1
Jul
2009

www.Falko-Hennig.de

JEDEN SONNTAG, Kaffee Burger, Berlin, 20 Uhr: Reformbuehne Heim & Welt.

4. Juli, Stuttgart (Schloss Solitude), 19 Uhr:
Lesung und Lichtbilder aus dem Blog WELTWOHNEN.


Dienstag, 16. VI. 09, bedeckt:
(Schreibtisch, 26. VI. 09:) In der Berliner auch die Nachricht, dass nach 120000 Jahren Kälteschlaf in drei Kilometer Tiefe in Grönland wurde das Bakterium "Herminiimonas glacei" wieder zum Leben erweckt.


Mittwoch, 17. VI. 09, sonnig:
(Schreibtisch, 26. VI. 09:) Als ich mir am Rosenthaler Platz aus Angst vor dem plötzlichen Hungertod einen Döner einpfeife, kommt Christoph mit seiner circa 5jährigen Tochter vorbei. Will ihr etwas von meinem Döner abgeben, aber sie bevorzugt Sushi.
"2002 war ich auch mal Sushi essen." Damals verliebt und seitdem habe ich es nicht mehr gegessen, obwohl es mir sehr gut geschmeckt hat. Ansonsten läuft alles glatt, wie ein Schweizer Uhrwerk, die Fahrt mit U-Bahn bis Franz-Neumann-Platz, mit Bus 128 bis Tegel, Flug nach Wien, Abholung durch Herrn Latal, lediglich, dass sie im Park Inn Danube Bratislava auf Kreditkarten oder Vorauszahlung bestehen, stört den perfekten Ablauf von allem.
Mit Wolfgang ins Rio, dort werden die Schaschlik-Spieße an kleinen Bogen hängend serviert, ein von Anabolika aufgepumpter junger Tourist und ein hübscher blonder Kellner mit Ohrringen. In dem Film sei "der kleine Falko" zu sehen gewesen, ja, das stimmt.


Donnerstag, 18. VI. 09, sonnig:
(Kapelle, 26. VI. 09:) Um 8 gehts los mit Herrn Latal durch die Slowakei.
Idee für Kurzgeschichte "Der schwarze Jesus":
Wiktor hatte schon damals in dem Dorf Dolgie davon erzählt, dass er eigentlich Bildhauer sei und schwarze Jesusse anfertige. Ich hatte Assoziationen mit der schwarzen Madonna, weil wie ja auch in Polen waren...
EXIT ONLY
Jesus fucking Christ!
Ankunft in Nová Baňa kurz nach 10, begrüßt von Renata im Direktorenzimmer, das mit Erinnerungsgläsern von 21 Abiturklassen und zwei identischen Comeniusbüsten geschmückt ist.
Skurril, liegt aber meinem Hang zum Exhibitionismus, die alten Aufnahmen von 1989/90 nun auch vor Publikum zu zeigen. Die armen Gymnasiasten sagen kein Wort.
Nach 1 an einem Motorest, Reštaurácia Hostinec Staze nad Zvolenom, eine Krautsuppe mit Wurstscheiben und Bratkartoffeln mit Schweineschnitzel, viel Kümmel, das Fleisch hat unter der glatten Panierpelle eine weißlich-breiige Konsistenz angenommen.
Treffen noch pünktlich zur Lesung in der Bibliothek des hübschen Städtchens Banská Bystrica ein, hätte den Film wohl trotz der Vorbehalte der Zentrale hier zeigen können. Als eine Germanistin danach Fragen stellt, verschwindet die Schulklasse sicherheitshalber.
Ein Blitzrundgang mit Herrn Latal durchs Städtchen, auch hier leben Menschen, auch hier ist es schön, die Sonne scheint und die Altstadt lacht. Aber schnell verlassen wir diesen Ort,
und begeben uns weiter fort.
Es gibt im Fernsehen nur vier verschiedene tschechoslowakische Sender, die meine doch sehr entwickelten höchsten Ansprüche für wissenschaftliches Fernsehen nicht befriedigen. Aber man fährt ja auch nicht zum Fernsehen ins Büro, äh, Gebirge, in die Berge natürlich. Schlafe in dem nach slowakischer Tradition erbauten Blockhaus, bei dem sogar die Lichtschalter aus Holz sind, herrlich, ob nun durch den Dauerlauf, die Gebirgsluft der Hohen Tatra oder ganz was anderes. Vielleicht durch alles zusammen.


Freitag, 19. VI. 09, Dolný Kubín schwül & tropisch, Bratislava sonnig:
(Kapelle, 26. VI. 09:) T: Ein Brötchen- und Spezialitätenladen direkt bei mir um die Ecke, eine der Betreiberinnen ist Udo Jänicke, komme ihm näher.

Zum Frühstück heute gibt es neben Hörnchen die üblichen Tomaten, die nach Tomaten schmecken.
Die männlichen Schüler kommen immer auf den letzten Drücker, während die Mädels schon da sitzen und warten. Nun zum dritten oder vierten mal diesen Film innerhalb doch recht kurzer Zeit vorführen, genauso wie es mir seinerzeit erträumt habe, als ich das Angebot an die Goethe-Institute dieser Welt schickte, um das Vortrags-Paket mit mir zu verklickern.
1989: Die Schatten unter meinen Augen damals schon beängstigend, und besser ist es in den 20 Jahren seitdem nicht geworden. Für Laien wohl nicht zu erkennen, aber ich sehe durchaus die furchtbare Psoriasis der behaarten Kopfhaut, unter der ich damals litt. Dieser skurrile russische Rucksack, den ich im November 89 wieder hatte, seinerzeit davor in Bernau von Matthias Blankenburg für 5 Mark gekauft. Den versuche ich schon seit Jahren wieder zu erreichen, aber er ist wie vom Erdboden verschluckt.
Halb 12 Abfahrt. Habe gestern doch nicht geschlafen, als wir gestern durch Rumborak, nein, Ruzoberok (z mit Häkchen) fuhren, sondern sogar zwei Fischer fotografiert. Heute fallen mir die Klappgaragen auf, die ich ablichte. Die seien früher im Sozialismus der Hit gewesen, weiß Herr Latal, besonders alte Leute seien im Winter lieber nicht gefahren.
Lese weiter in der schönen Urlaubslektüre von Benedict Wells' "Beck".
Hinter Bienska Dolina bei Zvolen, gegenüber der Raststätte vom Hinweg, vor einem neu errichteten Blockhaus ebenfalls slowakischer Handwerkstradition Motores Koliba Stráze (z mit Häkchen) esse ich Hühnersuppe mit Nudeln und Hirschgulasch mit Knödeln und Preiselbeeren, dazu Bier und Kaffee danach, alles zu zweit für 15 Euro, der deutsche Steuerzahler darf stolz auf diesen sinnvollen Einsatz seines Geldes sein. Die Preise müssen hier immer noch in slowakischen Kronen ausgezeichnet sein, der Kurs der verblichenen Währung lag zuletzt bei 1:30.
Herrn Latals weiteste Fahrten gingen nach München, nur früher für die DDR, er arbeitete schon als Fahrer im Kulturinstitut der DDR in Bratislava, da musste er gelegentlich Ausstellungen von Berlin abholen und zurückfahren, 12 Stunden mit dem Barkas, Höchstgeschwindigkeit 100, da fielen einem die Ohren ab.
Der Werbetrabbi auf einem Mast, den ich schon gestern während der Fahrt abgelichtet habe, hat sogar Smileys in den Scheinwerfern.
Bald nach Abfahrt stehen wir mehr im zähen Verkehr, als dass wir fahren. Mit Klimaanlage gehts, aber sobald sie abgeschaltet ist, kleben T-Shirt und Hose schweißnass am Körper.
In den Gärten hier wird fast überall noch was angebaut. Denen gehts doch Gold hier, jeden Morgen frische Tomaten!
Ankunft, muss auf Wolfgang warten, weil sich das Hotel sperrt, mich ohne Kreditkarte oder Vorauszahlung ins Zimmer zu lassen. Mein Zimmer 270, das ich schließlich wieder beziehen darf, stinkt wie eine Toilette. Vielleicht besser nie wieder ein Raucherzimmer?
Dann gehts ins "Next Apache", wo ich mit den Dichtern Peter Sulej (S mit Häkchen) und Martin Solotruk bekannt gemacht werde, 18:0 haben sie im Fußball gegen die Österreicher verloren und das liegt ihnen noch dermaßen im Magen, dass sie sich wohl kaum für ein Spiel gegen die deutschen Autoren motivieren lassen werden. Am Nebentisch geht es um den Selbstmord eines Studenten, als Entschuldigung für die Trunkenheit des Professors führt es Peter Sulej an.
Abrechnung im Institut, dann zum Straßenfest "20 Jahre Freiheit, Deutschland sagt Danke". Der junge Mann, der im Auftrag des Außenamtes Chikas Film von vier verschiedenen Rechteinhabern zu rekonstruieren hatte, ist über meinen in den letzten 20 Jahren erfolgten körperlichen Verfall schockiert.
Er macht gerade eine Uhrenkampagne für den sächsischen Ministerpräsidenten.
Gegendarstellung: Ich war und bin nicht über den körperlichen Verfall des Herrn Hennig schockiert.
Slowakei, Bratislava, Park Inn, Bar im Foyer: Merkwürdigerweise gefällt mir "Good bye Lenin" trotz fast unerträglich verfälschter Farben in der Freilichtbühne in Bratislava ausnehmend gut, woran das nur liegt? Verblödung? Haue trotzdem auf der Suche nach einem W-Lan beizeiten ab ins Hotel.
Das Internet funktioniert, kann mit Petra für morgen die Verabredung abskypen, ansonsten verplemper ich 10 Prozent Akku mit diversen E-Mails, alle durchaus wichtig, ehe ich mich der Kardiologie widme.
Der gute Wille ist dann da, aber nicht die für die Recherche notwendige Internet-Verbindung.
Schließlich bin ich gegen 11 bei ziemlich kritischen 21% und bekomme keine Mails versandt, ach was für kleine Probleme verglichen mit dem Weltgeschehen und überhaupt!
Feierabend zwangsweise dreiviertel 11.
"Ragtime" (USA 1981) bis gegen 1, aber halte nicht bis zum Ende durch.


Samstag, 20. VI. 09, Regen:
(Kapelle, 26. VI. 09:) Hole Petra vom Bahnhof ab, peinlicherweise habe ich sie unter Angabe falscher Tatsachen nach Bratislava gelockt und ihr gesimst, Sarah Kirsch würde hier lesen. Was habe ich bloß für ein verkorkstes Unterbewusstsein, das Monika Maron durch Sarah Kirsch ersetzt? Ich sollte es mir entfernen lassen, dann wäre endlich Ruhe im Karton.
Gehen erst ins "Next Apache", dann in eine Ausstellung über den Maler Karel Capek (C bestimmt auch mit Häkchen), den wir auch auf dem Gewissen haben.
"Die Autorin von Stille Sechs", so kündigt der Moderator Monika Maron an, die aus "Stille Zeile Sechs" eine Passage vorliest, wonach sie gern eine Katze wäre.
"Muzika" ist ein Film, den ich mir sehr gern zu Ende angekuckt hätte, aber wir frieren doch bald und begeben uns lieber ins "Next Apache", wo wir uns für den neuen Charley-Kaufman-Film entscheiden, irgendwas mit New York. Davor noch gutes Essen in dem libanesischen Restaurant, wo es uns damals mit Wackwitz so gut geschmeckt hat, mir allein vor einem Jahr weniger gut, heute ist es wieder ganz ausgezeichnet, woran immer das liegen mag.
Der Film, den wir im ziemlich vollen Aupark-Kino sehen, ist eigentlich schon fantastisch, schräg und gut, aber mindestens eine halbe Stunde zu lang und kann "Malkovich" und "Adaptation" nicht das Wasser reichen, auch wenn Seymour Hoffman den Besuch schon lohnt, der den Greis, zu dem er im Lauf der Handlung altert, nicht nur mit Körper sondern auch mit Stimme meisterhaft spielt.
Noch einige Biere in der Fußgängerzone, wo die Damen in Stöckelschuhen staksend eine sonderbares Bild abgeben.
Nachtruhe, angeblich schnarche ich nicht, was erfreulich ist.


Sonntag, 21. VI. 09, sonnig:
(Kapelle, 26. VI. 09:) ... er sah ihn auf der Straße und glaubte fälschlicherweise, ihn nicht nur vom Fernsehen, sondern auch persönlich zu kennen und grüßte ihn, unsicher grüßte Lustig zurück.
"Wie geht es Ihnen?", fragte Michal, immer noch unsicher, seinem Gedächtnis misstrauend, antwortete Lustig. Schließlich lud er den slowakischen Kollegen noch zu einem Bier ein.
Man sollte sich die Geschichte aber von Michal erzählen lassen, wie er sich als auch Lustig dabei darstellt, die Pointen vorbereitet und mit reißt. Ein begnadeter Erzähler.
Petra weiß, dass Lustig eine Biografie über Karel Gott schreiben wollte, aber der ihn nicht mit ausreichend Material versorgte. Auch Lustig könne sich irren, findet Michal, denn Gott habe sich mit seiner Prozesshänselei gründlich disqualifiziert.
... an die Donau, fotografiere aus ethnografischen Gründen DESmod und seine Fans.
Mit dem Bus noch eine Ehrenrunde über die Donau und mit einem anderen wieder zurück.


Montag, 22. VI. 09, Bratislava bedeckt, kalt & Regen, Wien dito, in Berlin hats gerade aufgehört:
(Kapelle, 26. VI. 09:) T: Erinnerung an Sascha, woran ist er nur gestorben? Er hätte nicht so viel kiffen sollen, findet Helmut Höge. "Aber er ist doch nicht am Kiffen gestorben!", widerspreche ich. Aber er hatte einen Unfall beim Onanieren mit einer Plasttüte überm Kopf. Als er noch allein mit Tochter Erika gelebt hat, war er so fröhlich. In dem gigantischen Ring einer Raumstation mit ihren Feldern.

Deutung: Sascha ist für uns gestorben. Außerdem ist mein eigener Auto-Erotismus auf Sascha projiziert, David Camerone, und ein Bild dieser Raumstation habe ich gestern in einem Buch in einem Schaufenster gesehen. Wohl doch so etwas wie schlechtes Gewissen, obwohl ich rational an diesem harmlosen Vergnügen mit mir selbst erfreulicherweise keine Probleme, Skrupel oder auch nur schlechten Gefühle habe.
Als ich Jochen nach dem Training von dem Traum erzähle, weiß er, dass man in irgendwelchen Amazonas-Kulturen dafür getötet werden kann, wenn jemand träume, von einem getötet zu werden. Nachvollziehbar, aber doch nicht Sinn der Psychoanalyse.
Aber erstmal bin ich ja noch in Bratislava ...
Beim netten Essen mit Wolfgang, Gabi, Evelyn und Michal im teuren und guten Italiener (Kogo?) esse ich in Rotwein geschmortes Kalb mit Bratkartoffeln, angefeuert durch zwei Flaschen ostslowakischen Weißwein feiern wir eine kleine Foto-Orgie.
Twitter und Stephen Fry, 50000 Followers, Michal hat 1000 Freunde auf Facebook.
14 Uhr wieder im Transporter nach Wien.


Freitag, 26. VI. 09, bedeckt:
Schreibtisch: 6 Uhr aufgestanden, Kinder abgefrühstückt, Michael Jackson ist tot im Radio gehört, Kinder sind in der Schule, halb 9 geh ich wieder ins Bett.
Kurz nach 9 Anruf von Jakob, es klappt mit dem Großauftrag Charité-Chronik, auch wenn ich das Geld nicht brauche, sei das doch eine gute Nachricht. Ist es in der Tat, ich werde also wirklich in den nächsten Monaten mit allen leitenden Ärzten des größten Medizinkonzerns der Welt zu tun bekommen.
Die Freude sickert nur langsam bei mir durch, aber sie tut es.
Arbeite etwas fahrig vor mich hin und höre dazu "meine PANIK, Udo Lindenberg - Seine größten Panik Hits", während ich mich dann doch weiterhin der Kardiologie widme.
Arbeite meine E-Post auf, mittags Radio wieder an, Michael Jackson, Michael Jackson, Michael Jackson, Michael Jackson, seine Leiche musste ausgeflogen werden, um an die ranzukommen würden Fans ein kleines Vermögen ausgeben. Kann mir nicht vorstellen, dass er eine langfristige Wichtigkeit behält, die mit Elvis vergleichbar wäre. Aber ich habe leider auch keine Ahnung.
Suppe esse ich fast taeglich im Weinerei-Café, Zeitung lese ich circa einmal die Woche in der Kapelle, so auch heute, jedenfalls nehme ich es mir vor. Mit dem Umkopieren aus E-Mails fange ich mir regelmäßig Zwiebelfische ein, aber das wird sich im Laufe der Jahrzehnte, die vor mir liegen, noch ausmerzen lassen.
Kapelle: Immer noch ist der Tag, an dem Michael Jackson starb, bald werden wir Bilder des Leichnams zu sehen bekommen und die Trauerfeier wird auch beachtlich werden. Verbindung schwarzer Jesus?
(Sport- und Freizeitzentrum am Rohrdamm, 28. VI. 09:) Eine ziemlich revolutionäre Vereinigung wurde jüngst in Dortmund gegründet: "Sozialdemokraten in der SPD".
Dass ich mit Twittern in einer Zeit beginne, in der die Anhänger der neuen Kommunikationstechnik erstmalig gefoltert und ermordet werden, ist eine ziemlich unpassende Koinzidenz.
Kurz vor halb 4 meinen geliebten Rechner an, Versinken im Text bis gegen 6 bei zwei Kaffee und schwedischer Mandeltorte.
Sofa: Simpsons "Prinzessin von Zahnstein", Zusammenfassung der Geschichte der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung.
Schreibtisch: Korrigiere "Fear and Loathing in Sofia", Freude an meiner Arbeit.
Kucke mit Lisa Videos auf Youtube, Avril Lavigne "Skater Boy", "Girlfriend" und "Complicated", Cashs "Hurt", Britney Spears "Circus", Heinz Rühmann "Ein Freund, ein guter Freund", Peter Fox "Haus am See", bis ich die Angelegenheit mitschneide. Wäre doch was für MTV, wenn ich da nur jemanden kennen würde. Versuche es auf meine Dropbox zu schieben, damit es sich Freunde anhören können:
http://files.getdropbox.com/u/459557/Radiohochsee%20privat.mp3
Braucht einige Zeit, aber ich bin guter Dinge selbst jetzt noch, viertel vor 1, viertel nach ist das Ding drin, mal abwarten, ob sich irgendjemand den Quatsch anhört.


Samstag, 27. VI. 09, bedeckt:
(Sport- und Freizeitzentrum am Rohrdamm, 28. VI. 09:) T: Sehe die Reste des Berliner Weihnachtsmarkes von 1977, eine alte Filmaufnahme. Sehe am Rande Uli Steglich, Christoph und einen Kollegen, die einen Schriftsteller interviewen, Endfünfziger mit roten Augen und weißen Haaren. Sage ihnen Hallo und trete dabei in Hundescheiße.

Zu wenig Schlaf, was sich auf meine sowieso schwache Kondition ungünstig auswirkt.
Schreibtisch: Fußballturnier, die Autoren treten in zwei Mannschaften an, anfangs noch ausgeglichen erreichen wir gegen Amnesty World nur ein unentschieden und unterliegen Dem Magazin unglücklich, 8. Platz von 10 Mannschaften. Immerhin erreicht die zweite Schriftsteller-Mannschaft den 3. Platz. Sieger wird Amnesty World.
Sofa: Die Wahlparty für Krampitz im Freudenhaus, Jero hat 3 Erdbeertorten bereitet, kann aber nur eine essen, nett.
Lisa kuckt oben Biene Maja, ein doch bisher recht glücklicher Tag.
(Sport- und Freizeitzentrum am Rohrdamm, 28. VI. 09:) Eigentlich ist es mit dem Bachmann-Wettbewerb ganz einfach, beim Inhalt braucht mir nicht bange sein und an der Form so lange rumziselieren, bis das Ganze so fragil wirkt, als müsste es fast zerbrechen, aber durch die stabile Konstruktion wirds halten, mangelnde Literarität wir mir niemand vorwerfen können.
Unzufrieden mit meiner Performance beim Kantinenlesen. Jochen schreibt mir was auf arabisch ins Notizbuch, wahrscheinlich heißt es "Falko ist doof!"
Wie das mit Prophezeiungen so ist: Dan hat schon vor 9 Jahren den Tod von Michael Jackson vorausgesagt. Und Johannes Heesters lebt immer noch.


Sonntag, 28. VI. 09, schwül & tropisch:
Siemensstadt, Sport- und Freizeitzentrum am Rohrdamm: Beim Klingenden Sonntagsrätsel wird TANZEN gesucht, erkenn Mozarts Türkischen Marsch, Fred Astaire, Sophia Loren, Jaquez Offenbach, ab 26. Juli haben sie Sommerpause, schade.
Eine kleine Weltreise ist es zu Lisas Wettbewerb im Fünfkampf: U-Bahn bis Gesundbrunnen, Ringbahn bis Jungfernheide, U-Bahn bis Rohrdamm, Bus bis zum Sportplatz. Im U-Bahnhof Jungfernheide gelingt mir ein fast schon magisches, rot psychedelisches Foto einiger Trinker.
Komme pünktlich, um Lisas letzten Lauf über 50 Meter noch aufzunehmen, sie ist mit ihrer Zeit, 8,5 Sekunden, recht zufrieden und die goldige Moni auch.
Liege dann mit Janine herum und lese in der BZ über Michael Jackson, der als Kind nicht geliebt wurde und so selber nicht lieben konnte, weder sich selber noch andere. Collage aus Zitaten:
"Beat it, Billie Jean, Thriller, Pretty Young Thing - das waren monströse Gebilde, die von Pop mit Funk, Hard Rock und Disco zu einem stählernen Soundtrack des Hedonismus, des Feierns, der Lust und des Geldausgebens verlötete, zu allem also, was die 80er Jahre definieren sollte. Er versöhnte das Animalische und Sexuelle mit seiner zweiten, der idealisierten Science-Fiction-Identität. Der Pepsi-Schwarzweiß-Konsens-Künstler wirkte in seinen Phantasie-Uniformen wie eine etwas abgelebte monarchische Gestalt aus der k.u.k.-Monarchie und hielt sich auch gern im Alten Europa auf. Pepsi-Cola flüchtete vor dem Makel der Pädophilie. Die Kleinen sollen ja die Brause kaufen."
Irgendwann muss sogar ich Sonnen-Enthusiast aus der Schwüle in den Schatten. Lisa belegt den 8. Platz in ihrer Altersgruppe, dieser Satansbraten!
Nach 3 Aufbruch.
Schreibtisch: Ziemlich erschöpft viertel nach 5 bei mir. Ergänze die Nephrologie.
Werde jetzt einen Nachmittagsschlaf halten und dann einen Lichtbildervortrag für die Reformbühne heut abend vorbereiten.


Montag, 29. VI. 09, bedeckt:
Schreibtisch: T: Bin mit meiner Mutter in der Kaufhalle, Flinkfertig, der Kaufhausdetektiv fordert uns auf, mit nach hinten zu kommen. Meine Freundin, er meint meine Mutter, sei hier einigermaßen bekannt, ja berüchtigt, weil sie schon öfter gebissen habe. "Die bissige Hennig", so würden sie sie hier nennen.

Jetzt zu Freund Robert Weber, wir produzieren ein Feature über Geheimsender im 2. Weltkrieg, Linsensuppe, abends Doc Schoko und Fußball.
Ziemlich erschöpft bei mir, Nachmittagsschlaf, Kartoffelsuppe, ans Kopieren der Bilder auf die Dropbox.
(Sofa, 30. VI. 09:) "Stimmt es, dass Karl Schmitt säuft?"
"Was? Nein! Er trinkt halt sehr viel."


Dienstag, 30. VI. 09, locker bewölkt, sehr schwül:
Schreibtisch: T: In der Schweiz, guter Schnee unter leicht vereistem Hang, hier oben sind viele Galerien, erfahre ich, ein Mann mit einem riesigen abstrakten Gemälde des berühmten Malers Baselitz unterm Arm fährt mit Schiern vorbei. Mich interessiert, was er für das Bild bezahlt hat. "Darf ich etwas neugierig sein?", frage ich ihn. "Sie sind ganz schön neugierig!", wehrt er ab, die kleine Lisa, circa 5 Jahre, ist oben geblieben, meine Mutter schon nach unten gefahren. Sie ruft mich an, ob ich komme und wieder mit ihr nach oben fahre. Ich lehne ab, möchte Lisa nicht allein lassen, meine Mutter hat dafür kein Verständnis. Finde Lisa nicht mehr, fahre mit dem Sessellift, aber sie bleibt verschwunden. In Ägypten, fotografiere im Stadtgewimmel Micky Mäuse, sind auf der Flucht vor der Al Kaida, fahre mit dem Auto um eine Ecke, gelange in eine Sackgasse, in meiner Not auf ein Grundstück, verstecke mich hinter einer Hauskante. Frauen finden mich, aber sie sind sehr freundlich, schenken mir ein kleines Skelett auf einem roten Stühlchen, eine Süßigkeit und gleichzeitig ein gutes Herzmittel. Muss mit ihnen mit.

Viertel vor 9 auf, an die Charité-Chronik Dermatologie, zwischendurch kopiere ich die Bilder auf die Dropbox.
Dach No. 9: Fahrt zu Frau Fabert, meine Dermatologie-Liste durchgehen und zurück.
Esse zwei Teller meiner gloriosen Kartoffelsuppe und setze eine Wäsche an, bevor ich mich zum Mittagsschlaf zurückziehe.
Auf dem Dach, wie blöde schwitzend in der Sonne ans Durchhören der Aufnahmen dazu von Michael Schmiedecke aus Mittenwalde (http://www.78record.de/)

http://www.78record.de/platten/sound/nkfd-1.mp3
Fanfare, "Achtung, deutsche Soldaten!" ... "Der Krieg ist verloren." ganz zum Schluss "Nationalkomitee Freies Deutschland"

http://www.78record.de/platten/sound/nkfd-2.mp3
"Nationalkomitee Freies Deutschland, Bekanntmachung, Tätigkeit aufgenommen... Präsident Erich Weinert... Graf von Einsiedel"

http://www.78record.de/platten/sound/nkfd-3.mp3
Generalmajor Arno von Lenski (verzichtbar)

http://www.78record.de/platten/sound/nkfd-4.mp3
General von Seidlitz, erster Satz, Aufruf der 50 Generale unerhörte Sache, letzter Satz mit Titel.

http://www.78record.de/platten/sound/nkfd-5.mp3
(anderer Jingle!) Gefreiter Jakob Eschborn, OKW hat mich für tot erklärt, aber ich lebe. (passt zu Grüßen der Überlebenden) Letzter Satz!

http://www.78record.de/platten/sound/nkfd-6.mp3
Jakob Eschborn, 2. Teil: "Kameraden, wenn Ihr meiner Stimme nicht glauben wollt, erkundigt euch doch bitte bei meinem Eltern ... (sehr gut!) Gründungskonferenz des Nationalkomitees

http://www.78record.de/platten/sound/2051.MP3
http://www.78record.de/platten/sound/2052.MP3
Heinrich Graf von Einsiedel, nicht so doll:

http://www.78record.de/platten/sound/2031.MP3
http://www.78record.de/platten/sound/2032.MP3
Gebt Antwort! "Der Krieg Hitlers ist verloren!"

Kühle mich beizeiten mit einer Dusche ab, aber das hält immer nur für einige Minuten vor.
Nach halb 5 ist das Akku runter und ich bin vom Schwitzen auch so ziemlich erledigt, aber einmal Duschen werd ich noch.
Schreibtisch: Entfliehe der Hitze nach unten, fühle mich sommerlich.
Dann also wieder FileMaker einschalten, OpenOffice, E-Post.
Sofa: Lade alle meine Stuttgarter Multiplikatoren zur Solitude ein, auch Cousine Eva, die ich seit circa 15 Jahren nicht gesehen habe. Höre ihre erwachsene Stimme auf ihrem Anrufbeantworter.
Simpsons.
Pina Bausch ist gestorben, habe sie 1989 mal an der Akademie der Künste Ostberlin gesehen, oder waren es nur Mitarbeiter von ihr? Schade, immer wieder nur schade, dass ich damals nicht Tagebuch geführt habe. So werde ich diesen Menschen von damals nie wieder verstehen.
Nun also, mit etwas schlechtem Gewissen wegen der Bilder für MR zum Wiener-Schnitzel-Essen in den Weltempfänger.
(Schreibtisch, 1. VII. 09:) Wegen der Hitze entziehe ich die Bettdecke und schlafe mit dem reinen Bezug deutlich besser.


Mittwoch, 1. VII. 09, bedeckt:
Schreibtisch: T: Hier, durch dieses Dorf, bin ich immer als Kind durchgefahren, jedenfalls mit meinem Trabbi. Jemand vor uns fährt sehr komisch, halten uns zurück und tatsächlich streift das Auto einen Laternenmast und gerät ins Schleudern. In einem Hotel, habe ein Zimmer reserviert, doch es ist so überfüllt, dass die ganzen Gänge ebenfalls mit Matratzen und Nummerierung ausgestattet sind. Finden erst ganz am Ende des Ganges einen freien Abschnitt. Im Russischunterricht, die Lehrerinnen haben russisches Brot mit gebracht, verschiedene Sorten, sogar Stangen. Entschuldige mich für mein sehr schlechtes russisch: Maja russki jasuik otschen plocho.

Statt zu arbeiten, Dermatologie! frisiere ich nach dem Frühstück eine neue Chronik zurecht.

25
Jun
2009

www.Falko-Hennig.de

JEDEN SONNTAG, Kaffee Burger, Berlin, 20 Uhr: Reformbuehne Heim & Welt.

Samstag, 27. Juni, in der Zeit von 15.00 bis 20.00 Uhr.
unbedingt fuer KARSTEN KRAMPITZ abstimmen!
http://www.3sat.de/bachmann/2009/index_hypo.html

27. Juni, 20 Uhr, Alte Kantine (Kulturbrauerei, Berlin)
Kantinenlesen.

4. Juli, Stuttgart (Schloss Solitude):
Lesung und Lichtbilder aus dem Blog WELTWOHNEN.


Samstag, 6. VI. 09, wechselnd:
Sofa: Gegen Dreiviertel 10 bis gegen 11 an die Chronik, wobei ich 250 Gramm Snacky Cracky Mini Brotchips mit allein über 35 Gramm Fett verspeise.
Die Inspiration, die ich mir erhofft habe, bleibt aus, sumpfe vor mich hin und drehe den Computer auf. In der Mitte der Nacht beginnt der neue Tag.
Immerhin beginne ich mit dem Durchgehen der 2008er Fotos für Rutschky und katalogisiere noch bis halb 1.


Sonntag, 7. VI. 09, Regen:
Schreibtisch: "Das klingende Sonntagsrätsel", Stück Geografie, 6 Buchstaben,
E von Karl Michael Ziehrers Geburtsland Österreich, *1843 in Wien geboren, 4. oder 7. Buchstabe.
U von Otto Reutter.
R von Ärmel-Kanal.
O
P von Pippi Langstrumpf.
A erstes Wort Anfangsbuchstabe.
Sichte Alexander Gutsches Film zu Doc Schokos Formular, eine schlichte, aber durchaus wirkungsvolle Eieranimation.
Gegen 12 zwinge ich zu notwendigen und nützlichen Tätigkeiten: Wäsche und Rektaltraining.
Sortieren der digitalen Stasi-Lichtbilder für die heutige Lesung in der Reformbühne.


Montag, 8. VI. 09, sonnig:
Schreibtisch: Auch mit Ende 30 kann man noch viel Neues erleben. Hass, den ich wegen Hornissen interviewen will, lässt mich komplett auflaufen. Erstmalig in meinem Leben traue ich mich nicht, einen Menschen allein wegen der von ihm ausstrahlenden Bösartigkeit zu fotografieren. Positiv formuliert könnte man von Manfred Hass sagen, dass er in seiner Art der Kommunikation, Gespräch wäre ein Euphemismus, einen würdigen Nachfolger von Klaus Kinski abgibt. Komplett unkooperativ versucht er nicht einmal, auch nur einen äußeren Anschein von Hilfsbereitschaft zu erzeugen. Arschloch würde ich ihn nicht nennen, weil damit der gesamte Enddarmbereich einen unangenehmen Beigeschmack bekommt. Egal was ich ihn frage, ich könne das doch alles nachlesen. Wo? Das weiß er auch nicht.
Ich bin ja schon hart im Nehmen, lächle das Monster an. Klar, dass er nicht will, dass seine Äußerungen aufgenommen werden, wird doch damit seine Infamität dokumentiert.
(Schreibtisch, 9. VI. 09:) Hätte ich die britische Luftwaffe zur Verfügung, würde ich ihn ausbomben lassen. Dabei wäre es doch sehr schade, wenn er schnell und schmerzlos tot geht, nein, ich wünsche ihm Durchfall, beide Arme ab und kein Klopapier.
Schreibtisch: Soweit subjektiv, objektiv ist er natürlich eine Seele von Mensch. Zu Jakob, lädt mich zu Bullette mit Kartoffelbrei ein, befürchte etwas, dass er mir die bruchstückhafte Chronik um die Ohren hauen wird.
(Schreibtisch, 9. VI. 09:) Telefonat mit Boris, er war dort bei Salzgitter im Dorf seiner Großeltern und ihrer Kindheit und musste weinen, weiß aber nicht sicher, warum. Die bitterarmen, aber herzensguten Großeltern, Eltern seiner Mutter, der Großvater war stolz auf ihn, den ersten Enkel, hat ihm zum Geburtstag einen Bonbon-Baum geschenkt. Kurz vor seinem Tod hat er sich mit ihm gestritten um eine offene Bodenklappe. Er im Sarg ist bis jetzt der einzige Tote geblieben, den er gesehen hat.
Jochen muss sich ununterbrochen Lipome aus dem Körper schneiden lassen, frage ihn, ob er schlecht esse oder woher das komme? Wenn er das beantworten könne, habe sein Arzt gesagt, dann bekomme er den Nobelpreis.
Es geht dann darum, dass man das Nobelpreis aus gesellschaftlichen Druck spenden muss, es aber durch zusätzlich verkaufte Bücher mehr als wieder reinbekommt.
"Ich habe so lange gehungert, ich spende das Geld nicht, dann bin ich eben der erste Nobelpreisträger ..."
"...ohne eigenes Buch."
Mit Jochen noch in den Gorki-Park, Bücher müsse ich schreiben (warum eigentlich?), journalistische Arbeiten seien doch Zeitverschwendung. Dass ich damit mein Geld verdiene ist für ihn scheinbar kein Argument.


Dienstag, 9. VI. 09, sonnig:
Schreibtisch: Um 9 auf, die gestern wegen des Telefonats unvollendet gebliebene Kartoffelsuppe aufsetzen und erstmalig mit meinem neuen Pürierstab.
Muss mich arg überwinden, um an der Kardiologie-Sache zu arbeiten: Forschungsaktivitäten unserer Klinik mit den Schwerpunkten
* Dilatative Kardiomyopathie und Myokarditis
* Koronare Herzkrankheit - Akute Koronarsyndrome
* Rhythmologie
* Experimentelle Herzinsuffizienz
* Genetische Therapie kardiovaskulärer Erkrankungen
2: Forschungsaktivitäten der einzelnen Arbeitsgruppen:
* AG Myokarditis
* Arbeitsgruppen Molekulare Kardiologie: AG Kardiomyopathie, AG Molekulare Therapie, AG Herzinsuffizienz, AG Angiogenese, AG Arteriosklerose, AG Thrombose- und Hämostaseforschung.
* AG Klinische Elektrophysiologie / Rhythmologie
* Arbeitsgruppen Kardiologische Diagnostik: AG Kardiologische Bild- und Signalanalyse, AG Echokardiographie.
3: Sonderforschungsbereich "Inflammatorische Kardiomyopathie - Molekulare Pathogenese und Therapie"
St. Oberholz: Nettes und konstruktives Gespräch mit Frau Fabert. Kaufe mir einen Booskopp und sitze mit schmerzenden Füßen im Oberholz und mache mich weiter an die Chronik bis gegen 2.
Telefonate mit Thomas Hölzl und Sebastian Wolter wegen des Simpsons-Buches.
Das aufgenommene Gespäch mit Hass ist ein erstaunliches Dokument menschlicher Bösartigkeit, aber beim Anhören ...
Schreibtisch: Arbeite weiter an der Chronik der Kardiologie der Charité, die ich mehr und mehr mit Fachchinesich auffülle. Versuche außerdem mehrmals vergeblich, mir Abzüge der noch fehlenden Fotos zu bestellen.
Korrspondiere noch, ohne Alkohol, bis gegen 10 abends elektrisch.
Froh, durch den Absturz von OpenOffice nicht Stunden, wahrscheinlich sogar überhaupt keinen Text verloren zu haben. Aber bei meinen vielen Backups braucht mir auch nicht bange werden.
Jetzt will ich noch zu Jörg Janzer, mal sehen, wie der inzwischen so drauf ist.
(Schreibtisch, 10. VI. 09:) Heitere Stunden bei Jörgs Salon, mit diesen Veranstaltungen bei sich in der Wohnung leitet er seinen 70. Geburtstag im November vor.


Mittwoch, 10. VI. 09, sonnig:
(Dach No. 9, 13. VI. 09:) T: Silkes Familentreffen, Klasse, Bernd Hemmann, nach hinten, der Sessel, laufe Werner, der geht, hinterher, Küssen auf dem Gang.

Ein Wunschtraum, leider die Notizen darüber zu spät abgetippt, so dass sich nichts mehr rekonstruieren lässt.
Schreibtisch: 10 vor 9 von der Dame von der Wohnungsbaugesellschaft Görlitz per Telefon geweckt, suche im Netz nach einem Vertrag für die Charité und feile bis halb 12 daran herum.
Dann etwas E-Post, Briefe an meine tschechischen und slowakischen Freunde. Bis halb 2 am Kardiologie-Kapitel, komme durch die Forschung aller Kliniken und Einrichtungen durch.
Allein Mangold-Suppe im Weinerei-Café.
Gerade als ich mit meiner Rundmail beginnen will, trifft Ella ein, die heute in Hochsprung eine 3 bekommen hat und außerdem Arbeiten in Nawi und Geschichte zu schreiben hatte, in letzterer ging es um den Unterschied zwischen Druckpresse und elektrischen Medien, Vor- und Nachteile.
Zum Glück sind nur wenige Zeilen, circa eine halbe Stunde Arbeit verschwunden, aber nun ist mir also auch TextEdit abgestürzt, das Programm, dass angeb- und eigentlich nicht abstürzen kann. Automatisch abspeichern tut es auch nicht, kurz gesagt: Alles Scheiße.
Computer neigt weiter zum Abstürzen, an so komplizierten Aufgaben wie der, eine CD abzuspielen, scheitert er. Auch das Postfach ist seit gestern Nacht überfüllt, wie ich erst jetzt bemerke.
Bekomme meine Rundmail erst gegen 5 abgesendet, ehe ich sie bestätigen kann, wird auch noch einige Zeit ins Land streichen, immerhin scheint der Rechner noch nicht völlig im Arsch zu sein, sondern funktioniert wieder. Morgen also wieder Beckapp-Tag.
Sofa: Bei Lidl fragt Lisa nach dem Unterschied zwischen Obst und Gemüse. Die Angestellte vermutet etwas mit dem Gehalt an Fruchtzucker, zu Hause recherchiere ich, und danach stellt es sich etwas komplizierter dar:
Unter Obst versteht man die "essbaren Früchte von mehrjährigen, meist in Kultur genommenen Gewächsen". Der Begriff "Obst" entstammt dem althochdeutschen "ob-az" und beschreibt eine über das Essen hinausgehende Speise, also eine "Zukost". Gemüse ist laut Lebensmittellexikon ursprünglich eine "gekochte, aus Pflanzen oder Pflanzenteilen bereitete Speise, meistens als Gericht, ein Teil der Hauptmahlzeit, zuweilen auch selbständiges Gericht." Das Wort stammt aus dem Mittelalter und ist von "Mus" abgeleitet, "breiige Speise". Heute versteht man darunter "frische essbare Pflanzenteile krautiger wild wachsender oder in Kultur genommener Gewächse." Kartoffeln und Pilze zählen nicht dazu. Obst muss mehrjährig sein, Gemüse kann es, wie der Rhabarber, der mehrjährig ist und zum Gemüse zählt. Aus botanischer Sicht ist Obst die Keimzelle von Pflanzen und entsteht aus der Blüte, während das Gemüse aus "anderen" Pflanzenteilen hervorgeht. Tomaten und Zucchinis sind also botanisch gesehen eigentlich Obst.
Simpsons "Kill Gil - Vol. 1&2"
Erstmalig sehe ich Schnee im Vorspann, Weihnachtsfolge. Der alte Gil (Gunderson) wird von den Simpsons zum Heiligabend eingeladen. Rückerinnerung von Marge, darauf Homer: "Ich habe nicht die geringste Ahnung, was Du gerade gesagt hast. Warum sollte ich auch?" Marge macht jährlich eine Weihnachtskarte.
"Der perfekte Sturm", Flanders zeigt Stummfilm, alte Super8-Filme von Patty und Selma über Marges Kindheit. Hakenkreuze in den Augen eines Seepferdchens. Erklärung ist die Hitler-Droge Pervitin, Drogensüchtige: "Wir brauchen das Geld für Crystal Meth!", Spongebob im Meereskundemuseum.
Papa ruft an, Mario Hinze, mit Obama usw.
Sofa: 1989 revisited.
Gruselig lässt sich das Sichten von "Ost- oder Westausweis, Zeitgeschichtliche Reflexionen von zwei DDR-Jugendlichen in der Bundesrepublik" (D 1990) an, immerhin kichern die Kinder und ich zu Beginn viel. Um Gottes Willen, diese hohe Stimme, das Muttermal auf der Stirn war noch deutlich kleiner. Sollte ich mal einen Hautarzt konsultieren? Vor- und Rückschnitte, jedenfalls macht der Film immer noch einen etwas biederen Eindruck, Sabine und Martin noch im Glück, wie alt war er damals eigentlich? 58 Jahre. Immerhin.
Mit uns maulfaulen Ostlern hatte Sabine jedenfalls kein leichtes Spiel.
Martin: "Sone Scherze." fragender Blick, ob wir es auch verstanden habe.
Er konnte nicht zurück in den Osten weil das vor den Kumpels so eine Blamage gewesen wäre. Wie hieß noch der Sohn von gegenüber? Ah ja, Roman, der blonde Dünne glaub ich Georg. Er wollte zur Bundeswehr, um dort Spaß zu haben. Die Musik von dem Kamera-Assistenten. Diese grauenhaften Pullover, die ich immer trug, einer mit gewaltigen Kragen war ganz offensichtlich ein Frauenpullover. Heterosexuell wirke ich jedenfalls nicht.
Wieder Unbehagen über den Eindruck, den die Angelegenheit erzeugen muss und wie falsch Jens es darstellt, der Auszug von Klaus war von mir initiiert, nicht von ihm. Aber seis drum. Diese überteuerte Wohnung in der Bonner Straße, die wir schließlich anmieteten, 20 DM pro Quadratmeter!
1200 Mark warm für 50 Quadratmeter, heute zahle ich 300 Euro für 60 Quadratmeter. Und bei allen Meriten, die Köln hat, ist doch Berlin noch einige Zähne besser. Volker Elis Pilgrim in einer Runde beim Chinesen, ich war glaub ich grad in Hamburg bei Christoph Richter.
Die Frage, die sich nicht beantworten lassen wird, wer nun seinerzeit der schrägere Typ war, Jens oder icke. Einen autistischeren Eindruck mache jedenfalls ich. Pablo: " ... und Falko hatte ja seine Arbeitslosenunterstützung." Dieser Hass der Leute auf jene, die nicht arbeiten wollen und müssen. Dieser anklagende Duktus des Films ärgert mich. Was ich denn den ganzen Tag mache, fragt mich Sabine, zum Glück erwähne ich noch, dass ich viel lese. Mein Unbehagen im Westen, besonders als der Osten sich rührte, kommt einigermaßen zum Ausdruck.
Dass ich, mich dem sozialen Druck beugend, dann bei einer grauslichen Zeitarbeitsfirma jede Menge merkwürdige, jedenfalls allesamt blöde Jobs machte, fällt wie so vieles ganz unter den Tisch. Schade, dass das Material wohl Verschütt gegangen ist. Oder hat Sabine nicht gesagt, dass es noch bei Martin sei?
Immerhin berlinere ich viel weniger, als ich befürchtet hatte.
Zum Glück erwähne ich die Drogen nicht oder sie haben es nicht mit reingenommen, als ich von Amsterdam berichte. Den Typen, der mich ausrauben wollte, hatte ich inzwischen schon ganz vergessen.
Diese schweigenden Zeitlupen historischer Ereignisse wirken sehr pädagogisch. Wie skurril am 10. November in entgegengesetzter Richtung, gegen den Strom in den Osten zu gehen.
"Schweinchen Schlau" nennt mich Martin, Jens dann mit einer geheimnisvollen Freundin und einem kleinen GTI, den er sich gekauft hat.
(Dach No. 9, 13. VI. 09:) Vielleicht liegt es in diesem Format begründet, vielleicht doch nicht zwingend, habe jedenfalls das Gefühl, dass 90% dessen, was mich als Persönlichkeit ausmacht und was seinerzeit gefilmt worden ist, nicht mit in den Film gekommen ist. Aber da bin ich wohl emotional korrumpiert, wie wir Trekkies sagen.
Sofa: Der blutjunge Axel Bulthaupt bei "Jetzt kommts" (ca. 1991), ...
Schreibtisch: ...da breche ich aber erstmal ab und schicke die Kinder ins Bett, meine süßen Prinzesschen, spät genug ist es jedenfalls.
Freudenhaus, Ahne, Katja, Heidi, in Marokko sei ich so schlecht gelaunt gewesen und es hätte zwischen uns gekriselt, so dass wir die Kinder nur abwechselnd gehabt hätten, und dabei hat sie die Reise von ihrem Geld bezahlt, weil ich winters Sonne brauchte wegen meiner Haut. Meine Erinnerung ist ganz anders.
Erst viertel nach 12 geh ich ins Bett.


Freitag, 12. VI. 09, bedeckt:
Schreibtisch: T: Kucke auf einem Globus nach Neuseeland, das sich in die wirkliche Insel verwandelt, mit einer Mauer ist der verschneite Südpol samt seiner Pinguine zu sehen. Nur als Journalist darf man sie passieren und dort drehen. Ein junger Mann, der kaum vermisst werden wird, Reisender oder Obdachloser, ist das ideale Opfer für eine Fernsehsache. Der Mittellose bekommt ein Handy und Essen und wird schließlich in einen großen Keller geführt, wo in einem martialisch abgesperrten kleinen Gehege ein Baby oder kleines Kind steht. Als der junge Mann in einem noch tieferen Keller ist, fragt er eines der Kinder, wie lange es schon in dem Gehege sei. Nicht lange, ist die Antwort. Sofort drängt sich ein Aufpasser heran, ich müsse nach oben. Dort wird versucht, dem jungen Mann weiszumachen, dass bestimmte Würmer die Eisenteile durchbohrten, dafür bekommen sie an einem Ende ein Gewinde eingefräst. Der Mann ist ziemlich skeptisch und will sich die Würmer genau ankucken.

Der junge Mann bin ich, einiges vom Anfang scheint mit dem gestrigen Film zu tun zu haben. Ansonsten stehe ich diesem Traum hilflos gegenüber, die Würmer erinnern mich an den Film über Raketenwürmer.
Erschreckend leer sitze ich vor 8 vor dem Rechner und starre durch den Bildschirm.
Romanidee: Das große Krisenjahr 2009 ließ sich für mich eigentlich ganz gut an, doch dann stand ich plötzlich vor einem gewaltigen ökonomischen Engpass...
Freund Henry Täufler arbeitete bei der Prokuranz, dem größten Versicherungskonzern Deutschlands, und nächstes Jahr war das 200. Jubiläum und es hatte eine große Versammlung gegeben und die Idee einer gedruckten Chronik war geboren worden. Jeder Fachbereich sollte abgehandelt werden.
Henry Täufler war über die Jahre, die wir bei der Lesebühne Welt & Heim zusammen arbeiteten, zu einem wirklichen Freund geworden. Er hatte mir vor Jahren ohne mit der Wimper zu zucken 4000 Euro geborgt, ich war jedes Weihnachten Weihnachtsmann bei ihm und seinen Kindern, und nun versuchte er mir diesen Job zuzuschanzen.
Werde schon nach einer halben Stunde von Frau Bartels von der VHS Mitte geweckt, die mir den Vortrag am 8. Dezember zum Grundeinkommen bestätigt.
Lese im Lexikon über Prostitution, in Indien geben sich die Mädchen einem Gotte hin, der sich durch seinen Priester vertreten lässt, worauf sie allen Leuten ihrer Kaste diese Gunst erweisen dürfen. Das hat sich doch mit den Gurus auf gewisse Art bis heute erhalten.
Sofa: Simpsons "Rache ist dreimal süß", Marge, Lisa und Bart erzählen Geschichten, der Graf von Monte Christo, Hitler-Aufsteller in der Bibliothek, "Bartman begins".
"Mit gespaltener Zunge", Lisas Spiegelbild spricht zu ihr. Bart stellt sich verschiedene Wünsche vor. Siegmund Freud als Kettensägen-Mörder.
Nicht richtig, aber etwas unglücklich bin ich. Wie diese Wohnung verkommt und ich vor allgemeiner Schlurfigkeit weder aufräumen, noch sonderlich arbeiten kann.
Wobei ich einfach auch unterzuckert bin.
Aber jetzt, frisch an! Kartoffelbrei bereitet!
Schreibtisch: Rauche aber dabei weiter Kette, woher kommt das nur?
(Dach No. 9, 13. VI. 09:) Zaubere Kartoffelbrei, Wiener und Spiegeleier, langsam gehts mir besser, ein Gutteil des heutigen Stimmungstiefs ist auf meine Übermüdung zurückzuführen.
Mit den Kindern kucke ich eine Star-Trek-Parodie, "Galaxy Quest - Planlos durchs Weltall" (USA 1999) mit "Mr. Monk" Tony Shalhoub. Den einen Außerirdischen kennen meine Kinder: "Snape!", schreien sie auf und sind hell begeistert.
Ich bin 39, meine Töchter sind 10 und 12, viele der größten Männer der Welt waren mit 39 schon Jahre tot, Jesus, Hank Williams, James Dean. Ich lebe noch, aber was hat die Welt davon, dass ich hier sitze und fernsehe? Auf diesen Planeten gespuckt für nicht mal 100 Jahre.
Ein schwarzer Junge wird vom Sprecher von Justus Jonas aus den ??? gesprochen, bemerken die Kinder. Na dann ist ja alles gut.
Gegen 11 noch zu Kaiser's, Biernachschub holen
Sofa: Einigermaßen beruhigt, den Bauch voller Hausmannskost vor "The Good Thief" (GB/F/IRL/CDN 2002) mit Nick Nolte checke ich gegen Mitternacht noch mal Emails checken, 2:2 haben die Sportfreunde in London gespielt, ob es mir dort jetzt besser ginge?
Keine wasserdichten Schuhe habe ich derzeit, scheue vor jedem Kauf zurück. Schlecht trainiert bin ich, zuviel Bier und Zigaretten, feuchte Füße, der Kopf psoriatisch verlangt nach Psorcutan,
Vielleicht am Sonntag erstmalig Gedichte vorlesen?
Rechner aus nach 12.


Samstag, 13. VI. 09, sonnig:
Schreibtisch: Halb 10 ruft Doc Wolf an und retourniert die Einladung zum Frühstück. Er sitzt mit einem Kumpel im Luxa und falls ich den Eindruck hätte, sie seien blau, so sei der richtig.
Dieser deutsche Johnny Cash, für ihn ist Berlin eine gigantische Ansammlung von Kneipen und Bars, in denen er sich vergnügen kann, und das macht er auch.
Dach No. 9: Eine etwas zusammengewürfelte Gruppe ist es, die da vor dem Luxa sitzt, ein junger englischer Muttersprachler, eine Frau, die mit dem Sandmann aufgewachsen ist und deshalb "Die Simpsons" und Spongebob nicht mag, ein Kommunist namens Ralf ohne Finger. Auf dem Weg ins "Nola's" gehen uns Frau und Engländer verloren.
Er schwankt etwas und wiederholt sich oft, aber lallt nur leicht und macht einen angetrunkenen, aber keinen besoffenen Eindruck. Vorband von Boss Hoss kann er demnächst werden und hat für uns einen Gig in Neukölln am 12. September. Der Ralf sollte Steel-Gitarre spielen, findet er, da könnte er es allen zeigen.
Manisch depressiv sei er, im Moment eindeutig in der manischen Phase, leidet etwas unter Ideenflucht.
Fotografiere ihn u. a. in der Lottumstraße.
Schreibtisch: Benenne die Tondateien von dem letzten Interview in Oberarschloch Manfred Hass um, trotz dem Unrecht, was ich damit der Medizin, insbesondere der Proktologie antue. Wünsche mir ein Wiedersehen mit dem Mann, bei dem ich ihn mit "Na, Du Pfeife!" begrüßen oder ihm von meiner Art der Archivierung berichten kann. Oder ihm einfach mal im Vertrauen sagen: "Wissen Sie, ich bin ja in meiner langen Laufbahn schon mit vielen widerlichen Menschen, Arschlöchern und Idioten zusammengekommen. Ich dachte, da ließe sich nichts mehr toppen, bis ich Sie getroffen habe. Danke, Herr Hass!"
Dach No. 9: Irritierender weise schreibe ich auf dem Dach das erste Gedicht seit meinem 38. Geburtstag. Da waren wir knapp 2 Monate getrennt.


Sonntag, 14. VI. 09, sonnig:
Dach No. 9/Cantian-Park: Die Brüste von Rosa Luxemburg
Ich weiß nicht, ob sie schon jemand besungen hat, die Brüste von Rosa Luxemburg. In der DDR lernten wir noch das Horst-Wessel-Lied in der kommunistischen Version. Wir erfuhren weder davon, dass der Song in der Nazi-Fassung viel berühmter war noch wurden jemals Rosa-Luxemburgs Brüste thematisiert.
Auf, auf zum Kampf, zum Kampf!
Zum Kampf sind wir geboren!
Auf, auf zum Kampf, zum Kampf!
Zum Kampf sind wir bereit!
Dem Karl Liebknecht, dem haben wir´s geschworen,
der Rosa Luxemburg reichen wir die Hand.
Dem Karl Liebknecht, dem haben wir´s geschworen,
der Rosa Luxemburg reichen wir die Hand.
Das mit der Wachsleiche in der Charité ist noch nicht wirklich nachgewiesen, aber eine Menge Indizien sprechen dafür, dass der in der Pathologie aufgefundene Körper der der Agitatorin für die Weltrevolution ist.
Gerichtsmediziner Tsokos: "Nach unseren Untersuchungen war klar, dass alles passt. Die Frau hatte Arthrose und einen Hüftschaden, sie war rund 1,50 Meter groß, hatte ein ausladendes Becken und volle Brüste – so wie Rosa Luxemburg ausgesehen haben soll. Außerdem passt das Alter der Knochen und das Alter der Toten."
Fettwachsleichen entstehen unter hoher Feuchtigkeit bei tiefen Temperaturen und Sauerstoffmangel. Das Körpergewebe verandelt sich nicht in Humus, sondern in eine grauweiße Masse, die an Paste erinnert. Die Paste von Rosa Luxemburg ist, wenn sich der Verdacht erhärtet, geronnen und ausgehärtet. Wo ihr Kopf ist, weiß niemand, ihre Brüste sind erhalten für die Ewigkeit. Wenn die Revolution doch noch kommt und gewinnt und ihren Reliquien-Kult nach Vorbild der katholischen Kirche weiter treibt, man denke an die Mumie von Lenin, dann wird man die modernen Kathedralen ordentlich ausstatten können.
Es steht ein Mann, ein Mann,
so fest wie eine Eiche!
Er hat gewiß, gewiß,
schon manchen Sturm erlebt!
Vieleicht ist er schon morgen eine Leiche,
wie es so vielen Freiheitskämpfern geht.
Vieleicht ist er schon morgen eine Leiche,
wie es so vielen Freiheitskämpfern geht.
Ob ein Mausoleum für Rosa Luxemburg pietätlos wäre? Jedenfalls nicht abartiger als die allein drei Kirchen in Frankreich, die der Vorhaut Christi gewidmet sind.
Wer wurde dann in Friedrichsfelde begraben? "Jedenfalls nicht Rosa Luxemburg", meint Tsokos, denn "das belegten Einträge im Obduktionsprotokoll. Die Wasserleiche, die dort am 13. Juni 1919 begraben wurde, hatte demnach weder eine Beinlängendifferenz noch einen Hüftschaden, es gab keinen Kopfschuss."
Rosa Luxemburg wurde von der SPD ermordet, daran besteht kein Zweifel. Dass sie selber mit ihren Gegnern wohl auch nicht zimperlich gewesen wäre, wenn sie denn 1919 gewonnen hätte, macht die Tötungsaktion nicht sympathischer.
Nach Ausbruch der Novemberrevolution, die den Sturz des monarchischen Obrigkeitsstaates herbeiführte, hatte sie den Spartakusbund gegründet und dessen Programm verfasst.
Wir fürchten nicht, ja nicht,
den Donner der Kanonen!
Wir fürchten nicht, ja nicht,
die grüne Polizei!
Den Karl Liebknecht, den haben wir verloren,
die Rosa Luxemburg fiel durch Mörderhand.
Den Karl Liebknecht, den haben wir verloren,
die Rosa Luxemburg fiel durch Mörderhand.
Gerade zum Ende ihrer Laufbahn hat sich Rosa Luxemburg mehrfach zu Brüsten geäußert, ich zitiere aus "Was will der Spartakusbund?", dem Entwurf des Programms der KPD (aus "Der Roten Fahne", Berlin, Nr.29, 14. Dezember 1918):
"Nur die Arbeiterschaft kann das Wort durch eigene Tat zum Fleische machen. In zähem Ringen mit dem Kapital, Brust an Brust in jedem Betriebe, durch unmittelbaren Druck der Massen, durch Streiks, durch Schaffung ihrer ständigen Vertretungsorgane können die Arbeiter die Kontrolle über die Produktion und schließlich die tatsächliche Leitung an sich bringen.
Auf, Proletarier! Zum Kampf! Es gilt, eine Welt zu erobern und gegen eine Welt anzukämpfen. In diesem letzten Klassenkampf der Weltgeschichte um die höchsten Ziele der Menschheit gilt dem Feinde das Wort: Daumen aufs Auge und Knie auf die Brust!" Was sie genau mit Daumen aufs Auge und Knie auf die Brust meinte, ist mir unklar, aber ich vermute einen militärischen Bezug. Vielleicht zielen und marschieren gegen den Klassenfeind?
Rosa Luxemburg in "Brennende Zeitfragen" (1917):
"Schreckte man aber vor diesem einzig gangbaren Weg des Kampfes zurück, dann blieb nichts anderes übrig als völliger Verzicht auf jeden Kampf und jede eigene Politik, d. h. politische Abdankung. Die Kreditbewilligung und die Politik des 4. August waren dann nur logische Folgen, die sich mit zwingender Gewalt aufdrängten, da es in jener weltgeschichtlichen Situation keinen Mittelweg gab. Der internationale Sozialismus stand vor einem Entweder-Oder. Entweder Kampf um politische Macht oder Bankerott und Einschwenkung in die herrschende Regierungspolitik. Dieselbe Situation dauert seit Ausbruch des Krieges, und heute, angesichts des Friedensproblems, hält die Geschichte der europäischen Arbeiterklasse mit der Unerbittlichkeit eines Wucherers denselben Schuldschein vor: „Ja, die Brust, so sagt der Schein!“ Nur mit der Brust im großen offenen Machtkampf der proletarischen Massen vermag der Sozialismus den Weltkrieg zu bannen. Tut er das nicht, dann bleibt er bei allem Geschwätz über Frieden, ja gerade durch das Geschwätz, das einen Ausgleich zwischen den kriegführenden Mächten anstrebt, Handlanger des Imperialismus, Fußschemel der bürgerlichen Klassenherrschaft, also das direkte Gegenteil seiner selbst und kann dann nach einem so zustande gekommenen Frieden für ein Jahrzehnt als geschichtlicher Faktor abdanken."
Rosa Luxemburg war diese Brust im Machtkampf des Sozialismus. Sie konnte den Weltkrieg nicht bannen, nicht in der Revolution siegen, nicht ihr Leben retten. Aber ihr Busen marschiert:
Auf, auf zum Kampf, zum Kampf!
Zum Kampf sind wir geboren!
Auf, auf zum Kampf, zum Kampf!
Zum Kampf sind wir bereit!
Dem Karl Liebknecht, dem haben wir´s geschworen,
der Rosa Luxemburg reichen wir die Hand.
Dem Karl Liebknecht, dem haben wir´s geschworen,
der Rosa Luxemburg reichen wir die Hand.
Gegen halb 4 vorläufig fertig mit dem Essay.
Schreibtisch: Spiele Barfußball in einer Mannschaft mit Kai Röger und einem Journalisten, der schon mal von Marzahn mit meinem Trabbi bis zur Z-Bar mitgefahren ist. Joern gewinnt mit der Gegenmannschaft, recht viele Spanisch-Sprecher darin, ziemlich haushoch, mein Füße brennen irgendwann.
Als es leicht zu regnen beginnt Aufbruch, Joern bringt Charlene, die mit Lisa Vorträge über Deiche vorbereitet hat, noch in die Greifenhagener.
Bei mir Korrekturlesen der Texte für heute Abend, dann nach Psorcutan-Behandlung unter die Dusche, Hornhaut von den Füßen schleifen.
Schreibtisch: Bei den Simpsons Hähnchenschnitzel schmurgeln, Abendbrot mit meinen Töchtern danach und nun zur Reformbühne.


Montag, 15. VI. 09, sonnig:
Schreibtisch: Wie es scheint, habe ich meine externe Festplatte Buffalo beim Herunterfallen zerstört, sie gibt knackende Geräusche von sich und erscheint nicht auf dem Bildschirm. Scheiße das.
Wieviel Wochen Bilder sind da nun drauf, die ich noch nicht auf die LaCie-Platte gesichert habe? Etwas Glück im Unglück, dass ich wenigstens die Bilder bis vor circa 2 Wochen auf LaCie gesichert habe, sonst wäre ich wirklich am Arsch.
Der Textekel, den ich bei der Kardiologie-Chronik entwickle, fühlt sich ziemlich furchtbar an.
Dach No. 9: Beruhige mich auf dem Dach und arbeite weiter. Eigentlich wäre es schon nett, wenn die Arbeit ohne solch störende Gefühle abginge.
Seit 3 Tagen stehen hier oben Grillgeschirr und -reste herum. Gegen halb 2 Aufbruch zu Suppe und Kartoffelkauf.
Schreibtisch: Gebe Jero meine defekte Buffalo-Festplatte, bis gegen 3 Mittagsschlaf, wieder an die Kardiologie.
Jero konnte von der Festplatte nichts retten, er schätzt, dass Datenrettung zwischen 500 und 1000 Euro kosten würde. Das lohnt sich doch nicht! Was ist alles verloren? Das unseelige Gespräch mit Hass, einige Reformbühnen, zum Glück nicht die Simpsons-Lectures.
Kartoffelsuppe mit Bockwurst.


Dienstag, 16. VI. 09, bedeckt:
Schreibtisch: T: Sehe, dass schwarze Marmorstatuen, die als Säulen für ein provisorisches Dach dienen, umgelegt werden, aber nur eine kippt ganz um, die anderen bleiben so schräg stehen. Es ist Absicht, erkenne Klaus Cäsar und Martin Sonneborn unter den Arbeitern. Sie haben sich die Sache als ABM-Projekt ausgedacht. Sonneborn läuft einem Bauarbeiter nach, er muss wohl Arbeitswillen zeigen, weil er sonst Ärger bekommt.

Um 8 auf, trödle bis gegen 9 vor mich hin, indem ich in "Denn eine Staatsbibliothek ist, bitte sehr! kein Vergnügungsetablissemang. Die Berliner Staatsbibliothek in der schönen Literatur, in Memoiren, Briefen und Bekanntnissen namhafter Zeitgenossen aus fünf Jahrhunderten" herausgegeben von Martin Hollender (Berlin, 2008) lese, kann mich erst 10 nach 9 an die Kardiologie-Chronik quälen.
Bemerkenswert ist, dass die Staatsbibliothek seit ihren Anfängen die Leser als natürliche Feinde gesehen und entsprechend behandelt hat. Es wird zwar behauptet, die Betrachter sähen vom Napfkuchen nur das Loch und nicht den Kuchen, aber erinnere mich doch zu genau an gute Bibliotheken, die mich als Leser freundlich umfingen, statt mit undurchschaubaren Katalogen und garstigen Bibliothekaren zu vergrellen. Die Staatsbibliothek ist das Haus, bei dem die Leser das Loch sehen, in anderen Bibliotheken dürfen sie den Kuchen nicht nur sehen, sondern auch schmecken.
Wieder Telefonat mit dem erfreulich freundlichen Herrn Witte, gegen halb 1 Mittagspause, über Forßmann muss ich auch noch mal rüber, jedenfalls abgleichen:
http://www.hrsonline.org/News/ep-history/timeline/1920s.cfm
Mein eigener Artikel in der Berliner über das Buch von Agee, schön und als Replik vielleicht noch passender als der Leserbrief an DIE ZEIT.
Unterhalte mich mit Jan-Peter Ernst Sonntag, eigentlich verstehe ich nur Bahnhof, und doch könnte es sein, dass er mich als verständnisvollen und aufmerksamen Gesprächspartner in Erinnerung behält. Man weiß es ja nicht.
Bei mir Telefonat mit Romaniuk, Abgleichen der Forßmann-Biografie mit seinen Aufzeichnungen, Rundmail verschicken bis dreiviertel 5.
Dann Sichtung des entstandenen Festplattenschadens. Es fehlen mir die Fotos vom 28. Mai bis zum 4. Juni, einige Reformbühnen, das unsägliche Gespräch mit Hass, nun ja, keine 500 Euro wert.
Sofa: Erdbeeren mit Joghurt.
Simpsons "Brand und Beute": Reklame fürs Schlafmittel Nappien. Nebenwirkungen u. a. Stimmungsschwankungen. John Lennon, KISS und Elvis (zerschmolzen) im Rock'n'Roll Wachsfigurenmuseum.
"Stopp! Oder mein Hund schießt" Oktoberfest, Stephen Hawking fliegt mit seinem Rollstuhl-Helikopter aus dem Labyrinth. Bildliche Vorstellung von Bart, Mischung verschiedener Horrorfilme. Rowdies wollen von Snake Drogen kaufen. Ente frisst Steroide und bekommt tiefe Stimme und muskulöse Beine. Riesenschlange würgt Homer, frisst Hasen und versucht, einen Computer zu verschlingen.
(Aufzeichnung v. 15. VI. 09) Titel? Marge Simpson entdeckt das Internet, habe ich schon letzten Dezember aufgenommen.
(Dach No. 9, 17. VI. 09:) Im Mauersegler geht es um Ipods und Lautsprecher, er will sich mal richtig durchchecken lassen, mit 42 sei es Zeit für die Vorsorge, Hautkrebs, Darmkrebs, Lungenkrebs, was gebe es noch?
"Ich glaube, ich werde Allergiker."
"Kriegste dann mehr Hartz IV?"
Wechseln ins Razzia, High raten spielen, muss mich gegen 2 ziemlich volltrunken auf den Heimweg machen.


Mittwoch, 17. VI. 09, sonnig:
Schreibtisch: Das Telefonat um 9 mit Herrn Romaniuk wird zum Glück vertagt, selbst nachdem ich noch bis 11 ausgeschlafen habe, bin ich noch einigermaßen verkatert.
Datenpflege und E-Post, viertel vor 12 aufs Dach.
Dach No. 9: Mit leichtem Kopfschmerz nach oben, gut, dass ich nicht schwer arbeiten muss, die Gedanken fließen träge, stimmt nicht das Gegenteil, ist es nicht angeraten jetzt Dauerlauf gegen den Kater zu machen?
Es geht alles langsamer, aber es geht und ich bin froh, gefeiert zu haben.
Volker reist in die USA, um mit einem Floß den Mississippi hinunter zu reisen. Zum Glück verspüre ich nur wenig Neid.
Eher bedrückt mich moderat der Umstand, dass ich noch nicht gepackt und auch mit der Kardiologie-Chronik nicht gerade so weit bin, wie wünschenswert wäre.
Schreibtisch: Bin insgesamt guter Dinge, wenn ich mich auch etwas ans Packen zwingen muss, immerhin machts Spaß. Bin jetzt schon gespannt, was ich wieder an wichtigen Sachen vergessen werde.


Donnerstag, 18. VI. 09, sonnig:
Park Inn, Danube, Bratislava: Scheiße, Netzteil für mein iBook G4 vergessen!
Slowakei, Dolný Kubín, Penzión Koliba, Zimmer 6: In der Schule, dem Gymnázium Nová Nová Baňa, "Neuer Schacht", dass man aus Taktgefühl sich diese Leute nie zu fragen traut, wie sie denn ihre Hand, oder neulich der Mann seine Finger, verloren haben. Humoristisch konnten sie an ANG nichts finden, trotz des Schreibens von Frau Regenfus.
Slowakei, Dolný Kubín, Penzión Koliba, Zimmer 6: Fahrt mit dem Goethe-Instituts-Minibus mit diplomatischem Nummernschild durch die Biskiden, verschlafe wohl das Städtchen, das so ähnlich wie Rumborak heißt.
Eine Stunde Dauerlauf durch Dolný Kubín, viele Hunde und Blockhütten und habe das Gefühl, misstrauisch angestarrt zu werden. Großartige Bergkulisse, zum Schluss kucke ich sehnsüchtig auf einen eingezäunten Fußballplatz, aber die älteren Herren sind schon 4 gegen 4. Zurück ins Quartier, ein Netz für E-Korrespondenz finde ich oben im Zimmer nicht. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen erscheinen dann immerhin die E-Mails, die mir bis gestern Abend 19 Uhr geschickt worden sind.
Einige Notizen abtippen, bin bei 82% Batteristatus.
Slowakei, Dolný Kubín, Penzión Koliba, Gastraum: Eine göttliche gebratene Forelle auf Mandeln, mit Zitrone und Kräuterbutter vergoldet den Abend. Das Leben ist eines der besten.
Vor der Pension geht das Internet auch nicht, aber darinnen, kann mit Petra skypen und es wird wohl mit einem Treffen am Samstag klappen, unklar nur, ob in Brünn oder Pressburg.
Etwas eigenwillig, vielleicht auch unsozial, dass ich dann mit dem Fahrer, Herrn Latal zusammensitze und hier tippe, statt weiter Konversation zu treiben. Immerhin habe ich schon erfahren, dass er nunmehr seit 20 Jahren beim Goethe-Institut ist und davor beim Kulturinstitut der DDR gearbeitet hat, damals war es politischer und enger, sonst findet er keine großen Unterschiede.
Für den Fall, dass ich .... Völlig vergessen, welchen Gedanken ich hier entspinnen wollte. Immerhin, was ein Lebensglück: Abidjan im November klappt! Arm wie ne Kirchenmaus, aber in der Weltgeschichte herumreisen wie nichts Gutes. Herrlich!
Ich bin, trotz Akku bei 58%, sehr glücklich. Warum eigentlich? Weil ich unterwegs bin. Schade, dass es morgen schon wieder nach Bratislava zurück geht.


Freitag, 19. VI. 09, tropisch:
Slowakei, Bratislava, Park Inn, Bar im Foyer: Merkwürdigerweise gefällt mir "Good bye Lenin" trotz fast unerträglich verfälschter Farben in der Freilichtbühne in Bratislava ausnehmend gut, woran das nur liegt? Verblödung? Haue trotzdem auf der Suche nach einem W-Lan beizeiten ab ins Hotel.
Das Internet funktioniert, kann mit Petra für morgen die Verabredung abskypen, ansonsten verplemper ich 10 Prozent Akku mit diversen E-Mails, alle durchaus wichtig, ehe ich mich der Kardiologie widme.
Der gute Wille ist dann da, aber nicht die für die Recherche notwendige Internet-Verbindung.
Schließlich bin ich gegen 11 bei ziemlich kritischen 21% und bekomme keine Mails versandt, ach was für kleine Probleme verglichen mit dem Weltgeschehen und überhaupt!
Feierabend zwangsweise dreiviertel 11.


Sonntag, 21. VI. 09, sonnig:
Bratislava, Goethe-Institut, Panenská 33: Keine Katastrophe, sogar eigentlich egal, aber etwas ärgern tue ich mich doch, dass ich die Mail von der Elfenbeinküste nicht beantworten kann, weil ich sie online schon gelöscht und meinen Laptop nicht mit hier her geschleppt habe. Hauptsächlich bin ich aber wohl vergnatzt, weil ich nun keine rechte Ausrede mehr habe, nicht endlich mit der Kardiologie weiterzumachen. Merke doch sehr stark, wie hinderlich es einem labilen Menschen wie mir sein kann, wenn in einer Arbeit sein Herz nicht drin steckt. (Was bei der Kardiologie besonders grotesk ist.)
11.30 Uhr geht's aber dann doch los.
Einen merkwürdigen Augenblick lang sind alle Cursor-Funktionen vertauscht, wenn ich nach rechts drücke, springt er nach links und umgekehrt, sogar die Klammern zeigen jeweils in die falschen Richtungen, aber dann geht alles wieder.
(Schreibtisch, 25. VI. 09:) Das Podiumsgespräch mit Michal auf der Freilichtbühne in Bratislava verläuft heiter, die Dolmetscherin Ingrid ist exzellent, Kontakt zum Publikum zu halten ist allerdings schwierig bis unmöglich. Ich sei ja noch ein Knabe gewesen, findet Michal, ja, da hat er recht.
Warum ich denn nicht aus ANG vorgelesen habe? werde ich danach gefragt. Es erschien mir unpassend und aufgesetzt, da ich außerdem nicht auf meine Bücher hingewiesen habe, brauche ich mich nicht wundern, auch keines zu verkaufen.
Danach esse ich im hübschen Hinterhof des Prašná Bašta in der Zámočnícka erstmalig Haluschki mit Brimsen und Schinkenspeck oben drauf, dabei Petra, Wolfgang, Michal, bald kommt noch seine Freundin Alexandra, Architektin. Sie plant ein Hochhaus für eine neues Kempinski-Hotel an der Donau.
Michal ist schon ein beneidenswerter Mensch mit seiner Fähigkeit zur Kommunikation, ich stottere ja eigentlich nur herum. Er spricht wahrscheinlich fast alle Sprachen, sein Vater ist Computerwissenschaftler, seine Mutter wahrscheinlich was ähnliches, er hat Visa- und Mastercard und ein iPhone, als Werbetexter für Red Bull ist er nach Südafrika geflogen und von der Universität Iowa war er auf einem Schriftstellertreffen in Marokko. Und was er erzählt: ein polnischer Autor, der vielleicht erste offen Homosexuelle Polens, so ein blonder Zweimeter-Mann, der hatte dort so eine Late-night-Show, da lud er die erste Transe Polens ein usw., er flog immer mit einem Hubschrauber zu seiner Sendung auf ein Warschauer Hochhaus ein, schrieb dann anspruchsvolle Reportagen und das Buch mit ihnen auf tschechisch machte ausgerechnet Karel Gott (Wir nannten ihn immer Karel Kotz.) zum Bestseller, indem er den Autor mit Beleidigungsklagen überzog, weil er es gewagt hatte, spöttisch über Karel Gotts Verherrlichungsmuseum "Gottland" zu schreiben.
Wie er in Prag Arnold Lustig begegnete, ...
Michal ist im November zu Egon Bondy in Berlin.
In seinen Kreisen mag man die Band DESmod nicht, die heute abend hier spielt, zu prollig, der Sänger ist beim European Song Contest von der Bühne gefallen und wollte später eine zweite Chance.
Sehe ihn dann am Abend nach dem Concert mit einem überdimensionierten Motorrad aus dem Backstage-Bereich fahren.
Davor mache ich noch mit Petra einen Spaziergang


Montag, 22. VI. 09, bedeckt & kalt:
(Schreibtisch, 25. VI. 09:) Im Frühstückssaal der mit den Muttermalen im Gesicht, dem der Vortragender Legationsrat I. Klasse bald Gesellschaft leistet. Wäre unerkannt entkommen, wenn mir nicht in unterbewusster Panik mein Rucksack zu Boden gefallen wäre.
Slowakei, Bratislava, Goethe-Institut, Panenská 33: Rechner beim erst unwilligen Bibliothekar quälend langsam, auch schaffe ich es nicht, die rtf-Datei meines Kardiologie-Kapitels auch nur irgendwo auf dem Bibliotheksrechner abzuspeichern, weshalb ich die ganze Datei in eine E-Mail kopiere und hoffe, dass mir die Angelegenheit nicht bei erster Gelegenheit abschmiert. Zur Sicherheit schicke ich mir beizeiten als Ersatz einer Sicherheitskopie die Sache selber, es klappt, das Netz ist mein Speicher, so help me god!
Eigentlich kann es nicht wirklich sein, dass in der Kardiologie überhaupt kein Herz von mir ist, sonst würde es mir nicht binnen kurzem wieder solchen Spaß machen. Bemerke auch die großen Vorteile, die eine externe Tastatur bietet, da kann man doch nach Herzenslust drauf rum hacken ohne Angst, den empfindlichen Laptop darunter zu zertrümmern. Eine knappe Stunde kann ich arbeiten und aller Wahrscheinlichkeit ist der Text nicht mal in den Ostseesand geschrieben sondern zuverlässig im www abgebunkert. Schicke die Mail kurz nach 11 ab.
(Schreibtisch, 23. VI. 09:) Ich bin so außer Puste, dass ich Michael, so wie ich hyperventiliere, an seinen Vater erinnere.
Etliche Mannschaftskameraden heiraten, so Konstantin und Florian, aber irgendjemanden von uns eingeladen haben sie nicht.
Jochen hat nun schon wieder ein Jahr ohne Sex herum. Uli und ich haben gehörigen Raucherhusten, aber quarzen weiter wie die Irren. Benedict will sich alle Weißheitszähne auf einmal ziehen lassen, weil sie seine Schneidezähne zusammenschieben.
Traurig zu Bett.


Dienstag, 23. VI. 09, sonnig:
Schreibtisch: Träume von Glatzen, nicht den Menschen sondern den Haartrachten, und Ludwigsfelde, wie so oft löscht der Verzicht auf sofortiges Aufschreiben die Erinnerung fast vollständig aus.
Durchfall. Gegen 9 sitze ich am Rechner, Milka Vollmilch-Nuss-Schokolade zum Frühstück. Kopiere erstmal hin und her und korrigiere die zerschroteten Anführungszeichen, immerhin Umlaute usw. haben die Umformatierung der Kardiologie-Chronik im großen ganzen gut überstanden.
Bis nach 1 arbeiten, dann nach Telefonat mit Heidi, Wäsche aufhängen zu meiner Mittagssuppe.
Weinerei Café Invaliden-/Fehrbelliner Str.: Dort von 2 bis kurz vor 3 weiterarbeiten.
Eine italienische oder spanische Version von "Frankie and Johnny" erklingt, "Jani et Roy" oder so ähnlich, widerstehe der Versuchung, nach Interpret und genauem Titel zu fragen.
Sofa: Erdbeeren mit Joghurt mache ich mir, hänge Wäsche auf, telefoniere mit Romaniuk und Witte, die Unzufriedenheit mit der Kardiologie-Chronik hat sich gelohnt, nun im Endspurt nimmt sie eine befriedigende Form an.
Heute Journal, drei deutsche Soldaten gefallen, Jung bleibt hart und will sie rächen. 35 Soldaten insgesamt tot, der Sinn des ganzen Abenteuers muss unklar bleiben und die einzigen, die für Rückzug ohne Wenn und Aber eintreten, sind die Linken.
23 E-Mails hat mir allein die Twitterei eingebracht, deren Sinn ich immer noch nicht verstehe. Als ob ich nichts zu tun hätte. Aber war ja auch sehr fleißig, jetzt halb 9 das Bett für Manuela auf dem Dach No. 9 beziehen und Alkohol einkaufen.
Nach 9 sitze ich vor einer Dokumentation über den 1. Weltkrieg, von den greisen Zeitzeugen, Durchschnittsalter 100, versteht man kein Wort.
http://www.youtube.com/watch?v=ShmGaX4zKug
Bist Du einsam heut nacht?
Are you lonesome tonight,
Do you miss me tonight?
Are you sorry we drifted apart?
Does your memory stray to a brighter sunny day
When I kissed you and called you sweetheart?
Do the chairs in your parlor seem empty and bare?
Do you gaze at your doorstep and picture me there?
Is your heart filled with pain, shall I come back again?
Tell me dear, are you lonesome tonight?
I wonder if youre lonesome tonight
You know someone said that the worlds a stage
And each must play a part.
Fate had me playing in love you as my sweet heart.
Act one was when we met, I loved you at first glance
You read your line so cleverly and never missed a cue
Then came act two, you seemed to change and you acted strange
And why I'll never know.
Honey, you lied when you said you loved me
And I had no cause to doubt you.
But Id rather go on hearing your lies
Than go on living without you.
Now the stage is bare and Im standing there
With emptiness all around
And if you wont come back to me
Then make them bring the curtain down.
Is your heart filled with pain, shall I come back again?
Tell me dear, are you lonesome tonight?
Gegen 11 jedenfalls längst viel zu erloschen, noch irgendwas Vernünftiges zu arbeiten, recherchiere etwas zur Geschichte des Songs, aber an die Kardiologie kann ich nicht mehr heran und eigentlich auch nicht an irgendwas anderes.


Mittwoch, 24. VI. 09, sonnig:
Schreibtisch: Kurz nach 8 von Prof. Romaniuk aus dem Bett telefoniert, dann nochmal ratzen und gegen 9 von Manuela endgültig geweckt. Frühstück mit Croissants.
Dach No. 9: Manuela hat geträumt, dass sie in pink auftritt und einen Blues singt, da sie das erste mal auf dem Dach der No. 10 geschlafen hat, wird dieser Traum wohl in Erfüllung gehen.
Schreibtisch: Um 10 an die Kardiologie, Telefonat mit Witte, der mir mit Angaben aus "75 Jahre Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung" von Berndt Lüderitz und G. Arnold, (Springer) weiterhilft:
Arbeitsgruppe Schrittmacher: "Diese Arbeitsgruppe wurde 1973 gegründet, 120 Mitglieder, Kardiologen, Chirurgen, Medizintechniker und Ingenieure, erste Implantation 1963 in Berlin Hans Joachim Werfling durchgeführt, 5 Universitätskliniken beteiligt, 1990 schon 36 Zentren. Zentralisierung der Versorgung erbrachte große Erfahrung in den Zentren und damit geringe Komplikationsrate. Erstimplantationsrate 1981 bei 256 pro Million Einwohner, internationaler Stand. Verdienst der Arbeitsgruppe und von Witte, dass beim Gesundheitsministerium Mittel für Importe und Entwicklung der Schrittmacherindustrie mobilisiert wurden.
Erprobung, Fortbildung, Herzschrittmacher-Register, gab internationale Impulse.
1986 erster Kardioverter/Defibrillator von Harry Warnke in Berlin eingepflanzt.
1987 waren 95% der Schrittmacher aus DDR-Produktion.
Dach No. 9: Anderthalb Stunden, mit der Sprengung der Mitralphimose hätte ich einen schönen Bock geschossen. Nun auf dem Dach alles einarbeiten.
Bis halb 2 sitze ich in der Sonne, glücklich in der Arbeit, dieser letzte Tag wird vergehen wie nichts und ist es auch fast schon.
Zwischendurch, es geht schon auf 3, mit Manu Suppe fassen im Weinerei-Café und dann weiter im Text. Schmore und sotte in der Sonne.
Schreibtisch: Pels findet es eine Beleidigung, dass ich ihn nach Vornamen und Geburtsjahren frage, also auch ein Kardiologe mit nem Knall.
Mit Jakob quasi Abnahme der Kardiologie-Chronik, angenehmes Gefühl.


Donnerstag, 25. VI. 09, bedeckt:
Schreibtisch: Aufgestanden, Erdbeeren mit Joghurt gegessen, nun werde ich mal wieder eine Chronik für meine Homepage frisieren. Kaffee noch heiß.
Bei diesem Twittern könnte ich auch problemlos mein Tagebuch verhackstückeln und in Salamitaktik ins Netz fließen lassen.

6
Jun
2009

www.Falko-Hennig.de

JEDEN SONNTAG, Kaffee Burger, Berlin, 20 Uhr: Reformbuehne Heim & Welt.

Lesebühne trifft Struwwelpeter:
"Sieh einmal, hier steht er"
Berliner Literaten lesen aus dem Struwwelpeter
Samstag, 13. Juni 2009, 15 Uhr
Ausstellungsraum
Haus Potsdamer Straße 33, 10785 Berlin
Eintritt frei

13. Juni, Lange Nacht der Wissenschaft, TU,
Institut fuer Land- und Seeverkehr (Berlin),
19, 20, 21, 22 und 23 Uhr:
fünf unterschiedliche Video-Schnipsel-Vorträge á 30 Minuten
„Von der Bahn bis zur Pipeline – Verkehrsalltag in Springfield“
mit dem Team des Verkehrswesenseminars.

So., 21.6. Bratislava, 15.00 Uhr Aktionsbox, Lesung Falko Hennig: "Alles nur geklaut", Podiumsgespräch Falko Hennig und und Michal Hvorecky: "1989, davor und danach", mit Publikumsdialog

Sonntag, 24. V. 09, sonnig:
Schreibtisch: Keine Halsschmerzen mehr, habs dafür ziemlich auf der Lunge und bin verschleimt, schon gestern hat das Rauchen nicht geschmeckt. Auch das hat natürlich seinen Vorteil, und doch wäre ich lieber gesund.
Dass ich bis gegen 11 schlafen kann, ist schon mal von Vorteil, gegen 12 aufs Dach, lese den Tagesspiegel und feile dann weiter an der Kardiologie-Chronik, dann an die Berliner Szene über den Regionalexpress, wofür ich mein Journal moderat plündere.
Wieder nackte Selbstporträts, die breite Hüfte und die schmalen Schultern, an diesem Missverhältnis ändert auch der Fußball nichts.
Datenpflege, Helmut Lehnert *1950 wechselt zur Bar jeder Vernunft, Deisinger hört auf. Konzipiere schließlich, aus Prokrastination vor der Simpsons-Exposé-Überarbeitung, den Lichtbildervortrag für nachher.
Sofa: Simpsons "Future-Drama": Zukunftsvisionen durch Astrologiemaschine von Prof. Frink, Dolph zählt Drogen auf, Ralf nimmt welche mit der Bowle und hat Halluzinationen. Otto fährt Limo unter Drogen. Als Homer mit Bart im Schwebewagen (Verkehrswesen) durch einen Quantentunnel fährt, haben sie danach Bender im Wagen.
"Der eingebildete Dachdecker", Stephen Hawking bei Moe, Gedankenblasen von Homer. Elektroschocktherapie bei Homer.
(Statisten-Aufenthaltsraum am Gendarmenmarkt, 25. V. 09:) Zur Reformbühne, Uli hat einen Leistenspitzenentzündung, aber mit Schmerzmitteln und Thaimassagen gehts.
Claudia Cabrera kommt mit ihrem etwas sauertöpfisch wirkendem Herbergsvater.
Wieder geben wir eine sehr gute Reformbühne bei, angesichts des Sommer- und Kaiserwetters, überraschend gutem Besuch. Manfred erinnert mit einem Lied daran, dass heute der 68. Geburtstag von Bob Dylan ist. Heiko zwingt uns zu einer entwürdigenden Lachperformance. Wiedersehen mit Daniela, aber leider ergibt sich kein Gespräch.


Montag, 25. V. 09, sonnig:
Statisten-Aufenthaltsraum, 6. Etage am Gendarmenmarkt, Mauer-/Ecke Taubenstr.:
Helden für einen Tag
Wieder mal Statist oder Komparse mit Business Kleidung, also zu meinem Jackett eine schwarze Hose, so sollen wir im schwarzen Bus warten. Für eine Vodafone Reklame haben wir auf dem Gendarmenmarkt Bowies "Helden" zu singen. Die unchristliche Uhrzeit, 7 Uhr sollen wir da sein!, ist schuld, dass ich vergessen haben, mir etwas zu lesen mitzunehmen.
Je nach Sichtweise erreicht meine Laufbahn als Statist heute einen neuen Höhe- oder Tiefpunkt, nach "Wir machen ein Faß auf" (Tierpark Berlin, circa 1975, Fernsehen der DDR), "Tropical Heat" (Elat, Israel, circa Januar 1992), 50 Schekel gabs damals, glaube ich, pro Nase, und ich musste in Badehose so tun, als wäre ich im warmen Florida. Und irgendwann war da noch ein Dreh in Pankow Heinersdorf, was mit diesem Schauspieler, der entfernt an Bismarck erinnert.
50 Euro beträgt die Entlohung für den Job, Montag Morgen treffen sich die Komparsen am Gendarmenmarkt. 9 Uhr gehts ins Hilton und die Business-Statisten werden in den Saal A, "Embassy of dreams" gruppiert, um ein Publikum für einen Laien-Sänger darzustellen.
Komme neben einer Schauspielerin und Mucical-Sängerin aus Wilmersdorf zu sitzen. Die Technik ist noch lange nicht eingerichtet, mit der Ressouce Mensch wird hier verschwenderisch umgegangen.
Ein circa 25jähriger Techniker posiert auf der Bühne für Kamera und Licht, auf seinem T-Shirt steht
KOPF
NUSS
SKATE
BOARDS
Überlebensgroß ist hinter ihm sein Kopf projiziert, er hat große Augen und einen ausgeprägten Adamsapfel. Wenn er in die Kamera schaut, ist es, als sehe er einen direkt an. Sechs der Komparsen schlafen, einer liest, eine Fotografin fotografiert.
Die zweite Regieassistentin: "Sascha, diese Marke? Die Box nehmwa raus. Macht Ihr mal alle Eure Telefone aus? Claudia, kannst Du mal mit Deiner Kreide ein Kreuz machen? Das Grüne könnte man sehen." Der englische Regisseur:
"This is good for a rehersal. Absolutely quite, please, telephones off!"
"Axel, kannst Du mal die Türen zumachen? Christian, bist Du okay?" Christian ist der Schauspieler auf der Bühne, er trägt ein grünes Polo-Shirt und dunkelblauen Anzug:
"Ne Flasche Wasser vielleicht noch, falls ich einen trockenen Mund bekomme."
"Kollegen Komparsen! Ihr hört ihm zu, ein ganz interessanter Vortrag, Ihr könnt Euch Notizen machen."
"We gonna shoot rehearsal." Christian singt:
"Ich, ich bin dann König
Und du, du Königin
Obwohl sie unschlagbar scheinen
Werden wir Helden für einen Tag" Die Regie-Assistentin:
"Ruhig die Köpfe zusammenstecken, damit es etwas lebendiger erscheint. Aufmerksamkeit nach vorne! Das ist ein interessanter Vortrag, der jetzt kommt!" Frenetischer Beifall. Christian schwenkt das Vodafone gelangweilt in seiner Hand.
"Am Anfang Applaus, Köpfe drehen, diskutieren!" Einer soll aufstehen, "Scheiße!", stöhnt er.
"Ihr Stehenden klatscht die ganze Zeit, den kompletten Take durch, bei "wo sie unschlagbar scheinen" steht Ihr alle auf und klatscht. Ich will jubelähnliches Klatschen aus der Zuhörerschaft. Quasi Jubel. Alle, die zwischen Januar und Juli Geburtstag haben, aufstehen! März bis September! Du und Du stehst noch auf! Die, die jetzt stehen, stehen auf, alle anderen bleiben sitzen."
Nach jedem Take wird das Material begutachtet und die jeweilige Aufnahme schallt durch den Saal, Christian hebt in gespielter Verzweiflung die Hände.
"Muss ich mir das anhören!", lacht er. Die Regie-Assistentin will mehr:
"Volle Energie, Jubel, Enthusiasmus! Das geht noch besser!" Dann: "Gut macht Ihr das!" Christian wackelt mit den Ohren.
"Nicht alle! Das ist mir zu viel jetzt mit dem Aufstehen."
Später müssen wir noch fünf Stunden in der Sonne auf dem Gendarmenmarkt stehen.
Umbaupause: "Außen rum! Nicht über die Schiene steigen!" Im Raucherraum erkennt mich der Tonmann, es ist der von Axel (sprich Äxel) aus der Choriner Straße. Wer denn nun den Kaisers wirklich abgefackelt habe, möchte er wissen.
Als es weiter geht, fragt die Statistin, die vorhin so eifrig ihren Text lernte:
"Wir sind alle Angestellte von Vodafone?"
"Das ist völlig egal, das ist nur eine Story."
Nochmal nur der Applaus und einige male nur die gesungenen Zeilen.
"Ganz kurze Ansage. Ich möchte die Komparsen noch bitten, sitzenzubleiben für ein Foto. Der Rest kann in den Komparsen-Aufenthalt und bekommt auch Mittagessen."
Nach 12 geht es herdentriebmäßig über den Gendarmenmarkt in den Aufenthaltsraum, angeblich soll es auch Essen geben, aber das sei sowieso meist nur Pasta mit roter Soße, weiß der Kleine, der im richtigen Leben Pädagoge ist und mit schwierigen Kindern wandern geht.
Ach, sagt der Mann, ich mache wohl eine Reportage? Manche hätten sich schon Sorgen gemacht, was ich da fotografiere und wie das mit den Rechten sei. Die haben Sorgen! Und das als Statisten, die alle hoffen, irgendwann entdeckt zu werden. Aber fotografiert werden wollen sie nicht.
Schön, dass ich mich angesichts der alles überwältigenden Sinnlosigkeit des ganzen Unternehmens wenigstens schreiberisch betätigen kann.
Sofa: Nur Ende einer wichtigen Folge über die Deutschen, die bei den Simpsons einziehen.
"Lisa Simpson: Superstar" Shakespeare's Fried Chicken Eimer. Traum von Lisa, in dem sie auf einem Einhorn reitend Itchy und Scratchy massakriert.
(Schreibtisch, 26. V. 09:) Beim Fußball spielen wir nach fünf Runden im Pulk ohne Training, leider verlieren wir als Defensive sehr hoch, das Ehrentor zum 1:5 gelingt Christoph erst ziemlich spät.


Dienstag, 26. V. 09, vormittags sonnig, nachmittags Gewitter:
Schreibtisch: Bis dreiviertel 10 schlafe ich, auch ohne Schlafmaske, bin arg verschnupft, aber sonst wohl.
E-Korrespondenz macht mir ziemliche Laune, FR hat Interesse an dem Stasi-Salon nächste Woche, Bruno aus Dresden schickt einen Focus-Artikel von 2004, aber mache ich mir nichts vor: Prokrastination, weil alles Prokrastination ist. Die Romane schrieb ich, um nicht abzuwaschen, abwaschen tue ich, um nicht aufzuräumen usw. Da mal ne Geschichte draus machen.
Aber nach einem Militärhistoriker tue ich mich um und verlasse gegen 2 die Wohnung, um noch etwas in der Charité zu recherchieren.
(Schreibtisch, 28. V. 09:) Ein Kunde im Weinerei-Café:
"Ich nehm so'n Stück Pizza."
"Die Pizza ist Johannisbeerkuchen, Pizza ist gegenüber."
"Dann son Brötchen."
In die Charité-Bibliothek, diesmal in die für Patienten. Prof. Dr. med Heinz David "...es soll das Haus die Charité heißen...", Band 2 (akademos, Hamburg, 2004), S. 1159 ff.: Die Behauptung, die Stasi sei der Motor der Transplantationstechnik der DDR gewesen ist eine fast banale Überspitzung, wie man sie mit gleichem Recht über die Mikroelektronik, Autobau oder die Landwirtschaft der DDR treffen könnte. Unbestritten ist die straffe, zentralistische Organisation und Leitung, die solche Vorhaben nur mit positiven Beziehungen zu den Machthabern möglich machte. (A?) Es gab keine staatlichen Eingriffe in patientenbezogene Entscheidungen. Die Medien allerdings zogen das Anfang der 90er Jahre in Zweifel, die Diskussion hatte weitreichende Folgen: 1993 beschloss der Berliner Senat, dass Lebertransplantationen nur noch am Rudolf-Virchow-Klinikum und Herztransplantationen nur noch am Deutschen Herzzentrum durchgeführt werden sollten. Die Charité legte dagegen Widerspruch ein, trotzdem verweigerten die Krankenkassen Zahlungen an die Charité.
An der Charité überwog der Eindruck einer politischen Entscheidung mit dem Ziel, der Charité ein wichtiges Arbeitsfeld zu nehmen und sie so bei der Neustrukturierung der Hochschulmedizin zu destabilisieren. Bis 1995 durften an der Charité noch Herzen, Nieren und Lebern verpflanzt werden, dann wurden die Transplantationsunterlagen der Patienten auf der Warteliste ans Virchow-Klinikum übergeben. 1997 fusionierten die medizinischen Fakultäten "Rudolf-Virchow-Klinikum" und "Charité" zur "Medizinischen Fakultät Charité der Humboldt-Universität zu Berlin". Ein Jahr später wurden auch die dazugehörigen Kliniken zusammengeführt.
Knut Holm "Das Charité-Komplott" (Spotless, Berlin, 1991), S. 43 ff. 1988 sechs Herztransplantationen ...
Lasse leider meinen Schirm dort stehen.
18.05 sitze ich ohne Fahrkarte mit klitschnassen Hosen im RegionalExpress nach Potsdam wegen eines unbestimmten Gefühls. Mein Vater ruft an, inzwischen fast täglich und ich empfinde das kein bisschen unangenehm.
Ein Mann lässt die Passagiere an seinem Arbeitsleben mittels Funktelefon teilnehmen: "Hier Glitzer ... Augenblick, die Verordnung selber? ... Ich hatte nichts auf dem Tisch ... Die Frist war heute? ... Wenn wir das morgen nicht hinkriegen, was heißt das? ... Bundesrat ...
(Schreibtisch, 28. V. 09:) Drei Wodka im Lokal reichen, neben etlichen Bieren, um mich ziemlich volltrunken auf den Heimweg zu schicken.


Mittwoch, 27. V. 09, bewölkt
Schreibtisch: Aufwachen und der Tag ist schön. Weiß gar nicht, wie ich diese Gefühle kanalisieren soll.
Unser Steuersystem ist völlig wahnsinnig, ich habe derzeit eine Steuernummer, eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer und eine persönliche Identifikationsnummer. Fotografiere die Steuererklärung für die Abrechnung der Statistengage.
(Schreibtisch, 28. V. 09:) Das Auseinanderklaffen von Selbst- und Außenbild bei uns allen und bei Hauke.
Langes Gespräch mit Samuel, Theodor war, wie alle einhellig bestätigten, äußerst schwierig und dass er so viel im Ausland war, lag eher daran, dass sie ihn möglichst weit weg haben wollten, am liebsten hätten sie ihn wohl auf den Mars geschickt. Seine langen, wirren Berichte, mit denen er die halbe Welt beschickte, aber die konnte man wenigstens noch in den Papierkorb werfen, während man ihm persönlich völlig ausgeliefert war.
Surfpoeten, als ich an der Bar stehe, spricht mich jemand wegen meines Trikots an: Ach, ich hätte gar keinen Gipsarm? Für ihn hat das so ausgesehen.


Donnerstag, 28. V. 09, bedeckt:
Schreibtisch: Gegen 11 auf, Kartoffelsuppe zum Frühstück, immerhin schaffe ich es, das Kardiologie-Kapitel zu öffnen.
Kann über den freundlichen Eberhard Grünert vom Ludwigsfelder Verlagshaus einen Militärhistoriker für ein Interview nächste Woche gewinnen.
Erst gegen 1 mache ich mich ans Abtippen meiner Aufzeichnungen von Dienstag bis gegen halb 2, nun zum JobCenter.
An der Unterhaltspflicht lässt sich wohl nichts rütteln, wenn man verheiratet ist, wie hätte mich das vor einigen Jahren noch verzweifeln lassen.
Sofa: Meine allabendliche Meditation: Die Simpsons "Angst essen Seele auf" mit leichten Tonstörungen: Fassbinder-Zitat, Geschichte: Briefmarkenmuseum. Homer hat ferngesteuerten Hubschrauber, mit dem er einen Spielzeugsoldaten aus Marges Haaren rettet. Sexgespräch Marge und Homer. Psychiater. Gesundheitwesen: Dr. Nick Riviera gräbt Leichenteile aus dem Friedhof aus. Alptraum von Lisa.
"Treehouse of Horror"
"Fabrik des Universums könnte dabei zerspringen", richtig: Struktur. Es ist dann doch erstaunlich, wie wissenschaftlich falsch die Sachen übersetzt sind, neulich die Träne in der Raumzeit (richtig: Riss). "Überleben der Fettesten", Burns fliegt in rotem Doppeldecker (Richthofen), Todesvision von Lenny, "Ich habe ein Kostüm auf Deinem Gesicht gezüchtet", Lisa als Einstein. Der alte Judenbursche.
(Kunst + Eis, 29. V. 09:) Klaus' Ausstellung in der Berlinischen Galerie präsentiert schon ein phänomenales Lebenswerk, Genialität des Einfachen, eigentlich muss man nichts erklären.
Kehre noch im Freudenhaus ein, Spaghetti Bolognese, Milan hat Schweinegrippe und am Nebentisch entscheidet sich die Zukunft eines freien Radios. "Dirty old town, dirty old town"


Freitag, 29. V. 09, wechselnd:
Schreibtisch: Verschleimung nimmt weiter zu, Berliner Zeitung. Immerhin bestelle ich 100 Prospekthüllen. Prokrastiniere bei Zigaretten, die mir nicht schmecken, vor mich hin.
Schlafe dann, träume davon, dass ich bei Jakob im Garten bin und aus einem überdimensionalen Rohr Gulaschsuppe auf einen Teller kippe. Plötzlich kommt ein Schwall, der mir das T-Shirt einsaut. Jakob hilft mir dann, zwei bis drei Teller werden voll, vom Grund des Rohrs kommt das Dicke.
Geweckt von Alexander Gutsche, der einen Animationsfilm zu Doc Schokos "Formular" gemacht hat und es ihm schicken will, ich möge ein gutes Wort für ihn einlegen. Aber das wird gar nicht nötig sein.
Vor dem Kunst + Eis, Zionskirchstr. 75: Wieder anderthalb Stunden FileMaker vorm Kunst + Eis: 1. Mahnung, 2. Mahnung, 1. Zahlungsziel, 2. Zahlungsziel, Felder definieren, Layout-Sachen.
Ecki kommt auf dem Weg nach und von Westberlin vorbei, er hat Forumschecks zu Westgeld getauscht und bringt eine spanische Spezialität mit, Schnaps vom Erdbeerstrauch.
Sofa: "Mamas kleiner Liebling": Bart, nachdem er gehört hat, dass der Vergnügungs-Pier abgerissen werden soll: "Und wo sollen die Junkies dann ihre Drogen nehmen?"
Homer: "Die lassen sich schon was einfallen, das ist eine starke Gemeinschaft."
Zukunftsvision von Marge, Bart und sie als Alte gemeinsam Karaoke singend.
"Der Sicherheitssalamander", bildliche Vorstellung von Homer, wie er mit dem Leatherbuddy eine Horde Piraten besiegt. Dolph von den Rowdies hat Hebräisch-Unterricht. Kunst: Die Rowdies haben Munchs "Der Schrei" geklaut. Schulpsychologe. Schöner Hubschrauberabsturz.
Garnisonsmarsch, bei dem die lethargischen Kinder zum Glück etwas aufleben und auch das neue Eis mit Schokoplättchen kommt gut an.
Dann versacke ich mit den Kindern vor dem Fernseher, "Der Gigant aus dem All" (USA 1999), ein freundlicher Roboter aus dem All bringt in Notwehr nur einige wenige Soldaten um und rettet dann eine Stadt namens Rockwell vor der Atombombe. Wir gackern ab vor "Upps! Die Pannenshow" und schließlich, da ziehen sich die Kinder aber zurück, Kommissar Wallander, "Die falsche Fährte", ein irrer Axtmörder meuchelt in Serie.
Scheitere mit dem Suchen und Finden der mit Signatur versehenen Bilder und leide moderat unter meiner Passivität vor mich hin.
Tagesthemen, Opel, muss zu meiner Schande gestehen, dass mich dieses Thema maßlos langweilt. 1500 Milliarden Euro Schulden, Merkel will die Pension von Ohnesorg-Mörder Kurras kürzen, wenn da nicht gleich noch ein Knaller kommt, werde ich mich zu einem Schlummertrunk ins Freudenhaus begeben.
(Schreibtisch, 30. V. 09:) Dort wird es schnell sehr nett, Aryon, Len zieht mit seiner Werkstatt in die Zehdenicker, schöne Anekdote von ihm mit Kohlen und Kaiser's, muss ich bei Gelegenheit aufnahmetechnisch abfischen. Gespräche führen und die aufnehmen? Das habe ich doch schon damals gemacht. Bei Jero, Ahne und den anderen kommt die Idee des Hausbuches sehr gut an. Drei Bier.


Samstag, 30. V. 09, bedeckt:
Kulturbrauerei, Alte Kantine, Kasse: T: Bin mit Jero in einer Ufo-Ausstellung, unter anderem die Reichsflugscheibe, im letzten Raum treffe ich Hartmut, habe ein Stück hochleichtes Polystyrol, das mir droht, nach oben zu fliegen.

Deutung nicht ganz einfach, einfache Erklärungen: Gestern mit Jero im Freudenhaus, davor mit den Kindern die Pannenshow, in der ein Nuckel mit Heliumballon aus dem Mund des Lutschers davon flog. Was Hartumut in dem Traum soll ist mir allerdings völlig dunkel. Ob es wirklich etwas geben kann, was so viel leichter als Luft ist, dass es bei kleinem Volumen mit großer Kraft nach oben strebt? Glaube es nicht.
Schreibtisch: Beim Fußball ist es enttäuschend, Günther, Nilsson und die beiden Sebastians sind da, Anwalts-Sebastian gibt beim Kleinfeldspiel 3 gegen 2 schnell zu, dass es ihm keinen Spaß macht und so löst sich die Gruppe sehr unbefriedigt auf.
Kulturbrauerei, Alte Kantine, Kasse: Frank kommt auf Swinger-Clubs zu sprechen, formlos treffen oder so ähnlich, hatte sogar schon mal Gruppensex, allerdings als Jugendlicher. Aber immerhin. Wenn ich sowas nicht hatte, dann hatte ich wohl auch noch keinen Sex mit Männern? Doch, hatte ich, aber nur drei mal.
Schreibtisch: Beim Fußball schlage ich mich einigermaßen, halte einen Elfer und schürfe mir bei der Rettung eines anderen Torschusses Knie und Ellenbogen auf und stauche mir den linken großen Zeh. Mangels Frau habe ich meinen armen Kindern die blutenden Male zu zeigen.
Anruf von Papa, bei ihm in der Wohnung sieht es aus wie in einem Feldlazarett an der Ostfront, aber Verbandswechsel nur noch alle zwei Tage und zum Arzt muss er auch seltener. Er bietet an, uns am Montag von Ludwigsfelde, Kristall-Therme, nach Rangsdorf zu fahren.
Kulturbrauerei, Alte Kantine, Kasse: Zurück zu Den Simpsons "Marge und der Frauenclub": Gedankenblase von Homer als Delfinbändiger, Rückerinnerung von Millhouse an seine Kindheit in der Toskana. In Burns' Safe liegen 12 Fabergé-Eier.
"Der italienische Bob" ist Tingeltangel-Bob als Bürgermeister in der Toskana.
Wie gern würde ich noch bei meinen mampfenden Kindern bleiben, denen der Kartoffelbrei und der gemeinsam bereitete Salat vorzüglich mundet, und mit ihnen fernsehen! Aber die Pflicht ruft mich an die Kasse des Kantinenlesens.
Dort habe ich nach dem Abtippen der heutigen Notizen keine richtige Ausrede, mich nicht endlich mit dem Simpsons-Exposé zu beschäftigen.


Sonntag, 31. V. 09, wechselnd:
Pult: Heldenhaft kämpfe ich den Abwasch nieder, dem Zwang und der Einsicht ins Unabänderliche gehorchend.
Die Schürfwunden entwickeln sich unterschiedlich, am Ellenbogen hat sich das ganze dunkel, fast schwarz verschorft während es am Knie noch hellrot suppt. Humpel etwas wegen des gestauchten Fußes.
Sofa: Bei Annas Umzug werden wir erfreulicherweise nicht gebraucht und radeln zurück, pünktlich bevor ein Platzregen niedergeht.
Simpsons "Simpsons Weihnachtsgeschichten": Rückerinnerungen, erzählt von Homer: Epispokal-Kirche, Marge als Maria, Homer als Joseph, Lisa als Engel, Burns als König Herodes, Dr. Nick Riviera als Tierarzt. Bart als Jesus-Kind verwandelt Wein in Wasser. Erfindung des Weihnachtsbaums. Energizer-Reklame. Von Granpa an den 2. Weltkrieg, als Burns den Weihnachtsmann abschießt. Riesenschlange. Maggie bekommt einen Matt-Groening-Hase. Gedankenblasen von Hausmeister Willie. Krusty Fernsehaufnahme von 1964. Serie von Selbstmordversuchen von Moe.
"Wer ist Homers Vater" Jahresbilder der Simpsons auf dem Sofa, Pythons im Stadtbrunnen. Illusionäre Verkennung/Halluzination von Marge (Verkehrswesen), als sie den Einwurfeimer der Mautstation als gefräßiges Monstermaul sieht. Johnny Cash singt "Ring of Fire" als die Autoreifen verbrannt werden. Rückerinnerung: Schatzsucher Mason Fairbanks erzählt vom Untergang eines Schiffes. Hubschraubeer auf Fairbanks Schiff. Krake, Blinky und andere Mutationen auf dem Meeresgrund. Rückerinnerungen von Homer an seinen sozialen Vater.


Pfingstmontag, 1. VI. 09, tropisch:
(Benjamin-Franklin-Klinikum, Warteraum 3146, 2. VI. 09:) Grit hat geträumt, dass die Mäuse krank wären und schwarz-weiße Pickel hätten. Ich dagegen von einem Klassentreffen, auf dem ich gefragt werde, wer ich denn sei? Erkenne auch niemanden außer Liane Mieps.

Erst hinter dem Naturkundemuseum fällt mir auf, dass ich mein Portmonnee vergessen habe, aber wir haben Glück und werden auf der Fahrt nach Ludwigsfelde nicht kontrolliert. Papa fährt uns in die Kristall-Therme, "Das heißeste Erlebnis in Preußen!".
Beim Schwimmen, mehr noch beim Relaxen mit Ella und Lisa in der Sonne Erinnerungen an die alte Schwimmhalle in der Potsdamer, dieses Ornamentbild, wie das Wasser in einer Rinne ablief, die Föne, einmal diese Rundumhauben, dann dieses vierkant-Rohr, die Badekappen aus Gummi und etwas eleganter, die aus Stoff für Sportler, dann meine pupertäre Homosexualität, eher latent als manifest, das U-Boot, ein Eis-Café mit diesem Namen, weil es Fenster zum Becken hatte.
Sofa: Tag des Vergessens: Erst mein Portmonnee zu Hause, die Haarbürsten der Kinder in Papas Auto, "Becks letzter Sommer" und mein A4-Notizbuch bei Mutti auf dem runden, eigentlich 8eckigen Gartentisch.
Nun ist es also soweit, es war klar, dass es so kommen musste: Meine erste externe Festplatte ist voll. Hat natürlich gewisse Vorteile, so den, dass ich nach diesem geglückten Tag nicht noch mit dem Kopieren meiner gigantischen Tondateien prokrastiniere, denn mein Vorhaben ist, nun endlich vor "Hellboy" (USA 2003) an dem Simpsons-Exposé zu arbeiten. Werde jetzt nicht noch recherchieren, wo ich den überall schon gesehen habe, einmal jedenfalls auf Kuba.
So, back to the roots, arbeite ich bis gegen 1 daran, komme gut durch, recht befriedigend. Vor "Horst Bucholz ... Mein Papa" (D 2005), mit Adoptivvater im Prenzlauer Berg aufgewachsen. Seine Ehefrau siezt sowohl ihn als auch ihren Sohn, ob sie auch jemanden duzt? Ja, manchmal duzt sie sogar ihren Sohn, vielleicht ist sie einfach im Deutschen nicht so stark. Sie hat ihn sogar bei seiner Geburt gesiezt, weil ihre Mutter sie immer gekniffen hat, wenn sie jemanden duzte. Seine Tochter hört auf den exotischen Namen Simran Kaur Khalsa und trägt einen unvorteilhaften Turban. Der Sohn hat einen, nachvollziehbar anklagenden Impetus, aber da der Vater verstorben ist, versucht er ihn bei der Mutter anzubringen, bei der er ins Leere läuft. (Dach No. 9, 2. VI. 09:) Seine Mundwinkel immer unten, "Ich trinke zu viel Wasser." Ob die Schrauben des Sohnes lockerer sind als die seines Vaters bleibt offen. "Ich heiße Horst, die Zeit von Hotte ist vorbei." Er träumte viel von seinem Tod.


Dienstag, 2. VI. 09, sonnig:
Dach No. 9: T: Muss beruflich mit sehr vielen Taschen verreisen, sehr viel mehr, als ich allein tragen kann, werde immer hin und her laufen müssen. Sitze mit Karl an einem Gemeinschafts-Frühstückstisch, Matthias und Jürgen kommen herein, der verschwindet aber sofort wieder, er wolle nicht reden. Karl mitfühlend, mit einem Liebhaber werde es später doch besser, oder? Es macht aber nicht den Eindruck.

Üppiges Frühstück, Spiegeleier mit Schinkenspeck auf Quarkstullen, an die Anmeldung für den Stasi-Event morgen, dabei Datenpflege in Bezug auf Droemer Knaur, Recherche nach der LaCie-Festplatte, 500 Gigabyte müssten für eine Weile reichen. Aufs Dach an die Kardiologie.
Schreibtisch: Ausdrucken, nun zum Mediamarkt, eine neue Festplatte kaufen, dann nach Steglitz zu Prof. Schultheiss. Hoffentlich vergesse ich nicht wieder, das Aufnahmegerät einzuschalten.
Benjamin-Franklin-Klinikum, Warteraum 3146 von Professor Schultheiss: Kaufe dann doch nur eine 320-Gigabyte-Festplatte, die leider nicht einmal funktioniert, als ich in der S-Bahn meine Tondateien draufschieben möchte.
Vor dem Oranium direkt in meinem Fotomotiv sitzen Habib, Markus und eine sonnenbebrillte Blondine und rauchen Lucky Strike. Hallo und wohin des Wegs?
Eine halbe Stunde vor Termin nach wieder mal nervendem Herumsuchen (Wieso sind die Herren Mediziner und ihre Sekräterinnen so gänzlich unfähig, eine Anfahrtsbeschreibung zu geben, mit der man ihre geheimen Räume auch findet?) endlich im Wartezimmer, um auf dem H2 noch etwas Platz für die Aufnahme zu schaffen. Ansonsten kann ich mich mit einem schönen Spaziergang durch Lankwitz trösten, den ich hier machen konnte.
Während die Dateien kopiert werden tippe ich etwas an meinen gestrigen Notizen herum.
Schreibtisch: Frau Johnson: Eine halbe Stunde vor Termin habe sie versucht, mich zu erreichen, der Termin müsse leider abgesagt werden. Warum erfahre ich nicht, dieser Schultheiss klaut mir, einfach so, einen Tag meines Lebens. Bekomme einen Termin mit einem Vertreter von ihm für morgen und versuche, mich nicht zu sehr zu ärgern.
Beim zweiten Anlauf gelingt es, meine LaCie mobile disk Hi-Speed USB 2.0 320 GB zu formatieren und sichere endlich mal wieder meine Daten. 20000 Fotos zu kopieren dauert 2 Stunden.
Mit Daniel ist es komisch am Telefon, das Gefühl, dass wir uns gründlich missverstehen, so von Medienhure zu Medienhure.
Papa: Siethen Rasen Großfeld Ü38 von Ludwigsfelde mit Bus nach Siethen, versuche die Sportfreunde damit und mit Fontane zu locken.
Ich habe mir den ganzen Aufwand mit Hartz IV umsonst gemacht.
Schreibtisch: Zu Hause weiter kopieren. Was fange ich nun eigentlich mit der vollen externen Festplatte an? Liegt wahrscheinlich jetzt nur noch sinnlos rum.
Vorhaben für heute Abend: Das Simpsons-Exposé rund machen. Erst wenn ich das fertig habe, darf ich wieder an eine Chronik.
Mein Rechner ist jedenfalls von der Kopiererei an seinen Grenzen. Ich werde zum Abendbrot eine Bockwurst bei Kaiser's essen.
Sofa: Finde ein stark vergilbtes Exemplar in dem Presse-Shop in der Zionskirchstraße und in der Tat ein bösartiger Text, aber wie dagegen anstinken?
Fritz J. Raddatz wirft Joel Agee und seinen lesenswerten Erinnerungen "Zwölf Jahre, Eine amerikanische Jugend in Ostdeutschland" unter anderem mangelnde Reflektion und geschichtliche Ungenauigkeiten vor. Vor fast zehn Jahren und immer wieder bis zu seinem Tod hat mir der norddeutsche Schriftsteller Walter Kempowski, mein väterlicher Förderer, Joel Agees "Zwölf Jahre, Eine amerikanische Jugend in Ostdeutschland" empfohlen, es war eines seiner Lieblingsbücher. Umso erfreuter las erst ich und dann meine Familie in der gerade erschienen Wiederauflage, weil wir gut nachvollziehen konnten, weshalb Kempowski dieses Buch so gemocht hat. Wir haben mit Spannung und Vergnügen unsere Erinnerungen und die von Agee an die Gegend und die Zeit verglichen, da wir damals nicht weit entfernt lebten, wenn auch nicht als Teil der Nomenklatura. Da sowohl mein Vater als auch ich als Historiker und Publizisten arbeiten, gefiel uns besonders die historische Faktengenauigkeit. Wir können mit Herrn Raddatz nicht übereinstimmen, für den das Buch "Blamables Geschwätz" ist. Einem kleinen Jungen vorzuwerfen, dass er sich nicht detailliert für Visa- und Einreisedetails sowie Valutatausch interessiert, geht am Wesen literarischer Biografien vorbei. Das exakte Zeit- und Sittenbild von Agee ist bunt, menschlich und poetisch ohne etwas zu beschönigen. Auch an ein Land wie die DDR sind solche Reminiszenzen möglich und nötig.
Bin sehr unzufrieden mit den Sätzen, sollte sie morgen noch mal durchgehen. Stattdessen schicke ich sie direkt ab.
Erst gegen halb 11 an das Simpsons-Exposé, durchaus in stabiler und positiver Stimmung. Aber zur Sicherheit nüchtern doch noch mal drüber lesen, außer wenn es sich nur um Leserbriefe handelt.
Monks Stufen der Trauer, als sein Therapeut die Praxis aufgeben will: Leugnen, Wut, Verhandeln, Akzeptanz.
Gegen halb 12 endlich fertig mit dem Exposé, wie so oft eine schwere Geburt, aber hat, als ich erstmal drin war, wieder Spaß gemacht. Jetzt werde ich mal wieder gut schlafen, kann von meinem Simpsons-Buch und den großen Erfolgen träumen, die ich damit erreichen werde.
Eine Zufriedenheit, die ich mir einwecken sollte für die Zukunft oder zumindest für den morgigen Tag.


Mittwoch, 3. VI. 09, bedeckt & kalt:
Schreibtisch: Inspiriert von der Aufschrift eines anonymen Modells im Foyer des Universitätsklinikums Benjamin Franklin:
Das Universitätsklinikum Benjamin Franklin, das seit 2003 als Campus Benjamin Franklin zur Charité gehört, wurde mit amerikanischer Hilfe zwischen 1959 und 1969 in Westberlin als Klinikum der Freien Universität errichtet. Klinik und Lehre sowie die einzelnen Klinikteile sollten in dem ersten großen Krankenhauskomplex Europas eng vernetzt sein, in dem sich alle Kliniken, Institute und Hörsäle unter einem Dach befinden.
Sofa: Die Kantine des Klinikums ist ungefähr so anheimelnd wie eine Todeszelle.
Befürchte schon das Schlimmste, als Frau Karnatz mich vorbereitet: Sie wisse nicht, ob er den Termin noch halten kann, Herr Tschöpe sei noch beim Chef. Café Kapelle, Zionskirchplatz:
Carsten Tschöpe:
Ich bin der stellvertretende Klinikdirektor und leitende Oberarzt Professor Carsten Tschöpe in der Abteilung für Kardiologie, Klinik Nr. 2, Charité, Campus Benjamin Franklin. Interessant ist, dass ich seit 1996 hier in diesem Gebäude am selben Arbeitsplatz tätig bin, aber dreimal meine Visitenkarte ändern musste. 1996 war es das Klinikum Steglitz der FU Berlin, circa 1999 wurde befürchtet, dass das Klinikum geschlossen wird bzw. seinen Universitätsstatus verliert, was dramatisch gewesen wäre. Historisch das ehemalige Militärkrankenhaus, Geschenk der Amerikaner, umbenannt in Benjamin-Franklin-Klinikum, dann Campus Benjamin Franklin.
Als 1994 Professor Schultheiss an die Kardiologie kam, hatte die interventionelle Kardiologie extreme Fortschritte gemacht. Haupttodessursache in den westlichen Industrienationen, also auch in Deutschland, sind die kardiovaskulären Erkrankungen, vor allen Dingen der Herzinfarkt. Der Vorgänger von Prof. Schultheiss Name???? hat die Behandlung des Herzinfarktes vor allen Dingen durch Lyse???-Therapien verbessert. Prof. Schultheiss hat im Zusammenhang mit dem Rettungshubschrauber eine 24-Stunden-Herzkatheter-Bereitschaft eingerichtet.
Zeit ist Herzmuskel, je schneller man das Gefäß weitet, desto geringer ist der Schaden, desto mehr Herzmuskelmasse wird überleben. Für Mitte der 80er Jahre war es ein toller Fortschritt, es mit Lyse???-Medikamenten zu versuchen. Als man hier anfing, gab es Meinungsverschiedenheiten darüber, ob die Lyse???? ausreicht oder man noch nachts kathetern müsse oder aber ob es ausreicht die Patienten zu kathetern, die sich nicht stabilisieren.
Heute muss jeder Patient, der einen akuten Herzinfarkt erleidet, sofort kathetert werden und die weltweiten Zielvorgaben besagen, dass ein Gefäß nach 90 Minuten wieder geöffnet sein muss. Dafür muss das Rettungssystem mit Hubschrauber und NRW???-Netz perfekt sein und mit einem Rendezvous-System, Katheterarzt treffen, wenn das in einem Ballungszentrum wie Berlin funktioniert, werden Leben gerettet. Mitte der 90er eingesetzt um weltweite Standards zu erreichen.
Verbesserte Labordiagnostik bei Herzinfarkten durch Parameter Troponin T???, der viel sensitiver drohende Herzinfarkte erkennen lässt. So können wir in der 24-Stunden-Bereitschaft drohende Herzinfarkte sofort kathetern. Ungefähr 6000 Interventionen im Jahr, Versorgung von 700 bis 750 akuten Herzinfarkten nur hier in Südberlin.
Es gibt noch Mitte Professor Baumann???, Buch bzw. Campus Virchow Professor Dietz. Historisch bedingt durch Vereinigung, wird man in Zukunft ökonomisieren und zusammenlegen, eher ein trauriges Thema.
Geburtsjahr Virchowsche Trias?
Entwicklung der Stents. Unbedingt rein: besonders dieser Standort: genaue Untersuchung von Patienten mit einwandfreien Gefäßen und kranken Herzen nach Viren und Entzündungsprozessen, um Patienten mit dilatativer??? Kardiomöopathie???, also Ventrikelerweiterung und schlechter Pumpleistung genauer zu diagnostizieren.
Weiterentwicklung, außer der Untersuchung von Koronarien??? und Herzfunktion bekommt die Kardiologie immer mehr devices, um Herzklappen, sowohl vitral??? als auch Aortenklappe perkutan??? ohne Herzchirurgen zu reparieren.
Ist eine Domäne der Herzchirurgie, aber bei steigendem Alter statt Brustkorb öffnen ein Stent-Verfahren.
Entwicklung regenerativer, sogenannter Stammzellen-Therapien, da hat die Charité vom Berlin Brandenburger Centrum für Regenerative Therapien (BCRT).
Aufgeteilt
Alle Berliner Herz-Standorte haben Hauptversorgung der Koronarien zu gewährleisten, also Akut-Katheter, Stents einsetzen, Herzinfarkte verhindern.
Ansonsten Steckenpferde, unseres ist die dilatativer??? Kardiomöopathie???, also die der Herzmuskelerkrankungen, die hauptsächlich durch Entzündungen verursacht werden. Wir arbeiten besonders eng mit dem BCRT zusammen, wollen also auch regenerative Verfahren entwickeln, weniger für den Herzinfarkt als für Patienten mit einwandfreien Gefäßen und Herzmuskelerkrankungen.
Was machen die in Buch eigentlich?
Die Rhythmologie hat sich sehr weiter entwickelt, das Behandeln von Herzrhythmusstörungen, besonders das Appladieren??? (Abbrechen?) des häufigen Vorhofflimmerns. Es gibt jetzt elektrische Verfahren, die ursächlichen elektrischen Kreisläufe zu veröden und so für Ruhe zu sorgen. Hat sich in den letzten vier bis fünf Jahren entwickelt.
Vorhof-Ablation
1986, 1990,
Unter Dr. Schirdewan (*19??) haben 1990 an den Centren, die jetzt zur Charité gehören, die Hochfrequenz-Ablationen begonnen, die Mitte der 80er Jahre erstmals beschrieben und experimentell getestet worden waren.
Schirdewahn: Sowohl in Steglitz als auch Ostberlin an der Akademie der Wissenschaften.
Wir sind die allerersten, die Patienten die eine Herzmuskelstörung aufgrund einer virusbedingten Entzündung mit Interferon behandelt haben.
Die erste Thrombolyse, die kurz Lyse genannte medikamentöse Auflösung eines Blutgerinnsels weltweit wurde durch den Vorgänger von Professor Schultheiss Herr J. Schröder (*19??), im Steglitzer Klinikum verwirklicht, das 2003 mit der Charité fusionierte.
Ära Schultheiss (siehe oben!)
Ausblick: Klappenintervention, Stammzellen-Therapie. In Deutschland bei Patienten führend.
Wenckebach??? Münchener? Forßmann zu spät.
Kardiologische Abteilung, Charitéplatz 1, EKG-Labor.
Aussichten: Auslotung der Stammzellentherapie, gibt Zweifel. Vielleicht eher Weiterentwicklung von Stents, die sich selber auflösen, um keine Metallteile in den Gefäßen zurückzulassen. Stent mit Medikament, wodurch die Arterie sich nicht wieder verengt. Klappentechnologie für nichtherzchirurgischen Bereich, neuartige Medikamente, Genanalysen zur Diagnose und Einstellung der Medikation, effektivere Polytabletten mit vier bis fünf Wirkstoffen für bessere Compliance der Patienten, zusätzliche Geräte und Devices, Perfukan????-Defibrillatoren (???) mit integrierten herzmuskelverstärkenden Systemen. Weiterer Ausbau der Rhythmologie.
Forschung bei Stammzellen- und Gentherapie nötig, um es erfolgreich zum Patienten zu transportieren.
Iron Heart Zusatzherzpumpe, wir transplantieren ja nicht, baut nur Herr Hetzer ein.
Herzchirurgische Fragestellung an Herrn Konertz.
Elektrophysiologie.
Dr. Pels Antrittsvorlesung "Geschichte der Kardiologie",
Schreibtisch: Gegen Dreiviertel 1 bis halb 2 Mittagsschlaf, dann Stichprobenüberprüfung der Fotos auf meinem LaCie, bevor ich sie auf der Buffalo-Festplatte lösche.
Café Kapelle, Zionskirchplatz: Wobei ich dann in der Kapelle den Papierkorb noch zu entleeren habe. Ärgerlicherweise in der Aufnahme von heute morgen ein Tonfehler ausgerechnet in der Vorstellung, wie kann so etwas kommen? Ist wichtig genug, aber könnte noch wichtiger sein. Die letzten Worte von Albert Einstein, und dann funktioniert das Aufnahmegerät nicht!
Es war dann doch nur ein Abspielfehler beim Kopieren.
Davor habe ich im Weinerei-Café einen Teller Italia-Attacke mit Broccoli, Kartoffeln und Möhren gegessen, der, obwohl ohne Fleisch, an Chili con Carne erinnerte.
Ab halb 3 an die Arbeit, das wird heute ein ganz schön harter Tag, wenn ich da die 9000 Zeichen für die FR noch einrechne. Die Karriere kommt wieder in Fahrt.
Gegen halb 5 bin ich erstmal durch das Gespräch, sehr hilfreich, nun beginnt die richtige Arbeit.
Schreibtisch: Durch Überarbeitung etwas wie in Trance durch die Kastanienallee, No. 68 Fenster mit Klebekunst, zu Lidl, Zitronen, Joghurt und Kartoffeln und zurück zu mir.
Sofa: Stasi im Salon
(Falls zu kurz, von den Fotos nachtragen!)
Auf die Ankündigung des Berliner Tagesspiegels zu seiner "Zeitung im Salon" waren die hundert Karten innerhalb einer Stunde verkauft. Die glücklichen Gewinner bekommen im früheren Gebäude des DDR-Innenministeriums in der Mauerstraße Sekt und dünne Brotstangen namens Grissini und wandern so ausgestattet durch die Exponate der Stasi-Ausstellung in dem Haus, das einen umständlichen und bürokratischen Namen trägt: "Informations- und Dokumentationszentrum der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik".
Die Schautafeln für heutige Ausstellungsgewohnheiten etwas zu textlastig geraten. Dafür sind die Vitrinen mit interessanten Materialien gefüllt, die eine Ahnung vom Ministerium für Staatssicherheit vermitteln.
So steht denn ein Sektglas auf der Vitrine mit den berühmten Geruchsproben in Einweckgläsern.
Oder ein besonderes Diktiergerät, mit dem die Spitzel arbeiteten und das mangels einheimischer Produktion aus den USA importiert worden war, allerdings hatten die amerikanischen Hersteller die Verwendung im sozialistischen Lager mitbekommen und in kyrillischen Buchstaben eine Botschaft auf den Schaltkreis geätzt, dokumentiert von der Staatssicherheit: "Wann hört ihr endlich auf zu stehlen, eigene (wahrhaftige) Entwürfe sind besser." Ein ähnliches Armutszeugnis für den Stand der ostdeutschen Schlüsseltechnologie ist der Drucker mit der Aufschrift des DDR-Mikroelektronik-Konzerns "robotron", bei dem die Importeure bei der "Neutralisierung" des westlichen Produkts das Geräteschild übersehen haben: EPSON, Made in Japan.
14 Euro sind in Berlin kein unverschämter Preis für die Besichtigung einer Ausstellung, einer Einführung des Leiters, dazu ein Podiumsgespräch und Lesung und Grußworte von Marianne Birthler.
Dr. Peter Boeger trägt einen Trachtenjanker und ist Leiter des Zentrums, sozusagen einer Filiale der Stasi-Behörde, und gibt einen Überblick über die Ereignisse vor den Demonstrationen 1989, die das Ende für die DDR, ihre Einheitspartei und ihren Geheimdienst einläuteten. Die besonders sinnlos und auffällig gefälschte Kommunalwahl und das Massaker auf dem Tiananmen-Platz, die massenhafte Ausreise über die Botschaften in Warschau, Budapest und Prag, den Protesten vor den Stasi-Zentralen in Rostock bis zu der missglückten Ansage von Schabowski, bei der nur die Amerikaner sofort begriffen, dass die Mauer auf ist.
Aber die DDR existierte weiter, die Stasi sollte als "Amt für Nationale Sicherheit" weiter agieren, bis im Dezember mutige Bürger die Stasi-Zentralen besetzten und die Hauptamtlichen von ihren Aktenvernichtungs-Aktionen vertrieben. Am 15. Januar 1990 wurde die Normannenstraße überrannt und die Stasi musste ihre Arbeit endgültig einstellen. Nun sollten die Akten öffentlich gemacht werden, um das MfS zu delegitimieren, also sozusagen dekonspirieren. Eine historische Aufarbeitung sollte stattfinden und bei Tätern im öffentlichen Dienst überprüft werden, ob sie noch tragbar seien.
Das Stasi-Unterlagengesetz ist die juristische Grundlage, um die 178? Kilometer Akten, anderthalb Millionen Fotos, Videos, Tonbänder und Einweckgläser mit gelben Staublappen...
Gerade das mit den Geruchsproben, bei Kapitalverbrechen findet Boeger es noch okay, aber bei Jugendlichen, die Parolen an die Wände malen? Ein Pinsel wurde in einem solchen Fall dem Spürhund vorgehalten, als Böger den Stasi-deutschen Fachbegriff "Geruchsidentifizierungshund" nennt, gibt es Gelächter. Jedenfalls war der Köter erfolgreich.
Die Stasi hatte besondere Rechte, durfte verhaften und hatte eigene Gefängnisse. ...
(Sofa, 4. VI. 09:) Bis in die 50er Jahre hielt sich die Stasi an die sowjetische Methode: Verhaften, Verhören, Verurteilen. Doch dann wollte die DDR diplomatisch anerkannt werden und dabei war es hinderlich, dass sie Leute einfach verschwinden ließ. Die neue Strategie hieß "Zersetzen", es wurde gemobbt und fertig gemacht.
Boeger führt ein Beispiel von einer Ärztin an, die auf Ausreise spekulierte. Bei ihr wurde konspirativ eingebrochen und dabei gezielt Spuren hinterlassen, indem man Fernseher und Gewürzgläser verrückte. Gleichzeitig brachte man Gerüchte über ärztliche Fehler ihrerseits in Umlauf. Die Zersetzung war erfolgreich, die Ärztin wurde in den Suizid getrieben.
Ich erinnere mich an meine Tante und ihre Tochter, meine Cousine. Die Mutter bekam einen Anruf, ihre Tochter sprach, aber sie stand neben ihr. Vielleicht war in der DDR nicht paranoid, wer sich verfolgt fühlte, sondern wer glaubte, es sei alles nicht so schlimm. Und das war die Mehrheit.
Peter Boeger legt Wert auf die Feststellung, dass die Zersetzungstaktik nicht nur in der DDR, sondern auch im Westen funktionierte. Wieder erinnere ich mich, eine andere Tante hatte sich in einen westdeutschen Montage-Arbeiter verliebt, der sie als Mann verkleidet mit dem Pass eines Kollegen in den Westen schmuggelte. Noch Jahre lang, bis zum Ende der DDR, bekam er immer wieder Anrufe, niemand meldete sich, doch die Nationalhymne der DDR wurde abgespielt. Die Nachricht war nicht misszuverstehen: Wir haben Dich nicht vergessen, irgendwann kriegst Du Deine Strafe! Im Gegensatz zu meiner Tante, wagte er sich nicht mehr auf Besuch nach Ostdeutschland. Wir hielten ihn für paranoid, aber in Wirklichkeit waren wir es.
Boeger: Jürgen Fuchs erhielt in Westberlin anonyme Anrufe, Versicherungen, Pizzadienste, alles Denkbare wurde ihm auf den Hals gehetzt. Fuchs starb an Leukämie, unbestritten ist, dass psychosozialer Stress schwerwiegende Krankheiten auslösen kann.
Eine junge Frau wollte 1969 im Bauch einer ausgestopften Kuh in den Westen fliehen, nach Jahren im Stasi-Knast hat sie Angst bis heute: "Um Gottes Willen, nennen Sie nicht meinen Namen!" Für seinen 21jährigen Sohn ist das so weit weg wie die französische Revolution, aber diese Leute leben noch.
Am 3. Oktober 2010 gebe es hier einen neue Ausstellung, zu der wir herzlich eingeladen sind.
19.45 ist der Saal fast voll, Soundcheck, komme ziemlich knapp, um überhaupt noch einen Sitzplatz zu bekommen.
Marianne Birthler spricht ein Grußwort: "Wir freuen uns immer, wenn wir die Bude voll haben." Eine Ausstellungerneuerung sei überfällig. Sie lobt Jürgen Schreiber und sein Buch "Die Stasi lebt" über Menschen, die sich nicht zu schade waren, mit der Stasi zusammenzuarbeiten. Aber man möge bedenken, dass der Auftraggeber der Stasi die SED, diese nur "Schild und Schwert der Partei" gewesen sei, nicht etwa der Bevölkerung oder der Verfassung. Die Werdegänge der Geheimpolizisten zeige das Unvermögen zu kritischer Einsicht. Das Thema sei keine abgeschlossene Geschichte, sondern berührt und beschäftigt bis heute. Ihr kommen in der Diskussion auch im aktuellen Fall Kurras die Auftraggeber, also die SED, zu kurz.
Wissenschaftler ihrer Behörde haben zur Westarbeit der Stasi Arbeiten vorgelegt. Das MfS war die erste gesamtdeutsche Institution ihrer Art, für die Stasi gab es Freund und Feind im Osten und im Westen.
Ohne Medien wären sie in der Aufarbeitung der SED-Diktatur nicht halbsoweit wie sie sind. Im Verhältnis zwischen Stasi-Unterlagen-Behörde und Medien müssten letztere ihnen auf die Finger schauen. Die Medien nehmen nicht nur ihre Dienstleistung in Anspruch, sondern seien auch Partner. Sie dankt dem Tagesspiegel und Jens Giesecke für die Teilnahme an der Diskussion.
Redaktionsleiter Gerd Appenzeller zeichnet sich durch die feinen Manieren und den edlen Zwirn eines hanseatischen Konsuls aus und führt trotz gewisser Probleme mit Mikrofonen und Raumklima souverän durch den Abend. Die Veranstaltungsreihe "Zeitung im Salon" müsste eigentlich "Buch im Salon" heißen, sie waren mit passenden Themen schon in der "Distel" und in der Pathologie. Er hofft auf nicht ganz so dumme Fragen, aus dem Publikum wird gerufen: "Dumme Fragen gibt's nicht!"
Nie mit dem Auto, meist mit dem Rennrad unterwegs, kenne niemand so viele Bahnhöfe wie mit vielen Preisen ausgezeichnete Jürgen Schreiber, Jahrgang 1947.
Er beginnt mit der Lesung der Opfergeschichte über Jürgen Fuchs, der an eine Verstrahlung glaubte, die Sektion Kriminalistik der Humboldt-Uni, eine Stasi-Institution, hatte durchaus zur "Schädigung durch Beibringung radioaktiver Stoffe" geforscht.
"Öngtariör"
"Das lyziferische Dokument", die Angst, die Furcht vor Verstrahlung spricht für sich.
20.05 Uhr gibt es Probleme mit den Mikros. "Aufstehen!", fordern einige Damen, als würde es damit lauter werden. Noch eine quietschende Rückkopplung, dann gehts.
Jens Giesecke tut sich schwer mit dem Verdacht und gibt zwei vorläufige Antworten. Es sei nicht ausgeschlossen, dass sie solche Pläne entwickelt hätten, immerhin haben sie einen Fluchthelfer mit Thallium, Rattengift vergiftet. Eine Arbeitsgruppe um Sebastian Pflugbeil konnte keine Anhaltspunkte für radioaktive Vergiftung finden. Ein Quentchen Unsicherheit bleibt, vielleicht für die Ewigkeit. 178 laufende Aktenkilometer.
(Verbindung zum Essen!)
Appenzeller: "Normalerweise wird bei "Zeitung im Salon" Essen serviert, das zum Thema passt. Ich habe keine Ahnung, was es gibt."
Marianne Birthler verschwindet.
"Die literarischen Köche von eßkultur servieren Rotkäppchensekt, Grissinni, Hühnerfrikassee mit Reis, Rharbarbersaft und Mineralwasser"
Den Besuchern des Salons schmeckt es ausgezeichnet, sie stehen mit den Tellern zwischen Bildern von Menschen aus der Tschechoslowakei, an die erinnert wird, und den Stasi-Exponaten.
Schreiber: Helmut Kohl, "Der gläserne Riese", am 5. Dezember 1989 wurde Kohl zum letzten mal abgehört.
Giesecke: Guillaume war nicht der gewichtigste Spion, sondern Rainer Rupp bei der Nato, sein Führungsoffizier war früher über die Nato-Pläne informiert worden, als die Nato-Generalsekretäre.
Appenzeller beim Wechsel der Mikrofone: "Das ist eine Variante von Volkseigentum, die wir hier praktizieren."
Schreiber über die Tochter, die ihren eigenen Vater in die DDR lockte, wo er unter der Guillitone in Dresden endete. Sie hat ihn mit zwei Kriminellen besoffen gemacht. Sowohl die Tochter als auch der Führungsoffizier leben noch, sie hat ihn sogar geheiratet. Sie wohnen im 11. Stock, immer wieder ist er hoch und runter gefahren, ehe er sich traute, zu klingeln. Sie wusste nicht, was mit ihrem Vater geschehen war. Bei dem einstündigen Gespräch bellte er von hinten immer rein. Es war für Schreiber eine so grauenvolle Geschichte, dass er seitdem nirgends mehr klingeln kann.
Schlechtes Gewissen? Ein Telefonüberwacher, der an der Verhaftung eines Soldaten schuld war, der 12 Jahre im Militärzuchthaus absaß, zeigte Reue.
Ein Zuschauer will wissen, ob über ihn Nachforschungen angestellt werden. Schreiber glaubt das nicht, es habe sich rumgesprochen, dass er sie hart anfasst, aber fair ist. Er hat sie anonymisiert, aber bei Generalmajor Schubert und anderen besonders grauenhaften Hauptamtlichen auch die richtigen Namen genannt.
Oberst Rataizick vom Gefängnis Hohenschönhausen bereut keinen Tag seines Dienstes und rühmt die medizinische Abteilung und wie viel Geld sie für Medikamente ausgegeben haben.
Ihm gedroht: Wenn er morgen nicht vorm Café Einstein stehe, dann veröffentliche der Tagesspiegel seine Personalakte. Eine halbe Stunde musste Schreiber warten, während der Ex-Stasi-Mann ihn beobachte, so mache er das immer, sagte er ihm dann.
Gröllmann/Mühe.
"Guten Heimweg und Danke, dass Sie da waren."
Auch als ich als Republikflüchtiger schon im Westen war und endlich, nach ewiger Zeit, eine Telefonverbindung mit meinem Vater zustande kam. Der fragte mich nach der Zahlenkombination meines Fahrradschlosses, als ich die Zahl sagte, vermuteten die Mithörer der Stasi eine Geheimnachricht und unterbrachen das Gespräch.
Sofa: Das Durchschnittsalter ist 60.
Treffe Steffen Mayer wieder, der inzwischen Pressesprecher bei Stasis ist, aber weiß nicht mehr sicher, woher ich ihn kenne. Tippe auf einen Herrenabend.
(Sofa, 4. VI. 09:) Insofern ist es mit meiner anonymen Teilnahme nicht so weit her. Auch, wie hysterisch ich mich anfangs hier beim Einlass gebärdete, hat sicher nicht zu meiner Unauffälligkeit beigetragen. Außerdem sind neben mir noch mindestens vier Journalisten anwesend.
Warum das Ganze nur so kalt lässt? Sind es allein die 20 Jahre, die seit der Wende vergangen sind? Ist es die Ausstellung oder meine Müdigkeit, gegen die ich ich kämpfe?
Sofa: Nach 10 bin ich wieder bei mir, die Nachtschicht beginnt mit dem Abtippen, aber gegen 12 mache ich Feierabend, morgen wird ein langer Tag.


Donnerstag, 4. VI. 09, wechselnd, Schafskälte:
Sofa: Sie hat schon drei Künstler kennen gelernt, die überzeugt sind, Wiedergeburten von Leonardo da Vinci zu sein.
Etwas zäher Verkehr auf der Avus, ein Stau vor und Herumgurken in Hildesheim.
Schreibtisch: Nach 7 abends den Rechner an, immerhin klappt es jetzt mit der programmierten Aufzeichnung der Simpsons.
Sofa: Kurz zu Heidi, die Kinder können zum Glück bei ihr bleiben, was mir wegen des noch lange währenden Arbeitstages und des Interviews morgen sehr recht ist.
Die Vorstandswahl geht kurz und schmerzlos ab, bekomme von Andrea "Kirche und Hausbesetzungen", herausgegeben von der Gemeindeberatung im Kirchkreis Kreuzberg, Pfarrer Jürgen Quandt und Pastor Klaus-Ekkehard Gahlbeck (Berlin, ca. 1983) geschenkt.
David Carradine hat sich aufgehängt, da wird die Weihnachtsfrau in Wedding sehr traurig sein.
An den Stasi-Salon vor "Deep Impact" (USA 1998) bei Sternburg Export, das Leben ist weiterhin gut zu mir. Ich bin als Schreiber glücklich, was machen mir 12 Stunden Autofahrt und eine gewisse Müdigkeit, so lange ich schreiben kann ist alles gut. Und in 50 Jahren deckt es der grüne Rasen.
Halb 12 bin ich mit dem Abtippen fertig, nun also an die Endfertigung gehen, 12000 Zeichen auf 9000, besser 8500 zusammenkürzen. Wie immer muss das eigentlich Interessante heraus.
20 nach 12 bin ich mit dem Text fertig, ziemlich gut geworden, es war die viele Mühe wert. Eine Text-Collage für die Zeitung, gibt schlimmere Tätigkeiten.
Nach halb 1 ans Kopieren meiner neuen Bilder auf Buffalo.
Es geht stark auf 2 ehe ich fertig bin. Ein schöner Arbeitstag geht zu Ende.


Freitag, 6. VI. 09, sonnig:
Schreibtisch: T: Mit Schulklassen bei einer Veranstaltung, will sie aufnehmen, doch genau in diesem Moment zerfasert sie. Lese in einer Pause bei einer Graffitti-Menge, dass es doch wohl die Höhe von Simpsons- und Marihuana-Verherrlichung gewesen sei, dass Marios Klasse verschwunden sei, weil sie nur noch Farben gesehen haben.

Interview mit Jürgen W. Schmidt aus Oranienburg zu den Geheimsendern, lohnendes Material, was Robert und ich da für unser Feature aufnehmen können.
Eis.
Kopieren des Interviews auf Buffalo und Dropbox, hört sich gut an.
Sofa: Bratkartoffeln mit frischem Schnittlauch, leider etwas zu viel Fett, dazu eine Bockwurst für mich, Wiener für die Kinder, als Nachtisch frische Erdbeeren mit Bourbon-Vanille-Eis.
Dann sitze ich mit den Kindern vor "Goofy - Der Film" (USA 1995) und mache mich an das Herrn Rutschky versprochene Sortieren der Fotos, oder zumindest das Versehen mit Signatur.
Komme bei meinen bisherigen digitalen Bildern bis Oktober 2007, als ich so viele Bilder verlor. Die toten Bilder darin lassen sich zwar von GraphicConverter rekonstruieren, aber es sind nicht die richtigen. Dann an die Sichtung von Papas Videokassette mit Chikas Film, fast wird mir etwas klamm. Dazu habe ich auch ein gewisses Recht, stellt sich doch heraus, dass auf der Kassette besagter Film gar nicht drauf ist, stattdessen ein Pupertätsfilm von Chika.
Signature noch die kompletten Fotos von 2007, das Jahr war gar nicht so schlimm.
Hätte das Freudenhaus offen, wäre ich wohl nun wieder schwach geworden mit dem alkoholfreien Tag, den ich mir nicht einmal richtig vorgenommen habe. So bleiben mir noch das Fernsehen, zwei Zigaretten und Schreibers Stasi-Buch. Jedenfalls drehe ich den Laptop 20 nach 11 aus, pünktlich zu den Tagesthemen.
(Schreibtisch, 6. VI. 09:) Sehe noch den von Pfaff gespielten Psychotherapeuten Bloch, dessen Tochter einen Wahnsinnigen heiraten will, der seinen Kopf gegen die Wand haut und sie schlägt, sich die Hand am Herd verbrennt, seiner ersten das Gesicht zerschnitten hat, Bloch in die kochende Wanne und in einen See schubst, um ihm mit einem Ruder zu erschlagen. Seine Mutter kam bei seiner Geburt um und sein Vater hat gesoffen und ihn nicht geliebt, das ist die Erklärung.


Samstag, 6. VI. 09, wechselnd:
Schreibtisch: T: Ein Concert in einem Garten, 10000e Zuschauer, die Musiker der Band, die sich schon lange getrennt hat, tuscheln. Schließlich hält der eine eine Rede, trotz 5000 Zuschriften, in denen die Wiedervereinigung der Band gewünscht wird, würden sie getrennt bleiben.

Nach dem Frühstück finde ich meinen Stasi-Artikel in der online FR, erfreulich, anonsten animiert mich merkwürdigerweise Uli Hannemanns Blog dazu, wieder eine Chronik zusammen zu kürzen.
Was ich beim Vergleich mit den Tagebüchern anderer sehr beruhigend finde: Dass meine Chronik auch nicht schlechter ist als denen ihr Zeug.
Nach 1, Kinder kucken Super RTL.
Sofa: Fußball, ärgerlich spät tröpfeln die Leute ein, anfangs spiele ich sehr zufriedenstellend, schieße ein Tor, ein Pass wird von Matthew verwandelt, auch noch einige Torschüsse, das wars in etwa. Immerhin keine neuen Verletzungen.
Mit Lisa ins Haus der frohen Zukunft, 3 Astra bei Kathrin Passig, kann Lisa dazu animieren, mir verschiedenes in mein Notizbuch zu zeichnen und mit mir eine Kissenschlacht im Haus der frohen Zukunft zu veranstalten.
Nehme "Harald Juhnke, Entertainer" (D 2008) auf, Rabindranath Tagore und Karl May, ein Statement zu Juhnke von Peer Schmidt, inzischen 83, der saß sogar schon mal bei mir im Publikum, damals mit Wolfgang Draeger bei dem Juhnke-Abend.
Man könnte durchaus eine gewissen Frühvergreisung bei mir diagnostizieren, wie ich hier sitze und vor mich hin sumpfe. Werde mir jetzt Chips holen.
Gegen Dreiviertel 10 an die Chronik.

www.Falko-Hennig.de

JEDEN SONNTAG, Kaffee Burger, Berlin, 20 Uhr: Reformbuehne Heim & Welt.

Lesebühne trifft Struwwelpeter:
"Sieh einmal, hier steht er"
Berliner Literaten lesen aus dem Struwwelpeter
Samstag, 13. Juni 2009, 15 Uhr
Ausstellungsraum
Haus Potsdamer Straße 33, 10785 Berlin
Eintritt frei

13. Juni, Lange Nacht der Wissenschaft, TU,
Institut fuer Land- und Seeverkehr (Berlin),
19, 20, 21, 22 und 23 Uhr:
fünf unterschiedliche Video-Schnipsel-Vorträge á 30 Minuten
„Von der Bahn bis zur Pipeline – Verkehrsalltag in Springfield“
mit dem Team des Verkehrswesenseminars.

So., 21.6. Bratislava, 15.00 Uhr Aktionsbox, Lesung Falko Hennig: "Alles nur geklaut", Podiumsgespräch Falko Hennig und und Michal Hvorecky: "1989, davor und danach", mit Publikumsdialog

Montag, 11. V. 09, bedeckt:
(Dach No. 9, 24. V. 09:) MR verschmäht meine Sahnetorte nicht, er genießt insgesamt das Rentnerleben, liest viel, bei alten Notizbüchern gebe es die Gefahr, dass sie austauschbar würden, nichts von der Zeit, aus der sie stammen, transportieren. Einigen uns für seine Homepage auf drei Serien á 20 Stück von Rosenthaler Platz (rangezoomt), meinen Kindern auf dem Sofa und meinen Füßen.


Dienstag, 12. V. 09, sonnig:
(Schreibtisch, 19. V. 09:) Zu meinem morgendlichen Termin im Arbeitsamt bei Frau Horn-Tewes, ich komme, wie eigentlich erwartet, glimpflich davon, zwei eigentlich reizvolle Jobangebote gibt es für mich, als Journalist und als Pressereferent. Die Kosten für Vorstellungsgespräche werden nach Antrag übernommen, Arbeitgeberförderung, ich verpflichte mich, 10 Bewerbungen im Monat mit einer nachvollziehbaren Liste zu belegen. Eigentlich werde ich wohl wirklich bis Oktober Ruhe haben und ich bin sicher, dass so für das Jobcenter wie auch für mich die beste und ökonomischste Variante gewählt ist.


Donnerstag, 14. V. 09, sonnig:
(Dach No. 9, 24. V. 09:) In der S-Bahn nach Buch rauchende und unter Drogen stehende Polen, keiner sagt was gegen sie, ich auch nicht. Fotografiere Kinder.
(Schreibtisch, 15. V. 09) Interview mit Prof. Dr. med. Friedrich Luft, Berlin Buch:
1992 berufen worden nach Berlin Buch um eine Klinik für ...Nephrologie... Gene, die für Herz-Kreislauferkrankungen verantwortlich sind, zu fahnden. Untersuchungen an Patienten und Probanden durchzuführen. Nun bin ich 17 Jahre hier und mich gibts immer noch.
Stimme der Kritik Friedrich Luft.
Mein Vater war Mediziner. Ich habe meinen Onkel gut gekannt, mit ihm ins Theater gegangen. Sonntag Morgen ist er früh aufgestanden, 9 Seiten abgelesen, Heiligabend 1990 gestorben, war jede Woche dabei, nie gefehlt.
1947 mit dem Schiff. Vater Nanga Parbat Expedition 1937/1938 habilitiert, wie können Leute bis zu 8000 Meter im Flugzeug noch funktionieren.
Nanga Parbat falls das Ihre Leser interessiert.
70 Jahre gedauert.
Nieren liegen ja unterhalb des Zwerchfells, interne Milieau, insofern sind wir nicht so weit auseinander gedriftet.
Ich bin nicht so viele Jahre an der Charité, ich bin berufen worden an die FU. Die fünf Klinika hier draußen wurden dem Rudolf Virchow Klinikum zugeschlagen.
Die damalige Charité in Mitte wollte uns nicht haben. Sozialistische Einheitsuniversität unter dem Decknamen Charité.
Erfahrungen?
Kartelle für Industrie, IG Farben, kann man Preise kontrollieren, tötet Wettbewerb. Boston so groß wie Berlin 3 medizinische Fakultäten und die schlechteste ist prima.
Ich habe in Berlin nie einen langweiligen Tag.
Geburtsstunde der Berliner Kardiologie.
Geschichtsbücher über die Charité. (Mit Forßmann Porträt verschränken!) Interessante Geschichte von der ersten Herzkatheter-Untersuchung der Welt von Werner Forßmann (1904-1979) Bezirkskrankenhaus in Eberswalde gegen die Wunsch seines Chefs. Mit Hilfe eines Assistenten den Katheter, der eigentlich für Harnleiter bestimmt war, in die Vena Cephalica (Armvene) eingeführt. Glück gehabt, dass die Katheterspitze in die Vena subclavia (Schlüsselbeinvene) gerutscht ist, so dass sie im rechten Vorhof landen konnte. Mit diesem Katheter im Arm zum Röntgen runter gewandert Aufnahme mit Katheter im Herzen. Veröffentlichung in der "Deutschen Klinischen Wochenschrift" hat viel Aufruhr, Proteste erregt. Von Ferdinand Sauerbruch an die Charité geholt und zwei mal gefeuert worden, weil Sauerbruch die Hitze über diese Thema nicht ertragen konnte.
Forßmann abgedriftet Urologie Moabit, Mainz.
Im gleichen Heft der "Klinischen Wochenschrift" 1929 ist eine zweite kleine Arbeit von einem jungen Mediziner jüdischer Herkunft aus New York namens Moses Swick (1900-1985). "Darstellung der Niere und Harnwege im Röntgenbild durch intravenöse Einbringung eines neuen Kontraststoffes". Auch nicht an der Charité, in einer urologischen Abteilung des St. Hedwig-Krankenhauses, Entwicklung eines Kontrastmittels namens Uroselectan, wollte eigentlich ein Kontrastmittel finden, das die Gallenblase darstellt und hat zu seinem Erstaunen stattdessen beide Nieren, Harnleiter und Blase gesehen. Erste Kontrastmittel für Röntgenuntersuchungen, so kann man heute Gefäße darstellen.
Robert Koch war bei der Charité auch nicht gern gesehen, sondern Angestellter im Gesundheitsamt.
Ich möchte nicht zu giftig sein, damit ist ja auch niemandem geholfen.
Verzögerung, erste Herznaht.
Aufstieg der Nationalsozialisten, ein Drittel der Fakultät jüdischer Herkunft. Während des Krieges Kliniken der Charité ausgelagert worden nach Buch, Ferdinand Sauerbruch.
Stellung der Charité in DDR, Ostblock, Welt? (Noch andere fragen!!!).
Nach dem Modell der Sowjetunion Forschung in Akademie der Wissenschaften, von der Regierung kontrolliert und beobachtet. Universitäten Ausbildungsstätten, Spitzenforschung in diesen Akademien, draußen in Buch, nicht an der Charité, für Herz-Kreislauf-Medizin, wo wir nach der Wende berufen worden sind, von der Universität separat, Unis nicht geheuer, Studenten, Freiheit, rauchen und trinken zu viel.
Kardiologie an der Charité nicht innovativ.
Da ist gute Kardiologie gemacht worden, im Rahmen der Möglichkeiten alles so gut gemacht wie im Westen. Dialyse eingeführt worden in der DDR, Hauptexperte in Rostock, die Dialysemaschinen, die ich hier gefunden habe, als ich kam, funktionierten prima, die konnte man von einem Lastwagen runter schmeißen auf die Straße und sie liefen weiter. Da war ein Herzkatheter-Messplatz in Mitte und hier draußen. Als sie mit dem gleichen Schnickschnack wie im Westen hatten, haben sie genauso gut gearbeitet.
Herzschrittmacher.
Erste Herzschrittmacher in Europa sind von Schweden entwickelt worden. In USA wurde hauptsächlich von Chirurgen geforscht, wenn sie am Herzen operierten, haben sie manchmal die Bahnen zerstört, die elektrische Signale schicken, damit das Herz regelmäßig kontrahiert. Bei Beschädigung Herzblock, ein endogener Schrittmacher von weiter unten muss das übernehmen, der läuft viel langsamer als normale Schrittmacher, so genannter Ersatzrhythmus, oder es passiert gar nichts, dann schlägt das Herz nicht mehr.
Erst waren Elektroden von außen an das Herz angenäht, heutzutage Kathetertechnik, wo der Stimulationsdraht innerhalb der Herzkammern liegt. Sehr raffiniert. Mehr als ein Areal im Herz stimuliert, um kraftvollen Rhythmus zu erzeugen.
DDR-Entwickler haben bestimmt wenige Jahre nachher solche Geräte auch eingeführt.
Transplantationen?
Die Technik ist Standard, konnten Entwicklung nachvollziehen und schnell einsetzen. Nierentransplantationsprogramme in Mitte und in Rostock so erfolgreich wie sonst in der Welt.
Nierenbiopsie, Probe entnehmen durch eine perkutane Nadel in die Niere zu stechen um einen Zylinder für Mikroskopie zu entnehmen frühe Entwicklung der 60er Jahre. Auch diese Technik ist erst in Schweden entwickelt worden. Vor Mauerbau besuchten Ärzte aus dem Westen ihren Kollegen Rudolph Natusch in Buch, um diese Technik von ihm zu lernen.
Rehn
Ludwig Rehn
Sauerbruchs Unterdruckkammer hirnrissige Idee.
Erste Herz OP
Erste OPs für Herzkrankheiten nicht am Herzen, es gibt kongenitale Ritzien (???) wo das Blut an der Lunge vorbei geht, weil Löcher im Herzen sind, zyanotische Herzerkrankung im rechts-links-Stand, Alfred Blaylock (?) Nebenschluss zwischen der Arteria subclavia (Unterschlüsselbeinarterie) und der Pulmonialarterie, so dass Blut von der Unterschlüsselbeinarterie zur Lunge geführt wurde, die so genannte "Blaubaby-Operation" erst Ende der 40er Jahre. Erste Operation für eine Herzkrankheit innerhalb des Brustkorbes. Ritzien (??), diese Löcher im Herzen reparieren. Tabaksbeutelnaht oder nähe ich einen Flicken darüber? Dafür ist eine Methode nötig, das Blut am Herzen vorbeilaufen zu lassen, ohne dass der Mensch stirbt. Dafür brauchte man eine Herz-Lungen-Maschine, eine Pumpe, um das Blut am Herz und der Lunge vorbeizuführen. Damit die Organe nicht sterben, musste das Blut auch mit Sauerstoff angereichert werden.
Die erste Maschine ist von John Gibbon (???) enwickelt worden und die erste Operation fand 1956 statt.
(Wann an der Charité?)
Davor hat man am offenen Herzen operiert, Clarence Walton Lillehei hat das Kind und die Mutter mit gleicher Blutgruppe narkotisiert und Herz und Lungen der Mutter als Herzlungenmaschine benutzt, das so genannte Cross-circulation-Verfahren, gefährlich, weil gleich zwei Menschen dabei sterben können.
In den 50er Jahren gab es die Maschinen und man hat gelernt, wie man das Herz stoppt und wieder startet. Schrittmacher sind in den 60ern entwickelt worden.
Thrombosen an den Koronarien mit Eigengefäßen aus den Beinen zu umgehen ist auch eine Entwicklung der 60er Jahre des Argentiniers Baravolo (???) von der Cleveland Clinic.
Die erste Herztransplantation von Christian Bernard von 1965 (?) nicht erfolgreich.
Ein sehr geduldiger ... Norman Shamway (???), Vor- und Nachbereitung der Patienten, ihm ist es zu verdanken, dass es erfolgreich werden konnte. In den 90er Jahren 300 Leute vorführen konnte, die 10 Jahre und länger überlebt haben.
Kunstherz ist problematisch, Chirurg Defries???, Jarwick 7 hieß das Herz, (googeln)
Helferherzen, assist device, Helferpumpe, scheint Zukunft zu haben. Herz besteht aus rechter und linker Pumpe, ... Bei Herzinsuffizienz funktioniert meist nur die linke Kammer nicht, die rechte und die Vorhöfe könnte den Körper noch erhalten. In diese Richtung könnte es gehen.
Herr Hetzer...
Sauerbruch und Unterdruckkammer, Lungen expandieren wegen eines Unterdrucks, wenn ich ein Messer hineinsteche, kollabiert das wie ein Ballon in einer Schachtel (zeichnet es auf).
Da kamen Engländer und fragten: "Bist Du wahnsinnig?" Schlauch in die Luftröhre und Blasebalg, positiven statt negativen Druck, so wie es heute bei jeder Vollnarkose geschieht. Da kann man ohne weiteres den Brustkorb öffnen.
Wahnsinnig aufwändiges System, dass keiner auf der Welt es benutzt hat.
Sauerbruch kein großer Held, wissenschaftlich uninteressant. War ohne Zweifel ein Wichtigtuer. (weist auf das Buch über die Nazizeit hin)
Begründer der Nephrologie war Franz Volhard (1872-1950), Ordinarius für Innere Medizin an der Universität Frankfurt/Main, der sich als erster mit der Klassifikation der Nierenerkrankungen beschäftigte. Bis 1914 wurde nur pauschal von Nierenversagen gesprochen ohne Differenzierung.
Die Idee, die Nierenfunktion zu ersetzen, Dialyse, kommt von Georg Haas (1886–1971), Oberarzt an der Universität Gießen 20er Jahre, war der erste, der Patienten mit
folgend noch zu Nieren,
(Schreibtisch, 15. V. 09:) Das habe ich ja lange nicht gemacht, stellt Ella fest, als sie etwas von dem Interview hört und sie meint, dass ich so was aufgenommen habe und abschreibe.
Sofa: Breche das Unternehmen aber aus Textekel 10 nach 10 ab, um im Freudenhaus noch einen Schlummertrunk einzunehmen.
Auch muss ich feststellen, dass eigentlich Montag schon Abgabe des Kardiologie-Kapitels ist, habe leider mit meiner Dermatologie-Recherche ordentlich Zeit verloren. Jetzt ist also effektives Arbeiten gefragt, manana.
(Dach No. 9, 24. V. 09:) Täglich überwuchert der Alltagsscheiß das Wichtige, was ist dieses Strümpfe kaufen im H&M Gesundbrunnen und Lebensmittel einholen gegen Friedrich Luft und den Nanga Parbat? Drei Bier und "Germany's Next Topmodel" (Mandy wird wohl das Rennen machen.) gegen die Liebe? Die Ewigkeit sollte mir wichtiger sein als so etwas. Wenigstens jetzt um Mitternacht sollten mir unsterbliche Zeilen einfallen. Aber meine Töchter interessieren mich zu sehr. Was bleibt vom Tage? Meine Fotografien, Tonaufnahmen und look at these!


Freitag, 15. V. 09, sonnig:
Schreibtisch: Halb 8 habe ich nur noch die sehr kleine Ausrede, aus Gründen der Öffentlichkeitsarbeit meine Chronik fertigstellen zu müssen, um mich vor der Kardiologie zu drücken.
Prokrastination überall und ständig.
Halb 9 gehe ich das Interview mit Friedrich Luft durch.
Bis halb 1 sitze ich und habe das Gefühl, mich maßlos zu verzetteln, aber bei Licht betrachtet komme ich gut voran.
Sofa: Arbeite eigentlich bis an meine Grenzen, merke es an den brennenden Augen. Schicke die Büchersendung an Wallraff ab, ob er mir mein Poesiealbum zurückschickt, obwohl ich kein Rückporto beigelegt habe? Kaufe mir 30 Stück von der schönen Ringelnatz-Marke für 85 Cent, perfekt für Büchersendungen. Kontostand schon wieder bedenklich, muss trotzdem 50 Euro Bargeld abheben.
Simpsons: "Der Tortenmann schlägt zurück" (15. V. 09), Massentierhaltung, Countrymusik, Selbstbezüglichkeit von Homers Gedankenblase, illusionäre Verkennung: Kuchen sprechen zu Homer.
"Die erste Liebe", Rückerinnerung von Homer, im Ferienlager, Karl, Lenny und Moe. Marge und Homer haben jeweils schöne Trips durch Liebes-Endorphine.
(Dach No. 9, 17. V. 09:) Während die Kinder den Walt-Disney-Film, dann noch die Pannenshow und eine Sitcom auf SuperRTL kucken, telefoniere ich in der Küche über eine Stunde mit Prof. Joachim Witte (*1936) aus Roggentin, dabei Zigaretten rauchend und eine Flasche Rotwein trinkend, alles fürs Herz!
Er hat 1964 an der Charité als Assistent begonnen und arbeitete, abgesehen von einem viermonatigen Aufenthalt in den USA 1986, bis zu seiner Emeritierung 2004 (???) im Haus.
Herz-Lungen-Maschine: Der Pionier der deutschen Kunstherzforschung und Organtransplantation Emil Sebastian Bücherl (1919-2001) operierte 1957 als Erster in Deutschland in der Chirurgischen Universitätsklinik der Freien Universität in Berlin am offenen Herzen mit diesem Gerät, in der Folge auch an der Charité sowie Patienten, die ihm von dort überwiesen wurden.
Diese wichtige neue Operationsmethode mit Herz-Lungen-Maschine wurde an der Charité 195? (???) in Mitte erstmalig vom Nachfolger Sauerbruchs ???? Werfling (von-bis????) und ???? Wernke (von-bis????) durchgeführt.
1960/61 Operation am schlagenden Herzen, Sprengung der Mitralspinose.
Schrittmacher: Senning hatte zwei Transistoren, die in einer Schuhcremedose mit Epoxydharz ausgegossen waren.
1961 erste erfolgreiche Implantation in Deutschland.
Oktober 1963 erste Implantation in Düsseldorf. ????
Im März 1964 schloss Werfling die Chirurgie ab, um ungestört als erster an der Charité Mitte am offenen Brustkorb einen Schrittmacher englischer Produktion einzupflanzen, eine eigene Entwicklung war noch zu teuer.
Joachim Witte hatte als junger Student selber Radios gebastelt, was als Qualifikation ausreicht, um ab ??? dort als erster eine regelmäßige Sprechstunde für Herzschrittmacher-Patienten abzuhalten.
1965 tauchte ein Patient auf, dem auf einer Urlaubsreise in Heidelberg ein Schrittmacher eingepflanzt worden war, daraus ergab sich eine Freundschaft mit dem Westberliner Ingenieur Max Schaldach (1936-2001), der als Student im Keller seinen ersten Schrittmacher gebastelt hatte.
An der Charité in Berlin fand Max Schaldach 1968 gemeinsam mit einer Gruppe von Ärzten eine Methode zur Fixation einer Elektrode im Vorhof.
Trotz der Mauer konnte die Charité bis 1972 mit ihm und seiner Firma Biotronik zusammenarbeiten, als Schaldachs Fluchthilfe, er flog eine Mitarbeiterin der Charité über Jugoslawien in den Westen aus, eine weitere Kooperation aus politischen Gründen unmöglich machte.
(Schreibtisch, 18. V. 09:) Max Schaldachs Biotronik global Player mit 3500 Angestellten, mit Flugzeug abgestürzt, Sohn gleichen Namens führt Unternehmen weiter.
Schrittmacher on demand, AV-synchrone Schrittmacher, Zweikammerschrittmacher, zur Wende gab es eigenen Schrittmacher mit integriertem Defibrillator bei Kammerflimmern, also internem Elektroschockgerät.
(Dach No. 9, 17. V. 09:) Honeckers Faible für Mikroelektronik und die Hoffnung der überalterten Funktionäre, von der Technik persönlich zu profitieren, begünstigte die Entwicklung der Herzschrittmacher in Ostdeutschland, so dass ab 1984 mit den DDR-Schrittmachern der 3. Generation das ersehnte Weltniveau erreicht war, Witte: "Wir waren wesentlich moderner als im Westen."
(Schreibtisch, 18. V. 09:) In der DDR gab es die billigste, komplikationsärmste und wissenschaftlichste Schrittmacher-Therapie.
Witte gründete als erster eine landesweite Arbeitsgruppe Schrittmachertherapie mit 12 Kliniken und einer jährlichen Tagung sowie eine Datei aller Schrittmacherträger, bei der alle Neuimplantationen und Komplikationen gemeldet wurden. Sein Erfassungssystem wurde von der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie übernommen. Die Planwirtschaft ließ zwar keine höhere Stückzahl an Schrittmachern als in Westdeutschland zu, aber die Komplikationsrate war um 30% niedriger. In der Anzahl lag die DDR zwar hinter Ländern wie den USA, aber noch vor Portugal oder Groß Britannien. Auch war der Anteil an Zweikammerschrittmachern sehr hoch.
Verantwortlich war das Ministerium für Elektrotechnik und Elektronik, die auch für Atomkraftwerke und die Einfuhr von Transistoren zuständig war. Witte hatte die Schrittmachertechnik mit dem Ministerium zu koordinieren. Wie es dabei in der Planwirtschaft menschelte, illustriert die Entwicklung der Lithiumbatterien, bei einem Treffen zum 25. Abitur-Jubiläum traf Witte einen Oberschullehrer für Chemie, der inzwischen in Pirna Batterien für den Bergbau herstellte und Witte brachte ihn dazu, sich mit der Schlüsseltechnologie zu befassen: "Wie wärs denn mit Schrittmacherbatterien?"
Unter Schwierigkeiten wurden in der DDR anständige Schrittmacher hergestellt.
Nach der Wende wechselten fast alle Techniker zu Biotronik.
Prof. Werner Porstmann, Radiologe, Herzkathetisierer und Angiografiker, hat bei angeborenen Herzfehlern Linksherzkathetisierung eingeführt, der vorgeburtlicher Kurzschluss zwischen Lunge und Arterie, der sich normalerweise verschließt, Ductus Botalli, und Vorhofseptumdefekt operiert.
Prof. Heinrich Günther, Oberarzt und Abteilungsleiter der Kardiologie, Chef der kardiologischen Gesellschaft der DDR gewesen und gleich nach der Wende nach Westberlin gezogen.
Aus http://www.krischenowski.de/herzschrittmacher-info/geschichte.htm
Geschichte der Herzschrittmacher:
1958: Die Schweden Elmquist und Senning implantieren als erste einen voll implantierbaren Schrittmacher. Er ist in Epoxidharz eingegossen; die Energiequelle ist ein Nickel-Kadmium-Akkumulator, der immer wieder extern aufgeladen werden muss.
1960: Die Akkumulatoren der Schrittmacher werden mit Quecksilberoxid-Zink ausgestattet, die Funktionsdauer erhöht sich auf 14 Monate.
1961: Erste erfolgreiche Implantation eines Herzschrittmachers in Deutschland
1962: Erster Prototyp des Zweikammerschrittmachers
1962-1965: Entwicklung und Einsatz einer Sonde (Elektrode), die durch eine Vene ins Herz eingebracht wird
1965: Erster Schrittmacher, der nur bei Bedarf stimuliert
1970: Zeitweilige Nutzung der Kernenergie zum Betrieb implantierbarer Schrittmachersysteme beginnt
1972: Lithiumjodid-Batterien erhöhen die Funktionsdauer deutlich. Das Implantat kann nun auch von außen programmiert werden
1972-1979: Optimierung von Größe und Gewicht mit Hilfe mikroelektronischer Technologie, um den Komfort für die Patienten zu erhöhen
1979: Telemetrie ermöglicht es dem Arzt, den Batteriezustand und die Elektrodenfunktion ohne chirurgischen Eingriff zu überprüfen
1983: Schrittmacher mit Bewegungssensor
1986: Schrittmacher mit Temperatursensor
1991: Fraktal beschichtete Elektrode ermöglicht die optimale Signalübertragung zwischen Elektrode und Herz
1992: Erster Herzkreislauf-Schrittmacher - ist integriert in die natürliche Regelung des Herzkreislauf-Systems (Closed Loop Stimulation)
1995: Zweikammerstimulation mit einer Elektrode
1999: Dreikammerstimulation kommt erstmals zum Einsatz
(Dach No. 9, 17. V. 09:) noch zu Bücherl: 1963 führte er die erste Nierentransplantation durch, nahm 1968 die erste und für lange Zeit einzige Lungentransplantation in Deutschland vor und transplantierte 1969 nach Christiaan Barnard weltweit eines der ersten Herzen.
Seine Weiterentwicklung des implantierbaren Herzschrittmachers setzte Maßstäbe. In seiner 1974 eingerichteten herzchirurgischen Forschungsabteilung stellte er 1976 der Öffentlichkeit ein Kalb vor, das mehr als 100 Tage mit einem künstlichen Herzen lebte. 1979 wurde das "Berliner Kunstherz" einem Menschen implantiert, um die Wartezeit auf ein Spenderherz zu überbrücken und somit das Überleben des Herzkranken in dieser Zeit sicherstellen. 1986 setzte er das verbesserte Kunstherz erfolgreich drei Patienten ein. Seine Forschung galt auch der künstlichen Luftröhre und Speiseröhre. Das Deutsche Herzzentrum Berlin auf dem Campus des Virchow-Klinikums der Charité ging 1986 aus seinem 1974 gegründeten „Forschungshaus“ im Klinikum Westend hervor.


Samstag, 16. V. 09, wechselnd:
(Dach No. 9, 24. V. 09:) Erst spiele ich ziemlich Scheiße, kein Ball geht in die von mir gewünschte Richtung, dann kann ich einen schönen Ableger von Marco verwandeln und mich bei einem Konter gegen Habib, der heranstürmt und Mirko im Tor erfolgreich durchsetzen.
Futurama "Die Galaxie des Terrors": refreshing Crack Automat.
Schwarze Ohren hat mir der sich in Feinstaub abreibende Schaumstoff der Kopfhörer verpasst, klebe das Teil zum Größenvergleich in mein Notizheft, um bei Gelegenheit im Baumarkt Ersatz zu besorgen.
Wieder ein erstes mal: Kartoffelbrei bereite ich den Kindern.
Da die Kinder nicht wollen fahre ich allein nach Woltersdorf, von der Fahrtzeit braucht man länger, als nach Rangsdorf oder Ludwigsfelde, weil zum einen kein Regionalzug am Arsch der Welt hält (nur die S-Bahn nach Erkner) und vor allen Dingen, weil man noch mit der antiken Waldstraßenbahn fahren muss, die im 20-Minuten-Takt verkehrt.
Bei Renée ist es nett, mit dem einen Bild, das sie von Ruth geschenkt bekommen hat, ein Geschirr-Stillleben von Klaus, bin ich auch aufgewachsen, muss also früher in der Rathenaustraße gehangen haben. Werde von Ingo Mertineit interviewt, dieser ominösen Ems-Vechte-Welle, dann Kaffee und Kuchen, Fotos, warum wohl Klaus und überhaupt alle Brüder so sind? Die wetterharte Gebrauchsmutter ist schuld.
Was ich so mache, das brauche man ja nicht fragen. Renée fand ANG so warmherzig geschrieben. Was für ein nettes Kompliment.
Foto im Garten.
Endlich fotografiere ich das Briefkastenhaus, das ich vor Jahren, als ich hier mit David spazierenging, bei der Abfahrt gesehen habe.


Sonntag, 17. V. 09, sonnig:
Dach No. 9: T: Katrin Rothe dreht einen Film, wir sind als Statisten, in einem großen Saal in einer Kneipe, will den Film von 1990 zeigen. Christoph Nußbaumeder rät mir stark ab, ich solle mich nicht so in den Vordergrund spielen. An der Ostsee, am Strand führen Gleise aus dem Meer für Güterzüge von den Fähren. Fahre meinen Waggon dorthin.

Gegen 11 herrlich ausgeschlafen auf, Kaffee und aufgebratenen Kartoffelbrei, endlich wieder Wäsche, viertel vor 12 sitze ich am Rechner, prokrastiniere ziemlich vor mich hin, um den Teufelskreis auf dem Dach arbeitend zu durchbrechen.
Komme gut durch meine vorgestrigen Aufzeichnungen bis ich mich gegen 2 für den Fußball vorbereiten muss.
1:5 verlieren wir gegen Mischzone, danach bekomme werde ich von Frank und Klaus Cäsar gemeinschaftlich mit Bällen beworfen, einer trifft mich voll in die Eier, alle finden das sehr lustig, nur ich brauche eine Weile, bis ich mich vom Schmerz erholt habe.
(Schreibtisch, 19. V. 09:) Egal, wie nachsichtig ich immer bin oder schnell wieder werde, dass die Idee, jemandem ein Bier aus der Hand zu schießen, äußerst bescheuert ist und von ziemlich gigantomanischen Schmachmatentum zeugt, wird niemand bestreiten, der noch alle Nadeln an der Tanne hat. Der gütige Gott rächt sich zum Glück an Klaus mittels einer Zerrung und Frank ist mit seiner Bändergeschichte am Knie wohl schon im Voraus bedacht worden.
Egal wie unterirdisch man Intellekt und Charakter der Sportfreunde beurteilt, von der Realität wird man immer wieder belehrt, dass es noch niedriger geht, da scheint es wirklich keine Grenzen zu geben.
Dach No. 9: 3 Bier, ein Döner, Nachmittagsschlaf bei mir, der Tag ist etwas vergeigt, zum Glück war ich schon sehr fleißig.
Drucke noch die Porträts von Forßmann und Sauerbruch aus, auch wenn ich eher nicht glaube, dass ich sie vortragen werde.
(Schreibtisch, 18. V. 09:) Meine erste digitale Aufnahme der Reformbühne, jetzt hat auch für mich das 21. Jahrhundert begonnen. Ein beruhigendes Gefühl
Matthias Matussek fotografiert uns.


Montag, 18. V. 09, bedeckt:
Schreibtisch: Robert Deutscher bügelt mich viertel nach 8 ohne Auskunft ab, um 9 möge ich wieder anrufen, dann ist er genauso wenig zu sprechen, seiner Sekretärin kann ich nur die E-Mail an ihn schicken, 6 Tage ist es her. Der Mann ist entweder extrem schlecht organisiert oder ein Arschloch. Wobei sich das ja nicht ausschließt.
Prokrastiniere arg vor mich hin und kann mich erst halb 11 ans Abtippen der Notizen zu Joachim Wittes Kardiologie-Ausführungen zwingen.
Ein Anruf bei Günter Henrich scheitert, der Mann ist wütend, weil sein umfangreiches Angebot an die Charité-Führung seit Januar ignoriert wird, aber auch, weil ihn ein offensichtlich Untergebener empfohlen hat, der habe ihn doch nicht zu empfehlen. Macht den Eindruck eines typischen verbitterten Rentners, so werde ich bestimmt auch mal werden. Obwohl, vielleicht helfen ja Drogen dagegen.
Bis halb 2 schraube, feile und hoble ich an dem Kardiologie-Kapitel. Nach einem kurzen Telefonat auf meinen Suppen-Weg.
(Schreibtisch, 19. V. 09:) Kühlschrank entpfropfen, Kartoffelsuppe, ...
Erst dachte sie: Was für ein Freak! Dabei bin ich nur sehr unordentlich.
Simpsons nur aufzeichnen, Fußballtraining, Jochen zirkelt mit beim Spiel zwei schöne Bälle zu, die ich einköpfen kann, ein drittes Tor kann ich erzielen, als ich einen Ball unter Merkel durchschiebe.


Dienstag, 19. V. 09, sonnig:
Schreibtisch: E-Mail an die Elfenbeinküste schicke ich, das wär was, wenn es mich dorthin, auf eine Empfehlung von Freund Jakob, noch dieses Jahr verschlägt. Meine Liebe Afrika! Allerdings werden sie dort wohl kaum das schöne Swaheli sprechen.
Gegen halb 11 zur Presseschau.
Dach No. 9: Als in der Morgenpost nichts ist, habe ich die meiste Hoffnung schon fahren lassen, aber dann werde ich in Welt Kompakt und taz fündig, das ist doch schon was.
Zeitungslektüre auf dem Dach, Verabredung mit Prof. Schultheiß ...
Schreibtisch: ... und Prof. Hess, esse die gesamte Kartoffelsuppe von gestern auf.
Die Hoffnung, das schöne Wetter würde einem anständigen Gewitter weichen, damit wir heute Abend nicht vor leeren Reihen sitzen, erfüllt sich vorerst nicht.
Mittagsschlaf gegen 2, dreiviertel 3 mit Kaffee zum Durchstarten wieder am Rechner. Skype mit Wolfgang in Bratislawa, Telefonat mit Rimpel und Brief an ihn, etwas, wie mir scheint sinnloses Herumpfriemeln am Brief-Layout in FileMaker.
Gegen 5 Entschluss, wenigstens noch etwas Sinnvolles zu tun, indem ich in die Charité Bibliothek fahre.
(Schreibtisch, 20. V. 09:) William ist recht unflexibel, kann von seinem Vortragsmanuskript gar nicht richtig abweichen, angeblich, weil die Segmente auf Pointen hin aufgebaut sind, aber was die nun genau sein sollen, bleibt offen. Statt sich über Fragen zu freuen und sie zu beantworten verweist er auf spätere Passagen seines Vortrages. Sowohl meine Fragen als auch die Musik bügelt er ab, mich lässt er als überflüssigen Gast erscheinen. Alles nicht so prickelnd.
Immerhin endet der Abend mit einer hellgrauen Zahl, 14 Euro pro Nase lassen sich auszahlen, hatte zwischenzeitlich schon damit gerechnet, auf meinen Kosten sitzen zu bleiben.
Helle Polle.


Mittwoch, 20. V. 09, sonnig:
Schreibtisch: Um 6 wache ich auf und kann fast eine Stunde nicht mehr einschlafen.
Um 9 auf, schwere Gedanken.
Mit der Elfenbeinküste und einem Gastspiel im dortigen Goethe-Institut kann es womöglich schon im Juli was werden, das wäre schon ziemlich grandios. Suche vergeblich nach meinem Workshop-Konzept, dann finde ich doch etwas.
Rauche krankhaft, haue ich mich heulend aufs Sofa. Erlöse alles in Text.
(Schreibtisch, 22. V. 09:) Bin sehr traurig, wenigstens nicht depressiv, fliehe in die Charité-Bibliothek in die 9. Etage des Bettenhauses.
"Charité 1710-1985" von D. Tutzke, K.-J. Burmeister, R. Lange-Pfantsch und G. Brüschke (Verlag Volk und Gesundheit, Berlin 1985), zur Haut:
1858 (?) wurden die Kliniken für syphilitische Krankheiten sowie die Krätze und die Pockenabteilung als Hautklinik zusammengefasst.
Kardiologie: 1907 hatte Georg Friedrich Nikolai mit Untersuchungen über die Erregungsleitung am Nerven habilitiert, 1908 trat er in die II. Medizinische Klinik der Charité ein und setzte seine Forschungen zur Herztätigkeit und Elektrokardiographie fort, 1910 erschein seine Schrift "Das Elektrokardiogramm des gesunden und kranken Herzens" mit Ausführungen zu den Gesetzmäßigkeiten der Extrasystolen.
Zu Sauerbruch: 1927 Berufung an die Charité.
60er Jahre (wann genau?): Chirurgische Klinik erhält u. a. eine Abteilung für Herzchirurgie, unter Leitung von Moritz Mebel (ZK der SED, *1923) und Helmut Wolff (*1928) entsteht das Zentrum für Transplantationschirurgie.
Unter Werner Porstmann (1921-1982) wird kardiovaskuläre Diagnostik und Katheter-Therapie auf internationales Niveau geführt.
http://www.thieme.de/abstracts/roefo/abstracts2002/daten/po118.html:
Die Fortschritte in der Gefäßmedizin wurden durch die invasive Angiographie-Kardiographie begründet. Der Gefäßkatheter nahm als diagnostisches Instrument eine führende Stellung ein. Werner Porstmann begründete 1953 an der Charité in Berlin eine Entwicklung der kardiovaskulären Diagnostik und erreichte die Etablierung eines Institutes von Weltrang. Schon damals nutzt Porstmann den Gefäßkatheter als therapeutisches Instrument.
1966 führte er an der Charité den ersten interventionellen Duktusverschluß durch. IDENTISCH MIT FOLGENDEM??? WELCHES JAHR STIMMT DANN??? Epochal war 1967 seine Methode des percutanen Verschlusses des Ductus arteriosus persistens ohne Thorakotomie. Inspiriert durch Charles T. Dotter inaugurierte Porstmann 1973 die Balonangioplastie. Werner Porstmann gehörte zu den Wegbereitern der interventionellen Radiologie.
Rosemarie Stein "Die Charité 1945-1992, Ein Mythos von innen" (Argon, Berlin, 1992), S. 257 ff: Dietmar Scholz habe unter Zeugen gesagt, ohne die Stasi hätte in der DDR keine einzige Niere transplantiert werden können, damit auch kein Herz, und damit hat er wohl recht, denn Scholz war selber für die Verteilung des Medikaments Cyclosporin zuständig, das unerlässlich ist, um die Abstoßung von Fremdorganen zu verhindern. Cyclosporin gelangte durch die Koko der Stasi in die DDR.
(Dach No. 9, 22. V. 09:) Die erste Herztransplantation an der Charité und in der DDR war ein Prestigeprojekt, es ging um Anschluss an den Standard westeuropäischer Länder durch spektakuläre Leistungen, die auch der Verbesserung der finanziellen Ausstattung der Charité dienen sollte.
Schon 1982 bei der Übergabe des Neubaus der Charité war Honecker mitgeteilt worden, dass als sozialistische Verpflichtung spätestens 1985 die erste Herztransplantation erfolgen würde. Dieser Zeitplan ließ sich nicht einhalten, später war der März 1986 für eine solche Operation vorgesehen, weil am 1. April das Deutsche Herzzentrum in Westberlin eröffnet würde. Aus einem Stasibericht:
"Es wäre schon wichtig, wenn wenigstens für Berlin die erste Herztransplantation in der DDR-Hauptstadt stattfindet und nicht in West-Berlin." Helmut Wolff sollte den Eingriff durchführen (HAT ER???) und es wurde händeringend sowohl nach einem Spender als auch nach einem Empfänger gesucht. Doch war das Herzzentrum schneller, ohne dass die Bemühungen in Ostberlin nachließen. Weniger regimefreundliche Ärzte der Charité sprachen wegen des bevorstehenden Parteitages der SED vom "Parteitagsherz", obwohl das erst danach, am 30. Juni 1986, die erste Herzverpflanzung der DDR stattfand.
Sofa: Auf dem Weg zum Fahrrad und Kaiser's überströmen mich die guten Gefühle, 100 Brote würde ich am liebsten kaufen und dann stolper ich Nerd natürlich wieder.
(Dach No. 9, 22. V. 09:) Bei Lidl decken sich die Leute wie Wahnwitzige mit Grillwürsten für den Himmelfahrtstag ein, während Hertie den Löffel abgibt, Opel bei Licht betrachtet keine Chance hat, Schaeffler und Continental sind auch am Ende.
Simpsons "Der Feind in meinem Bett" (20. V. 09), man kann lernen, wie Homer gemalt wird, Halluzinationen von Lisa, die sich als fett sieht und Milhouse als ihren alten Mann.
"Marges alte Freundin", Bob Dylan tritt auf, Rückerinnerungen von Marge als Teenager knutschend mit Homer, ihre Freundin mit Barney Gumble. Titelidee: "Denken ist was für Verlierer". Vulkanausbruch, Barney rettet die Reporterin mittels Hubschrauber aus einem Lavafluss.
Mit den Kindern bis nach 12 "Star Trek".


Donnerstag, Himmelfahrt, 21. V. 09, erst Sonne, dann Regen:
Pult: Heiteres Frühstück und Stullenschmieren für unsere Exkursion, vorerst ist das Kommunikationsmuseum in Planung.
Nun, egal, das iBook stürzt mal wieder nach dem Kopieren der Aufnahme vom letzten Radio-Hochsee-Abend ab, der leider mit der Erinnerung nicht vergoldet wird, sondern immer unangenehmer. Habe Bill ganz offensichtlich völlig falsche Anweisungen gegeben, so dass er sich nicht als Gast sondern als Gastgeber fühlte, dass er kaum einen Ball aufnahm, sondern sie einfach nur unverändert zurück schmetterte. Aber mal sehen, wie die Zeit diese Show weiter in meinem Kopf transformiert.
Sofa: Ein Dreiviertelstunde Foto-Dauerlauf, sollte dafür eine eigene Rubrik für diese IPSN-Signatur oder wie die hieß anfertigen, über Rosenthaler Platz und -Straße, über Alex, Friedrichshain, Esmarch- und Bonhoeffer-, Esmarch- und Chodowiecki-, schließlich Kollwitz- zurück. Haare scheren, Wäsche aufhängen, Duschen.
Herrlich, diese Musik zu genießen, Vivaldis "Vier Jahreszeiten", während die Kinder diverse Computerspiele ausprobieren, dazu Vogelgezwitscher von draußen, dann Peter Tschernig, die LP ist ein nettes Geschenk von Jacek vom Burger, der sie auf dem Flohmarkt gesehen, an mich gedacht und sie mir gekauft hat. Schließlich lassen Ella, Lisa und ich uns simpsonisieren, um dann das Original zu genießen.
"Simpsons, Pranksta Rap", Homer, als ihm das Fenster eingeworfen wird: "Ein fliegender Stein, ruf 'nen Geologen an!" Wiggum als Detektiv, "El Barto", bei House-Party fliegt Hubschrauber einen Pokal mit Wiggum und Bart ein.
"Drum prüfe, wer sich ewig bindet" Roadrunner Parodie von Barney: "Miep! Miep!", Blinky erweist sich als ein großes Wassermonster. Illusionäre Verkennung: Homer sieht Schwule als Geldschein. Rückerinnerung von Marge an eigene und Pattys Kindheit und Jugend mit Anzeichen von Pattys Homosexualität. Homers bildliche Vorstellung seiner sexuellen Beziehung mit sich selbst.
Sofa: Kartoffeln schälen, meine Nudelsuppe schlägt glatt fehl, wird zu einem einzigen schleimigen Klumpen, aber der Kartoffelbrei, mein zweiter, wird freundlich aufgenommen.
Sitze dann ab 8 mit Ella und Lisa vor "Germany's Next Topmodel", die Große und ich würden lieber "Star Trek: Das nächste Jahrhundert, In den Händen der Borg" kucken, wo die Borgs mal wieder die Enterprise angreifen. Leider ist es Lisa wohl ein großer Herzenswunsch, dieses Finale zu sehen. Sarah, Mandy und Marie, Plastikwesen aus einer Plastikwelt, die sich ununterbrochen abwechselnd versichern, wie toll sie sich finden und heulen. Diese irgendwie teuflische, jedenfalls sadistische und allem Anschein nach strunzdumme Heidi Klum und ihre beiden Linienrichter, der eine sklerotisch, der andere mit der Brille und Latex-Fliege, auch eher bösartig.
Angenehm die vielen Werbeunterbrechungen bei diesem bescheuerten Topmodel, in denen Lisa dann immer auf den Science Fiction umzuschalten hat.
Schreibtisch: Im Freudenhaus Karsten, Ahne und Robert, dem ich versichere, mich schnell um einen Militärhistoriker für das Feature, womöglich 50 Minuten beim SWR, zu kümmern.


Freitag, 22. V. 09, wechselnd:
Schreibtisch: Lerne, die Dateien auf dem Zoom H2 zu löschen. Arbeitsunlustig, die Kinder meutern, zwar nur verbal, in Bezug auf die bevorstehende Gartenparty, das wird also alles immer schwieriger.
Ein Anruf bei Doc Schoko ergibt, dass die Gartenparty doch erst nächste Woche ist.
Auch an die Kardiologie-Notizen kann ich mich nur sehr schwer zwingen, aber es gelingt mir dann doch.
Einkaufen, der Tausi von Bratislawa ist da, bei mir trudelt ein schöner Auftrag für morgen ein, die Grundgesetz-Fanmeile für die FASZ zu besprechen, sehr schön! Auch wenn ich dafür Fußball ausfallen lassen muss.
Fröhlich zum Arbeiten aufs Dach viertel nach 3.
Dach No. 9: Wie herrlich ist es doch, nackt in der Sonne arbeiten zu können, mein Auto-Exhibitionismus müsste man es wohl nennen. Weiter ans Eintippen der Notizen von Mittwoch, es wird, die Waben füllen sich mehr und mehr.
Bin also bis gegen 4 fleißig, dann wollen die Kinder Eis essen, wun-der-bar!


Samstag, 23. V. 09, sonnig:
Schreibtisch: Halsschmerzen in der Nacht. Frühstück mit Lisa, Ella schläft noch.
10 Uhr in der Akademie der Künste am Pariser Platz, vor knapp 100 Zuschauern diskutiert Ulrich Wickert mit blauer Krawatte mit drei Historikern vor einem großen Transparent "Deutsche Geschichte im Gedächtnis der Literatur". In Bezug auf das Bundespräsidentenamt sind alle einer Meinung, die parlamentarische Demokratie ist gegenüber Weimar ein großer Fortschritt. Wickert gibt den Agent provocateur und will Volkswahlen, Weimar sei keine Entschuldigung mehr.
Edgar Wolfrun mit blauer Krawatte versucht erfolglos, Streit in die Runde zu bringen und erwähnt die konservative Deutung der Bundesrepublik bis in die 80er Jahre und outet sich als Ostdeutscher.
Durch ununterbrochenes Öffnen und Schließen der Tür sowie entsprechendes Rein- und Rausgerenne herrscht eine Atmosphäre wie im Supermarkt oder auf einer Messe, immerhin füllt sich der Saal mehr, als dass er sich leert.
Heinrich August Winkler, grauhaarig mit grau-schwarz-weiß gestreifter Krawatte spricht über den deutschen Sonderweg, der '45 zu Ende gegangen sei, die friedliche Revolution habe 1980 in Polen mit Solidarnosc (sc je mit ´!!!) ihren Anfang genommen.
Andreas Röder mit rot-weiß gestreifter Krawatte erwähnt die Agenda 2010, der Konsens der Runde bleibt dem Geburtstag, der hier gefeiert wird, angemessen, dass alles relativ gut ist und wir eine trotz allem geglückte Demokratie feiern könne. Leider ist eine solche Erkenntnis für ein Podiumsgespräch tödlich, sie legt sich wie Mehltau über die Zuhörerschaft, die sehnsüchtig auf den sonnigen Pariser Platz schaut, wo Fahnen mit dem Signet flattern, einem D aus schwarz-rot-goldenen Tintenklecksen, die für Freiheit, Einheit und Demokratie stehen. Etwas frech, jung geblieben, modern, trotz der 60 Jahre.
Kann mich mit Uwe "Der Turm" Tellkamp fotografieren, der direkt hinter mir sitzt.
"Die war nicht friedlich!", murmelt Tellkamp wütend, aber unhörbar in der hintersten Reihe. Er darf als nächster lesen, seine Fans sammeln sich vor der inzwischen geschlossenen Glastür.
Wickert hat als Begleiter von Mitterand am 9. November kurz vor 20 Uhr zu Ehmke gesagt: "Die Mauer ist offen." Ehmke darauf: "Das ist der Sieg der Ostpolitik von Willy Brandt. Winkler widerspricht, diese Politik sei unausweichlich gewesen.
Klaus Staeck ruft gleich seinen Bruder an, ein normaler Sprinter müsste für die Fahrt nach Hildesheim reichen.
Gang durchs Brandenburger Tor und die mit ...
Die verschiedenen Trachten, besonders die Bayern mit ihren Gamsbärten, aber auch Hessen ziehen die Aufmerksamkeit und die Kameras auf sich.
Leuchttour "Eine Entdeckerreise rund um Erneuerbare Energien und Klimaschutz".
Verschiedene Gaukler.
Für Kinder hat die Bundeswehr einen Panzer zum Einsteigen bereitgestellt, jedenfalls einen mit Maschinengewehr ausgestatteten Kampfwagen, hinter dem Geschütz vergnügen sich Jungs. Auch ein Flugsimulator unserer Armee ist dicht umlagert.
Capirinha "Sex on the beach" wird angeboten, Hüpfburgen, Imbissbuden, Kletterwände und Bierstände, wenn auch kein Freibier, Sportstudio und Rock'n'Roll, die Fanmeile zum 60. Geburtstag des Grundgesetzes ist ein Spiegel Deutschlands. Wenn wir genau hineinsehen, dann erkennen wir zwischen American Milkshakes und der einzigen Currywurst der Rockgeschichte uns selber.
Im geschützten Raum der Akademie der Künste liest Julia "Die Mittagsfrau" Franck um 12 Uhr mit Iris Radisch als Moderatorin im vollbesetzten Akademie-Saal, ein Wunder, das in Berlin immer wieder bei Veranstaltungen mit freiem Eintritt zu beobachten ist. Der Roman habe ja keine unmittelbaren biografischen Bezüge, weiß Radisch, aber sie sei doch in Ostberlin geboren und in der Lausitz aufgewachsen? Nein? Das könne sie ja gleich noch erklären.
Francks Vater war ein solches Kind, er sei 1945 auf einem Bahnhof ausgesetzt worden und war deshalb sehr kompliziert und konnte nie mit einer Frau zusammenleben. Auch drei Freundinnen ihrer Mutter sind in den Westen gegangen und haben ihre Kinder zurückgelassen. Auch hatte Julia Franck eine jüdische Kommunisten-Großmutter.
Weil wir uns in einem beständig wachsendem Netz bewegen, liest sie ein schönes Gedicht von Mascha Koleko vor, eine Ansichtskarte von der Havel mit märkischem Mond. Mit Thomas Brasch dagegen, von dem sie einen Text über seine Großmutter vorliest, hat ihre Tante 1968 eine Flugblattaktion gemacht, sie ist dann im Kofferraum eines Autos in den Westen geflohen. Julia Franck animiert: "Klatschen Sie bitte ein mal für Thomas Brasch!", das Publikum lässt sich erweichen.
Muss zugeben, dass mich ihre Literatur ganz kalt lässt, wobei ich es auch weniger euphemistisch ausdrücken könnte: Die Langeweile, die sie bei mir auslöst, macht mir eine Wut, die ich zwanghaft in Text sublimieren muss, nämlich in genau diesen. 10 vor 1 ist die Qual zu Ende.
Draußen spielt Andrej Hermlin and his Swing Dance Orchestra. Die größten deutschen Stars, wozu auch Otto und Udo Jürgens, Thomas Brussig und Gottschalk gehören, auf insgesamt vier Bühnen auf der Grundgesetz-Partymeile zwischen Akademie der Künste und Siegessäule mit knapp 100 Ständen, auch ohne Freibier lockt das Spektakel bei Kaiserwetter an den Reichstag.
Halb 2 sitze ich am Schreibtisch, noch anderthalb Stunden habe ich für den FASZ-Artikel, gleichzeitig katalogisiere ich die Fotos, kurz vor 3 habe ich die Angelegenheit abgeschickt.
Auch stelle ich noch eine Fotoauswahl mit meiner Dropbox bereit, irgendwie fühle ich mich lustlos, kann trotz wunder Kehle nicht aufhören, zu rauchen. Und der Teufel flüstert mir ein: Helle Pollen! Helle Pollen! Helle Pollen!
Den Hustenreiz lindern die natürlich nicht, aber helfen mir, mich geduldig mit GraphicConverter einzufuchsen und Fotos der letzten Tage mit Signaturen zu versehen.
(Statisten-Aufenthaltsraum am Gendarmenmarkt, 25. V. 09:) Eben war sie noch auf einer der Bühnen am Brandenburger Tor, nun läuft Sandra Maischberger an mir vor dem Eis + Kunst vorbei.
Sofa: Simpsons "Homer mobil", bildliche Vorstellung: Marge stellt sich Homer als Meister Proper mit Muskeln und wehendem Haar vor. Spinnenangriff auf Homer. Alte Urlaubsfotos. Illusionäre Verkennung: Porträts der Dollarnoten sprechen zu Homer. Verkehrswesen Wohnmobile, später sogar auf der Autobahn. Halluzination von Flanders: Jesus spricht zu ihm. Country: "I've been everywhere", Marge zu Homer: "Du hältst Zähne putzen für ein Vorspiel." Matrosen haben Marge Haschisch ins Essen gemischt.
"Homer, die Ratte", Otto hat LSD-Halluzinationen, als er seine Urinprobe ansieht. Konzertsaalbau von Frank Gehry wird Gefängnis. Knecht Ruprecht als Roter Baron v. Richthofen.
(Statisten-Aufenthaltsraum am Gendarmenmarkt, 25. V. 09:) Ein geglückter Tag, wieder war ich fleißig, wenn auch meine Kinder wegen des Verharrens in meiner Höhle zu Grottenolmen mutieren und Ninas Ausbleiben sich empfindlich bemerkbar macht: Der Abwasch türmt sich!
Aber dann wagen wir uns nach dem Abendbrot, Bratkartoffeln mit Rührei, daran und werden nur durch den Aufbruch ins Kino davon abgehalten, auch wirklich alles zu spülen, abzutrocknen und einzuräumen.
(Schreibtisch, 24. V. 09:) Mit den Kindern und Kirsten in "Star Trek - Die Zukunft hat begonnen" in die Kulturbrauerei, bei Popcorn, Bier und Bionade haben wir viel Spaß, wenn sich auch Lisa etwas fürchtet und oft ihre Kapuze über den Kopf zieht.
Kirks Borderline-Persönlichkeit wird erklärt, sein Vater ist Sekunden nach seiner Geburt in einem Kamikaze-Flug in ein romulanisches Bergwerksschiff gerast. McCoy löst bei ihm eine burleske Allergie aus, mit gigantisch angeschwollenen Händen und Zunge versucht Looser Kirk die Mannschaft vor der Falle zu warnen, in der schon sein Vater umgekommen ist.
Uhura küsst nach dem Tod von Spocks Mutter, der Planet Vulkan ist in einem romulanischen schwarzen Loch verschwunden, den Langohrigen im Fahrstuhl und der küsst zurück, ist das nicht Rassenschande? Natürlich nicht, Menschen und Vulkanier sind ja unterschiedliche Spezies. Spocks Vater behauptet, Spocks menschliche Mutter nicht nur aus logischen Gründen, sondern aus Liebe geheiratet zu haben. Ich bin skeptisch, zu Kirsten:
"Der lügt doch, er ist doch Vulkanier!"
"Das verstehst Du nicht." Sie haben wohl schon als Kinder, mit Sicherheit aber ab dem Jugendlichen-Alter darüber spekuliert,
Wie immer in diesen Filmen müssen irgendwann einige Protagonisten durch Eiswüsten wandern, in dem Fall Kirk, der alte Spock rettet ihn vor einem roten Monster und zusammen pilgern sie weiter zu einer Station, wo sie endlich Scotty treffen.

15
Mai
2009

www.Falko-Hennig.de

16. Mai, 20 Uhr, Alte Kantine (Kulturbrauerei, Berlin)
Kantinenlesen.

19. Mai, 20.30 Uhr, Kaffee Burger (Berlin):
Radio Hochsee Themenabend
DISCOPORNOSATAN
Die deutsche Bartbewegung im Spiegel der Erratik.
Gast-Experte: Dr. Heinrich Dubel.

27. Mai, 21.00 Uhr im Klub der Republik (KdR),
Pappelallee 81, Berlin:
Surfpoeten


Mittwoch, 29. IV. 09, sonnig:
Schreibtisch: Ich träume davon, dass jemand meinen Stempel aus Kenia kaputt gemacht hat.
80. Geburtstag von Walter Kempowski.
Im Zug Alexanderplatz - Rangsdorf: Im Zug mache ich mich an die Lektüre von Jakobs Neuro-Kapitel, dass ich behutsam korrigiere. Eine schöne Arbeit, ich bin ein glücklicher Mensch, auch wenn ich rauche (Heute waren es schon circa 4 Zigaretten). Nachher werde ich meine Eltern anpumpen müssen. Oder Hartz IV beantragen, mal sehen, was der Familienrat ergibt.
Rangsdorf, Garten: Papa bringt Rosemarie Michaelis' Buch "Waldfrieden, Restauration, Kneipe, Wendebau" mit, aufwändige Herzstellung, sehr viele Fotos, ich tauche als Falco Hennig auf.
Im Zug Rangsdorf - Alexanderplatz: Zu den gegenwärtigen Interessen von Klaus und damit auch Papa gehört die Admiral Graf Spee in Montevideo und ihre Selbstversenkung.
Irmchen Schnabel, wie lange die schon tot sei? Tochter von Karl Schwantke, Werken und Sport unterrichtete sie, ein heiteres Naturell hatte sie. Einmal war sie mit im Riesengebirge, kannte noch die ganzen deutschen Namen: Freiheit, Petzer, Spindlersmühle. Sie kam beim Schiefahren von der Piste ab, da waren nur noch ihre Schier zu sehen und der Schnee wackelte, meine Mutter musste so lachen, sie hat sich eingepinkelt.
Ob Schwantke eine Augenklappe hatte, nachdem er im 1. Weltkrieg ein Auge verloren hatte? Mein Vater kannte ihn nur mit Glasauge.
Ein Freund meines Vaters ist 93jährig gestorben, Schlaganfall, Leichenschmaus im Waldfrieden, er hatte ein schwarzes T-Shirt an mit Werbung fürs "Weiße Röß'l" hinten drauf, das musste er noch wechseln, das wäre sonst peinlich geworden.
Altis Beerdigung ist im Mai, erinnere mich an seine Kaninchen, die wir als Kinder besuchten.
Fußball, der die Uhr von Arne Friedrich in der Reha geklaut hat und sich bei seiner Erpressung hat erwischen lassen, hat früher bei Ludwigsfelde gespielt, zuletzt bei Falkensee, aber ist natürlich rausgeflogen.
Von meinen gegenwärtigen Geld-Kalamitäten ist meine Mutter nicht begeistert, das hätte ich doch vorher wissen müssen! Sie hat grad nichts flüssig, 200 Euro kostet eine Vorbehandlung für die Zahnimplantate, die sie sich einsetzen will. Hartz IV wird für mich unvermeidlich sein, trotz der 1000 Euro, die mir mein Vater erstmal borgt. Anruf bei Antje, die es schnell anweisen wird.
(Schreibtisch, 30. IV. 09:) Kartoffelbrei mit Spiegeleiern für mich, da ich die Hühnerleber mit Zwiebeln nicht mag. Papa schmeckt es:
"Beim Essen hast Du nicht viel falsch gemacht."
"Das ist wohl das höchste Lob von Dir?"
Im Zug Rangsdorf - Alexanderplatz: Interviewe meinen Vater zu Geheimsendern, da kommt noch mal einiges zu Tage, unter anderem ein Herr Dähne aus Kleinmachnow, dessen Vater Ingenieur war und bei den Sendern gearbeitet hat, die Irland und England mit entsprechenden Sendungen bedachten.
Im Zug Rangsdorf - Alexanderplatz: Wieder meine Rangsdorf-Fotos, Datenpflege und E-Post auf dem Heimweg.
Schreibtisch: Organe des Menschen:
1. Skelett 
2. Haut und subkutanes Gewebe
3. Blut und Knochenmark
4. Verdauungssystem 
5. Leber
6. Lungen
7. Herz und Kreislauf
8. Nieren
9. Schilddrüse
10. Bewegungsapparat/Muskulatur
11. Gehirn und Nervensystem
12. Sinnesorgane
Alles ziemlich beliebig, befürchte ja immer, dass die Fachleute mir alles, was ich verfasse, mal um die Ohren schlagen.
(Schreibtisch, 30. IV. 09:) Diese Charité-Sache könnte mir sehr zugute kommen, wenn ich all die Leiter der Zentren kenne, wird es egal sein, mit welcher Kalamität ich eingeliefert werde, ich habe dann genug Vitamin B für eine Sonderbehandlung.
Ein Abend zum 80. Geburtstag von Walter Kempowski.
Eine Uferpromenade ist heute in Rostock nach Kempowski benannt worden, erfahren wir von der Vertretung des Staatssekretärs Wolfgang G. Gibowski, der etwas Wichtiges zu tun hat. Man hätte schon gern erfahren, was das nun war.
Glaubt man Volker Hage, stellte Kempowski sich mutig gegen Zeitströmungen.
Ausschnitte aus dem Film "Wer will unter die Soldaten" (D 1975), scheinbar aus einer Reihe "Der Autor und sein Thema", der blutige Ernst des Puppenspiels mit Soldaten. Er wollte im Harmlosen das Teuflische suchen. Sehe ihn mit seiner Lederjacke, die mir jetzt gar nicht mehr so daneben vorkommt, wie als ich sie zuerst gesehen habe. Ein leerer Acker, wo bei meinem ersten Besuch '99 schon ein ewiger Wald stand.
Der Film ist gut, Hages Vortrag, er spricht frei, aber wahrscheinlich wäre es für mich spannender, wenn ich nicht schon alles wüsste, was erzählt wird. Immerhin bekomme ich Lust, für die Familiengeschichte "Fünf Brüder" meine Onkel zu interviewen, bei meinem Vater habe ich ja schon ziemlich ausführlich begonnen. Was wurde gesungen, gelesen, gegessen? Geräusche, Gerüche, Tiere, Sprüche, Abgrenzung zu anderen Familien.
Glaube in Kempowskis Hörspiel "Beethovens Fünfte" Martin Semmelrogges Stimme zu erkennen. Auch in Bezug auf Geheimsender und unser Feature dazu ist es recht ergiebig.
Der Arsch tut mir ziemlich weh vom Sitzen auf den harten niedersächsischen Stühlen.
Dabei freue ich mich die ganze Zeit aufs Buffett! Endlich mal wieder was essen! Was es wohl geben wird? Grünkohl mit Pinkel? Spargel mit Schinken?
Lachs-Lasagne, Grießpudding, Spaghetti, Niedersachsen lässt sich nicht lumpen für seinen großen Sohn.
Simone Neteler ist neben K. F. anwesend, als ich mit ihr zum Signieren bei Volker Hage stehe, ist sie ausnehmend freundlich. Kempowski selber habe in dem Hörspiel mitgesungen, sein Bruder auch was erzählt. Der habe jetzt leider einen Schlaganfall erlitten und könne nicht mehr sprechen.
Iris und ich trinken uns mit dem recht süffigen Rotwein ordentlich einen an.


Donnerstag, 30. IV. 09, sonnig:
Schreibtisch: Martin Z. Schröder an der S-Bahnbrücke, aber er erkennt mich nicht. Der Tag beginnt mit der Pressevorführung historischer Ostberlin-Dokumentarfilme im Kino Krokodil.
"Peter und der Kran" (DDR 1956) mit unsäglicher pompöser Prosa und Lyrik:
"Fertig der Kran
zieht er stolz seine Bahn", Swing, Beat und Jazz illustrieren die Jugendbande des Klassenfeinds, fast ein Wunder, dass der Begriff "Negermusik" nicht fällt.
"Der A57" (DDR 1966) über einen Doppelstock-Linienbus, Fernsehturm ist schon im Bau.
"Spielplatz" (DDR 1966) über den Helmholtzplatz ist eine schöne Milieu-Studie, die Zigarre rauchenden alten Männer mit ihren Nickelbrillen und Baskenmützen: "Bei mir gabs heute billiches Essen: kalte Küche mit offenen Fenstern." und Halbstarke. "In Sachen H. und acht andere" (DDR 1972) über Rowdytum und Raub, eine Jugendbande, die ab 1971 den Kollwitzplatz unsicher machte, C. WESTPHAL, Gammler, als Verteidiger der Nachfolger von "Fragen Sie Professor Kaul", Friedrich Wolff heißt der, muss sein Büro bei mir in der Nähe haben, weil ich ihn schon ein paar mal in der Cucina gesehen habe. Hier ist er fast noch ein junger Mann.
Übergebe Robert Pauls Aufnahmegerät.
Gegen 1 bei mir, esse mit Ella einen Apfel, dann an meine Rundmail, die Theorie, die dahinter steht: Viele kucken sich Mails auf Arbeit an, morgen ist frei, also der letzte Termin, um noch zu erreichen, dass sich im verlängerten Wochenende für den Harem-und-Dschihad-Abend verabredet wird.
Lisa weiter zu Lotte.
Mittagsschlaf.
Anruf nach 3 von Robert: Die Aufnahme mit meinem Vater ist nichts geworden! Verdammt! Das Blinken, das ich fürs Aufnahmesignal hielt, zeigte nur die Pause an, ich hätte noch mal drücken müssen. Versuche mich nicht allzusehr zu ärgern, kann die Aufnahme ja wiederholen, und trotzdem!
Sofa: Fleißig mache ich mich nach einer Rückmeldung von Jakob weiter an die Charité-Struktur nach Organen. Dabei Simpsons:
"Bart das Werbebaby" (30. IV. 09), Arthur Miller in einem Traum von Lisa. Geist aus einem Buch erscheint. Alte Videobänder. DNS & RNS, Eisernes Kreuz (in rot) auf Tony Hawks Visitenkarte, Bus und Skateboard. Blick in die Zukunft: Homers Grab als Impotenz-Werber.
"Buchstabe für Buchstabe", Skinner, als Milhouse ausgelacht wird: "Hört auf zu lachen! Das schädigt ihn fürs Leben.", um dann selber mitzulachen. Hallus: Rib-Wich-Reklame! Auch auf einer Videokassette (schlechte Qualität) Skinner hat neue Synchronstimme, im Ribwich sind jedenfalls Drogen enthalten, Homers Pupillen vergrößern sich, delatieren, beim ersten Biss. Also ergibt es viel Sinn, dass Hippies ihm in einem entsprechend psychodelisch angestrichenen Bus folgen. Logischerweise enden sie in San Francisco. Barney wieder rückfällig. Traum von Lisa, in dem die ganzen Universitäten sie zum Verlieren des Buchstabierwettbewerbs auffordern.
Bratkartoffeln mit Wienern mit Ella, nach der Tagesschau ein Dokumentarfilm über Schlangen, präsentiert von Richard Attenborough: "Kaltblütig, Die Überlebenskunst der Reptilien und Amphibien. Schlangen mit Pfiff", eine blinde Blumentopfschlange, die aussieht wie ein Regenwurm und Ameiseneier frisst. Schlangen mit Beinen. Jakobsche Organ im Munddach. Speischlangen. Flusskrebse schlingt eine auch vom Schwanz her hinunter, aber nur wenn er frisch gehäutet und damit so weich wie ein gekochtes Ei ist.
Vor Steinbichlers "Winterreise" (D 2006) mit Josef Bierbichler, der genauso aussieht wie er heißt, recherchiere ich zur Dermatologie, ja, wie zu erwarten war eine schöne Arbeit, auch wenn sie mich bestimmt wahnsinnig machen wird. Aber das bin ich ja sowieso schon.
Halb 11 Rechner aus.


Freitag, 1. V. 09, sonnig:
Dach No. 9: Nach Frühstück, Anruf bei Dähne in Kleinmachnow aufs Dach, an die Charité-Chronik, Dermatologie.
Auch aus meinen Notizbüchern mein Journal vervollständigen. Auf meinem Konto ist durch den prompten Tausi zum Glück leichte Entlastung zu verzeichnen, jetzt mit 500 Euro im Plus.
Suche mir Zitate aus der Bergpredigt und von Mark Twain zur Arbeit heraus.
Schreibtisch: Bekomme von Gutmair einen kleinen Auftrag für eine Berliner Szene, alles klein klein, aber besser so als gar nicht.
Kopiere dafür Texte aus meinen Journalen von 2009, 2008, 2007 und 2006, aus denen ich die Kolumne collagieren werde.
Kartoffelsuppe.


Samstag, 2. V. 09, sonnig:
Schreibtisch: Um 9 mit Wecker auf, fürstliches Frühstück: Joghurt mit Blaubeermarmelade, ein Schusterjunge und ein Käsebrötchen, beide aufgebacken, Butter, Salami, Quark und ein gekochtes Ei samt Kaffee.
Im Netz stoße ich auf etwas von Antoine: In zijn hilarische roman ’Trabanten’ beschrijft Falko Hennig hoe de achttienjarige held van het verhaal een Trabant weet te bemachtigen. Langs slinkse wegen, zonder de gebruikelijke wachttijd van ruim tien jaar. Het kost hem 7500 oost-marken, zijn moeder betaalt mee, per slot van rekening is een Trabant een veilige investering in de toekomst.
Het koopcontract is gedateerd op 9 november 1989. Wanneer hij de volgende dag wakker wordt is de Muur gevallen en de auto niets meer waard. Of toch? Op een van de uitzinnige feesten van die dagen versiert hij zijn eerste meisje. Hij troont haar mee naar zijn ’Trabbi’. Ze proberen te vrijen maar het lukt niet. Pas als hij de motor start en hij het gelijkmatige tweetaktgeluid hoort, komt eindelijk ook zijn lichaam op toeren.
Im Fußball gebe ich eine schwache Kür ab, aber Spaß macht es doch. Sind viel zu wenige, ein Wolfi ist neu dabei. Immerhin ist mir der Triumph vergönnt, fast von der Mittellinie unser Siegestor im letzten Spiel zu schießen, bei Unterzahl 3 gegen 4.
Auf dem Anrufbeantworter Manfred, Theresa will doch mit dem Zug fahren.
(Dach No. 9, 3. V. 09:) Vielleicht war sein 60. Geburtstag der schönste Tag in seinem Leben. Die Fußballfreunde wussten nichts, das war ihm ganz recht, er spielte jeden Samstag Morgen mit ihnen, aber er wollte sich nicht von ihnen feiern lassen. Er war nicht mehr so schnell, aber konnte für sein Alter doch sehr erfreulich mit den jungen Leuten mithalten. Heute waren sie etwas wenig ...
Danach duschte er und ging zur traditionellen Demo der Arbeitslosen, für ein bedingungsloses Grundeinkommen, gegen calvinistische Arbeitsethik und gegen den Zwang zur Lohnarbeit.
Seit fünf Jahren gab es diese Demos, anfangs waren sie zu wenig gewesen, um überhaupt auf der Straße laufen zu können, mit Disco-Rollstuhl waren sie über die Bürgersteige gelaufen. Diesmal waren es so viele wie noch nie, vielleicht 100, vielleicht 200 meist junge Leute, aber auch ältere. Sie hatten Roboter gebastelt und Transparente, manche waren in Bademänteln gekommen und es gab einen Lautsprecherwagen. Manche waren für Marihuana, manche tranken Sternburg, mit schöner Musik ging es los.
Seinen ersten Redebeitrag hatte er, als der Demonstrationszug von der Kastanienallee in die Schönhauser Allee abbog. Er zitierte Mark Twain, Adolf Hitler, Jesus Christus und Bugs Bunny...
An den Schönhauser-Allee-Arcaden hatte Jürgen Witte seinen großen Moment, als er seine Rede an die "Freunde des Feierabends" hielt, dann ging es zurück zum Senefelderplatz, die Sonne schien und als sie an der Eliaskirche vorbeikamen zitierte Manfred nochmal aus der Bergpredigt und sagte, wie er es fühlte, dass dieses die schönste Demonstration seines Lebens war.
Manfred war Musiker, dieses war ein gutes Jahr, eine Bahncard 100 hatte er, für 3500 Euro konnte er so viel Bahn fahren wie er wollte. Ob sich das im nächsten Jahr noch einmal rechnen würde, war unklar.
Schreibtisch: Halb 5 nach 3 Bieren bei mir, der Mittagsschlaf sollte mir jetzt ausgesprochen leicht fallen. Tut er auch. Für einen Kaffee ist die Zeit jetzt zu knapp, was für lächerliche Sorgen, sind ja nichtmal Sorgen.
(Zug Angermünde - Gesundbrunnen, 3. V. 09:) Max holt uns am Bahnhof Angermünde zuverlässig ab, inzwischen ist er 2 Köpfe größer als sein Vater, macht aber den Eindruck, als sei er ausgewachsen.
In Lunow sind die meisten gerade auf Spaziergang, wieder ein erstes mal in meinem Leben: Sauerampfersuppe mit Eiern, nicht übel.
Andreas macht mir einen Caipirinha zurecht, als es immer frischer wird, gibt es heißen Holunderwein von Kristjane.
Heiko und Heidi, sehe erstmals ihren neuen Sohn Jesko, Wilko kenne ich ja schon einigermaßen.
"Taschenwampe" und "prallharter Bierbauch".
Eine gute Idee ist es, zum Lunower Feuerwehrfest aufzubrechen, wir singen den Kanon
"Schwein Du bist tot und liegst auf dem Tisch,
Schwein Du bist tot, jetzt essen wir Dich!",
Teresa ist von dem Text nicht begeistert. Beim Feuerwehrfest "100 Jahre Lunower Feuerwehr" kommen wir gerade pünktlich, um noch eine Feuer spuckende Stripperin zu erleben. Den männlichen Stripper haben wir leider verpasst. Die Frau in glänzendem Latex holt sich einen jungen Mann aus dem Publikum und sprüht sich Titten und Bauch mit Schlagsahne ein und lässt es sich von verschiedenen Feuerwehrleuten ablecken.
Titten, die auf sehr unerotische Art künstlich aussehen, stehen unnatürlich nach vorn und sehen aus, als wären sie aus Hartplast. Leider kann ich, im Gegensatz zu den Feuerwehrleuten in der ersten Reihe nicht anfassen. Das wüsste ich doch schon gern, wie sich das anfühlt.
Wobei die Idee mit der Schlagsahne hat etwas für sich, ob ich noch jemanden kennen lerne, mit dem oder der ich das ausprobieren kann? Wahrscheinlich
Tanze mit Jule, einer glatzköpfigen, ziemlich angepunkten Geigerin, Teresa und Kristjane, leider kann ich immer noch keinen einzigen Standardtanz, so muss es halt so gehen.
Wenn ich alle heutigen Biere zusammen zähle, komme ich auf circa 7.
(Dach No. 9, 3. V. 09:) Es folgt noch eine unverständliche Rede des Bürgermeisters, am Anfang glauben wir an eine kabarettistische Einlage, aber es ist wohl ernst gemeint. Eigentlich ist nur "100 Jahre Lunower Feuerwehr" zu verstehen, und "Das verdanken wir ...", der Name ist schon wieder unverständlich, und zum Schluss "Bis in 100 Jahren!"
Es war ungefähr um 2, als sie alle zurück gingen, nochmal den Kanon singend: "Schwein Du bist tot, und liegst auf dem Tisch, Schwein Du bist tot, jetzt essen wir Dich, Schwein, Du bist tot, und wir singen nochmal!"
Es war der schönste Tag seines Lebens, morgen würde er auf seine Weltreise gehen, Kasachstan, Georgien, das Leben lag vor ihm wie eine schattige Allee ins Paradies.


Sonntag, 3. V. 09, Angermünde sonnig, ab Eberswalde Schönwetterwolken, Berlin schwül:
Zug Angermünde - Berlin Gesundbrunnen: Schlafe gut, vielleicht nicht lange genug, auf der Isomatte vor der Kammer. Ein weiterer sonniger Morgen beginnt, der Mehringhof-Theater-Mann trifft auf seinem Rennrad ein.
In zwei Autos geht es zum Parsteiner See, wo ich seinerzeit, 2003 glaubt Manfred, mit meinem Trabbi hingefahren bin. Die verlorene Zeit, die Dank meiner Fahrtenbücher nicht verloren ist. Schmetterlinge, Raps, Getreide, oder ist es Mais? Hafer? Roggen? Kleie, vermutet Manfred. Mit dem Mehringhof-Mann, seiner Freundin, ihrem circa 3jährigen Sohne Jonathan, der Geigerin und ihrer pupertierenden Tochter, Spinnweben und Blütenstaub. Die Stelle, zu der wir wollen, ist als Campingplatz mit Zelten besetzt, aber die andere erfüllt auch ihren Zweck. Anbaden für mich, Manfred war schon vor 2 Tagen, es ist kalt, sehr kalt, ein gefühlter Zentimeter. In dem Augenblick, wenn man den Kopf unter Wasser getaucht hat, fühlt es sich warm an, aber nur ungefähr 3 Sekunden, dann ist es wieder wie neben der untergehenden Titanic.
Gegenüber ein Haus, in dem Manfred Mafia vermutet, er kam mal in die Nähe, da wurde er von Leuten mit Gewehren angehalten. Wir beobachten, wie sie mit orangenen Rettungswesten bekleidet, einen Mann mit Betonsockel an den Füßen im See versenken.
Manfred fährt mich nach Angermünde, hier ein sehr gutes, und billiges Fischrestaurant, die ganzen Dörfer Wilmersdorf, Stegelitz, Britz, von den selben Familien aus dem Magedeburgischen, die auch die Berliner Dependancen gegründet haben.
Interessante Konstellation im Zug, ein jugendlicher Glatzkopf mit Mutter und pupertierender Schwester malt Graffitti in ein Album, eine wie unter Drogen stehende junge Frau im Erzählflash mit einer verrauchten, heiseren, leicht weinerlich, jedenfalls verzweifelt wirkenden Stimme:
"Ick bin ja Trennung. Knete, Stifte, Unterkunft." Am liebsten würde ich alles aufnehmen und später abschreiben, aber ich widme mich lieber eigenen Erlebnissen.
"Sie dürfen hier nicht rauchen!"
"Denkste, ick bin erst heute uff de Welt jekommen?"
"Sie ham die Zigarette hier anjemacht, wo jibtsn sowas? Ditt kost 20 Euro!"
"Die hab'ick hier in der Tür anjemacht."
"Ja, ja, und im Himmel is Jahrmarkt!" Hinter Bernau:
"Bitte Ruhe, ansonsten raus!"
"Denkste wegen Deiner Polizisten-Uniform biste hier der Obermacker?"
"Ich kann veranlassen, dass Du hier raus musst."
"Ick sitze schon länger im Zug als Du."
Schaffnerin: "Wennse sich nicht still inne Ecke setzen und hier nicht allen das Ohr abkauen..."
"Sie stört doch gar nicht, ist viellecht etwas laut."
"Man hört die bis oben! Oben in der 1. Klasse sitzen welche, die bezahlen dafür, dass sie ihre Ruhe haben."
"Wenn man heiser ist, sollte man seine Stimme doch schonen." Aber davon ist nichts zu hören, vor Gesundbrunnen stimmt sie sogar das Deutschlandlied an.
Dach No. 9: Mit dem Fahrrad zu mir, Illo (?): "Na, große Reise?"
"Nee, nur großes Gepäck."
Bei mir vergnüge ich mich mit seeligem Mittagsschlaf.
Mit Kaffee gegen 3 aufs Dach, Jero hat etwas umgebaut und ich höre aus seiner Wohnung Milan, wohl von einer Radioaufzeichnung.
An die Weinbergspark-Geschichte, da kann ich gleich zwei "Berliner Szenen" draus machen. Aber mal sehen. Auch die heute in der Bahn mitgeschriebenen Äußerungen geben diesbezüglich was her. Dann noch an eine Geschichte über Lunow.
Gegen 5 fertig, kann also Feierabend machen, nachher nur noch ausdrucken.
(Schreibtisch, 5. V. 09:) Uli wieder mal König des Abends bei der Reformbühne mit seinem Entjungferungstext durch eine Riesenhure, ein Klassiker, da bin ich sicher, noch während ich mich, wie die ganzen Kollegen, in Lachkrämpfen winde.


Montag, 4. V. 09, bedeckt & kalt:
Schreibtisch: Habe eine Lesung mit 4 anderen Autoren zu moderieren, bemerke kurz davor, dass ich den Namen der einen Autorin nicht präsent habe. Als mich jemand fragt, wie ich mich fühle, sage ich "angespannt". Danach bei einem Essen werde ich Rainald Götz und einem anderen prominenten Schriftsteller vorgestellt. Andere am Tisch sprechen fließend und sehr schnell kantonesisch. Als sich darüber unterhalten wird, dass man mal aufs Land fahren könnte, werfe ich ein: "Ich würde Euch ja zu mir einladen, aber fürchte, dass mein Haus Euren Ansprüchen nicht gerecht wird."

Halb 10 auf, halb 11 mache ich mich auf den Weg, um Hartz IV zu beantragen. Eigentlich habe ich mich niemals schlecht gefühlt, Arbeitslosengeld oder -hilfe zu beziehen, wenn doch, dann war es nur von außen in mich projiziert. Der Skandal an der Sache ist höchstens, wie Minderbemittelte durch ganz unverständliche Formulare ausgeschlossen werden. Mal sehen, ob sich daran etwas geändert hat.
(Schreibtisch, 10. V. 09:) Montag war ein kalter Tag, ich musste mir tatsächlich wieder Handschuhe anziehen, als ich zum JobCenter in die Storkower Straße radelte. In meinem Herzen dagegen war es warm, denn ich würde Hartz IV beantragen.
Ich empfand das gar nicht als Niederlage, so wie mir meine fast 10 Jahre als Freiberufler nicht wie ein Sieg vorkommen. Es waren einige Zufälle, die mich 1989 erstmalig zum Arbeitsamt führten und eine Verkettung eher unglücklicher Umstände, sie haben Namen wie "Trainingsmaßnahme", "Feststellungsmaßnahme" und "Fortbildungsmaßnahme", die mich ins Freiberuflertum drängten.
Es ist ein Psychokrieg gegen Leute wie mich, komplett sinnlose Maßnahmen, Anwesenheit ist Pflicht, mit sadistischen, aber unfähigen Psychologen, abgewrackten Dozenten, wer es nicht verknusen kann, von morgens um 8 bis 16 Uhr ganz zweckfreie und überflüssige Arbeiten zu machen, wird sich zu entziehen suchen. Mein Freiberuflertum hat mir großes Glück und noch größere finanzielle Sorgen gebracht. Gute Jahre gab es auch, aber nun sieht es etwas mau aus, und ehe ich wieder anfange, von Gott und der Welt Geld zu borgen, um einen ordentlichen Schuldenberg anzuhäufen, radle ich nach einem Jahrzehnt Pause in die Storkower Straße.
Ich habe keine Angst vor denen, ich war immer der Musterschüler des Arbeitsamtes. Eigentlich könnte man mit meiner Person eine Erfolgsgeschichte dieser Einrichtung schreiben. Inzwischen bin ich so hoch qualifiziert, dass ich problemlos genauso als Strichjunge des Papstes arbeiten könnte, als Tier-Psychiater oder als Gefängniswärter.
Eine halbe Stunde stehe ich in einer Schlange im Flur, um dann gegen 12 im Wartezimmer mit 15 Plätzen zwischen den eigenartigen Menschen, zu denen ich gehöre, zu sitzen. Es sind verschorfte Menschen mit Büchern, mit kleinen und größeren Macken, hier habe ich gute Chancen, mich durchzusetzen.
Auch ohne Wartenummer funktioniert das sich selbst organisierende System. Ich komme zu einer netten Frau Augustus, sie findet mich im Computer, wunderbar, ich bekomme einen ordentlichen Stapel Formulare zum Ausfüllen, die alles so formuliert sind, dass niemand aus der Schlange oder dem Wartezimmer sie ausfüllen können wird, aber ich werde es schaffen.
Das zentrale Formular hat den poetischen Titel "Antrag auf Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II) - Arbeitslosengeld II / Sozialgeld -" Die deutsche Bürokratie findet in der Welt nicht ihresgleichen, wie ein kunstvolles Netz hat sie jeden Menschen, ja auch jeden Baum und vermutlich jedes Tier in Deutschland eingesponnen. Niemand kann diesem Netz entkommen, es ist, wenn man es recht betrachtet, eine Kunstform. Dem zentralen Formular sind 11seitige "Ausfüllhinweise der Bundesagentur für Arbeit zum Antragsvordruck Arbeitslosengeld II (Stand April 2009)" beigefügt. Es ist ein Netz, das Menschen wie mich trägt, geborene Bürokraten mit Freude an Stempeln, Aktenvermerken, Archivierungen und langwierigen Korrespondenzen, in dem sich aber die, die es eigentlich tragen soll, die mit den Schürfwunden und den Macken, verfangen und ertrinken.
Auszufüllen habe ich ein Formular über "Abschließende Angaben zum Einkommen aus selbständiger Tätigkeit, Gewerbebetrieb oder Land- und Forstwirtschaft nach Ablauf des Bewilligungszeitraumes", die Anlage UH, die auf mich nicht zutrifft, Unterhaltsansprüche gegenüber Dritten, mit meiner Frau führe ich eine so genannte moderne Ehe.
Ich weiß, dass ich und meine Frau unabhängige Bedarfsgemeinschaften bilden, und dass ich in einer Bedarfsgemeinschaft mit mir selbst bin. Zur rätselhaften Kunstform der deutschen Bürokratie gehört ihre Unverständlichkeit, mit jeder Erklärung wird es rätselhafter, Beispiel 2f: "Eine Bedarfsgemeinschaft besteht aus dem erwerbsfähigen Hilfebedürftigen sowie dem nicht dauernd getrennt lebenden Ehepartner, dem nicht dauernd getrennt lebenden eingetragenen Lebenspartner bzw. einer Person, die mit dem erwerbsfähigen Hilfebedürftigen in einer Verantwortungs- und Einstehensgemeinschaft zusammenlebt." Ich bin ziemlich sicher, dass die Reformbühne genau so eine Verantwortungs- und Einstehungsgemeinschaft ist, die Kollegen werden also bald Post vom JobCenter bekommen.
Weiter mit "Anlage KDU zur Feststellung der angemessenen Kosten für Unterkunft und Heizung (zu Abschnitt 10 des Hauptantrages)" und "Anlage VM zur Feststellung der Vermögensverhältnisse der Antragstellerin/des Antragstellers und der in der Bedarfsgemeinschaft lebenden Personen (zu Abschnitt 5 des Hauptantrages)",
Das ist auch wichtig für Anlage EK, die "Einkommenserklärung zur Feststellung der Einkommensverhältnisse jeder in der Bedarfsgemeinschaft lebenden Person (zu Abschnitt 4 des Hauptantrages)". Es gibt noch die Anlagen WEP, KI, KDU, VE, SV, HG, MEB, UH und UF.
Eigentlich ist alles ein Kinderspiel, Originale muss ich mitbringen von Personalausweis oder Pass mit Meldebescheinigung, einen Nachweis zum Familienstand, Krankenkassenkarte, Sozialversicherungsausweis, Rentenversicherungsnummer, eine aktuelle Mietkostenaufstellung, die letzte Mietkostenabrechnung, Anlage EKS, Nachweise der letzten Einnahmen und den letzten Steuerbescheid sowie Kontoauszüge der letzten zwei Monate.
Was sie nicht ahnen ist, dass keinen Freiberufler so etwas schrecken kann. Für die jährliche Steuerabrechnung ist ein vielfacher Aufwand nötig.
Bald werden sowieso alle arbeitslos sein, ich bin mal wieder Vorreiter.
Danach sollte ich noch zu meiner Arbeitsvermittlerin Frau Zorn-Faller, ich bin manchmal etwas impulsiv und würde sie nach meinen Erfahrungen als desinteressierte, dumme Nuss einschätzen. Aber vielleicht bin ich mit meinem Urteil zu hart.
Ich saß eine halbe Stunde da und wartete, dann rief sie mich hinein, sie arbeite hier nur Teilzeit und habe den Computer schon heruntergefahren, deshalb schicke sie mir eine Einladung per Post.
"Dann habe ich jetzt hier eine halbe Stunde umsonst gewartet.", stellte ich fest. Sie bestätigte es und fügte hinzu:
"Ich habe die E-Mail erst 12.57 Uhr bekommen." Als würde das ihre notorische Arbeitsunlust erklären.
Der weitere Tag war dann wieder ganz normal für mich, viel Arbeit bis spät in die Nacht.
Schreibtisch: Sitze bei mir bis nach 4 an der Pressearbeit, ein Wiederhören mit Cindy vom Küchenradio ergibt verbesserte Chancen bei DeutschlandRadio Kultur.
Büchersendung mit ANG an Penka in Bulgarien, E-Korrespondenz mit Joseph O'Neill, gegen 5 Nachmittagsschlaf.
Sofa: Die Helden von Springfield (4. V. 09)
Bart auf Tafel: "My Pen is not ..." Verkehrswesen, Zugverkehr. Frank Lloyd Wright. Teufel bei den Amish people. Rin Tin Tin der erste offen homosexuelle Hund Hollywoods, Hitler in einer historischen Rin Tin Tin Aufnahme und dann als Postbote. Verkehrswesen Autopilot. Giftschlangen. Bezug auf die erste Simpsons Folge.
Über dem Obdachlosen-Asyl: "We add god to your misery"
"Stresserella über alles", Pinguine fliegen heimlich. Riesenkrake im Aquarium. Bart wird von Riesenkrake und Hammerhai angegriffen. Bei Dr. Hibbert Bild eines Angriffs vom Riesenkraken auf den Schulbus. Hubschrauber holt Homers Wagen aus dem Wasser. "Öffentliche Verkehrsmittel sind für Idioten und Lesbierinnen!" Gratiseintrittskarte zur Weltausstellung von 1938. Peruanische Kampffrösche. Eheberatung. Illusionäre Verkennungen: Homer sieht Marge als Fußmatte, den Eheberater als Hotdog, der wiederum sieht Homer als Dollarzeichen.
(Schreibtisch, 5. V. 09:) Drei Schwarze spielen mit, der bei uns heißt Simba, kann aber die Niederlage nicht verhindern.
Bei Ralle geht es um Onanie, dass Selbstbefriedigung so uncool ist, dass man es gar nicht thematisieren kann, dabei sind doch alle Schriftsteller Wichser.


Dienstag, 5. V. 09, bedeckt:
Schreibtisch: ... Die Besucher kommen zurück aus dem hinteren Zimmer, sehen das alles. Kerstin sagt mir, dass sie "Trabanten" ganz toll findet, aber es ist eindeutig ironisch gemeint und sie kichert. Ich höre, dass Wilma findet, das könne man so nicht schreiben, dass er nach dem Ficken kotzte. Entferne mich, es ist nun keine Wohnung mehr, sondern ein öffentlicher Platz, lasse meinen Rucksack dort und bin sicher, ihn nachher noch vorzufinden.

Bin nicht richtig zufrieden mit dem Traum, wieso weiß ich Rapolders Spruch auf dem Gemälde nicht mehr? Das Bild, eine in blauen Haaren gekringelte 8 ist dabei, habe ich noch vor Augen, aber den Spruch nicht. Dass ich auf diese verschwiemelte Art von Rapolder träume, hat seinen Grund darin, dass ich ihn gestern erstmalig im Fernsehen sah. Jene WM in Bremen, 2006, zu der, nicht nur ich, aus Mobbing-Gründen nicht nominiert war, stattdessen wurden Leute aus dem Hut gezaubert, mit denen noch niemand von uns jemals gespielt hatte.
Auf den Grund meiner großen Seele gesackt, wird der Schlamm im Traum doch noch aufgewühlt.
Nun weiter an die Pressearbeit, bei 91,4 werde ich einigermaßen abgebügelt, ohne zu Frank Bergemann durchzudringen. Frau Bergander beim Kulturradio ist deutlich freundlicher.
Halb 11 mache ich mich an die Korrektur von "Sein schönster Tag" und die Endfertigung der "Berliner Szene" Weinbergspark.
Ziemlich ärgerlich, dass jenes blöde OpenOffice Programm nicht einmal die Formatierungen speichert, wenn man die Dateien als rtf abspeichert. Insgesamt haarsträubend, dass alle Textverarbeitungsprogramme, die zur Verfügung stehen, Scheiße sind. Goethe konnte sich sein Federkiel noch nach Bedarf zurecht schneiden, wir sind auf den Ausschuss einer verfickten Industrie angewiesen, die es tatsächlich fertig gebracht hat, dass alle Textverarbeitunsprogramme seitdem ich es als Betroffener und Arbeiter im Business verfolge, also 1990, mit jeder neuen Generation schlechter werden.
Verschicke die burleske DDR-Jugend ans "Magazin", 3 Geschichten an Edit, Verabredung mit MR für kommenden Montag, die Bachmann-Jury anschreiben, alles nur Prokrastination, um mich nicht ans Fertigstellen der Formulare und Kopien für Hartz IV widmen zu müssen.
Kopiere mir die gesamte Jury des Bachmannpreises in meine Kartei und beglücke die armen Leute dann jeweils mit einer Ausgabe von ANG, wobei sich wieder einmal FileMaker rentiert, mit dem das erfreulich effektiv vonstatten geht.
Michael de Ridder telefoniere ich an wegen eines Kokain-Abends, aber er kann mir erst morgen Mittag zu- oder absagen.
Schlage mich mit meiner Kartoffelsuppe voll, gegen halb 3 in den Mittagsschlaf.
Beobachte danach 20 Minuten eine Spinne zwischen den Fenstern, ehe ich mich in die zweite Tageshälfte aufraffen kann. Vertrödel den Anfang aber erstmal mit der E-Post, schöne Bilder vom Fußballspiel in Gießen hat Manuel geschickt.
Beim Trödeln auf der Fußballseite stoße ich auf eine schöne Geschichte von Uli, habe ich zwar schon mal gehört, aber immer noch gut:
uli hannemann, liebling der massen
Die göttlich wirkende Kraft des archaischen Männerbundes
Es ist das schmerzhafte Los des Abwehrspielers: schon zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit habe ich beim Autorenfußball die außerordentliche Ehre, die blind abgefeuerte Granate eines meiner prominenten Mitspieler mörderisch in die Nüsse zu bekommen. Doch Ehre ist nicht immer gleich Vergnügen. Im Gegenteil, stehen diese beiden Bruderbegriffe einander oft unversöhnlich gegenüber wie Kain und Abel. Nach Luft ringend wälze ich mich auf dem angefrorenen Kunstrasen. Wenige Minuten später geht es wieder. Ohne weitere Zwischenfälle bringen wir das Trainingsspiel zu Ende.
Hernach begutachte ich unter der Dusche meinen violett angelaufenen Zeugungsapparat. Auch dem einen oder anderen der Kollegen präsentiere ich das gute Stück zur Farbkontrolle. Am folgenden Abend erzähle ich Q. beim Wein beiläufig davon. Sie wirkt sichtlich irritiert: "Du hast was…?", macht sie einen auf Weltkatholikentag, "ich würde ja nie auf die Idee kommen, in der Umkleide vom Fitnesscenter jeder fremden Frau meine Muschi vorzuführen." Sie hat offenbar gar nichts verstanden.
Ich sehe grundsätzlichen Klärungsbedarf. "Mein liebes Fräulein", beginne ich meinen Vortrag, "du hast ja wohl ganz offensichtlich gar nichts verstanden. Es handelt sich hier nicht um irgendwelche fremden Frauen. Vielmehr handelt es sich um überhaupt keine Frauen, sondern um Männer. Um meine Fußballmannschaft. Wir kennen uns seit Jahren!" Sie verschluckt sich übel und schnappt nach Luft, beinah wie ich am Vortag. Ich nutze die Chance zu einem bewegenden Monolog. "Du hast überhaupt keine Ahnung, was das bedeutet. Wir sind eine Gemeinschaft, wir sind Brüder, wir haben keinerlei Geheimnisse voreinander. Unser Team verbindet weit mehr, als es beispielsweise das banale Band der Homosexualität vermögen würde. Das spannt nebenbei gesagt, ob latent oder offen, obendrein einen unsichtbaren Regenbogen über uns alle hinweg - von der Nummer eins bis hin zur Nummer zweiundzwanzig. Wir schwitzen zusammen, wir bluten zusammen, wir duschen zusammen, wir trinken zusammen. Wir lachen zusammen und wir weinen zusammen. Wir kotzen zusammen. Wir streiten zusammen, wer die Bälle aufpumpen darf, und wer vorm Minister einen Knicks machen muss. Wir sind wie ein riesiges Ehepaar aus elf Frauen und elf Männern, alle mit behaarten dicken Waden. Dieser Pakt", hole ich zum finalen Schlag aus, "ist weit bedeutender noch zum Beispiel als die Liebe. Die Liebe ist im Vergleich zur göttlich wirkenden Kraft dieses archaischen Männerbundes nur eine Plastikrose, die in einer vollgepissten Rummelplatzpfütze liegt und dort vergeblich versucht zu blühen."
An dieser Stelle steigere ich mich in einen pathetischen Rausch. "In der Geschichte gibt es unzählige magische Beispiele dafür, was Männer im Angesicht eines gemeinsamen Ziels einander sein können: die Weltmeistermannschaft von 1954, Hitler und Speer, Achilles und Siegfried, Hagen und Mettmann…" Vor Ergriffenheit habe ich Tränen in den Augen. Meine Stimme versagt. Ich setze die Weinflasche an und leere sie in einem Zug. "Dein Sack muss ja wirklich komplett im Arsch sein", sagt Q.
Die Vorteile der Prokrastination: halb 6 habe ich vor Abscheu vor den Hartz-IV-Formularen auch die "Berliner Szene" für die taz fertig und verschickt, die Gießen-Bilder auf flickr gestellt:
http://www.flickr.com/photos/8798495@N05/
Sofa: Simpsons "Auf dem Kriegspfad": Selbstbezüglichkeit mit Southpark, Flanders hat ein Beatles-Zimmer. LSD! Als Bart und Milhouse bei Flanders eingebrochen sind und "John Lemon" und "Orange Harrison" trinken. Flanders, von Homer auf seine Beatles-Vorliebe angesprochen: "Selbstverständlich, die waren besser als Jesus!"
Illusionäre Verkennung von Nelson, hält einen Baum für seinen zurückgekehrten Vater. Rückerinnerung des letzten Mohikaners. Sprungschlangen. El Barto Graffitti.
"Moe Baby Blues": Matt-Groening-Hase als Strauch. Fleischfressende Pflanze Venus-Fliegenfalle. Elmo aus der Sesamstraße. Bildliche Vorstellung, als Moe eine Geschichte erzählt. Illusionäre Verkennung: Moe sieht seine Bargäste als Maggies.
Schreibtisch: Entdecke in einem ganz netten Film Oskar, den jugendlichen Zuschauer der Reformbühne, jetzt war er schon eine ganze Weile nicht mehr da.
(Schreibtisch, 6. V. 09:) Daniel, Micha, Frank und Chris sind von der Mannschaft anwesend.
Gellerts Lesung sehr spannend, der Lasermann war ein schwedischer Serienmörder mit Nazi-Hintergrund, den Gellert als einziger bisher sprechen durfte.
Danach sitze ich noch ziemlich lange in einer netten schwedischen Runde, Wiedersehen mit Max Andersson, seit 17 Jahren ist er nun mit seiner Helena zusammen und sie scheint immer schöner zu werden. Ein ehemaliger Fußball-Profi und Schriftsteller, er war in Italien und da haben sie in seinem Zimmer immer seine Manuskripte weggeworfen, weil sie das Dreck fanden, so dass er schließlich in die Psychiatrie musste. Was für Idioten, statt sie froh sind, wenn jemand eine harmlose Leidenschaft hat!
Eine andere Schwedin lade ich zu meiner Show morgen ein, ein Französin erweist sich als Forscherin zur Berliner Medizingeschichte, na das passt ja gut!
Tanze etwas mit der Französin, aber die Musik ist eigentlich zu Scheiße.


Mittwoch, 6. V. 09, Regen:
Schreibtisch: T: Adolf Endler hat einen sehr hoch dotierten Preis erhalten, so dass er deshalb überwacht wird. Bei einem Autorennen fährt Niki Lauda, eine große Überraschung, niemand weiß, was sie damit bezwecken, ein Werbegag?

Die Presseschau ergibt noch zwei Hinweise auf Harem & Dschihad in Tagesspiegel und Morgenpost.
Michael de Ridder ziert sich etwas wegen eines Kokain-Abends und verweist mich auf eine Astrid Leicht. Die ist gerade in einem wichtigen Telefongespräch, ob ich in einer halben Stunde zurückrufen könne? Kann ich, da ist sie prompt schon zu Tisch.
Mich bei der Internet-Telefonie Sipgate anzumelden, klappt leider nicht, werde ich noch mal mit Zündis Hilfe probieren. Verspüre dräuende Unzufriedenheit, warum? Weil ich so viel Unangenehmes vor mir her schiebe? Weil ich in Bezug auf die Liebe gerade auf der Stelle trete? Kann alles sein.
Schreibtisch: Auf dem Anrufbeantworter, Frau Leicht von Fixpunkt, ich möge sie wieder zurückrufen.
(Dach No. 9, 10. V. 09:) Technische Probleme gibt es zum Glück keine, Laptopdarstellung über Beamer auf Leinwand, abwechselnd DVD- und Laptop-Ton. Protest ernte ich von einer aufgebrachten Dame, die volkstümliche Satire offensichtlich nicht schätzt, als ich meiner Skepsis darüber Ausdruck verleihe, warum es für einen westlichen Mann attraktiv sein sollte, mehrere Frauen zu haben, wo es doch meist mit einer schon so schwierig sei.
Die Show ist leider zu lang (ich gebe Thomas aber auch kein Zeichen) und auch, auf Wunsch des lautstärkeren Teils des Publikums, auf die Pause zu verzichten, war eine Fehlentscheidung.
Mit Anna ins W. Prassnik und die BAIZ, Gespräche über Herzensdinge, ob ich es jemals müde werde, von den Segnungen zu schwärmen, die mein verstorbener Psychotherapeut Kurt Eberhard mir vor seinem Dahinscheiden hat angedeihen lassen.
Ich kann ein Leben ohne Depressionen nur empfehlen, fühlt sich gut an. Die Energie ist zwar geringer, aber muss ich denn immer, wenn ich auf Toilette sitze, gleichzeitig Zähne putzen, ein Buch lesen, telefonieren und durchs Haus laufen? Nee, man kann auch einfach auf dem Sofa liegen und glücklich sein.


Donnerstag, 7. V. 09, wechselnd:
Schreibtisch: T: Nach der Show will Anne von Thomas Kramer noch Bilder zeigen.

Halb 10 auf, fühle mich, trotz nicht mal 8 Stunden Schlaf, angenehm erfrischt.
Datenpflege, sehe im Internet mal wieder den wackeren Willem van Ekeren:
http://www.youtube.com/watch?v=mP4Ucqq56H4
Bekomme einen ziemlichen Wutanfall als ich bemerken muss, dass sich die Englandreise, für deren Teilnahme die Aktien für mich sehr gut stehen, sich mit der Simpsons-Nacht des Verkehrswesen-Seminars überschneiden. Haue mit der Faust auf den Küchentisch, dass mein im Dezember ausgekugelter und noch dicker kleiner Finger schmerzt. Schreibe Karsten von Institut für Land- und Seeverkehr, ob es eine Möglichkeit via Skype gibt.
Versuche sodann erstmalig, meine gestrige Aufnahme auf meinen Laptop zu transferieren. Dauert ewig und den Rechner scheint es zu überlasten.
Nach Wiederhochfahren klappt es.
Bin unterzuckert und fühle mich überfordert, merke: Regelmäßig essen ist wichtig!
Flug nach Bratislawa buchen, auf meinem Konto siehts schon wieder mau aus.
(Dach No. 9, 10. V. 09:) Was ich in der Hektik von Einkaufen und Aufbruch vergesse: Was zu lesen, Kamera und Notizheft. Gern würde ich meinem zuckenden Hirn einige verwendbare Zeilen abmelken, aber das Organ verweigert den Dienst.
Für Ella ist es ein harter Tag, direkt aus der Schule macht sie zu Hause und im Zug nach Rangsdorf Hausaufgaben und abends, als wir zurück sind, noch bis um 11.
(Schreibtisch, 8. V. 09:) Der 71. Geburtstag meiner Mutter muss wahrscheinlich, nach dem runden im letzten Jahr, vergleichsweise müde wirken.
Mein Vater hat Agees Buch gelesen, den Sportlehrer aus Weißensee kannte er, der habe immer alle Wettkämpfe gewonnen, bis die Sportschule in der Gleimstraße eröffnet habe.
Dass der 17. Juni nicht erwähnt sei, findet er auffällig, der habe wohl doch ganz schön unter einer Käseglocke gelebt?
Frage Mama über die Grünig-Söhne in Norwegen aus, sie waren schon öfter zu Besuch, die Vermieterin schnarcht so, dass man es von der oberen Etage hört. Und dann Martin und Jens nicht weniger, dazu Vati, Frauke und sie haben sich ob des nächtlichen Concertes angekuckt und mussten lachen.
(Schreibtisch, 8. V. 09:) Mein T-Shirt sehe Scheiße aus, muss mir Jero abends im Freudenhaus sagen. Das kann er natürlich finden, es ist aber schon etwas grotesk, dass ihm das ausgerechnet bei meinem schicken Friedenau-Teil einfällt. Mal abgesehen vom allgemein-menschlichen, wobei wir von Jero da auch nichts anderes gewöhnt sind. "Aber wieso denn?", mildert er ab, das hätten doch alle am Tisch gefunden, er sage es halt nur. Es ist zu komisch und kann mich in keiner Weise treffen, als ob jemand aus einer Gruppe von Hasenschartigen und Gesichtstumorpatienten dem einzigen ohne Deformation erzählt, wie hässlich er sei.
Dass ich es aufschreibe, spricht nun allerdings dafür, dass es mich doch irgendwo berührt hat. Da gibt es noch Narben. "Wie Clown Popow", fand Egon in Bezug auf meine gestreifte Hose ungefähr 1984/85, schon verheerend, weil es auch in mittlerer Gruppe öffentlich erfolgte. Was diesen Psycho-Leuten ohne Therapie gemein ist, das starke Fehlen von Empathie.
Warum ich denn nicht bei der Hausversammlung gewesen sei? Der Geburtstag meiner Mutter? Das sei ja eine dumme Ausrede.
Mit Robert über Michas Tod, Sterbehilfe und Judith Hermann. Ahne und Spider haben ihren Austritt aus den Surfpoeten verkündet, Spider mit sofortiger Wirkung, Ahne mit einer Schonfrist, angeblich aus Gründen des fehlenden Gruppengefühls, Robert vermutet aber eher familiäre und berufliche Ursachen.


Freitag, 8. V. 09, sonnig:
Schreibtisch: T: Bin in einem Laden in der Torstraße, ein älterer Mann, Spiegel-Redakteur und Hausbesitzer ist dort, ein Bewohner zieht, nachdem er weg ist, über ihn her, linksliberal, aber Hausbesitzer. In dem besetzten Haus, die Bewohner brauchen keine Miete zahlen, eine Wiese im Hinterhof gehört dazu. Der Bewohner baut kleine Spielzeugroboter. Auf dem Eckhaus, das man aus dem Fenster sehen kann, steht ein riesiger Roboter für den Bau. Unten auf dem Senefelderplatz sammeln sich am 3. Mai hunderte für eine Arbeitslosen-Demo, es geht jetzt wirklich etwas los. "Arbeitslosen-ICE 300" steht auf einem Transparent.

Als ich aufwache, bin ich völlig sicher, verschlafen zu haben. Die scheinende Sonne, mein Gefühl, die sofort einsetzende Panik, selbst der Blick auf die Uhr scheint es mir zu bestätigen. Doch dann ist es erst 10 nach 6, hänge meinem Traum nach, bis Viertel der Wecker klingelt.
Am Schreibtisch "arbeiten". Sind die Fenster die Augen des Hauses? Dann müsste einem Angst und Bange werden, über die vielen vieläugigen Außerirdischen mit viereckigen Sehorganen, von denen wir nicht nur hier in Berlin sondern weltweit umzingelt sind.
An meiner derzeitigen finanziellen Misere ist, neben Weltlage, Fußball und eigener Unfähigkeit, auch der operare-Workshop schuld. Eine komplette Arbeitswoche zu investieren, wenn jegliches Polster fehlt, ist ökonomischer Selbstmord. Letztlich war es nur ein Katalysator für meinen Offenbarungseid. Und ganz anders hätte es ausgesehen, wenn ich die 20 Riesen gewonnen hätte.
Schwanke beim Schreiben zwischen den Wünschen, endlich wieder Dauerlauf zu machen und wieder schlafen zu gehen. Lasse mich von meinem Schweinehund überwältigen und gehe gegen 9 wieder ins Bett.
Die richtige Entscheidung, schlafe seelig.
T: Gehe mit Konrad zu einem Klub, als ich ihm erzähle, dass Robert mir über die neuesten Entwicklungen bei den Surfpoeten erzählt hat, stottert er. Drinnen haben sie eine Versammlung mit einem Schlichter, einem prominenten Schauspieler. Ich gehe lieber in einen anderen Raum, dort spielen dann alle aus der großen Surfpoetenrunde ein Überraschungsconcert. Stein ist mit einem Faltenrock bekleidet, sagt, dass es eine gute Entscheidung sei, für ein Jahr aufzuhören. Ich spreche ihn an: Stein, Du bist doch seit 2 Jahren tot! Er kuckt mich an, verändert sich sein Gesicht langsam oder war es schon vorher so? Jedenfalls ist er nur ein Doppelgänger.

Mit dem Analysieren komme ich nicht so richtig hinterher, dabei steckt bestimmt darin, warum ich gestern so unterdurchschnittliche Laune hatte.
Wie komisch zu duschen, ohne Sport getrieben zu haben.
Heitere Einführung in die Welt des Rechnungen Entwerfens unter FileMaker, was macht doch die Büroarbeit für einen Spaß! Ich könnte mit meinen Kenntnissen über FileMaker, OpenOffice, Powerpoint Vorträgen und Rechnungswesen problemlos einen mittelgroßen Laden schmeißen.
(Dach No. 9, 10. V. 09:) Viele Erklärungen und Hilfen bei PageMaker, eine neue Datei muss für Rechnungen angelegt werden, außerdem Verknüpfungen zu meiner ursprünglichen Datei sowie Kundennummern.
Dann einigermaßen bekifft bei mir, ein Glück, dass Nina kein deutsch versteht, sonst müsste mir Angst und Bange sein, weil sie das hier mitlesen könnte.
Erstmal liegt vor Ella und mir eine schöne Fahrradfahrt, allerdings ist Lisa weder beim Turnen noch in der Jugend Kunst Schule JUKS. Die dortige Veranstaltung, Irma im Publikum, die mich seit diesem scheinschlag-Artikel ignoriert, glänzt durch die bei solchen Präsentationen übliche katastrophale Organisation. Wenn diese Schule von wirklichen Künstlern betrieben wird, die sonst mit ihrer Arbeit kein Geld verdienen können, versteht man, warum. Essentials von öffentlichen Veranstaltungen, Imbiss, Sitzplätze, Ausschilderung zur Information, sind wohl gar nicht erst erwogen worden. Stattdessen rennten alle wie angestochen durcheinander und wissen von nichts. Dass Eltern ihren Alltag irgendwie organisieren müssen, wird komplett missachtet. Die Hölle, das sind andere Leute.
Gut, dass ich sediert bin.
Lisas und Lottes Zeichentrickfilm ist jedenfalls große Klasse, müsste einigen Spaß machen, ihn in der Reformbühne oder anderswo zu synchronisieren.
Kann von Glück sagen, dass sich Lisa, die sich sofort aus dem Staub gemacht hat, in dem stickigen Theatersaal zu erkennen gibt, so dass ich mich mit ihr und Ella um kurz nach halb 7 auf den Rückweg machen kann.
Fürstliches Abendessen, bestehend aus drei Pizzas, in der Cucina, dann muss ich mit Fahrrad zum Nordbahnhof und mit der S-Bahn nach Steglitz hetzen.
Dort zeigt sich eine zwar, im Vergleich mit dem JUKS bessere, aber immer noch ziemlich nachlässige Organisation. Stehe nicht auf der Gästeliste, also muss ich einen Stehplatz für 8 Euro bezahlen. Wechselgeld hat sie keines mehr und eine Quittung könne ich bekommen, wenn ich danach ins Café komme. Jetzt soll ich aber bei ihr bleiben, damit ich mich nicht heimlich doch hinsetze. 100 Meter entfernt stehen Helga und meine Mutter, also ist es mir zu dumm, und ich gehe einfach.
Vertrage mich dann wieder mit der Dame und kann bei den Meinigen in der ersten Reihe Platz nehmen.
(Sofa, 9. V. 09:) ... ein fantastisches Stück im Stadtbad Steglitz, Manfred ist hier noch geschwommen, erfahre ich. Aus den ehemaligen Umziehkabinen, von den Emporen und aus dem Bassin Gesänge, wunderbar, illuminiert von Blitzen und unterlegt von Donner.
Ins Freudenhaus, dort neigt sich die Surfpoeten-Krisensitzung ihrem Ende zu.
Wo nur unsere linken Träume geblieben sind? Dass die Nato abgeschafft und die Uno größere Macht bekommt? Wahrscheinlich ist dort alles verjudet.
Erinnerung von Ahne an Schmidtze, wie lange ihm das nachgehangen hat.
Um 1, viel zu spät, ins Bett.


Samstag, 9. V. 09, sonnig:
Sofa: Übermüdet und mit katastrophaler Kondition in den Fußballhimmel auf der Metro-Halle am Ostbahnhof. Es hilft alles nichts, muss dringen wieder mit Dauerlauf beginnen. Aber wenigstens rauche ich beim Fußball mal zwei Stunden nicht. Erreichen mit einiger Mühe den Ausgleich zum 1:1 gegen den THC Franziskaner, nachdem Moritz ungefähr 6 mal recht gute Chancen nicht verwirklichen konnte, setzt er in der zweiten Halbzeit endlich doch nach. Schönes Fotowetter.
Kucke mit Ella "Futurama, Das Geheimnis der Anchovis" und dann bei Ikea online nach Betten. Bei Otto finden wir ein Futonbett, das vielleicht in Frage kommt.
(Dach No. 9, 10. V. 09:) Lisa wollte, dass wir den Fußball mitnehmen, der Teutoburger Platz ist überfüllt, auf der Bank höre ich von zwei Frauen, dass der Muttermund energetisch mit dem Mund zusammen hänge, das habe sich ihr so eingeprägt, da habe sie sich nicht getraut, den Mund aufzureißen.
Sofa: 1. Mahnung und Rechnungssachen auf FileMaker. Warum tippe ich hier Sachen ein, die ich eigentlich niemals veröffentlichen kann? Nobody knows, but me.
"Star Trek VI - Das unentdeckte Land" (USA 1991)...
(Dach No. 9, 10. V. 09:) ..., Mr. Zulu ist inzwischen Captain geworden, seine Tochter tritt in sein Fußstapfen, aber die Klingonen geben immer noch keine Ruhe und sprengen aus purer Bosheit ihren eigenen Planeten in die Luft, zitieren auf der Enterprise zu Tisch Adolf Hitler, verurteilen Captain Kirk und McCoy zu Zwangsarbeit auf einem Quecksilberplaneten und wollen auch den Rest des Universums vernichten, was von Mister Spock durch irrsinnige Suchaktionen an Bord zu verhindern sucht, es geht um zwei Paar Schiestiefel.
Sofa: Hildegard Kempowski ruft an, sie vermissen das Gammelbuch, ob ich das vielleicht hätte? Von Raumschiff Enterprise, Captain Kirk und dem langohrigen Spock hat sie noch nie gehört, sie interessiert sich nicht so für Science Fiction. Sie fühlt sich von den Geburtstagsfeierlichkeiten erschöpft und wird jetzt schlafen gehen.
Erinnere mich gut an das hübsche Büchlein, jede Menge Fotos und Bildchen drin, ein wunderbares Zeitzeugnis, ich glaube von Anfang der 70er Jahre. Kempowski hielt es, nicht ganz zu unrecht, für ein Dokument der Beatbewegung.
Mein notorischer, wahrscheinlich nie ganz zu behebender Schuldkomplex bewirkt, dass ich gleich vermute, sie glaubt, ich hätte es geklaut. Mein Hirn spinnt die Sache weiter: Vielleicht hat Walter noch so etwas vermutet und aufgeschrieben? Bei dem Hennig muss man aufpassen, wahrscheinlich hat er hier alles geklaut, was nicht niet- und nagelfest war?
Schöner Abend mit den Kindern beschert.
Leoparden küßt man nicht" ("Bringing Up Baby", USA 1938) auf RBB, wie schön damals noch allgemein geraucht wurde.


Sonntag, 10. V. 09, sonnig:
Dach No. 9: Alfred Collmar hat den Dachbalkon der 9 voller Karosserieteile gestellt, die er wohl weiß bemalt oder lackiert. Auch dass Jule ihre Decke aufhängt, als ich mich gerade nackt zum Arbeiten hingesetzt habe, zeigt mir deutlich, dass ich mein Revier hier zu verteidigen habe.
Collmar selber kommt dann halb 12 und beginnt zu streichen, die erste Tüte, vielleicht ist es aber auch schon eine spätere, ob es mich störe, wenn er hier weiter streiche? Die Farbe stinke auch nicht allzusehr. Obwohl ich keine Einwände habe, betont er sodann, dass es sich nur um eine Floskel gehandelt hätte.
Er wirkt etwas abgerissen, durch fehlende Zähne kann ich ihn auch nicht gut verstehen, außerdem bricht er durch die eine morsche Diele.
Reizvoll wäre es aber in der Tat, hier oben "richtig" zu malen, vom Licht her ideal, nur, dass es nicht wettergeschützt ist, könnte schnell Probleme bereiten.
Ein Dokument der Straße:
"Haiger, 5. 7. 66
Sehr geehrter Herr Arndt!
Nachdem wir noch einen Tag frei hatten zum
Ausruhen, sind wir heute wieder in der Schule
versammelt.
Außer dem Dankeschön, das wir Ihnen noch
schuldig sind, möchten wir Ihnen noch einiges
von unserer Rückreise berichten. Samstagabend
um 22 Uhr merkte Christina Ruscher, daß ihr
Personalausweis fehlte. Alles suchen war zwecklos.
Der Ausweis kam nicht zum Vorschein.
Was nun? Unsere armen Lehrer und der Bus-
fahrer mußten bis 1 Uhr beraten und telefonieren,
um für Christina einen Flug bis Frankfurt sicher-
zustellen. In der Hoffnung, Sie vielleicht in Ihrer
Wohnung zu treffen, fuhr Herr Weber auch in die
Amsterdamer Straße. Aber Sie waren doch in Ihrem
Gartenhäuschen. Christina wurde am nächsten
Morgen um 6 Uhr von Herrn Georg zum Flughaben
Tempelhof gebracht und konnte 9.55 Uhr mit der
größten Düsenmaschine, die zur Zeit zwischen Berlin
und Frankfurt (PPA) verkehrt, nach Frankfurt
fliegen. In Frankfurt wurde sie (nach telefonischer
Absprache) von dem Sohn eines unserer Lehrer per
Auto abgeholt. Nun muß Christina sehen, daß sie
für die Ferien eine Arbeitsstelle bekommt, damit
sie wenigstens einen Teil der verursachten Kosten
(S. 2) bezahlen kann. Denn sie wurde ja für ihre
Unordentlichkeit noch belohnt. Wir mußten 12
Stunden im Omnibus schwitzen und sie war in
55 Minuten in Frankfurt.
Ansonsten verlief die Rückfahrt ruhig. Die Kontrolle
in Drewitz dauerte 3 Stunden. Dafür waren wir in
Marienborn in 10 Minuten fertig. Die Hitze machte
uns allerdings sehr viel zu schaffen. Einige von
uns mußten Kaffee und Reiseproviant im Straßen-
graben abliefern. Die einzigen, die über das Ende
der Fahrt böse waren, waren die Pärchen.
Nun sitzen wir wieder hier in der Schule (aber nur
zwei Tage, dann gibt es Ferien) und denken gern
und oft an die Tage in Berlin und singen:
"Ich hab so Heimweh nach dem Kurfürstendamm."
Daß die Tage so schön verliefen, haben wir nicht
zuletzt Ihnen zu verdanken. Darum nehmen Sie
als Andenken dieses Bändchen mit Bildern unserer
Heimat und lassen Sie sich nochmals recht
herzlich danken.
Ihre Klasse V9
Herzliche Grüße Erika u. Erich Georg,
Lothar Franz, Harald Costonaro, Roland Schmid,
Udo Klaas, Stephan Köppen, Udo Förster,
Dolores Ohlenburger, Ingrid Köhler, Christa Eckstein,
Barbara Klose, Marion Dittmann, Ursula Dittmann, Brigitte Margert, Ingrid Wagner, Ingerose Klaas, Anite Schwunk, Erika Reckzeh,
Christel Weber, Gerd tachzaie, Helmut Gerdau, Jürgen Vor,
Wolfgan Manho, Gerhard Metz, Heiner Zimmermann, Horst Starke,
Kristina Ruscher, Siglinde Enners,
Gerlinde Freischlad"
Muss mir auf jeden Fall noch notieren, wann und wo sie es gefunden hat, denn das ist für künftige Geschichtsschreiber von immensem Interesse. (Vor 2 bis 3 Monaten auf dem Flohmarkt in Schöneberg.)
Nach 2, immer noch nichts Vernünftiges gemacht, raffe ich mich auf zum einen Kartoffelsuppe zu essen und zum anderen, meinen ersten Dauerlauf seit etlichen Wochen durchzuführen.
Schreibtisch: Eine knappe Stunde laufe ich am Friedrichshain entlang, durch die Weidenstraße, am Friedhof links, zurück zur Greifswalder, die Richard-Sorge- bis zum Ende, ach hier sind die Tilsiter Lichtspiele! zum Frankfurter Tor und zurück.
Nachmittagsschlaf, Dreiviertel 5 an einen Text für heute Abend, werde, angeregt von Heines "Briefen aus Berlin" mal wieder einen Publikumsbrief schreiben. Verwurste meine Erfahrungen bei der Beantragung von Hartz IV vom Montag zu einem Text. Wenn ich schreibe, dann ist mir, als ob ich lebe.
(No. 10, Küche, 11. V. 09:) Als ich Uli von meinem schönen alkoholfreien Tag gestern erzähle, als ich abends mit den Kindern Star Trek kuckte:
"Aber andere haben keine Kinder, denen fällt es nicht so leicht."
Jedenfalls haben wir trotz wenig Publikum einen sehr gelungenen Abend, den ich erfreulicherweise sogar mitschneide, vielleicht, wenn ich die Anschaffung demnächst mache, sogar als eine der letzten auf Normalkassette. Abschied vom Analogen heißt es nun im Jahr 2009.
Axel behauptet, stark psychisch krank zu sein und tatsächlich all die Drogen, die er aufgezählt hat, genommen zu haben. Außerdem habe er neulich ein Klassentreffen gehabt, er hat jüngst das Abitur abgelegt, und erinnere sich nur noch, wie er aus dem Taxi gekotzt hat und er ist voll bekleidet aufgewacht. Keiner von seinen Klassenkameraden wolle mehr mit ihm sprechen.


Montag, 11. V. 09, bedeckt:
Schreibtisch: Nach dem Aufstehen weiter mit der Kardiologie-Recherche, könnte jetzt alles hier in mein Journal kopieren, richte aber stattdessen eine andere Datei ein.
No. 10, Küche: Ella ist krank, löse Joern ab, der sich an das Spiel 2007 erinnert, als bei Magnet mitspielte, wir erst 1:0 führten um dann 1:9 zu unterliegen. Klingt eigentlich traumatisch genug, dass ich mich dran erinnern müsste, aber da klingelt nichts. Eine 0:7-Niederlage gab's am 31. März 07 gegen Magnet, die müsste es gewesen sein.
Halb 12 ist es, als Ella erwacht und frühstückt. Sie hat gute Laune und Appetit, ihre Mandeln tun nur noch weh, wenn man dagegen drückt. Also sieht es doch so aus, als ob die kleine Krise überwunden ist. Sie erzählt von einem Artikel im Internet über den "Trippel-Tropf", den eine aus ihrer Klasse geschrieben hat, das sei das Lieblingsschimpfwort von Enno, einem anderen Kameraden.
Erfahre von Dirk Knipphals, dass es die schöne Berliner Ökonomie nicht mehr gibt, schade, damit schwinden auch meine Chancen auf Veröffentlichung der JobCenter-Geschichte.
Halb 12 mache ich mich auf den Weg zum Kopieren und Suppe fassen.
Merkwürdigerweise scheitert das erste mal seit Menschengedenken mein Versuch, Mittagsschlaf zu halten.
Kucke kurz zu den Kindern rüber, dann begebe ich mich in mein leider doch sehr unordentliches Zeitbergwerk, vielleicht habe ich MR zu viel versprochen mit meinem Angebot, für seine Einst-und-jetzt-Rubrik zu arbeiten.
"Geschichtsstunde mit Marge" (11. V. 09), Homer als Heinrich VIII., Dr. Nick Riviera mit Schlangentheorie, Eheberatung mit Dr. Hibbert. Marge: "Geschichte ist wie ein Jahrmarkt...?", Bart als Mozart, Kokain.
"Milhouse lebt nicht mehr" Nelson wird ausgelacht. Fernsehmuseum. "Dinge, die nicht sprechen, es aber trotzdem tun"
Leichte dräuende Unzufriedenheit, recht moderat, gut, dass ich noch zum Fußball muss.


Dienstag, 12. V. 09, sonnig:
Schreibtisch: Führe, etwas zwischen Tür und Angel im Treppenhaus ein ernsthaftes Gespräch mit Manuela, das Gefühl von Ausflüchten aller Art, ihre Insolvenz koste so viel Geld und sein Steuer-Fraggle sei auch Anwalt und das Arbeitsamt zahlt erst Miete, wenn sie die fristlose Kündigung sehen. Auszuschließen ist es nicht, aber ob ihr wirklich klar ist, dass sie um Haaresbreite vor dem Rausschmiss steht? Macht mir nicht den Eindruck.
Telefoniere nach Prof. Luft und Prof. Hess, erstmal vergeblich, dann kann ich mich mit ersterem gleich für Donnerstag morgen verabreden.
Idee: Feature zu 300 Jahren Charité.
Von Herbert Stöger kommen dankenswerter weise eine gehörige Menge möglicher Veranstaltungsorte in Österreich, schreibe sie alle an.
Muss mich, nach reiflicher Überlegung, ohne Bitterkeit, aber mit großem Bedauern aus der London-Reise austragen, was ein Jammer! Aber das Honorar und die Erkenntnisse, die ich aus den Vorträgen an der TU ziehen kann, wiegen zu schwer angesichts einer weiteren Fußballreise. Ein Luxusproblem ist es jedenfalls, sich zwischen zwei so erfreulichen Vorhaben entscheiden zu müssen.
(Schreibtisch, 13. V. 09:) Gustav Schmid, das dumme Schwein, macht aus seinem neuen Buch ein unnötig großes Geheimnis und schreibt auf meine im Ton freundliche E-Mails pampig und arrogant zurück. Ich hielt ihn ja schon immer für eine unerträgliche Nervensäge erster Kajüte, wie ausgerechnet er erfolgreicher Herausgeber werden konnte, wo doch Teamarbeit gefragt ist, wird mir immer schleierhaft bleiben. So flüstert mir mein Teufel ein, der Engel auf der anderen Schulter sagt so ziemlich das Gegenteil.
Dabei fand ich seinen Hintern einst ausgesprochen attraktiv.


Mittwoch, 13. V. 09, sonnig:
Schreibtisch: In der Nacht spielt irgendwann ein sadistischer Idiot volle Pulle Musik in die Straße, so dass es sogar noch irrsinnig laut ist, nachdem ich die Fenster geschlossen habe.
Im Radio ein Tangosänger, seine Freunde sind die Verlierer und Marginalisierten von Buenos Aires.
Kaufe mir für 200 Euro das Zoom H2 und noch für 10 Euro eine Speicherkarte, Paul gibt mir einige Hinweise und dann sitze ich 2 Stunden vorm Weinerei-Café und probiere das Ding aus.
Mit Harry fast 2 Stunden GraphicConverter zur besseren Foto-Archivierung durchgehen. Ein doch ziemlich fantastisches Programm, man kann sich erfreulicherweise die Bildsignatur IP...


Donnerstag, 14. V. 09, sonnig:
Schreibtisch: Statt mich auf den Weg zu machen lese ich Ben Pleasants spannendes Interview mit Steven Richmond, Bukowski scheint ein unerschöpfliches Thema zu sein.
Schreibtisch: Nach gelungenem Mittagsschlaf Strümpfe aussortieren, inzwischen habe ich die Kunst fertig gebracht, ungefähr 30 einzelne Strümpfe in allen Schattierungen von hellgrau bis schwarz anzusammeln, sie kommen in den Müll. Das gehört zu den Veränderungen bei mir, die ich nicht nur negativ sehen kann: Früher hätte ich sie auf jeden Fall fotografiert, jetzt wandern sie so in den Müll. Einerseits fehlt zwar wirklich eine gewisse Energie, da ich aber so viel glücklicher damit bin, kann ich das nur erfreulich finden.
Wasche ab und prokrastiniere, trotz meiner großartigen to-do-Liste von gestern so ziemlich vor mich hin: Poesiealbum und ANG an Günter Wallraff, Brief an Sabine Wolf von der AdK, ehe ich mein heutiges Interview auf die externe Festplatte kopiere.
Sofa: Lisa bastelt mit Kalotta Pyramiden für die Schule.
Mal wieder schön mit den Kindern Simpson kucken. "Hochzeit auf Klingonisch" (14. V. 09) Skinner und Mrs. Krabappel wollen heiraten. Otto als Hochzeitsfahrer steht wie immer unter Drogen. Krabappel blickt in die Zukunft, Skinners Mutter als mechanische Spinne. Halluzination: Barney sieht großen weißen Hasen, der ihn zum Trinken zwingt. Matt Groening gibt Autogramm auf eine Bender-Figur.
"Auf der Flucht", Verkehrswesen, Flug Knotenpunkt in Alaska, die verschiedenen Klassen im Flugzeug, Sex: Homer: "Heute abend können wir romantisch bumsen." Schöner Traum von Homer.
Schreibtisch: Nach doch ziemlicher Pause beginne ich mal wieder, eine Chronik zu frisieren.
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