16
Feb
2012

www.Falko-Hennig.de

20. Februar, 20.30 Uhr, Yuma Bar (Berlin Neukölln, Reuterstr. 63):
Read on, my dear!

Dienstag, 21. Februar 2012, 12 Uhr, Landgericht Berlin, Littenstr. 12-14,
10179 Berlin (am Alexanderplatz), 2. Stock, Raum 2709:
Mündliche Verhandlung vor der Zivilkammer 16

21. Februar, 20.30 Uhr, Kaffee Burger (Berlin):
Falko Hennig, Doc Schoko, Mario Weber
Radio Hochsee Themenabend
Zum 80. Geburtstag
Johnny Cash & seine Musik




Der Abschreibebär in der Charité
Wegen Plagiaten wurde ein Jubiläumsbuch zu 300 Jahren Charité zurückgezogen

Ich war mal wieder pleite, das Jahr 2009 war noch nicht sehr alt, da schien der Himmel ein Einsehen zu haben und schickte mir einen Großauftrag. Nicht ganz der Himmel, eher ein Freund, Arzt an der Charité, hatte mich als Mitarbeiter für eine Chronik der traditionsreichen Einrichtung ins Spiel gebracht, die zum 300. Geburtstag der Klinik erscheinen sollte.
Was war meine Aufgabe? In der Hauptsache, so wurde es mir dargestellt, hätte ich die Texte von den Kliniken zusammenzufügen und zu überarbeiten. Mir würden Ansprechpartner für die einzelnen Kapitel genannt, außerdem stünde ja sowieso alles im Netz auf den Homepages der Einrichtungen.
Ich engagierte einen Überwacher, damit das umfangreiche Buch zum Termin fertig würde. Bei einigen wenigen Kapiteln wie Radiologie und Dermatologie klappte es einigermaßen wie zugesagt, auch wenn ich alles komplett selber schreiben musste. Bei den meisten anderen Fachgebieten kam von der Charité genau: Nichts. Kein Hinweis, kein Ansprechpartner, kein Rückruf, keine Antwort auf E-Mails und auf erneute Nachfragen wieder keine Antwort. Es wurde klar, dass ich, um den Vertrag einzuhalten, Dritte mit Zuarbeiten beauftragen musste, um die Arbeit bei ausbleibender Hilfe der Charité zu bewältigen. Es waren schließlich fast 10 Helfer und ich musste einen Großteil des schönen Budgets ausgeben, bevor ich es auch nur bekommen hatte!
Es gab eine Phase, als das Manuskript nahezu abgeschlossen schien, als alles wunderbar auf mich wirkte. Kein Meisterwerk, aber ich war überzeugt von den Kapiteln, die ich selbst verfasst hatte, unter anderem Radiologie, Dermatologie, Kardiologie und Rechtsmedizin. Eine detailierte Kontrolle würde dann ja noch auf der Grundlage der von Verlag oder Charité zugesandten Korrekturfahnen zum Manuskript erfolgen. Irritiert wartete ich noch einige Wochen auf die Abzüge, aber die kamen nie.
Dementsprechend habe ich auch keine Freigabe des Manuskripts erteilt.
Wenn sich die offizielle, als Brotarbeit gedachte Charité-Chronik betriebswirtschaftlich schon nicht gerechnet hatte, bekam ich zumindest noch die Chance, in einem kleinen Büchlein für den Eulenspiegel-Verlag besonders skurrile Geschichten aus der Historie der Klinik zu erzählen. Ich dachte zwar nicht, alles wäre gut, aber doch so einigermaßen.
Die Leitung der Charité war von diesem Büchlein nicht amüsiert.
In diesem Jahr erschien besagter Band "300 Jahre Charité - Im Spiegel ihrer Institute", herausgegeben von Karl Max Einhäupl, Detlev Ganten und Jakob Hein. Außer mir haben noch mindestens 20 weitere Personen daran mitgearbeitet.
Das Buch ist in einem wissenschaftlichen Verlag erschienen und darin sind unzweifelhaft seitenlange Plagiate. Ich habe keines der Kapitel, in denen plagiiert wurde, verfasst, also habe ich auch nicht abgeschrieben.
Da ich die üblichen Korrekturabzüge nicht erhalten hatte, konnte ich diese Plagiate auch nicht feststellen und entsprechend streichen oder gegebenenfalls als Zitate ausweisen. Und schließlich habe ich habe weder für die von mir geschriebenen, noch überhaupt für eines der Kapitel eine Druckgenehmigung erteilt.
Als Beschuldigter, sagte man mir, unterliege ich nicht der objektiven Chronistenpflicht, könnte mich hier also als verfolgte Unschuld gerieren. Vielleicht habe ich mich aber mit dieser Arbeit und dem Zeitdruck tatsächlich verschätzt und überhoben. Aber konnte ich wissen, dass die Zusagen nicht eingehalten werden?
Als unvorteilhaft stellt sich in diesem Zusammenhang das kritische Büchlein “Der Eisbär in der Anatomie” dar. Nach meinem Empfinden hat es mir den Zorn der Charité eingebracht und erklärt nach meiner Wertung, warum ich zum Sündenbock gemacht werde.
Als weißer Ritter in strahlender Rüstung komme ich nicht aus dieser Geschichte heraus, auch nicht mit einem oder zwei blauen Augen.
Jemand holt heimlich sein Auto aus der Werkstatt, bevor es fertig ist und baut deshalb einen Unfall. Ist die Werkstatt verantwortlich oder derjenige, der nicht abwarten wollte, bis das Auto fertig war?
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