2
Okt
2016

Grafitti (4)

Noch ein Foto von der Fahrt, wer Interesse an der Graffiti-Tour in der Rikscha hat (2h, €60,-) kann sich telefonisch anmelden: 0176-20215339

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Graffiti (3)

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Aber Blus größte Werke aus den Jahren 2007 und 2008 hier in der Gegend waren die über der Cuvry-Brache! Ich fuhr los, über die Köpenicker- und links in die Cuvrystraße. Blus Bilder bestehen meist aus wenigen Farben: schwarz und weiß. Die Brache war noch da, aber die Graffiti nicht. Bis 2014 war links der Torso eines Mannes mit Schlips zu sehen, dessen goldene Uhren ihn mit massiven goldenen Ketten zu einem Gefangenen machten.
Rechts daneben waren über fünf Stockwerke zwei Männer aufgemalt, die den Osten und den Westen symbolisieren und sich gegenseitig ihre Gummimasken vom Kopf ziehen wollen.
Doch jetzt klagen große, schwarze Flächen die Berliner Politik an. Mit Blus Einverständnis wurden diese großartigen Bemalungen, die Berlin zur Hauptstadt der Graffiti gemacht hatten, aus Protest gegen die Berliner Politik eingeschwärzt. Der Mann, der die Werke vernichtete, hieß Lutz Henke und seine Begründung ergab einen Sinn:
„Diese Kunst ist da, um gesehen zu werden. Die Kunst aber einerseits zu verwerten, es aber andererseits politisch nicht zu schaffen, die Voraussetzungen für unabhängige Kunst in der Stadt zu erhalten und dafür zu sorgen, dass diese Kunst zukünftig Raum hat, ist widersinnig. “ Die Tatsache, dass nicht nur Graffiti-Künstler, sondern alle anderen Kunstschaffenden auch, Berlin seit Jahrzehnten reicher machen, und nichts zurückbekamen, war eine Schande!
Mein Verständnis für das, was ich tat, war mehr das eines Stadtführers, ich wollte, dass meine Erkenntnisse erhalten blieben. Ich war ein Sammler und Sammler waren glückliche Menschen, wenn es ihnen vergönnt war, ihre Leidenschaft zu teilen.

Graffiti (2)

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Endlich konnte ich jemandem vorführen, was mich so begeisterte, der Leviathan an der Oberbaumbrücke! Wir fuhren hinter der East Side Gallery nach Kreuzberg hinüber, links unter der Hochbahn durch und da war es.
Geschaffen von Blu, von dem man nur weiß, dass er im italienischen Senigallia Anfang der 80er Jahre geboren ist und dass er in Bologna lebt. Näher als mit diesen Worten kann man ihm nicht kommen:
„Antibiografische Anmerkung: Blu ist das Pseudonym eines italienischen Künstlers. Wenn er es nur könnte, würde er auf seinen Namen verzichten. Sein Leben ist nebensächlich.“ All mein nutzloses Wissen! Hier kam es mir zugute, endlich! Angesammelt in Jahrzehnten, auf einem Schutthaufen in meinem Hirn liegend, erwies es sich als pures Gold.
Der „Leviathan“ von 2007 entstand für das „Backjumps Festival“ von Juni bis August, ich hatte nur noch undeutliche Erinnerungen. Aber noch waren wir beim „Leviathan“ am früheren „Club 103“, dem jetzigen „Club Magnet“. Erst denkt man, es sind Schweinchen, die der Riese verschlingt. Manche nennen das Bild „Pink Man“ oder „Blus Backjump Mural“.
Der Leviathan der Überlieferung war vielleicht ein Krokodil, ein Wal oder ein Drachen. Der Riese mit den weißen, ausdruckslosen Augen in der Falckensteinstraße jedenfalls bestand dann bei näherer Betrachtung nicht aus Schweinchen, sondern aus Menschen. Sie waren klein, nackt, umklammern sich, aber kalt sah er den letzten, weißen Menschen auf seinem Finger an. Er wird ihn verschlingen und auch dieser letzte Mensch wird schweinchenrosa werden.

Graffiti (1)

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Der junge Mann, der an der Heiligegeistgasse auf mich zukam, war unauffällig, er war Amerikaner aus L. A. und wollte in die Revaler Straße. Ich klärte ihn über die Preislage auf, unter 30 Euro war dort nicht hinzufahren. Er war einverstanden und er erzählte, als wir losfuhren, dass er sich für heute vorgenommen hatte, Graffiti anzusehen.
„Graffiti sind meine große Leidenschaft!“, sagte ich und ich merkte, wie uns beide dieses Zusammentreffen sehr glücklich machte. Er war für heute der Bote der Götter oder die Glücksfee, er interessierte sich für Graffiti, mein Spezialgebiet.
Zuerst fuhr ich mit ihm an der Mühlendammschleuse vorbei zum Marinehaus. Wir tranken jeder einen Espresso und rauchten eine Zigarette, dann stieg er wieder ein und ich fuhr die Brückenstraße bis zur Köpenicker und zeigte ihm die Hände, zwei riesige Hände im Februar 2014 fotorealistisch aufs Haus gemalt, das Gemälde heißt „Unter der Hand“ und der Künstler ist Andreas von Chrzanowski, Künstlername CASE oder vielmehr ist es das Werk seiner Graffiti-Crew, die Ma’claim heißt. Von Chrzanowski wurde 1979 in Schmalkalden geboren, ist der Gründer dieser fotorealistischen Richtung der Urban Art, er ist Diplom-Restaurator und lebt in Frankfurt/Main. Er hat sein Atelier in der Naxos-Halle in Bornheim, wo er gestrandet ist, weil sein altes Studio abgebrannt war. Als einer der wenigen Graffiti-Künstler konnte er für Warsteiner Bier in einem Film Reklame machen. Seine Kunst ist für ihn das einzig Wahre.
Hier in Berlin konnte man kürzlich seine Werke auch noch in der Bülowstraße finden, am Haus des zukünftigen Graffiti-Museums, und an einer Brandwand an der Torstraße gibt es immer noch eins, dort wo die Friedrichstraße endet. Dieses Bild von 2009 ist bis heute auf der Wand zu sehen.
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Falko Hennig

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