin habe ich dann noch einen anderen, eher vom gestrigen Kulturabend inspirierten Traum: Wir betreten das Grundstück von Hannah Hoech, eine Garage und der Garten, den man mit „Schaf“ bezeichnet, weil Schafe die beste Pflege für ihn sind. Betrete das Haus, das ziemlich gigantisch ist und nicht etwa eine kleine Laube. Zwei riesige Propeller auf Masten erinnern an die Fluglotsenfunktion, die es einst hatte, außer dem Eingang vom Garten gibt es auch einen mit Klinker verkleideten zur Straße. große Säle, ein Schlafzimmer mit zwei Abteilungen. Im Garten ein Bach und zwei Quellen.

Von Silke eine E-Mail: Die Waermemenge (kWh), welche benoetigt wird um das Warmwasser zuerwaermen, hat sich durch Einbau der Rueckschlagklappe im HH in unseren Warmwasserladekreis fast halbiert. Dies wird aber erstbei der Abrechnung des Jahres 2008 zu merken sein. Das Angebot der Betreiberfirma Energieagentur ist ohne Bhkw Betrieb fuer 5 1/2 Jahre, es betrifft nur HH und VH, spaeter Moeglichkeit mit Choriner 33 dazu. Nach meiner Meinung sind 25.000 Euro zuviel zum Weglegen im Moment.
Gesprochen habe ich mit ihr seit Ewigkeiten nicht mehr, und das nicht nur weil sie in Amsterdam wohnt. Das sollte ich mal tun, ob es noch einen „Draht“ gibt, oder ob das alles wir uns zu sehr auseinander entwickelt haben.
Auch E-Mails von Klaus Pförtner aus Buenos Aires.
Endlich Verabredung mit der unbekannten Schwester Claudia.
Liege dann den ganzen weiteren Tag im Bett und lese, abgesehen von einer knappen Stunde Schlaf, Kempowskis „Somnia“, schon ein Zeichen dafür, dass es so übel nicht sein kann. Erst ½ 1 raffe ich mich auf, Essen gehen, Kuchen kaufen für die Kinder, das muss sein.
Schawarma im Adonis: „Gut wie immer?“
„Ja, gut wie immer.“
Im Gorki-Park noch etwas „Somnia“, S. 298: „Mir ist es, als ob alles, was zwischen 1948 und heute liegt, ein Traum ist. Das ist alles so weit entfernt wie Feuerland. Ich lasse sie zurück.“
Gegen 2 wieder bei mir, das Foto des Berliner Stadtplans samt Horst-Wessel-Stadt an Daniel Siemens, habe ich am 23. März in die Digitale geführt. Von wegen, stimmt gar nicht, eine ärgerliche Falscheinordnung muss ich feststellen, der ganze März, vielleicht ist alles in falschen Ordnern, auch das noch! Zum Kotzen.
Nudle mich bei weiterer Lektüre im Hochbett.
Dann sind meine Zwitschervögelchen da, ich tippe am Pult, während das Kaffeewasser gart.
Ans Pult, wenn ich schon nicht richtig arbeite, schreibe ich wenigstens mal wieder Notizen ab.
Und dann doch an das Kapitel des 89er Romans, Abriss des Waldfriedens, wieder Textekel, der muss überwunden werden! Aber erstmal drehe ich den Laptopernseher an und haue mich mit „Somnia“ aufs Sofa.
Pult: Den Wahnsinn, an Veranstalter Briefe zu schreiben, unterlasse ich zugunsten des Wahnsinns, sie mit E-Mail-Anfragen zu einer 100%-Lesung zu behelligen. Mache mich an die Arbeit und komme, angespornt durch Ninas umwerfende Grundreinigung, recht gut durch bis zu Datensatz 160 (von 214). Wie mir jetzt meine jahrelange Datenpflege zugute kommt, und wenn sich auch nur eine Lesung ergibt, hat sich der Aufwand gelohnt.
Natürlich alles nur Ablenkung vom Eigentlichen.
(Pult, 6. IV. 08:) Steffen: „Schreit Deine Frau auch immer, wenn sie kommt?“
„Nee, die hat'n Schlüssel.“


Samstag, 5. IV. 08, bedeckt:
Pult: T: Urlaub auf Kuba, wir fahren auf eine Insel, die trotz der Beschränkungen des Dienstleistunsgssektors sehr schön sein soll. Aus großer Höhe sehe ich eine Insel, wie ein Speer, der aus der Tiefsee ragt, aber an über der Wasseroberfläche erodiert

¼ nach 10 auf, Laptop ist wegen der noch nicht beendeten Veranstalter-Verschickung die ganze Nacht angeblieben und wird es noch weiter tun.
Zum Fußball wieder auf den Rasenplatz am Bundeskanzleramt, verlieren hoch und verdient mit 4:8, aus Wut über einen Ball, den ich durchlasse, schlage ich mir gegen eine der von Günter mitgebrachten Torlatten die Hand blutig. Markus bringt Bier vorbei, um auf seinen 40. Geburtstag anzustoßen. Rückfahrt mit Jost und einem Matthias, der einen Roman „Schief gewickelt“ geschrieben hat und bei der zitty-Mannschaft dabei war, die seinerzeit nicht zum vereinbarten Spiel erschien.
Mache mich 10 vor ½ 2 weiter an die Beschickung der Veranstalter. Bin damit gegen 2 fertig, Tony aus Kuba will einen Computer von mir.
Schreibtisch: Rechnung ans Babylon fertig machen, 170 Euro, immerhin besser als der Cash-Abend, aber betriebswirtschaftlich eigentlich nicht zu vertreten. Aber es hat Spaß gemacht und dem Publikum auch und wir haben Wissen verbreitet, das niemandem schadet.
Pult: Bohni bringt mir einen Monitor vorbei, Iris morgen einen Computer, klappt ja wie am Schnürchen.
10 vor 9 mache ich mich zu Michaelas Geburtstagsfeier auf den Weg.
(Schreibtisch, 6. IV. 08:) „Al Baby“ und noch ein anderer Schauspieler aus London, der laotische Gärtner, neben dem ich sitze, Roswitha, eine japanisch-Dolmetscherin aus der DDR, dann taucht noch der Mitstreiter meiner ersten desaströsen Lesung im St.-Pauli-Kloster in Brandenburg an der Havel auf.


Sonntag, 6. IV. 08, wechselnd:
Pult: Gegen 9 auf, im Traum etwas mit Michael und Saloniki, unweit des Kinos an diesem schönen Platz.
An den „Waldfrieden“.
Schreibtisch: Ohne Textekel komme ich durch, mal sehen, wie das Publikum reagiert.
(Pult, 10. IV. 08:) Heimspiel gegen THC Franziskaner am 6. April 2008, Aufstellung der Berliner Autoren: Andreas Merkel, Florian Werner, Jochen Schmidt, Konstantin Richter, Uli Hannemann, Thomas Klupp, Christoph Nußbaumeder, Jan Brandt, Michael Kröchert, Michael Levitin, Petér Zilahy, eingewechselt werden im Laufe des Spiels Gellert Tamas, Falko Hennig, Ralf Bönt und Chris Deutschländer.
16.03 Uhr ist Anpfiff, Ralf Bönt ist Trainer und zur Überraschung und Freude sind die Berliner Autoren deutlich überlegen, können aber ihre Stärke nicht in Tore umsetzen, so dass es zur Halbzeit immer noch 0:0 steht. In der zweiten Halbzeit fehlt Klupp, der „irgendwo hin muss“ und für den verzerrten Nußbaumeder springt Bönt ein. Nun sieht es für die Autoren sehr haarig aus, die Franziskaner haben Chance um Chance, sieben hintereinander, und schließlich versagt Hennig in der Abwehr, unbehelligt kann Roland „Rolli“ Adomat von THC in der 55. Minute die 1:0-Führung für die Franziskaner schießen. Mit viel Glück bleibt es dabei und mit noch mehr Glück flankt in der 65. Minute Ralf zu Kröchert, der trifft: 1:1!
In der 83. Minute gelingt nach einem Super-Zuspiel (Doppelpass) von Schmidt auf Zilahy die Führung, 2:1 Endstand, Torschütze Zilahy ist überzeugt, es sei kein Abseits gewesen.
Uli musste Schmerzmittel nehmen wegen Rücken und Fersensporn.
Reformbühnen-Essen, Website von Marco zu erstellen wird abgesegnet und geplant, auch der Pressearbeit durch Anna wird zugestimmt, Angebot 50 Euro im Monat für ungefähr eine Stunde pro Woche.
Stier und stoisch.
Das Bier nach dem Fußball und beim Essen beschert mir starke Müdigkeit schon in der ersten Hälfte der Reformbühne.
Andreas Albrecht: „Lippen sind krumm“.
Ich sei so schwach gewesen, schwächer als ein Wurm.
Einige Linzerinnen kaufen noch ANG und VPN, immerhin, geht doch.


Montag, 7. IV. 08, sonnig:
Pult: Etwas E-Post bis 12, dann Aufbruch, das Fahrrad zur Reparatur zu bringen.
Der Fahrradladen in der Eberswalder hat zu, kein Schild dran, nichts, immerhin eine Funknummer, unter der zu erfahren ist, dass Ende ist, für immer. Also Schluss mit den günstigen Preisen, fahre zu Fahrrad-Linke, da wird mich Naben-Dynamo und neuer Schlauch 160 Euro kosten, nicht wenig, aber muss halt.
Telefonat mit Kirsten, die glücklich über ihr Brot aus Zinn ist.
Etwas ans Durchsehen der Eberhard-Korrekturen, 10 vor 1 los zu Michaela.
Pult: Bei mir gegen ½ 7 Spiegeleier auf Salami- und Zazikibrot, noch etwas E-Post und Datenpflege.
Gegen 7 Abendschlummer.


Dienstag, 8. IV. 08, wechselnd:
Pult: ½ 10 auf, trotz der Dylanschen Beschwörung kann ich nichts fixieren. Hat mein Unterbewusstsein Lunte gerochen und entzieht sich mir lieber? Muskelkater von drei Tagen Fußball in Folge.
Joghurt und Ziegenquark mit Schnittlauch, Wäsche. Verabredung mit TV.B für morgen, Terminwünsche und verplante Kantinenabende an Dan.
Pressearbeit bis ½ 1, dann weiter Mails, Texte für die Stockholm-Lesung heraussuchen. ¾ 1 Pause, was war ich wieder fleißig.
Pult: Nach 4 wieder bei mir, Rechner stürzt beim Hochfahren ab, also dringend mal wieder eine Sicherung auf die externe Festplatte speichern!
Nairobi und Dar Es Salaam planen.
Gegen 5 weiter an die Eberhard-Korrekturen, leider sind meine diesbezüglichen Bemühungen im Daten-Nirvana verschwunden und ich habe keinen Schimmer, warum, es muss etwas mit der Kompatibilität von OpenOffice und Word zu tun haben. Also wie Sysiphus nochmal von vorne anfangen, ein leider undurchschaubares Durcheinander entsteht, gegen ½ 6 Aufbruch.


Mittwoch, 9. IV. 08, Regen:
Pult: Erst Dreharbeiten mit TV.B, Dominik Roth: „Schauen Sie mal da hin!“, „Gehen Sie mal da lang!“, an der Palastruine, am Hackeschen Markt und am Xenon, wonach ich in einem vietnamesischen Restaurant essen gehe und nach einem kurzen Besuch im Museum der Dinge (o. s. ä.) von der Yorckstraße über Alex, wo mein fabulöses Fahrrad mit dem Nabendynamo steht, in die Kapelle, Lektüre von „Siegessäule“, FAZ und dem Programm eines schwul-lesbischen Filmfestivals, das demnächst in der hiesigen Kulturbrauerei beginnt.
Bei mir „Somnia“ Lektüre, verbumfeie also den Tag, aber das darf ich, so beruhige ich mich selbst.
Abends dann nach 7 doch noch etwas E-Post, Annähen der Zimtsohlen an die der Pantoffeln, komme bei den Eberhard-Korrekturen nicht über Seite 2 hinaus, aber immerhin, Aufbruch gegen 9 zu Kirstens kleiner SPD-Gesellschaft.
(Pult, 10. IV. 08:) Die ärmste bekommt eine riesige Senseo-Kaffeemaschine mit Tabs, ihre Begeisterung hält sich in Grenzen.


Donnerstag, 10. IV. 08, kalt & nass:
T: Ermorde einen Freund, laufe durch den Schulflur und sehe in einer Ausstellung von mir große Fotos, auf denen er noch zu sehen ist. Bin an einem zweiten Mord an einer Frau beteiligt, im Auto sitzt sie auf dem Beifahrersitz, die Frau auf dem Fahrersitz fordert die Frau hinten auf, es zu vollbringen, mit einem Messer stößt sie es der ersteren in die Brust und schneidet ihr den Kopf ab. Die Leiche lasse ich verschwinden, allerdings bleibt Blut im Auto zurück, was uns überführen muss. Aber alles, was ich tun würde, das Auto verschrotten oder gründlich reinigen, würde man herausfinden. Ich habe keine Angst.

½ 10 wach, wer mag die arme ermordete Frau sein?
Ab 10 weiter mit den Eberhard-Korrekturen, gegen 12 ans Abschreiben des Gesprächs vom 7. Januar und des Spielberichtes von Sonntag. Mittagspause gegen ½ 2.
Alles öde, kann mich nicht zur nötigen Pressearbeit aufraffen, zu gar nichts, eigentlich will ich keinen Mittagsschlaf machen, damit ich heute abend besser einschlafe, aber Scheiß drauf, 10 nach 2 in die Falle und kurz nach ½ erholt in den Nachmittag.
Weiter ans Transkribieren des Eberhard-Gespräches vom 7. Januar, zum Glück bemerke ich beim Telefonat mit Ecki, dass wir schon für um 4 verabredet sind, also 10 vor Aufbruch.
(Pult, 11. IV. 08:) Mit den Kindern zu Ecki, wie sich doch tatsächlich eine künstlerische Lebensleistung aufblättert, die vielen Karten an Charlotte, selbst ein geheimnisvoller Brief an meinen Vater samt Ode an die Postfrau, noch in die Rathenaustraße, Fernsehgrafik, Buchillustrationen, doch ein gelungenes Leben, soweit man das von außen beurteilen kann.
Auf 3Sat „Die Suche nach dem Ich“ oder so ähnlich, 400 Millisekunden vor dem Bewusstsein eines Wunsches im Ich entscheidet schon das Gehirn, nach anderen Experimentalanordnungen schon 10 Sekunden vorher, den freien Willen gibt es nicht. Wann hat mein Gehirn diesen aberwitzigen Entschluss gefasst, Schriftsteller zu werden ohne mich davon zu informieren und mich irgendwann vor vollendete Tatsachen gestellt? Es war zu meinem Glück.
Pult: Abends stürzt mein Rechner so halbwegs ab, als ich versuche, Klaus' Köster Hennigs Endkampf Geschichte in das Journal zu kopieren, aber halbwegs ist nicht so schlimm wie ganz.
Eine Flasche Wein und Zigaretten.


Freitag, 11. IV. 08, bedeckt:
Pult: Der Schauspieler Michael Gwisdek gibt einen Kabarett-Abend, so ähnlich wie der Buchholz. Ich liege dabei auf einem Sofa und lese. Nach der ersten Rezitation will eine Frau singen, doch sie hat ihre Begleit-DVD nicht ausprobiert und die Anlage lässt sich vom Fernseher nicht so einfach auf DVD umschalten, es scheint die Pause zu beginnen. Mein Traum ist ein brauner Filzstift auf orangenem Untergrund.

Als ich Ella von meinem Traum mit dem orangenen Untergrund erzähle, will sie wissen, was für ein Orange das denn gewesen sei, so ein helles wie bei ihrem Tuch oder wie das Hemd, das ich manchmal anziehe. Ach so, so ein dunkles wie mein Pullover.
Dann stehe ich ¼ nach 7 am Pult, höre Bob Dylan und mache mich an meine Massenmehl. Kurz nach 8 fertig, das flutscht, wenn auch der Rechner mal wieder etwas lahmt. 10 vor 9 bin ich sogar mit der damit zusammenhängenden Datenpflege fertig, das alles bei Blutorange-Tee.
Nach 9 an eine neue Chronik, damit ¾ 10 fertig.
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